Die St.-Pauli-Kirche wurde im Zuge des Ausbaus des Hechtviertels als Gotteshaus für diesen
Teil der Dresdner Neustadt erbaut. Bereits 1881 war die mit über 60.000 Mitgliedern zweitgrößte sächsische Kirchgemeinde der Dreikönigskirche in drei selbstständige Gemeinden
aufgeteilt worden. Am 31. Mai 1889 konnte schließlich am Königsbrücker Platz der Grundstein für den vorerst letzten Kirchenneubau in der Neustadt gelegt werden. Innerhalb von nur 18
Monaten entstand nach Plänen von Christian Schramm ein neogotischer Backsteinbau mit einem markanten 78 m hohen Turm (Foto).
In Anklang an den Namen erhielt die Kirche über dem Haupteingang Sandsteinfiguren des heiligen Paulus und des Propheten Jesaja. Die Altarfenster gestaltete der Künstler Bruno Carl
Urban mit Darstellungen des predigenden, betenden und opfernden Christus. Die Orgel stammte aus der Werkstatt der Gebrüder Jehmlich. Im Inneren des dreischiffigen Gotteshauses fanden bis zu 1000
Gläubige Platz. Die Weihe erfolgte am 4. Februar 1891. Im Turm läuteten bis 1917 drei Bronzeglocken, welche 1921
durch ein neues Geläut der Dresdner Glockengießerei Pietzel ersetzt wurden. Heute ist von diesen nur noch die kleinste erhalten geblieben.
Am 16. Januar und am 2. März 1945 wurde die St.-Pauli-Kirche von Bomben schwer getroffen und brannte aus. Auch der markante Turm verlor dabei seine Spitzhaube. Gerettet wurden der vorsorglich eingelagerte Altar, ein
Lesepult, zwei Ölgemälde und weitere Teile der Innenausstattung, welche noch heute im Gemeindehaus auf der Fichtenstraße zu sehen sind. Hier finden bis heute die Gottesdienste der Gemeinde statt.
Obwohl in den 60er Jahren Pläne zum Wiederaufbau der gut erhaltenen Ruine existierten, konnten diese nicht in die
Realität umgesetzt werden. Nach 1990 erfolgten Beräumungsarbeiten im Innenraum, um diesen für verschiedene
Veranstaltungen, aber auch für Freiluftgottesdienste nutzen zu können. 1996 erhielt die städtische Tochtergesellschaft
STESAD von der evangelischen Kirche das Nutzungsrecht für 50 Jahre übertragen. Seit März 1997 finden hier in den
Sommermonaten regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen statt, die vom Verein “TheaterRuine St. Pauli e.V.”
organisiert werden. 2000 folgte ein Ideenwettbewerb mit dem Ziel, die Ruine durch geeignete Maßnahmen künftig auch bei Regenwetter nutzbar zu machen. 2005/06 erfolgten Sicherungs- und Sanierungsarbeiten am Turm und den
Außenmauern. Fotos: Die St.-Pauli-Kirchenruine im Sommer 2005 |