Das Festspielhaus entstand 1911/12 am Nordwestrand der Gartenstadt Hellerau nach Entwürfen von Heinrich Tessenow. Der Mehrzweckbau sollte für den Unterricht der Tanzschule von Emilie Jaques-Dalcroze sowie
für regelmäßige Festspiele dienen und so kultureller Mittelpunkt der Gartenstadt sein. Das Festspielhaus bildet einen streng symmetrischen Baukomplex mit Zentralbau und seitlichen Flügeln, die als Wohnhäuser für Lehrer
und Studierende gedacht waren. Im Inneren befand sich ein Festsaal, der wegen seiner variablen Bühne und der raffinierten Lichtanlage und Akustik für Aufsehen sorgte. Gemäß dem Konzept der 1910 von Wolf Dohrn und
Jaques-Dalcroze gegründeten Bildungsanstalt für rhythmische Gymnastik wurde hier vorrangig moderner Ausdruckstanz gelehrt, wobei das Publikum während der Vorstellungen mit in das Bühnengeschehen einbezogen wurde. Zu den
bekanntesten Schülern der Bildungsanstalt gehörte Mary Wigman. Foto: Das Hellerauer Festspielhaus in den 20er Jahren In den Anfangsjahren war das Festspielhaus Anziehungspunkt für kulturell interessierte Persönlichkeiten aus ganz
Europa. So besuchten Henry van de Velde, Emil Nolde, Oskar Kokoschka, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig und Franz Kafka die Vorstellungen. Neben dem laufenden Ausbildungsbetrieb gab es auch Schulfeste, Sommerkurse
sowie kostenlose Übungsstunden für Hellerauer Kinder. Nach dem Tod Wolf Dohrns wurde die Bildungsanstalt 1914 geschlossen. Als Nachfolgeeinrichtung bezog die Neue
Schule für angewandten Rhythmus ab 1915 die Räumlichkeiten. Ehemalige Schüler von Dalcroze hatten diese gegründet. Die Schule bestand bis 1925 und wurde dann nach Wien verlegt. Danach zogen Alexander Neills
internationale Schule, ein Kindergärtnerinnenseminar und weitere Einrichtungen ein. Ab 1931 nutzte Dora Menzlers Gymnastikschule das Haus und versuchte, an die Traditionen der Gründungszeit anzuknüpfen. Zu den letzten
Großereignissen im Festspielhaus gehörte 1932 die Aufführung der Oper “Iphigenie in Aulis” unter Leitung von Fritz Busch. Mit dem Machtantritt Hitlers hatten moderne künstlerische Projekte nach Hellerauer
Traditionen keine Chance mehr. Der Staat übernahm 1935 das Festspielhaus und richtete 1937 eine Kaserne der Reichspolizei ein. Für diesen Zweck wurden an
Stelle der früheren seitlichen Pensionshäuser zwei geschlossene Kasernenflügel errichtet. Spätere Nutzer waren bis 1945 die SA und die SS. Danach
beschlagnahmte die Rote Armee den Gebäudekomplex und nutzte ihn bis zum Abzug 1992 als Lazarett. Bereits während der Nazizeit wurde die Architektur im
Inneren verändert, was von den sowjetischen Streitkräften fortgesetzt wurde (Foto).
Das Festspielhaus wurde 1992 stark sanierungsbedürftig geräumt. Verschiedene Initiativen bemühen sich seitdem um eine denkmalgerechte Rekonstruktion und
eine künftige kulturelle Nutzung. Als Auftakt für die geplante Wiederherstellung konnten bereits die vier Pensionshäuser saniert werden und werden heute u. a.
von der Kulturstiftung Sachsen, vom Deutschen Werkbund und vom Tessenow-Institut genutzt (Foto). 2004 entstand das Europäische Zentrum der Künste, welches an die Tradition Helleraus als Hort der modernen Künste
anknüpfen will. Für die künstlerische Arbeit konnte der amerikanische Choreograph William Forsythe mit seiner Company gewonnen werden. Die ersten Aufführungen fanden im September 2006 statt.
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