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1909 erfolgte auf dieser Straße die Grundsteinlegung für die Gartenstadt. Die Kleinhäuser entstanden nach Plänen von Richard Riemerschmidt und stehen unter Denkmalschutz. Unter Einbeziehung der bereits vorhandenen Waldschänke wurde hier das Konzept der Gartenstadt mit Fabrikanlage und modernen Arbeiterwohnhäusern erstmals in Dresden umgesetzt. Im Haus Am grünen Zipfel 1 befand sich 1913 das private Schulheim für eine Höhere Schule.
Foto: Hellerauer Wohnzeile Am Grünen Zipfel Als sogenannter “Dorffrieden” wurde früher der am Rande des Klotzscher Dorfkerns verlaufende Fahrweg bezeichnet, dessen Breite auf acht Ellen festgelegt war, damit sich hier zwei Wagen begegnen konnten. Die Gebäude der Straße Am Dorffrieden im Hellerauer “Kleinhausviertel” wurden 1910 von Hermann Muthesius entworfen. Typisch für diese Häuser aus der Anfangsphase Helleraus sind die Wechsel zwischen Traufe und Giebel, die der Reihenhauszeile einen abwechslungsreichen Charakter verleihen. Die Straße Am Pfarrlehn erinnert an die Gründung der Klotzscher Kirche, als die Bauern zur Finanzierung des Baus einen Teil ihrer hier gelegenen Felder an die Kirche abgeben mußten. 1937 wurden hier Reihenhäuser gebaut, mit deren Fertigstellung der Aufbau der Gartenstadt vorerst abgeschlossen wurde. 1996 entstanden einige Ein- und Zweifamilienhäuser nach Entwürfen des Radeberger Büros Baltin & Partner. Die Straße Am Schänkenberg entstand in der ersten Bauphase der Gartenstadt und wurde 1910/11 mit Reihen-, Doppel- und Einzelhäusern bebaut. Architekt der Wohnhäuser war Heinrich Tessenow, der hier am konsequentesten moderne städetbauliche und architektonische Reformkonzepte umsetzte. Die Straße Am Schützenfelde wurde 1913 im Zusammenhang mit dem Bau der Gartenstadt angelegt. Die Häuser wurden vom jüngsten der Hellerauer Architekten, dem Muthesius-Schüler Curt Frick entworfen und waren letztes geschlossenes Wohnviertel der Gründungszeit. Die architektonische Gestaltung vereint Elemente der Riemerschmidt-Bauten am Markt mit den sachlichen Gebäuden Heinrich Tessenows. Entgegen dem ursprünglichen Konzept durften hier auch individuelle Grundriss- und Fassadengestaltungen aus einem Musterkatalog gewählt werden. An der Straße Am Sonnenhang entstand das erste Haus 1910 nach einem Entwurf von Bailey Scott. In den 30er Jahren wurde die Bebauung durch eine Holzhaus-Mustersiedlung der Deutschen Werkstätten vervollständigt. Die 15 Typenbauten wurden z. T. von bekannten Architekten wie Wilhelm Kreis und Bruno Paul gestaltet und waren Beginn der Serienfertigung von Wohnhäusern in den Hellerauer Werkstätten. 2001 entstand ein moderner Ergänzungsbau, der die Tradition der Holzhaussiedlung in zeitgenössischer Gestaltung fortsetzt.
Foto: Musterhäuser Am Sonnenhang Die Flurbezeichnung “Talckenberg” ist bereits auf alten Karten eingetragen und findet sich auch in den Klotzscher Dorfrügen, da sich hier eine der Viehtreiben des Dorfes befand. Die Gebäude Am Talkenberg wurden jedoch erst in der zweiten Phase des Ausbaus der Gartenstadt nach dem Ersten Weltkrieg errichtet. Unter Wahrung der ursprünglichen Konzeption der Gartenstadt entstanden hier 1921/22 einige Lehr- und Musterhäuser in Holzbauweise, die von Paul Naumann entworfen wurden. Das erste Holzmusterhaus Helleraus befindet sich in unmittelbarer Nähe auf dem Werksgelände und war Auftakt zur industriellen Fertigung solcher Gebäude in den Deutschen Werkstätten.
Fotos: Siedlungshäuser Am Talkenberg Die meisten Gebäude der 1910 angelegten Straße wurden von Hermann Muthesius entworfen. Außerdem wirkten die Architekten German Bestelmeyer (Nr. 1), Heinrich Tscharmann (Nr. 4), Oswin Hempel (Nr. 6), Alexander Horath (Nr. 8) und Theodor Fischer (Nr. 17) mit. Im Gegensatz zum “Kleinhausviertel” entstanden hier individuell gestaltete Landhäuser für bürgerliche Besitzer, welche jedoch typische Hellerauer Architekturelemente aufnahmen. Bemerkenswert sind die von Richard Riemerschmidt projektierte Villa Auf dem Sand 10 (Bj. 1910), in der einst der Musikpädagoge Emil Jaques-Dalcroze lebte, sowie das 1927 entstandene “De-We-Plattenhaus” des Architekten und Möbeldesigners Bruno Paul (Nr. 26). Das aus über 100 Holzplatten zusammengefügte Musterhaus wurde erstmals auf der Dresdner Siedlungsausstellung 1925 vorgestellt. Auf dem Sand Nr. 11, 1910 von Hermann Muthesius entworfen, wohnte in den Anfangsjahren die am Festspielhaus tätige Rhythmik-Pädagogin Nina Gorter. Später bezog der Verleger Jakob Hegner die Villa. Nach verlegerischer Tätigkeit in Leipzig und Berlin gründete er 1912 in Hellerau die “Neuen Blätter”, in denen die Werke zeitgenössischer Autoren wie Paul Claudel, William Butler und Theodor Däubler herausgegeben wurden. 1930 musste Hegner Hellerau aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Im Wohnhaus der Familie Zollmann (Auf dem Sand Nr. 17), wurde 1912 die private Höhere Schule Hellerau gegründet, die 1913 zum Grünen Zipfel verlegt wurde. Die Schule war eine von mehreren Reformschulversuchen in der Gründungsphase Helleraus. Bauherr des Gebäudes war der Gründer des Bürgervereins Hellerau Martin Zollmann. Die Straße Beim Gräbchen wurde 1910 im sogenannten “Kleinhausviertel” angelegt, in dem neben Reihen- auch Einzelhäuser vorgesehen waren. Die Entwürfe für diese Siedlung stammen von Hermann Muthesius. Auffallend sind die beiden Wohnhäuser Beim Gräbchen Nr. 2 und 4, die mit ihrer aufwendigen Gestaltung und den in die Fassade integrierten Balkons den Werksmeistern der Deutschen Werkstätten vorbehalten waren. Die Wohnhäuser am Heideweg wurden zum Großteil von Heinrich Tessenow entworfen. Für die Gestaltung der beiden Einfamilienhäuser Nr. 24 und 26 stand Goethes Weimarer Gartenhaus Pate; die Figuren am Eingang stammen von der Bildhauerin Johanna Sattler-Dohrn. Im Haus Heideweg 12, 1910 als “Haus Kuntze” von Richard Riemerschmidt erbaut, lebte zwischen 1912 bis 1933 der Journalist und Schriftsteller Paul Adler. Nach Machtantritt der Nazis mußte er in die Tschechoslowakei emigrieren, wo er 1946 verstarb.
Foto: Doppelhausanlage Heideweg Nr. 24/26 In der Nachkriegszeit entstanden am Heideweg weitere Einfamilienhäuser, die vorrangig für Angehörige der aus Dessau nach Klotzsche verlegten Flugzeugwerft gedacht waren. Im Volksmund wurde diese Siedlung deshalb auch als “Klein Dessau” bzw. Dessauer Siedlung bezeichnet. Der Heinrich-Tessenow-Weg wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Hellerauer Volksschule angelegt und zunächst Schulweg genannt. Erst nach der Eingemeindung Helleraus erhielt er den Namen Schroederstraße. 1993 wurde die Straße nach dem Architekten Heinrich Tessenow benannt. Tessenow (1876-1950) war maßgeblich am Aufbau der Gartenstadt beteiligt und entwarf auch das Festspielhaus. Zwischen 1920 und 1926 gehörte er als Professor der Dresdner Kunstakademie an.
Foto: Blick zum von Heinrich Tessenow entworfenen Festspielhaus Die Karl-Liebknecht-Straße bildet die Hauptstraße Helleraus und verbindet den Ort mit dem benachbarten Rähnitz. Ihren Namen erhielt sie nach dem deutschen Politiker Karl Liebknecht (1871-1919), der zu den wichtigsten Köpfen der Novemberrevolution 1918 gehörte. Liebknecht war ab 1912 Reichstagsabgeordneter und gemeinsam mit Rosa Luxemburg Führer der revolutionären Linken in der SPD. 1919 gehörte er zu den Mitbegründern der KPD. Bereits 1913 verkehrte erstmals eine Straßenbahn vom Abzweig Hellerau bis zur Hellerauer Post. Im Zusammenhang mit der Erweiterung der Gartenstadt wurde die Strecke 1935 über die heutige Karl-Liebknecht-Straße bis zum Rathaus verlängert, 1938 bis zur heutigen Endhaltestelle in Rähnitz. Der Markt wurde als künftiges Zentrum der Gartenstadt Hellerau bereits von Richard Riemerschmidt geplant. 1910/11 entstanden hier nach seinem Entwurf die ersten Gebäude mit Läden und Postamt. Infolge des Ersten Weltkrieges konnte das Ensemble jedoch nicht vollendet werden. Erst 1929/30 wurde der Markt durch den Architekten Rudolf Kolbe verändert fertig gestellt. Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wurden 1996-98 saniert. Im Eckhaus zum Hirtenweg befindet sich seit 1930 das heute als Speisegaststätte geführte Kaffee Hellerau.
Foto: Der Hellerauer Markt mit den Bauten Richard Riemerschmidts (links) und Rudolf Kolbes (rechts)
Der Moritzburger Weg ist Teil eines alten Verbindungsweges zwischen Schloss Pillnitz und dem Jagdschloss in Moritzburg, welcher vor allem im 17./18. Jahrhundert gern von den Jagdgesellschaften der Wettiner genutzt wurde. In der Nähe der Kreuzung des Weges mit der Königsbrücker Straße erinnert ein mittelalterliches Steinkreuz an den Tod des Reitknechtes Jonas Daniel, der hier 1402 während einer Fehde ums Leben kam. 2002 wurde ein erläuternde Gedenktafel aufgestellt. Ältestes Gebäude auf Hellerauer Flur ist die ehemalige Ausflugsgaststätte Waldschänke, die als einziges Bauwerk bereits vor Gründung der Gartenstadt 1909 existierte. Unweit davon liegen die Hauptgebäude der “Deutschen Werkstätten”, deren Besitzer Karl Schmidt als eigentlicher Gründervater Helleraus gilt. Schmidt ließ sich in der Nähe seines Betriebes von Richard Riemerschmidt ein Wohnhaus erbauen (Moritzburger Weg 69), in welchem er ab 1910 bis zu seinem Tod 1948 lebte. Auch das kunstvoll geschmiedete Gartentor, welches erstmals 1903 auf einer Kunstgewerbeschau gezeigt wurde, stammt von Riemerschmidt. Dieser entwarf auch die Nachbarhäuser Nr. 71 und 73. Einige moderne Gebäude entstanden 2001/02 auf dem Grundstück der Deutschen Werkstätten nach einem Entwurf von Albrecht Quincke. Die Bezeichnung Ruscheweg geht auf einen früheren Flurnamen zurück. Wie auch bei der Klotzscher Straße An den Ruschewiesen erinnert dieser Name vermutlich an eine frühere Signalanlage, bei der in Kriegszeiten mit Hilfe einfacher Klöppel und Schlagbretter die Bevölkerung gewarnt wurde. Die Wohnhäuser Ruschewweg 1-13 entstanden um 1910 und stammen von Richard Riemerschmidt. Auf dem Tännichtweg hatten einst zwei der “Gründerväter” der Gartenstadt ihren Wohnsitz. 1911 bezog Heinrich Tessenow das von ihm selbst entworfene schlichte Wohnhaus Tännichtweg 2. Unweit davon steht das Haus Dohrn (Nr. 9a), welches 1909 von Theodor Fischer für den Gründer der Hellerauer Bildungsanstalt und Förderer der Gartenstadt Wolf Dohrn (1878-1914) erbaut wurde. Als erster Sekretär des Deutschen Werkbundes widmete er sich gemeinsam mit Karl Schmidt dem Ausbau Helleraus und gründete 1911 die Bildungsanstalt, für welche er den Schweizer Musikpädagogen Jaques- Dalcroze engagierte.
Foto: Das Wohnhaus Wolf Dohrns am Tännichtweg
Bemerkenswert sind auch die im Landhausstil gestalteten Wohngebäude Nr. 4, 9 und 11. Das Holzhaus Tännichtweg 4 entstand als erstes Gebäude des “Landhausviertels” 1909 und wurde von Hugh Mackay-Baillie Scott entworfen. Auf dem
Tännichtweg 9 besaß der Arzt Dr. Günther Wohnsitz und Praxis. Die Planungen für dieses Gebäude stammen von Rudolph Lewicki, welcher ursprünglich weitere Wohngebäude gestalten sollte, welche jedoch nicht mehr zur Ausführung kamen.
Die Wohnhäuser am Urnenfeldweg wurden 1922/24 nach einem Entwurf E. Lüdeckes gebaut. Der Architekt koppelte elf Reihenhäuser mit schmalen Zwischenbauten zu einer Wohnzeile zusammen, was dem Block den Namen “D-Zug” einbrachte. Der Valeria-Kratina-Weg wurde 2005 in der Nähe des Festspielhauses zur Erschließung eines neuen Wohngebietes angelegt. Mit der Namensgebung wird an die Tänzerin, Regisseurin und Choreografin Valeria Kratina-Köhler (1892-1983) erinnert, welche zu den Wegbereiterinnen des modernen Ausdruckstanzes gehörte. Zeitweise arbeitete sie als Ausbilderin für “Ästhetische Körperbildung” an der Neuen Schule Hellerau. Die Wilhelm-Külz-Straße, an der Ortsgrenze zu Rähnitz gelegen, erhielt ihren Namen Anfang der 50er Jahre nach dem liberalen Politiker Dr. Wilhelm Külz (1875-1948), der in den Zwanziger Jahren in verschiedenen Funktionen auf kommunaler und Landesebene tätig war. 1931 wurde er zum Dresdner Oberbürgermeister gewählt, musste sein Amt jedoch nach Machtübernahme der Nazis aufgeben. 1945 gehörte er zu den Mitbegründern der LDPD. Zuvor wurde diese Straße Klotzscher Straße genannt. Seit 1993 trägt nur noch der kurze Abschnitt zwischen Boltenhagener Straße und Autobahn den Namen Wilhelm-Külz-Straße.
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