Die Calberlastraße im Ortsteil Oberloschwitz erinnert an den Zuckerfabrikanten Heinrich Calberla,
der früher im Haus Nr. 5 wohnte. Am Beginn der Straße errichtete die Stadt Dresden 1921 eine Mauer mit einem Gedenkstein zur Eingemeindung. Der Schlußstein am Mauerkopf wurde vom
Bildhauer Otto Pilz gestaltet und zeigt neben einem Traubengeflecht vier Tierdarstellungen: Biene, Falter, Schnecke und Eule, welche die Gemeindeteile Loschwitz, Oberloschwitz, Schöne Aussicht
und die Siedlung am Gasthaus “Zur Eule” symbolisieren. Als “Gegenstück” setzten Loschwitzer Eingemeindungsgegner unweit dieser Stelle ein weiteres Denkmal. Dieser Stein zeigt einen Raben mit
drei goldenen Ringen im Schnabel - die von der Stadt Dresden gestohlenen Gemeinden Loschwitz, Weißer Hirsch und Blasewitz symbolisierend.
Das Gelände an der Calberlastraße gehörte im 18. Jahrhundert dem Hofrat und kurfürstlichen Leibmedicus Troppaniger,
der hier einen Weinberg besaß. Später entstanden zahlreiche Villen und Wohnhäuser am Elbhang. Zu den bekannten
Bewohnern der Straße gehörten der Schriftsteller Reinhold Schneider (Nr. 1b), der Maler Josef Hegenbarth (Nr. 2) und
der Bildhauer Robert Diez (Nr. 7) . Auch die 1902 errichtete Villa Calberlastraße 12 ist mit einem bekannten Namen
verbunden. Sie war bis 1909 im Besitz des Unternehmers Emil Römmler, Inhaber der bekannten Dresdner Kunst- und
Lichtdruckanstalt Römmler & Jonas. Etwas unterhalb liegt das romantische Gebäude Nr. 8, einst als “Villa Eintracht” bekannt und in den letzten Jahren liebevoll saniert (Foto oben). Einzelne Gebäude: Nr. 1b: In diesem Haus lebte Ende der 20er Jahre der christlich-pazifistische Schriftsteller Reinhold Schneider (1903-
1958). 1921 war er auf Einladung seines älteren Bruders nach Dresden gekommen, absolvierte hier eine kaufmännische
Ausbildung in der Kunstanstalt Stengel & Co. in Striesen und verfasste seine ersten literarischen Werke. 1930 wurde im
Dresdner Hellerau-Verlag Schneiders erstes Buch “Das Leben des Camoes” über den portugiesischen Nationaldichter
herausgebracht. Ab 1932 wohnte Schneider in Potsdam, später in Freiburg und wurde nach 1945 als Autor sozialkritisch- pazifistischer Schriften und Kämpfer gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik bekannt.
Josef-Hegenbarth-Archiv (Nr. 2) Das im 19. Jahrhundert errichtete Landhaus (Foto) war ab 1919 Wohnsitz des Malers und Grafikers Josef Hegenbarth (1884-1962). Hegenbarth
wurde vor allem als Buchillustrator bekannt und war von 1946 bis 1949 als Professor an der Hochschule für Werkkunst in Dresden tätig. Das Haus blieb nach seinem Tod zunächst
im Besitz seiner Witwe, die die Wohn- und Arbeitsräume unverändert beließ und das Gebäude 1984 mit allem Inventar den Staatlichen Kunstsammlungen vermachte. In den
original erhaltenen Wohnräumen befindet sich seit 1990 das Josef- Hegenbarth-Archiv mit dem Nachlass des Künstlers. Hier sind neben persönlichen Gegenständen auch zahlreiche
seiner Bilder und Grafiken sowie eine umfassende Bibliothek mit vielen von ihm illustrierten Büchern aufbewahrt.
Nr. 7:
Das Haus war einst Wohnsitz des Bildhauers Robert Diez (1844-1922), der in Dresden vor allem durch seine Brunnenschöpfungen bekannt wurde. Von Diez stammen u. a. die beiden Brunnen “Stilles Wasser” und “Stürmische
Wogen” am Albertplatz sowie der Gänsediebbrunnen in der Weißen Gasse. Nr. 12: Das frühere Weinbergsgrundstück wurde 1896 von Emil Römmler, Königlich-Sächsischer Hoffotograf und Besitzer der Kunst- und Lichtdruckanstalt Römmler & Jonas erworben. Nachdem
Römmler hier zunächst lediglich ein kleines Gartenhaus errichtet hatte, entschied er sich 1902 zum Bau des noch heute erhaltenen Wohnhauses (Foto). 1909 musste er seine Villa jedoch aus
gesundheitlichen Gründen wieder verkaufen. Das Gebäude diente später als Mietshaus und wurde 1997 von Römmlers Nachkommen zurückgekauft und denkmalgerecht saniert. Am Eingang
erinnert eine kleine Gedenktafel an den Unternehmer.
Nr. 20: Das sogenannte “Begerhäuschen” entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als Landhaus und war zeitweise
Sommersitz der Familie von Kügelgen. Auch der Kunstsammler Eduard Cichorius soll hier gewohnt haben. Beim Luftangriff auf Losvchwitz wurde das Gebäude zerstört und später abgerissen. Foto: Das “Begerhäuschen” Calberlastraße 20 um 1920 |