Die frühere Loschwitzer Straße bildet die Verbindung zum Nachbarort Loschwitz. Nach einem Flurnamen wurde diese Straße auch als Plattleithenweg bezeichnet. Hier lag ursprünglich der Kern der Gutsgemeinde
Weißer Hirsch, deren letzte Häusleranwesen erst 1972 einem Parkplatz an der Einmündung des Lahmannrings weichen mussten. Zu den ersten Landhäusern, die nach der Aufteilung der früheren Gutswirtschaft in Parzellen
errichtet wurden, gehören die 1878/80 vom Architekten Schaeffer erbauten Villen Plattleite Nr. 43 und 45. Leider lassen diese Häuser durch spätere Umbauten ihr ursprüngliches Bild kaum noch erkennen. Um 1905 folgten im
nördlichen Teil einige Wohn- und Geschäftshäuser. Entworfen wurde diese wie auch das Haus Plattleite 66 und zahlreiche Villen am Weißen Hirsch vom Architekten Max Herfurt. 1887 bezog der Maler und Zeichner Hermann
Vogel das Haus Plattleite Nr. 6 und wohnte hier bis zu seinem Tod 1922. An ihn erinnert ein Gedenkmedaillon an der Fassade. Auf der Plattleite 38 lebte nach 1945 der Jugendschriftsteller Ludwig Renn, der der alten
Dresdner Offiziersfamilie Vieth von Golßenau entstammt. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das Kinderbuch “Der Neger Nobi” und “Adel im Untergang”. Weitere Gebäude an der Plattleite beherbergten einst Sanatorien und
Pensionen und werden heute zum Teil gewerblich genutzt Ardenne-Institut: Die Einrichtung wurde 1955 von Baron Manfred von Ardenne (1907-1997) gegründet, nachdem
dieser aus der Sowjetunion nach Deutschland zurückkehren durfte. Ardenne hatte bereits 1928 in Berlin ein Laboratorium für Elektronenphysik eingerichtet und dort die Grundlagen des Fernsehens entwickelt. Zu den
Erfindungen des jungen Wissenschaftlers gehörten auch der Breitband-Oszillograph und das Rasterelektronenmikroskop. Ab 1942 befasste er sich im Auftrag des Reichspostministeriums mit der Erforschung der
Isotopentrennung. Da diese Forschungen als Grundlage für die Entwicklung der Wasserstoffbombe dienten, wurde Ardennes Institut nach Kriegsende am 21. Mai 1945 nach Sinop an die sowjetische Schwarzmeerküste verlegt. Hier
arbeitete er bis 1955 im Auftrag der sowjetischen Besatzungsmacht am sowjetischen Atomprogramm mit. Mit seinen engsten Mitarbeitern baute Manfred von Ardenne auf der Plattleite und der benachbarten Zeppelinstraße das
einzige private Forschungsinstitut der DDR auf. Bis zu seinem Tod war der Wissenschaftler hier auf dem Gebiet der Elektronenstrahl- und Plasmaphysik sowie der Biomedizin tätig. U.a. entwickelte er die
Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie zur Krebsbekämpfung. Zu den im Laufe der Zeit einbezogenen Gebäuden gehören die Häuser Plattleite 19, 25, 27 und 29 sowie Zeppelinstraße 1, 2, 7 und 8. Die Sternwarte des Institutes
ist als Wahrzeichen der Einrichtung vor allem vom Elbtal aus gut zu sehen. Heute wird die Tradition des Forschungsinstitutes von mehreren Nachfolgebetrieben wie der Ardenne Anlagentechnik GmbH, dem Institut für
angewandte medizinische Forschung und der Ardenne tec GmbH fortgesetzt. Das Grab des international hoch angesehenen Wissenschaftlers befindet sich auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch. Foto: Eingang zum Ardenne-Institut an der Bergbahnstraße |