Die Geschichte des Schlosses Pillnitz beginnt bereits im Mittelalter, als hier zwei
Herrensitze bestanden. Vom älteren, auf einem Bergsporn über dem Meixgrund gelegen, sind keine Spuren mehr auffindbar. Die zweite, untere Burg lag an Stelle des heutigen
Neuen Schlosses und war mit Wall und Wassergraben umgeben. Diese Burg war Sitz der Lehnsherren von Pillnitz und wechselte mehrfach ihren Besitzer. Ab 1569 war die
Familie von Loß Eigentümer der Grundherrschaft. Diese ließ die vorhandene Burg zu einem Renaissanceschloss mit vier Flügeln erweitern. Die schlichte Anlage wurde später
als “altes Schloss” bezeichnet, ging 1643 in den Besitz der Familie Bünau über und wurde 1694 vom Kurfürsten Johann Georg IV. erworben. Der Bruder August des Starken schenkte Schloss Pillnitz
seiner Geliebten Sybille von Neitschütz. Wenige Monate später starb Sybille an den Blattern, einige Tage darauf folgte ihr
der Kurfürst. So wurde August der Starke als Nachfolger seines Bruders auf dem Thron auch Besitzer der Herrschaft Pillnitz.
1707 wurde Pillnitz erneut zum Geschenk an eine kurfürstlichen Mätresse, als August der Starke
Schloss und Herrschaft der Gräfin Cosel vermachte. Auch nach deren Sturz 1715 blieb Pillnitz formal im Besitz der Gräfin und wurde erst nach einem komplizierten juristischen Verfahren am 14.
April 1718 wieder an den Wettiner zurückgegeben. August der Starke beauftragte nun seinen Oberlandbaumeister Matthias Daniel Pöppelmann und Graf Wackerbarth mit den Planungen für
eine Schlossanlage in Pillnitz. 1720 wurde mit der Umsetzung der großzügigen, aber nur in Ansätzen realisierten Pläne begonnen. Als erstes Gebäude entstand ab 1720 das Wasserpalais (Foto rechts)
im “indianischen” Stil, welches sich an asiatischen Vorbildern orientierte. 1723 folgte das baugleiche Bergpalais (Foto oben), woraufhin der Innenhof als barocker Lustgarten gestaltet werden konnte.
Das alte Renaissanceschloss wurde dabei in die Gestaltung eingezogen und bildete den östlichen Abschluss des Hofes. 1722 entstand noch der heute nicht mehr vorhandene “Venustempel” an Stelle der alten
Schlosskapelle. Zwei Jahre später wurde eine katholische Schlosskapelle eingerichtet. Für die protestantische Bevölkerung des Ortes erbaute Pöppelmann zum gleichen Zeitpunkt die Weinbergkirche. Im Zusammenhang mit dem
Lustschloss Pillnitz wurde auch der erste Teil des Schlossparks angelegt, der mit einer Orangerie und weiteren Kleinbauten für höfische Vergnügungen versehen wurde.
Schloss Pillnitz war nun häufiger Ort für Feste, deren Auftakt die Hochzeit der Cosel-Tochter
Augusta Constantia mit dem Oberfalkenmeister Graf von Friesen am 3. Juni 1725 bildete. In die Belustigungen wurden auch die Pillnitzer Elbinsel und die von Longuelune entworfene Freitreppe
zur Elbe mit einbezogen, an der die Prunkgondeln anlegten, von denen eine noch im Schlosspark erhalten geblieben ist. Zwei steinerne Sphinxen bewachen diese Treppe, die zugleich zur Terrasse des Wasserpalais führt
(Foto). Hier sind auch einige Hochwassermarken zu sehen. Eine neue Rekordmarke erreichte die Elbe am 17. August 2002 mit 9,40 m, wodurch die bisherige Höchstmarke von 1845 um ca. einen halben Meter übertroffen wurde.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebte Schloss Pillnitz seine zweite Bauphase. Die bisherigen hölzernen Seitenflügel
der beiden Palais wurden zugunsten von massiven Steinbauten abgetragen. 1788-92 erfolgten diese Arbeiten, die im Jahr
1795 durch den Bau von Verbindungsflügeln zwischen den Pavillons vollendet werden konnten. Die neuen Gebäude
wurden von Christian Traugott Weinlig und Christian Friedrich Exner entworfen und im klassizistischen Stil gestaltet.
Weinlig war auch für die Ausstattung der Innenräume des Schlosses verantwortlich, die bis heute zum Teil erhalten
geblieben ist. Kurz nach Fertigstellung der Neubauten erlebte Pillnitz ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung, als sich
hier am 27. August 1791 Kaiser Leopold II., der preußische König Friedrich Wilhelm II. und der spätere französische
König Ludwig XVIII. trafen, um über ihr weiteres Vorgehen gegen das revolutionäre Frankreich zu beraten. Die
Unterzeichnung der “Pillnitzer Deklaration” war erster Schritt zu einem Bündnis zwischen den feudalen Mächten in Deutschland und Frankreich und trug später maßgeblich zum Aufstieg Napoleons bei.
Am 1. Mai 1818 brannte das alte Renaissanceschloss Pillnitz völlig nieder und wurde daraufhin abgetragen. Lediglich ein Sandsteinobelisk und ein steinerner Löwenkopf (Foto) erinnern bis
heute an diesen Bau. Unter Leitung von Christian Friedrich Schuricht wurde an gleicher Stelle ein Neubau errichtet, der geschickt die Bauformen der vorhandenen Palais` übernahm. Im Inneren
entstanden u. a. ein großer Festsaal und die neue Schlossküche. Der Raum zwischen den Flügeln des Neuen Schlosses wurde mit chinesischen Fliedersträuchern bepflanzt und wird seitdem als
Fliederhof bezeichnet. Im Zusammenhang mit dem Neubau entstand 1824 auch die Schlosswache gegenüber dem Kapellenflügel.
Das baulich seitdem kaum noch veränderte Schloss blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Sommersitz der Wettiner.
Seit 1910 standen die Innenräume auch der Öffentlichkeit zur Verfügung, die hier an Führungen durch die mit antiken
Möbeln, Porzellan und Gemälden ausgestatteten Säle teilneh men konnte. Die Maler Ludwig von Hofmann und Richard
Dreher besaßen im Schloss ihre Wohnräume. Außerdem bestand eine Gobelin-Wirkerei. 1918 übernahm der Staat das Schloss, welches 1924 im Zuge der Fürstenabfindung endgültig in staatlichen Besitz überging. Die 1945 unbeschädigte Anlage diente in den ersten Monaten nach Kriegsende als
Sammeldepot für Kunstgüter, die von der Sowjetarmee aus den Auslagerungsorten geborgen worden war. In einer provisorischen Werkstatt wurden hier erste
Restaurierungsversuche unternommen. 1948 wurde in den Räumen von Schloss Pillnitz auf Weisung der Sowjetischen Militäradministration ein “Zentralmuseum des
Bundeslandes Sachsen” eröffnet, in dem verschiedene Kunstwerke aus sächsischen Sammlungen zu sehen war. Ein Großteil der geborgenen Schätze war bereits zuvor in
die UdSSR verbracht worden und kehrte erst 1956 nach Dresden zurück. In den 60er Jahren wurden die Palais des Schlosses Pillnitz Domizil des Museums für Kunsthandwerk, in dem bis heute Möbel,
Gobelins, Glas- und Porzellangefäße und weitere kunsthandwerkliche Gegenstände ausgestellt sind. Seit den 80er Jahren
erfolgte eine umfassende Restaurierung der Gebäude mit dem Ziel, den Ursprungszustand wiederherzustellen. Einen Rückschlag erlitten diese Bemühungen durch das E
lbehochwasser von 2002, welches auch Teile der Schlossanlage überflutete. Schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden das Wasserpalais und der Fliederhof, während die Kunstschätze
des Museums glücklicherweise gerettet werden konnten. Mittlerweile haben jedoch alle touristischen Einrichtungen wieder geöffnet. Einzelne Gebäude: Wasserpalais:
Das Wasserpalais entstand als erstes Gebäude der barocken Schlossanlage 1720/21. Nach Plänen von Pöppelmann wurden drei zweistöckige Pavillons erbaut, die durch Galerien miteinander verbunden wurden. Zur Gartenseite
besitzt das Gebäude einen Portikus, während die Elbseite eine Terrasse erhielt, von der eine Freitreppe zum Elbufer führt. Diese Treppe wurde von Longuelune entforfen und mit
zwei Sphinxen verziert, die aus der Werkstatt Johann Christian Kirchners stammen. Die Treppe bildete den Hauptzugang zum Schloss und war Teil eines Projektes, welches die
Elbe als “Canale Grande” der Dresdner Kulturlandschaft vorsah. Mit Prunkgondeln konnte die Hofgesellschaft auf dem
Wasserweg Pillnitz erreichen. Ähnliche Gondelhäfen wurden auch am Japanischen Palais und am Schloss Übigau
angelegt. Das Wasserpalais erhielt, ebenso wie die späteren Gebäude, geschweifte Dächer mit zahlreichen Aufbauten und
wurde mit Chinoiserie-Malereien verziert. So sollte der Eindruck eines “indianischen Lustschlosses” entstehen. Die
Innenräume der beiden Palais wurden von Leplat im gleichen Stil ausgestattet. Leider ist diese Ausstattung heute nur noch in geringen Resten erhalten.
1788/91 wurde das Wasserpalais baulich verändert. Die einstöckigen Verbindungsgänge zwischen den Gebäudeteilen
wurden aufgestockt, so dass die Bauten heute eine Einheit bilden. An Stelle von hölzernen Gewächshäusern entstanden
massive Seitenflügel, für die Christian Traugott Weinlig und Christian Friedrich Exner die Entwürfe lieferten. Unter
Anpassung an die vorhandene Barockarchitektur wurden die neuen Gebäude im schlichten klassizistischen Stil gestaltet und dienten später als Wohnungen für die zahlreichen Hofbeamten. Fotos: Details der Chinoiserien am Mittelbau des Bergpalais (links/rechts) und Wappenkartusche mit den
Initialien August des Starken (AR = Augustus Rex) an der Elbseite des WasserpalaisBergpalais:
Das Bergpalais wurde baugleich zum Wasserpalais 1722/23 errichtet, wodurch ein großzügiger Innenhof
entstand, der als Lustgarten genutzt wurde. Den östlichen Abschluss bildete bis zur Zerstörung 1818 das alte Schloss mit
dem Venustempel und der Schlosskapelle. Mit dem Bau des Bergpalais wurden auch die Pläne Pöppelmanns aufgegeben, der in Pillnitz eine großzügige Schloss- und Parkanlage zwischen Fluss und Elbhang schaffen wollte. Auch
das Bergpalais wurde 1788/95 baulich verändert und mit Anbauten im klassizistischen Stil erweitert. In einem Seitenflügel
blieb bis heute die Innenraumgestaltung Weinligs erhalten, die zu den bemerkenswertesten Raumschöpfungen ihrer Zeit
gehört. 1966-1971 wurden die Weinlig-Zimmer denkmalgerecht wiederhergestellt und mit passenden Möbeln und Leuchtern eingerichtet. Venustempel:
Das Gebäude entstand zeitgleich mit dem Bau der beiden Palais und besaß einen prunkvollen Fest- und Speisesaal. In den Nebenräumen waren Bilder leichtbekleideter Frauen angebracht, die diesem “Tempel der Lust” seinen
Namen gaben. Ursprünglich hatte an diese Stelle die alte protestantische Schlosskapelle gestanden, die auf Weisung
August des Starken abgetragen wurde. Stattdessen richtete man in einem Anbau eine katholische Kapelle ein. 1818 wurde der Venustempel beim Brand des alten Schlosses zerstört. Schlosskapelle:
Die katholische Schlosskapelle wurde 1725 in einem Seitenflügel des alten Schlosses eingerichtet und war eine der ersten katholischen Kirchen in Sachsen nach der Reformation. Diese fiel 1818 dem Schlossbrand zum
Opfer. Im daraufhin errichteten Neuen Palais wurde erneut eine Kapelle eingerichtet. Sie befindet sich im ersten Stock
des Gebäudes und wurde von Carl Vogel von Vogelstein ausgemalt. Bemerkenswert ist vor allem das große Deckengemälde. Neues Palais: Der heute als Neues Schloß bezeichnete Ostteil der Gesamtanlage entstand 1818-26, nachdem das alte Renaissanceschloß mit der Kapelle und dem Venustempel am
1. Mai 1818 einem Brand zum Opfer gefallen war. Bereits am Tag nach dem Feuer bewilligten die sächsischen Stände 50.000 Taler für den Wiederaufbau, so dass
Oberlandbaumeister Christian Friedrich Schuricht schon bald mit dem Bau beginnen konnte. In Anlehnung an die vorhandenen Gebäude entstand an der Ostseite ein
klassizistischer Schlossbau mit zwei Seitenflügeln, die einen kleinen Hof bilden.
Im Inneren des Hauptgebäudes wurde ein großer Festsaal eingerichtet, während die beiden Flügel als Küche und
Schlosskapelle genutzt wurden. Die Innenräume wurden durch den Maler Carl Vogel von Vogelstein künstlerisch
ausgestaltet, u. a. mit Porträts bekannter zeitgenössischer Künstler. Der kleine Innenhof wird heute als “Fliederhof”
bezeichnet, da hier 1866 neunzig chinesische Fliederbäume angepflanzt wurden. Zu den jüngsten Attraktionen gehört die
im 18. Jahrhundert eingerichtete Hofküche mit historischen Kochgeräten und -geschirr, die bis 1918 in Betrieb war und seit 2003 besichtigt werden kann. Fotos: Neues Palais mit Fliederhof (links) - Schloßwache (rechts) Schlosswache:
Der klassizistische Bau gegenüber dem Kapellenfügel wurde 1824 ebenfalls von Schuricht entworfen und diente als Unterkunft für das Wachpersonal. Heute befindet sich hier ein Souvenirshop.
Alte Kaserne: Die alte Kaserne entstand 1852 als Unterkunft für die Wachmannschaft des Schlosses Pillnitz und wurde
bis zur Abschaffung der Monarchie 1918 für diesen Zweck genutzt. 1922 bezog die Pillnitzer Lehranstalt für Gartenbau
das Gebäude. Zuletzt befand sich dort der Laborbereich der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Nach
abgeschlossener Sanierung hat hier seit 2008 das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie seinen Sitz. Marstall:
Der Gebäudekomplex des früheren Marstalls wurde 1880 am Pillnitzer Platz errichtet, um hier die Pferde und
notwendigen Gerätschaften für die Schlosswirtschaft unterzubringen. Nach Ende des Ersten Weltkrieges nutzte die 1922
gegründete Höhere Lehranstalt für Gartenbau auch dieses Gebäude. 1945 schwer beschädigt, erfolgte in den 50er Jahren
der Wiederaufbau für das Institut. Im Saal fanden zeitweise auch öffentliche Veranstaltungen und Filmvorführungen statt.
2007/08 wurde der Marstall saniert und dient heute unter dem Namen Schindlerbau als Domizil des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Vor dem Bau fanden zwei Brunnen aus dem Dresdner Zwinger
Aufstellung. Schloßpark:
Lustgarten: Ältester Teil der Pillnitzer Parkanlagen ist der Lustgarten zwischen Wasser- und Bergpalais, der bereits um 1722 mit geometrischen Rasenflächen und Rabatten im französischen
Stil gestaltet wurde. Die zentrale Fontäne sowie die Wasserbecken wurden erst im 19. Jahrhundert hinzugefügt. Für barocke Vergnügungen legte man verschiedene Spielplätze an, um die damals
üblichen Karussel- und Ringelrennen, Scheiben- und Bogenschießen und andere Spiele durchführen zu können. Im Anschluss an den Lustgarten wurden Weißbuchen angepflanzt, die
regelmäßig verschnitten, die “Heckenquartiere” (Charmillen) bilden. Hier wurden früher ebenfalls Schaukeln, Karussels und andere Spielgeräte aufgestellt. Später wurde auch dieser Teil des Parks
gärtnerisch gestaltet und 1912 neu bepflanzt. Seit 1957 steht in einem dieser Heckenquartiere die letzte erhaltene Pillnitzer Tritonengondel (Foto).
Großer Schlossgarten:
Der “Große Schlossgarten” entstand nach Fertigstellung des Bergpalais 1732 und wurde einst auch als “Spiegel” bezeichnet. In diesem Teil verzichtete man auf eine aufwendige gärtnerische Gestaltung. Stattdessen
wurde die ca. 125 m lange Fläche mit Baumreihen eingefasst und als Schieß- und Reitbahn genutzt. Dieser Teil des Parks
blieb bis heute weitgehend im Ursprungszustand erhalten. Am Bergpalais stand früher das Schießhaus, am anderen Ende
der Freifläche eine Grotte, die als Kugelfang diente. Im 19. Jahrhundert wurde das ehemalige Schießhaus als botanisches Kabinett genutzt und 1864 abgerissen. Maillebahn:
Die Maillebahn ist Teil der im 18. Jahrhundert angelegten 760 m langen Pillnitz-Hosterwitzer Allee. Seit 1766 wurde diese Allee als Spielfläche für das
Maille-Spiel, einem kricketähnlichen Ballspiel genutzt. Am Eingang der Allee steht eine steinerne Vase, die um 1785 von Thaddäus Wiskotschill geschaffen wurde. 1845 wurde
an der Maillebahn als einziges Gebäude ein toskanisches Landhaus für den deutschen Botschafter in Wien, H. von Tschirschky-Böggendorf erbaut. Diese Villa dient seit 1959
als Seniorenheim der Stadt Dresden und wurde 2001 um einen modernen Neubau ergänzt.
Englischer Garten: Mit Veränderung des Zeitgeschmacks wandelte sich auch das Ideal der Gartengestaltung. Statt der streng geometrischen Formen des französischen Lustgartens stand nun
das Ideal eines in die natürliche Umgebung einbezogenen Parks im Vordergrund, der als Englischer Garten bezeichnet wurde. 1778 begann die Anlage eines neuen Landschaftsparks nördlich der
Heckenquartiere. Verschlungene Wege und Wasserläufe führen zu einem künstlich angelegten Teich mit einer Insel. Über eine Holzbrücke erreicht man eine Plastik, die die Göttin Juno darstellt.
In diesem Parkteil sind bis heute zahl reiche seltene Bäume und andere Gehölze zu finden. 1785/90 wurde der Park um den “Holländischen” und den “Chinesischen” Garten erweitert. Im
Holländischen Garten fanden Pflanzen aus der ehemaligen holländischen Kolonie in Südafrika ihren Platz. 1870 wurde die Flora-Plastik Wolf von Hoyers aufgestellt.
Englischer Pavillon:
Das Gebäude (Foto) entstand 1789 am Rande des Englischen Gartens nach Plänen von Christian Traugott Weinlig. Der kleine Rundbau im klassizistischen Stil besitzt im Inneren zwei Räume und wurde als Teepavillon
genutzt. Wandmalereien zeigen u. a. verschiedene Tier- und Pflanzendarstellungen. Chinesischer Pavillon: Dieser kleine Bau befindet sich im nördlichen Parkteil unmittelbar an der
Parkmauer und wurde 1804 erbaut. Das Bauwerk wurde von Christian Friedrich Schuricht entworfen und verbindet die chinesischen Formen der Palaisbauten mit romantischen Idealen der
Zeit. Nach Originalvorlagen entwarf Schuricht eine Kopie eines ostasiatischen Pavillons, der auch im Inneren entsprechend ausgestaltet wurde. Um 1830 tagte in diesem Haus das vom späteren
König Johann gegründete Dante-Komitee, dem u.a. Carl Gustav Carus und Ludwig Tieck angehörten.
Botanischer Garten:
Der Grundstock für die bedeutende Botanische Sammlung in Pillnitz wurde von Friedrich August dem Gerechten gelegt, der bis 1827 regierte und ein interessierter Botaniker war. Zwischen 1785 und 1790 ließ der
Fürst den Park erweitern und mit seltenen Gehölzen ausstatten. Für die Parkanlage mussten einige Gebäude des Dorfes
abgetragen und die Pillnitzer Landstraße verlegt werden. Zu den beeindruckenden Bäumen in diesem Parkteil gehören Platanen, Buchen, Trompeten und Gingkobäume. Für die wärmebedürftigen Pflanzen entstand 1859 das Palmenhaus. Außerdem wurde
die bereits um 1730 errichtete Orangerie erweitert (Foto). Im Winterhalbjahr werden hier die Orangenbäume untergebracht, die sonst den Lustgarten zieren. Außerdem
dienen Palmenhaus und Orangerie heute für verschiedene kulturelle Veranstaltungen. Die Freiflächen wurden zwischen 1874 und 1880 um den Koniferengarten erweitert,
für den die Reste der barocken Spielplätze beseitigt werden mussten. Hier sind bis heute seltene Nadelbäume aus aller Welt zu sehen, darunter seit 1953 auch ein Urwelt-Mammutbaum.
Kamelienhaus:
Die Pillnitzer Kamelie kam der Überlieferung nach um 1780 als eine von ursprünglich vier dieser Gewächse aus Japan nach Europa. Der schwedische Botaniker Thunberg
ließ die Bäume im Schlosspark Schönbrunn bei Wien, im Herrenhäuser Garten bei Hannover, im Kew-Garten London und in Pillnitz anpflanzen. Nach dem Eingehen der übrigen Pflanzen ist das
Pillnitzer Exemplar heute älteste japanische Kamelie in Europa. 1801 wurde sie vom Hofgärtner Terscheck an den heutigen Standort versetzt. In den Wintermonaten wird sie durch ein
Gewächshaus geschützt. Der Baum überstand sowohl einen Brand dieses Winterhauses 1905 als auch Frostperioden und Kriegsereignisse und ist heute vor allem zur Blütezeit eine Attraktion des
Schlossparks Pillnitz. 1992 wurde ein neues transportables Kamelienhaus in Betrieb genommen, welches in der warmen Jahreszeit weggerollt werden kann. Das Haus ist 13,2 Meter hoch und
wiegt insgesamt 54 Tonnen. Der Baum selbst hat mittlerweile eine Höhe von 8,60 Metern erreicht und trägt zwischen Februar und April ca. 35.000 Blüten.
Elbpavillon:
Das kleine Gebäude an der Elbseite des Schlossparkes entstand Anfang des 19. Jahrhunderts als intimes Rückzugsquartier der Königsfamilie. Das äußerlich in einem hellen blaugrauen Ton gestaltete Häuschen besitzt einen
kleinen Saal, welcher durch illusionistische Malereien mit Weinspalier und hellblauer Decke die Illusion einer Gartenlaube
vermittelt. Nach seiner Sanierung kann der Pavillon seit 2008 für kleine private Feiern gemietet werden. |