Der heutige Gasthof Weißig entstand als Brauschänke und Ausspanne und
wurde früher vor allem von Fuhrleuten gern besucht, die die unmittelbar am Haus vorbeiführende Fernstraße in die Oberlausitz nutzten. Schon im 16. Jahrhundert
ist diese Schankwirtschaft als Erbschänke urkundlich verbürgt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört, jedoch bald wieder aufgebaut. Ab 1792 gehörte sie dem Weißiger Hufenbesitzer Samuel Großmann, der 1795 die
Konzession für einen Gasthof mit Herberge erhielt. 1806 wurde hier eine Station der königlichen Hofpost eingerichtet, für welche ständig sechs Pferde im Stall bereitgehalten werden mussten.
Mehrfach wechselten nun die Pächter und Besitzer, bevor 1901 der Direktor der Dresdner Waldschlößchenbrauerei
Albert Bier den Gasthof erwarb. Nach Erteilung der Baugenehmigung durch den Gemeinderat am 31. Juli 1902 konnte
der alte Gasthof abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt werden, der am 24. September 1903 eröffnet
wurde. Neben Gast- und Wirtschaftsräumen erhielt der Bau einen 400 Personen fassenden Ballsaal, der für vielfältige
Veranstaltungen genutzt wurde. Ausgestattet in Jugendstilformen zeigte die Decke Darstellungen der in Weißig ansässigen Gewerke.
Neben Tanz- und Konzertabenden fanden hier auch die Versammlungen der örtlichen Vereine, Familienfeiern und Feste
für Ausflügler statt. 1919 übernahm Fritz Galle den Gasthof und führte ihn bis in die Nachkriegszeit. Während des Zweiten
Weltkrieges musste der Gaststättenbetrieb zeitweise eingeschränkt werden, da im Saal ab 1940 französische Kriegsgefangene untergebracht waren. Im November 1959 entschloss sich der Wirt, seinen Gasthof an die Konsum-
Genossenschaft zur Bewirtschaftung zu übergeben. Auch unter der neuen Leitung durch die Familie Jannasch blieb der
Weißiger Gasthof ein beliebtes Ausflugslokal und Stätte für kulturelle Veranstaltungen. Regelmäßig traf sich hier der
Gemeinderat zu seinen Sitzungen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnten Ballsaal und Gaststätte Ende der 70er Jahre rekonstruiert werden. Allerdings fiel die historische Deckenbemalung diesen Arbeiten zum Opfer.
1992 wurde das Gebäude an die Erben der früheren Besitzer rückübertragen. Gemeinsam mit dem Pächter entschied man
sich für eine gründliche Sanierung des historischen Gebäudes. Bereits ein Jahr später wurde der Gasthof wieder eröffnet.
Heute finden hier wieder Betriebsvergnügen, Tanzveranstaltungen und private Feste statt. Höhepunkt sind die alljährlichen Veranstaltungen des Dresdner Carneval Clubs im Ballsaal. Außerdem gibt es einige Pensionszimmer.
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