Straßen und Plätze in Kaditz

 

Die um 1900 angelegte Adolfstraße im Ortsteil Neukaditz erhielt ihren Namen nach dem Kaditzer Gutsbesitzer Adolf Franze, der hier ein Grundstück besaß und viele Jahre Mitglied des Gemeinderates war. Ursprünglich wurde das Areal gärtnerisch genutzt, bevor zwischen 1937 und 1939 auf dem Grundstück eine Wohnanlage der Gemeinnützigen Wohnungs- und Heimstättengenossenschaft (GEWOG) entstand. Die Bauplanung übernahmen die Architekten Palm und Schmersal. Heute gehören die nach 1990 sanierten Wohnblocks der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft.

Der Dorfplatz von Altkaditz, zwischen 1899 und 1904 Lutherplatz genannt, gehört zu den besterhaltenen im Stadtgebiet. Typisch sind die Giebelhäuser des alten Straßenangerdorfes, die sich eng aneinander reihen und auf frühere Erbteilungen zurückgehen. Erst 1635 wurde durch eine Änderung des Erbrechts die weitere Zersplitterung der Güter verhindert. Ursprünglich bestanden die meisten Gehöfte aus Wohnhaus, Stall, Scheune und Auszugshaus. Trotz verschiedener Umbauten blieb diese Grundstruktur bei den meisten Höfen bis zur Gegenwart erhalten, auch wenn die einst landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude heute anderen Zwecken dienen.

Bemerkenswert sind Spruchtafeln und Schlußsteine an den Portalen vieler Bauernhöfe, die an frühere Besitzer und Dorfbrände erinnern. So finden sich an der Pforte des ehemaligen “Schumannschen Gutes” (Nr. 15) zwei gekreuzte messerartige Werkzeuge, welche eine Pflugschar symbolisieren. In den Obergeschossen einiger Häuser sind noch Laubengänge erhalten geblieben. Weinspaliere und ehemalige Weinkeller weisen auf die Weinbautradition des Dorfes  hin.

 

 

 

Inschriften am Bauerngut Altkaditz Nr. 23:

links: Willst Du mir geben Sonnenschein, so nehm ichs an mit Freuden,
solls aber Kreuz und Unglück seyn, will ichs geduldig leiden.
Soll mir allhier die Thür des Lebens noch ferner offen stehen
wie du mich führst und führen wirst so will ich gern mit gehen. 1799

rechts: Behalte was dir Gott beschieden, entbehre gern was du nicht hast,
ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Standt auch sein Last.
Willst du zu dencken dich erkühnen, daß seine Weisheit dich vergißt.
Er giebt uns mehr, als wir verdienen und niemals was uns schädlich ist.

Zu den schönsten Gebäuden gehören die Häuser Altkaditz Nr. 15, 23 und 30. Im Bauerngehöft Nr. 23 hat seit 1993 die Dreieinigkeitsgemeinde der Evangelisch-lutherischen Freikirche ihre Gemeinderäume. Interessant sind auch die aus der alten Dorfkirche hervorgegangene Emmauskirche und das Pfarrhaus von 1668. Auf dem Kirchhof steht die über 1000-jährige Kaditzer Linde. Eine weitere Linde pflanzten Kaditzer Gemeindemitglieder 1883 aus Anlass des 400. Geburtstages von Martin Luther. 2003 wurde hier ein Gedenkstein in Erinnerung an die Eingemeindung des Dorfes 1903 aufgestellt. Unweit davon erinnert eine Hochwassersäule an frühere Elbfluten. Die älteste Markierung datiert aus dem Jahr 1432.

 

Foto: Dorfplatz Altkaditz mit Werbetafeln für “Schneiders Weinschank” (Altkaditz Nr. 2)

Schneiders Bier- und Weinschank: 1844 erhielt der Besitzer des Bauerngutes Altkaditz 2 Carl Gottlob Findeisen die Konzession zur Eröffnung einer kleinen Weinschänke, wobei er die Gastwirtschaft zunächst nur im Nebenerwerb betrieb. An den Gründer erinnert noch heute eine Schrifttafel am Giebel des Hauses (Foto oben). Nach einem Besitzerwechsel entstand 1885 ein flaches Nebengebäude mit einem zusätzlichen Vereinsraum.

1911 übernahm Karl Max Schneider das Lokal, welches seitdem den Namen Schneiders Bier- und Weinschank trug. Nicht zuletzt durch die Anlegung eines großen Gästegartens entwickelte sich die rustikale Dorfschänke zum beliebten Ausflugsziel der Dresdner. Außerdem fanden gelegentlich Blasmusikkonzerte und Treffen Kaditzer Vereine statt. 1975 wurde das Gasthaus geschlossen und dient heute nur noch Wohnzwecken.

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Der Name Am Kaditzer Tännicht weist auf das frühere Waldgebiet hin, welches sich ursprünglich zwischen Radebeul und der Flurgrenze zu Mickten erstreckte. Die Rodung begann um 1890 von Radebeul aus zugunsten von Wohnbebauung. Bis 1927 war das meist aus Kiefern bestehende Tännicht fast vollständig verschwunden. Im Südteil entstand 1937/38 eine ausgedehnte Siedlung, deren Straßen ihre Bezeichnungen teilweise nach alten Kaditzer Flurnamen erhielten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Straße Am Kaditzer Tännicht angelegt.

Die Straße Am Kesselgrund wurde 1937 für den zweiten Bauabschnitt der Kaditzer Siedlung angelegt. In der Folgezeit entstanden hier und an der benachbarten Gleinaer Straße mehrere Doppelhäuser, wobei die vollständige Fertigstellung der Siedlung durch den Zweiten Weltkrieg verhindert wurde. 1939 erhielt die Straße ihre Bezeichnung nach dem alten Flurnamen “Kesselgründchen”

Die Straße wurde 1939 angelegt und nach dem ehemals hier gelegenen bischöflichen Vorwerk Poppewitz Am Vorwerksfeld benannt. Dieser Ortsteil, der erst im 15. Jahrhundert zu Kaditz kam, wurde früher auch als Kleinkaditz bezeichnet. Die Siedlungshäuser entstanden in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges und konnten 1940-42 bezogen werden. Heute erinnern Straßennamen wie Am Seegraben, Gucksbergweg, Weingartenweg und Kathenweg an die Fluren des verschwundenen Vorwerks und dessen frühere Bewohner. 1951 entstand Am Vorwerksfeld eine Wendeschleife für die neu eingerichtete Buslinie, mit der sich die Verkehrsbedingungen im Ort deutlich verbesserten.

Die Straße An den Hufen erinnert seit 1911 an den ältesten Teil des Ortes Kaditz, der im 13. Jh. zunächst aus nur sechs Höfen bestand. Die zugehörigen Felder östlich des Dorfes, wurden früher nach einem alten Flächenmaß “die Hufen” genannt. Erst nach 1900 wurde dieses Gebiet mit Wohnhäusern bebaut. Aus dem Jahr 1912 stammt die in Anlehnung an Erlweins Bauten gestaltete Wohnzeile An den Hufen 3-11 (Foto). Weitere Wohnhäuser wurden 1928-30 von der Baugenossenschaft Volksheim Dresden errichtet.

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Die Andersenstraße wurde 1927 östlich des Dorfkerns angelegt und nach dem dänischen Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-1875) benannt. Mehrfach weilte Andersen in Dresden und verfasste hier einige seiner Reiseberichte. Eng befreundet war er mit dem Maxener Rittergutsbesitzer und Mäzen Friedrich Anton Serre. Die Wohnhäuser an der Andersenstraße wurden zwischen 1927 und 1930 von der Baugenossenschaft Volksheim Dresden nach Plänen des Architekten Mitzscherling errichtet.

Die Baudissinstraße entstand Ende des 19. Jh. in Neukaditz und erhielt zunächst den Namen Forststraße. Ausschlaggebend war dabei ihre Lage am Rande eines nach 1890 gerodeten Wäldchens in diesem Bereich.

1904 wurde sie in Baudissinstraße umbenannt. Graf Wolf Heinrich von Baudissin (1789-1878) lebte ab 1827 in Dresden und erwarb sich als Übersetzer der Werke Shakespeares und Molieres literarische Verdienste. Interessant sind einige Wohngebäude mit Jugendstilelementen.

 

Die Bobestraße wurde 1926 im Zusammenhang mit dem Bau einer kleinen Wohnanlage an der Rankestraße angelegt und nach Hermann Bobe (1860-1925) benannt. Bobe war Mitbegründer und Vorsitzender des Konsumvereins Pieschen und erwarb sich große Verdienste um den Aufbau der Dresdner Konsum-Genossenschaft. 1937 erhielt die Bobestraße den Namen Strachwitzstraße, allerdings wurde diese Namensgebung 1956 wieder rückgängig gemacht. Moritz Wilhelm Graf von Strachwitz (1822-1847) schrieb verschiedene Balladen und Gedichte, meist heroisch-patriotischem Inhalts.

Die Dungerstraße wurde nach dem Ersten Weltkrieg als Seitenstraße der Rankestraße angelegt und zunächst nach dem Vorsitzenden des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine Max Radestock (1854-1913) benannt. 1935 erhielt sie ihren heutigen Namen. Dr. Hermann Dunger (1842-1912) erwarb sich Verdienste als Sprachwissenschaftler und Pädagoge und war ab 1885 Konrektor des Wettiner-Gymnasiums in der Wilsdruffer Vorstadt.

Nachdem bereits 1913 an der Geibelstraße mit dem Bau einer Arbeiter-Wohnsiedlung begonnen worden war, entstand bis 1926 der Komplex zwischen Ranke-, Bobe- und Dungerstraße. Die Gebäude gruppieren sich um einen begrünten Innenhof und stellen ein interessantes Zeugnis des sozialen Wohnungsbaus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg dar.

Die an der Stadtgrenze zu Radebeul gelegene Emilienstraße wurde 1899 nach der Gattin des Hofrats Dr. Karl Kolbe benannt. Kolbe (1855-1909) war Generaldirektor der Chemischen Fabrik von Heyden und trug durch seine Arbeit wesentlich zum Erfolg des Unternehmens bei. U. a. gelang der Firma erstmals die synthetische Herstellung von Salizylsäure, Grundstoff für das noch heute weitverbreitete Medikament Aspirin.

Um 1900 entstanden hier mehrere Fabriken, darunter die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Firma Albin Lasch & Co., die Ladeneinrichtungen und Schauvitrinen herstellte. Aus einer 1912 gegründeten Chemischen Fabrik entwickelte sich bis heute die Barock Bürobedarf GmbH, bedeutender Hersteller von Farb- und Tintenpatronen.

Die heutige Fechnerstraße ist Teil eines alten Verbindungsweges zwischen Kaditz und Trachau. Als nach 1890 der Ausbau des Stadtteils Neukaditz an der Leipziger Straße begann, erhielt dieser Weg zunächst den Namen Albertstraße. Um Verwechslungen mit gleichnamigen Straßen in anderen Stadtteilen zu vermeiden, wurde sie 1904 in Fechnerstraße umbenannt. Gustav Theodor Fechner (1801-1887) war als Physiker an der Leipziger Universität tätig und ist Verfasser eines “Hauslexikons”, welches 1834/38 in Leipzig erschien. Zuvor hatte er ab 1815 einige Jahre in Dresden gelebt und hier die Kreuzschule besucht.

Markantestes Gebäude an der Fechnerstraße ist der bereits 1874 eröffnete Gasthof zu Neukaditz, der nach 1945 unter dem Namen Jugendclubhaus “Rudi Arndt” beliebtes Kulturzentrum des Dresdner Nordwestens war. Weitere Wohnhäuser entstanden nach 1890.

Die Geibelstraße wurde 1903 angelegt und im darauffolgenden Jahr nach dem Dichter Emanuel Geibel (1815-1884) benannt. Geibel gehörte Mitte des 19. Jh. dem Münchner Liederkreis an und verfasste zahlreiche Gedichte, darunter das als Volkslied bekannte “Der Mai ist gekommen...”. 1913 wurde hier eine Wohnanlage errichtet, die bis 1926 vollendet werden konnte. Die früheren Arbeiterwohnungen wurden 1999 denkmalgerecht saniert.

Foto: Eingang zur Wohnanlage Geibelstraße/Bobestraße/Rankestraße

Die 1937 angelegte Gleinaer Straße in der Kaditzer Siedlung erinnert an das frühere Dorf Gleina, welches im 14. Jahrhundert von seinen Bewohnern verlassen wurde. Die wüste Flur kam daraufhin zu Kaditz. Gleina lag in der Nähe der heutigen Autobahnanschlusstelle Dresden-Neustadt zwischen dem Kaditzer Dorfkern und Mickten und wurde 1250 erstmals erwähnt.

Die Straße entstand im Zusammenhang mit dem Bau einer Gemeinschaftssiedlung, für die 1938 ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. An der Kreuzung Gleinaer Straße/ Spitzhausstraße war eine zentrale Platzanlage mit verschiedenen öffentlichen Gebäuden und einem Denkmal geplant, welches den “nationalsozialistischen Gemeinschaftsgedanken” symbolisieren sollte. Kriegsbedingt wurde der Entwurf des Architekten Hans Richter nicht ausgeführt, so dass die Gleinaer Straße bis heute aus zwei voneinander getrennten Abschnitten besteht.

Da der ursprünglich für die Siedlung vorgesehene Kindergarten durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht mehr gebaut werden konnte, entstand 1943 auf dem Grundstück Gleinaer Straße 52 a eine Baracke, in der die Kinder berufstätiger Mütter betreut wurden. Erst 1969 verschwand dieses Provisorium zugunsten eines größeren Neubaus, der bis heute als Kindertagesstätte genutzt wird.

Die Grimmstraße entstand als Verbindungsweg zwischen Kaditz und Trachau und wurde erst Ende des 19. Jh. zur Straße ausgebaut. Die im Volksmund auch als Trachauer Kirchweg bezeichnete Straße erhielt 1896 zunächst den Namen Haupt- bzw. Wilhelmstraße. 1904 wurden beide Straßenteile im Zusammenhang mit der Eingemeindung von Kaditz in Grimmstraße umbenannt. Namenspaten waren die als Märchensammler und Sprachwissenschaftler bekannten Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859). Heute führt die Grimmstraße nur noch bis zum Damm der Autobahn, durch deren Ausbau der durchgängige Verlauf nach Trachau 1995 unterbrochen wurde.

In der Nähe des Riegelplatzes befinden sich einige Wohnhäuser (Nr. 46-54), die 1927 vom Architekten Mitzscherling entworfen wurden. Bauherr der kleinen Wohnanlage, die sich auch in die Nachbarstraßen erstreckt, war die Baugenossenschaft Volksheim Dresden.

Dorfschmiede: Kaditz erhielt seine erste Schmiede im Jahr 1701, nachdem zuvor alle anfallenden Arbeiten in Kötzschenbroda bzw. Serkowitz erledigt werden mussten. Zu den Aufgaben des Dorfschmieds gehörte neben dem Beschlagen der Pferde die Anfertigung landwirtschaftlicher Geräte und Werkzeuge sowie deren Reparatur. Die Schmiede befand sich am Dorfrand (heute Grimmstraße 88), wo sie alle größeren Dorfbrände überstand und somit zu den ältesten Gebäuden des Ortes gehört. Bis heute befindet sie sich im Familienbesitz.

Die Gustav-Schwab-Straße wurde 1927 angelegt und verdankt ihren Namen dem deutschen Schriftsteller Gustav Schwab (1792-1850). Er gehörte als Lyriker der sogenannten “schwäbischen Dichterschule” an und wurde vor allem als Sammler von Sagen bekannt, die er ab 1838 in mehreren Bänden veröffentlichte. Erst 1954 wurden die Freiflächen zwischen Gustav- Schwab- Straße und Kötzschenbroder Straße mit Werkswohnungen des VEB TuR Dresden bebaut.

Die an der Ortsgrenze zu Trachau gelegene Straße erhielt 1892 zu Ehren des damaligen Kronprinzen zunächst den Namen Georgstraße. 1904 erfolgte die Umbenennung in Kolbestraße. Hermann Kolbe (1818-1884) arbeitete als Chemiker auf dem Gebiet der organischen Säuren und entwickelte als erster ein Verfahren zur synthetischen Herstellung von Salizylsäure. Industriell verwertet wurde sein Verfahren später von der in Radebeul ansässigen Chemischen Fabrik von Heyden.

Die ab 1929 als “Heinrich-Koch-Häuser” bezeichneten acht Einfamilien-Doppelhäuser an der Kolbe- und Roscherstraße  entstanden ab1887 und waren eine der ersten genossenschaftlichen Arbeitersiedlungen in Dresden. Erbaut wurden diese nach Vorbildern aus dem norddeutschen Raum durch den “Dresdner Bauverein für Arbeiterwohnungen”. Nach dessen Liquidation 1898 übernahm der Dresdner Spar- und Bauvereins die Gebäude, welche sich heute in Privatbesitz befinden.

 

Kötzschenbroder Straße

 

Der Name dieser 1937 angelegten Straße in der Kaditzer Siedlung leitet sich von einem alten Flurnamen “Langefeldchen” ab. Ursprünglich gehörten diese Flächen zum Vorwerk Poppewitz und wurden nach dessen Auflösung in 30 schmale Streifen geteilt, die an Kaditzer Bauern abgegeben wurden. Die Gebäude entstanden 1937/38.

 

Leipziger Straße

 

Die um 1900 angelegte und zunächst nach der Gattin des letzten Kaditzer Gemeindevorstehers Theresienstraße genannte Straße erhielt 1904 ihren heutigen Namen Leuckartstraße. Rudolf Leuckart (1822-1898) wirkte als Zoologe und Parasitenforscher in Leipzig und Gießen und gilt als Entdecker der Trichinen.

Die Peschelstraße wurde 1896 angelegt und zunächst nach dem Kaditzer Gutsbesitzer Carl Kuhn Carlstraße benannt. 1904 bekam sie ihren jetzigen Namen nach dem Geografen Oskar Peschel (1826-1875), der als Universitätsprofessor in Leipzig tätig war und zu den Begründern der Geomorphologie gehört. Nach 1990 entstand zwischen Peschelstraße und Lommatzscher Straße das Einkaufszentrum “Elbepark”. Der hier geplante neue Stadtteil wird heute meist als Kaditz-Mickten bezeichnet, da er sich anteilig auf den Fluren beider Stadtteile befindet.

Die unmittelbar am Bahndamm der 1839 eröffneten Bahnstrecke Dresden-Leipzig entlangführende Straße erhielt 1897 zunächst den Namen Bahnstraße, bevor sie im Zusammenhang mit der Eingemeindung von Kaditz 1904 in Quandtstraße umbenannt wurde. Johann Gottlieb von Quandt (1787-1859) besaß in der Neustadt und in Dittersbach bei Pirna Grundstücke und galt als exzellenter Kunstkenner und Mäzen. Zu seinem Freundeskreis gehörten u. a. Johann Wolfgang von Goethe und viele Personen des Dresdner Kunstlebens des 19. Jh.

Die Ende des 19. Jh. ganz im Osten der damaligen Gemeindeflur angelegte Straße trug zunächst den Namen Oststraße, bevor sie im Zusammenhang mit der Eingemeindung von Kaditz nach dem Historiker Leopold von Ranke (1795-1886) benannt wurde. Ranke gilt als bedeutendster Geschichtsschreiber des 19. Jh. und führte die Quellenkritik in die Geschichtsforschung ein.

Zu den um 1900 entstandenen Gebäuden an der Rankestraße gehörte die weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Gastwirtschaft “Zum Rankeschlößchen” (Eröffnung 1903) sowie die frühere Elbthal-Brauerei. Ab 1930 nutzte die Firma KADEMA, Hersteller von Maschinen für die Schokoladenindustrie, deren Gebäude auf der Rankestraße 56. Auch auf den Nachbargrundstücken ließen sich verschiedene gewerbliche Unternehmen nieder, darunter zwei Dachpappen- und drei Lackfabriken. Außerdem entstanden Wohnhäuser und Villen im Stil der damaligen Zeit. Die Ranke-Drogerie im Eckhaus zur Leipziger Straße wurde 1931 gegründet. Auf dem Grundstück Rankestraße 1 ist eine seit 1939 unter Schutz stehende Stieleiche sehenswert, einer der wenigen Bäume des früheren Kaditzer Tännichts. Nach diesem Baum trägt auch die dortige Kleingartenanlage ihren Namen: “An der Eiche”.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde an der Rankestraße mit dem Bau einer kleinen Wohnanlage begonnen, nach ihren späteren Besitzern “Sluka-Gruppe” genannt. Die fünf Wohnhäuser (Nr. 28-30) erstrahlen nach ihrer Sanierung heute wieder in neuem Glanz (Foto) . Eine weitere Wohnsiedlung entstand zwischen 1913 und 1926 zwischen Ranke- und Bobestraße.

Die heute Riegelplatz genannte Anlage wurde 1895 als Auftakt für das neue Kaditzer Ortszentrum angelegt. Zu Ehren des Reichskanzlers wurde im gleichen Jahr eine “Bismarckeiche” gepflanzt und der Platz ab 1899 offiziell als Bismarckplatz bezeichnet. Neben einigen Wohnhäusern entstanden hier das bis heute genutzte Kaditzer Schulhaus (historisches Foto) und das Gemeindeamt. Letzteres fiel allerdings bereits 1901 dem Abbruch zum Opfer und wurde wegen der bevorstehenden Eingemeindung nicht wieder aufgebaut.

Um Verwechslungen mit einem gleichnamigen Platz im Stadtzentrum zu vermeiden, erhielt der Bismarckplatz 1904 den Namen Simsonplatz. Eduard von Simson (1810-1899) war erster Präsident des deutschen Reichstages und leitete ab 1879 das Reichsgericht in Leipzig. Da die jüdische Herkunft des Politikers den Nazis ein Dorn im Auge war, setzten sie 1935 die Umbenennung in Riegelplatz durch. Der Name erinnert an den Kunsthistoriker Hermann Riegel (1834-1900), der u. a. Leiter des Sächsischen Museums in Leipzig und Professor für Kunstgeschichte in Braunschweig war. Riegel gründete 1885 den Allgemeinen Deutschen Sprachverein, einem Vorläufer des 1932 gegründeten Goetheinstituts. Heute hat der Riegelplatz vor allem als Verkehrsknotenpunkt Bedeutung und ist seit Ende 2004 Endpunkt einer neuen Straßenbahnlinie.

Die 1892 angelegte Straße in Neukaditz erhielt zunächst zu Ehren der Kronprinzessin den Namen Luisastraße. 1904 wurde sie nach dem Ökonomen und Historiker Wilhelm Roscher in Roscherstraße umbenannt. Roscher (1817-1894) lehrte an der Universität Leipzig und befasste sich vor allem mit der Geschichte der Nationalökonomie. 1889 wurde er für seine Arbeit zum Ehrenbürger von Leipzig ernannt.

Interessant sind die ab 1887 an der Roscher- und Kolbestraße errichteten Doppelhäuser des Dresdner Bauvereins für Arbeiterwohnungen, die als eine der ersten auf genossenschaftlicher Basis entstandenen Siedlungen Dresdens gelten und 1898 vom Dresdner Spar- und Bauverein übernommen wurden. Heute befinden sie sich in Privatbesitz.

Die heutige Scharfenberger Straße war einst Teil des alten Bischofsweges von Meißen nach Stolpen, der zwischen Briesnitz und Kaditz/ Übigau mit einer Furt die Elbe durchquerte. Die Straße verläuft über Kaditzer, Micktener und Übigauer Flur. Vor der Eingemeindung wurde sie zum Teil auch Schulstraße genannt. Im Grundstück Nr. 12 erinnert der letzte erhaltene Reisschuppen zur Lagerung von Reisig an das bis 1927 gerodete Kaditzer Tännicht.

Die Schenkendorfstraße in Neukaditz wurde 1899 als Marienstraße angelegt, wobei auch hier die Gattin eines Kaditzer Einwohners Namenspatronin war. Seit 1904 heißt diese Straße Schenkendorfstraße. Mit der Benennung wird an den patriotischen Dichter Gottlob Ferdinand Max von Schenkendorf (1783-1817) erinnert, der zahlreiche Gedichte und Lieder zum Thema Befreiungskriege 1813 schrieb.

Der Seewiesenweg wurde 1937 im Zuge des Ausbaus der Kaditzer Siedlung angelegt. Als Seewiesen wurden früher die Flächen beiderseits des Seegrabens, eines alten Elbarmes, bezeichnet. Nach dessen Trockenlegung wurde das gewonnene Land meist gartenbaulich genutzt und in den 30er Jahren bebaut.

Foto: Die Kaditzer Siedlung am Seewiesenweg

Die Wohnhäuser am Seewiesenweg entstanden in mehreren Bauabschnitten zwischen 1936 und 1939. Im vorderen Teil an der Kötzschenbroder Straße dominieren sogenannte “Volkshäuser”, die neben preiswerten Arbeiterwohnungen auch Geschäfte im Erdgeschoss beherbergten. Am “Rundteil” markiert eine mächtige Stieleiche (Naturdenkmal) den Mittelpunkt der Siedlung. Der Baum ist einer der letzten Zeugen des früheren Tännichts. Ursprünglich sollten hier sowie an der Gleinaer Straße verschiedene öffentliche Gebäude wie Volksschule, Kindergarten und ein kleines Verwaltungsgebäude entstehen. Kriegsbedingt wurden diese Pläne jedoch nicht mehr umgesetzt. Erst nach 1990 konnten die letzten Baulücken am Seewiesenweg geschlossen werden.

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Die Serkowitzer Straße entstand als Verbindungsweg zwischen dem Kaditzer Dorfkern und dem benachbarten Serkowitz und wurde früher auch Serkowitzer Kirchweg genannt. Hier lagen die von den Einwohnern als Gartenland genutzten Flächen. Aus diesem Grund trug die Serkowitzer Straße bis 1904 den Namen Gartenstraße. Teile dieser Straße wurden nach 1990 zum Elberadweg ausgebaut.

Ursprünglich entstand diese Straße als Verbindungsweg zwischen den sorbischen Siedlungen an der Elbe und der Oberlausitz. Die für die Slawen wichtige Verkehrsverbindung wurde auch als “sorbischer Rennsteig” (= Botenweg) bezeichnet und führte von Kaditz in nördlicher Richtung über Radebeul, entlang dem heutigen Augustusweg bis nach Klotzsche und von dort durch die Dresdner Heide weiter nach Radeberg. Später nutzten vor allem die Kirchgänger diesen Weg von Radebeul zur Kaditzer Kirche

Ihren heutigen Namen Spitzhausstraße verdankt sie dem Radebeuler Spitzhaus, welches wegen seiner exponierten Lage in den Lößnitzbergen seit dem 19. Jh. beliebtes Ausflugslokal ist. Bis zur Eingemeindung des Ortes 1904 wurde sie Radebeuler Straße genannt. Noch bis 1990 gab es hier nur wenige Wohngebäude. 1996 entstand ein kleiner Wohnpark im Bereich Spitzhaus-/ Fürstenhainer Straße.

Gasthof Kaditz: Die Ursprünge des Kaditzer Gasthofes reichen bis ins 19. Jh. zurück. 1852 erwarb der Böttchermeister Johann Gottfried Papperitz das Reiheschankrecht und begann noch im gleichen Jahr mit dem Bau. Als Bauplatz wurde ein Grundstück außerhalb des Dorfkerns am Kirchweg nach Serkowitz gewählt (Spitzhausstraße 1). Neben einer großen Gaststube gab es im Gasthof ein Vereinszimmer sowie einen kleinen Saal im Obergeschoss.

Nach mehrfachem Besitzerwechsel entstand um 1900 der heute noch vorhandene Saalanbau. 1913 ließ Hermann Hantzsch, der den Kaditzer Gasthof 1904 erworben hatte, diesen im Neobarockstil ausgestalten. Der ehemalige Tanzsaal diente nach 1945 noch für Theater- und Filmaufführungen, Ausstellungen und Versammlungen, bevor der Gasthof Anfang der 60er Jahre geschlossen wurde. Im Saal richtete das Frühgemüsezentrum 1967 eine Werkstatt ein, in der Folienbahnen für die Gewächshäuser geschweißt wurden. Weitere Räume dienten als Kantine und Clubraum der GPG “Nachbarschaft Kaditz”. Während die Gaststätte nach erfolgter Sanierung des Gebäudes 1991 zeitweise wieder geöffnet hatte, blieb der stark verfallene Saalanbau leer und wurde wenig später abgerissen.

Die Wächterstraße wurde 1899 im Zusammenhang mit dem Ausbau von Neukaditz angelegt und nach dem Oberlößnitzer Privatier Heinrich Findeisen zunächst Heinrichstraße genannt. Findeisen besaß in diesem Teil eine Reihe von Grundstücken, die er als Parzellen an Bauwillige verkaufte. 1904 bekam die Straße ihren heutigen Namen, mit dem an den Juristen Karl Georg von Wächter (1797-1880) erinnert wird. Wächter lehrte als Professor für Jura in Tübingen und Leipzig und war erster Präsident des Deutschen Juristentages. Für seine Verdienste erhielt er die Ehrenbürgerwürde von Leipzig sowie das Adelsprädikat verliehen.

Die Waldemarstraße wurde 1900 nach dem Besitzer der Kaditzer Dachpappen-, Holzzement- und Asphaltfabrik Waldemar Höpfner benannt, die ihren Sitz auf der Rankestraße 32 hatte. Höpfner gehörte zwischen 1896 und 1902 dem Gemeinderat an und war zugleich Ehrenvorsitzender der Sächsischen Fechtschule Dresden-Trachau. Zu den nach 1900 entstandenen Gebäuden gehört das architektonisch interessante Doppelhaus Waldemarstraße 16/18 (Foto).

 


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