Die heute Kötzschenbroder Straße genannte Verbindung zwischen Mickten, Kaditz und Radebeul-Serkowitz war einst Teil der bereits im Mittelalter genutzten Landstraße nach Meißen. Im 18. Jahrhundert erhielt
diese ihren heutigen Verlauf, womit die bisherige Alte Meißnische Landstraße an Bedeutung verlor. Beginnend am Ballhaus Watzke in Mickten folgte die alte Straße zunächst dem Elbufer, bevor sie an der Trachauer Straße in nordwestlicher Richtung abknickt. 1904 erhielt sie ihren Namen nach dem Ort Kötzschenbroda, seit 1935 ein Stadtteil von Radebeul.
Mickten: Noch bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts waren die Flächen an der Kötzschenbroder Straße weitgehend umgebaut. Auf dem Grundstück Nr. 9 befand sich
die Micktener Windmühle, deren Baukörper später in die Brotfarik “Saxonia” einbezogen wurde. Ab 1880 siedelten sich auf dem Areal zwischen Kötzschenbroder und Sternstraße die ersten Fabriken an. Zu diesen gehörte auch
die 1919 auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei gegründeten “Dresdner Flugtechnischen Werkstätten” des Luftfahrtpioniers Alfred Lipfert. Lipfert hatte bereits 1914 die Firma AERO Flugzeugbau GmbH seines verunglückten Freundes Hermann Reichelt in Kaditz übernommen, musste diese jedoch aus wirtschaftlichen Gründen 1919 verkaufen. Auch sein neues Unternehmen hatte keinen langen Bestand. Nach Rückübernahme des Kaditzer Betriebes ging das Unternehmen 1921 in Konkurs.
Mit dem Niedergang der örtlichen Industrie nach 1990 stellten auch die Betriebe an der Kötzschenbroder Straße ihre Produktion ein und wurden daraufhin größtenteils abgetragen. Zwischen 1993 und 1995 wurde auf dieser
Fläche das Wohnviertel “Elbvillenpark” mit Stadtvillen gehobenen Stils errichtet. Die geplante Bebauung der übrigen Freiflächen zwischen Kaditz und Mickten konnte bislang jedoch nur in Ansätzen realisiert werden. Fotos: Blick in die Kötzschenbroder Straße - links der “Elbvillenpark” Brotfabrik “Saxonia”:
Das Gelände der späteren Brotfabrik “Saxonia” war ursprünglich Standort der Micktener Windmühle, deren Mühlenturm noch erhalten ist. Ende des 19. Jahrhundert wurde der Mahlbetrieb auf Elektrizität umgestellt
und die Mühle Teil einer Brotfabrik. Das Unternehmen befand sich ursprünglich im Besitz von C. A. Tippmann, später von
Wilhelm Rämisch. Hergestellt wurden hier verschiedene Brotsorten für den Verkauf an Dresdner Händler. Nach 1900 entstanden weitere Gebäude. Der Betrieb blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Familienbesitz, stellte
jedoch seine Produktion nach dem Tod des Inhabers ein. Stattdessen übernahm der Elektroningenieur Eberhard Päßler das Gelände und richtete hier seine Firma für
Mechanik, Elektrotechnik und Keramik ein. Der Betrieb war am 11. November 1945 auf der Williamstraße 11 in Naußlitz gegründet worden, musste aus Platzgründen
jedoch umziehen. Im Mickten gelang es Päßler, seine Firma zum Hersteller elektrischer Haushaltgeräte (“LAVA”) sowie für Spielwaren (“Motec”) zu erweitern.
Der bereits in den 50er Jahren in eine Kommanditgesellschaft mit staatlicher Beteiligung umgewandelte Betrieb wurde 1972 verstaatlicht und stellte bis zur
Liquidation 1991 u.a. Heizplatten, Bügeleisen, Kleingeräte und technisches Spielzeug her (Firma ELKO). Heute wird das Gelände von verschiedenen Kleinbetrieben genutzt.
Nr. 20:
Das Gebäude wurde 1889/90 an der damaligen Meißner Straße 26b für den Restaurateur Max Bachmann als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Im Erdgeschoss existierte noch bis in die
1950er Jahre die Gaststätte “Elbsalon”. Nach 1990 nutzte zeitweise das in Anlehnung an einen Roman Agatha Christies gestaltete Restaurant “Orientexpress” die Räume. Heute befindet sich hier
die Gaststätte “Landstreicher”.
Kaditz: Mitte der Dreißiger Jahre wurde auf Kaditzer Flur mit dem Bau einer Siedlung begonnen,
deren Straßen ihre Namen meist nach alten Flurnamen bekamen. Bis dahin standen hier nur wenige Gebäude in der Nähe des Riegelplatzes, darunter die sogenannte “Waldschule”
Kötzschenbroder Straße 140. Außerdem gab es im Bereich Spitzhausstraße einige Kiesgruben zur Versorgung der örtlichen Baustoffindustrie.
In mehreren Bauabschnitten wurden zwischen 1936 und 1942 preisgünstige Einfamilien- und Doppelhäuser sowie “Volkswohnungen” errichtet, die ganz im Sinne der nationalsozialistischen Siedlungspolitik bevorzugt an
kinderreiche Familien mit geringem Einkommen vergeben wurden. Vorschrift war auch eine Mitgliedschaft im “Deutschen
Siedlerbund” und die Vorlage eines “Eignungsnachweises”. Heute werden die 1998/2000 renovierten Gebäude als “Familien-Wohnpark Kaditz” bezeichnet (Foto). Weitere Häuser befinden sich in Privatbesitz.
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