Die Aachener Straße wurde 1898 im Zusammenhang mit dem Bau eines eigenen Wasserwerkes der Gemeinde Trachau angelegt. Zunächst wurde sie als Burgsdorffstraße bezeichnet, womit der damalige
Amtshauptmann von Dresden- Neustadt Curt Ludwig Franz von Burgsdorff (1849-1922) geehrt werden sollte. Bereits 1902 wechselte die Straße jedoch ihren Namen in Erinnerung an die Stadt
Aachen, einstiger Krönungsort der deutschen Kaiser.
Vor dem Ersten Weltkrieg standen hier nur wenige Gebäude, darunter das 1911 eingeweihte Schulhaus der 40. Bezirksschule. 1927 begann der Bauverein “Gartenheim” mit der Errichtung von
Reihenhäusern nach Entwürfen des Architekten Paul Beck. 1929 folgte die Bebauung der anderen Straßenseite durch die Baugesellschaft GEWOBAG. Die Planungen für diese Gebäude stammen vom renommierten
Dresdner Architektenbüro Schilling & Gräbner. Weitere Bauten folgten Mitte der 30er Jahre am Lichtenbergweg (Foto).
Die nach dem Physiker und Astronomen Ernst Abbe (1840-1905) benannte Straße wurde 1932 im Zusammenhang mit dem Bau der
Trachauer Siedlung angelegt. Abbe leitete gemeinsam mit seinem Partner Carl Zeiss das Carl-Zeiss-Werk in Jena und begründete
dessen Weltruf als Hersteller optischer Geräte. Die Häuser an der Abbestraße entstanden in zwei Abschnitten: 1932 wurde die langeWohnzeile nach den Plänen Hans Richters erbaut, jedoch nicht vollendet (Foto)
. 1937/38 folgten die Häuser der gegenüberliegenden Straßenseite. Architekt dieser Wohnanlage zwischen Abbe- und Fraunhoferstraße war Willimartin Romberger.
Die Anne-Frank-Straße befindet sich unmittelbar an der Stadtgrenze zu Radebeul und erhielt ihren Namen nach der durch
ihr Tagebuch berühmt gewordenen Jüdin Anne Frank. Anne Frank musste mit ihrer Familie nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Holland 1940 in einem Versteck untertauchen und verfasste
in einem Amsterdamer Hinterhaus ihr Tagebuch, in welchem sie ihre Gedanken und Gefühle niederlegte. Durch Denunziation wurde die Familie 1944 verraten und
in das KZ Bergen-Belsen verbracht, wo das Mädchen mit nur 15 Jahren 1945 verstarb. Ursprünglich befand sich auf dem Areal der 1904 angelegte König-Friedrich-August-Park, von dessen ursprünglicher
Gestaltung sich nur wenige Reste erhalten haben. Bereits während des Zweiten Weltkrieges fiel ein Großteil der Bäume dem Holzschlagen zum Opfer. 1950 entstand hier die Kleingartensparte “Am Waldrand”. Die Bolivarstraße wurde 1931 im Zusammenhang mit dem Bau neuer Wohnhäuser an der früheren Gemarkungsgrenze
zwischen Trachau und Pieschen angelegt. Ihren Namen erhielt sie nach dem südamerikanischen Freiheitskämpfer und Politiker Simon Bolivar y Ponte (1783-1830).
Er gilt als einer der wichtigsten Führer der Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanische Kolonialherrschaft und wird bis heute in den Ländern der Region als Nationalheld verehrt.
Die Wohnhäuser an der Bolivarstraße entstanden ab 1930 für den Allgemeinen Sächsischen Siedlerverband (ASSV), wobei
die Entwurfsplanung dem Architekten Paul Müller oblag. Alle Wohnungen erhielten separate Eingänge und Kleingärten,
welche der Selbstversorgung der Vereinsmitglieder mit Obst und Gemüse dienen sollten. Die 1931 bezogene Siedlung
befindet sich heute im Besitz der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft “Am alten Weingut Wilder Mann”und steht seit
1994 unter Denkmalschutz. Diese Genossenschaft hatte sich im September 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten aus dem gewerkschaftlich orientierten ASSV gebildet und ist kleinste Wohnungsgenossenschaft Dresdens.
Die Böttgerstraße, bis 1904 Germanen- bzw. nach einem früheren preußischen Kriegsminister Roonstraße genannt, verdankt ihren Namen dem Erfinder des europäischen
Porzellans Johann Friedrich Böttger (1682-1719). Der Alchimist Böttger war als Gefangener August des Starken auf dem Königstein inhaftiert und entwickelte mit Hilfe
des Gelehrten Walter von Tzschirnhaus 1708 das erste europäische Porzellan. Markantestes Gebäude an der Böttgerstraße ist das 1899 entstandene neue Trachauer
Schulhaus. Hinzu kommen die 1929 vom Bauverein Gartenheim errichteten Häuser an der Böttger, Stephan- und Aachener Straße (Foto)
1904 erhielt die Ende des 19. Jahrhunderts als Haidestraße angelegte Straße ihren heutigen
Namen nach der kleinen Ortschaft Boxdorf bei Moritzburg. Ursprünglich war die Boxdorfer Straße Teil eines alten Verbindungsweges zwischen Pieschen, Trachau und der
nahegelegenen “Jungen Heide” und wurde deshalb auch Trachauer Heideweg genannt. Die ersten Gebäude errichteten private Bauherren um 1870. Erst ab 1929/30 folgte nach
Plänen Paul Becks das Wohnviertel im Bereich Boxdorfer und Volkersdorfer Straße im Auftrag des Dresdner Spar- und Bauvereins (Foto). 1935/36 kamen die Häuser der
Hellerauer Straße 1-21 und 2-18 hinzu. 1940 entstand auf den verbliebenen Freiflächen ein Wohnblock der GEWOBAG. Architekt war hier Willimartin Romberger.Die Benzstraße wurde Mitte der Dreißiger Jahre im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der Trachauer Siedlung
angelegt und nach Carl Friedrich Benz (1844-1929) benannt. Benz konstruierte 1878 den ersten Zweitaktmotor und gilt als “Vater des Automobils”. Auch der Brehmweg in der Trachauer Siedlung erhielt seinen Namen nach einem bedeutenden Wissenschaftler. Alfred Brehm (1829-1884) erlangte als
Naturforscher große Popularität. Sein bekanntestes Werk ist das bis heute als Standardwerk der Zoologie geltende Buch “Brehms Tierleben”. Die Bunsenstraße im Süden der Trachauer Flur trug ursprünglich den Namen Übigauer Straße.1904 wurde sie nach dem
Chemiker Robert Bunsen (1811-1899) umbenannt. Bunsen entwickelte den nach ihm benannten Bunsenbrenner und gilt als
Begründer der Spektralanalyse. 1900 wurde auf der Bunsenstraße 4 das neue Trachauer Postamt eröffnet, welches bis zur Schließung im April 2000 alle postalischen Aufgaben für das Gebiet Trachau übernahm.
Die Burgsdorffstraße wurde 1898 angelegt und zunächst Hohenzollernstraße genannt. 1902 erhielt sie ihren heutigen Namen
in Würdigung der Verdienste des Amtshauptmannes von Dresden-Neustadt Curt Ludwig Franz von Burgsdorff (1849-1922). Burgsdorff hatte sich in seiner Funktion stark für die Entwicklung Trachaus engagiert. Die 1929 angelegte Carl-Zeiss-Straße
verdankt ihren Namen dem Mechaniker Carl Zeiss (1816-1888), der 1846 in Jena eine optische Werkstatt gründete, Keimzelle des weltbekannten Carl-Zeiss-Konzerns zur Herstellung von Spezialglas und optischen Geräten.
1929 begann die Gemeinnützige Wohnungsbau-Aktiengesellschaft GEWOG mit dem Bau der ersten Wohnhäuser der von Hans Waloschek entworfenen Trachauer Siedlung. Bedingt
durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten, die den von Waloschek und Hans Richter propagierten modernen Architekturstil ablehnten, konnte die Anlage jedoch nicht
wie geplant vollendet werden. Erst 1957/58 entstanden im Ostteil der Carl-Zeiss-Straße drei Wohnblocks, die sich jedoch nicht mehr am ursprünglichen Konzept orientierten. Die Cottbuser Straße entstand kurz vor der Jahrhundertwende und erhielt zunächst den Namen Schulstraße, da sich hier ab 1899 das
Trachauer Schulhaus befand. 1904 erfolgte die Umbenennung nach der Stadt Cottbus. Früher befanden sich hier verschiedene Geschäfte und Gewerbebetriebe sowie das Restaurant “Schloß Moritzburg”, welches 1945 seine Pforten
schloss (Nr. 19). Anschließend bezog ein Kindergarten die Räume. Im Nachbarhaus Nr. 21 wurde 1926 der Dresdner
Kammersänger Theo Adam geboren. Auch das Gebäude Cottbuser Straße 31 beherbergte einst eine Gaststätte, welche 1905 als “Goldmanns Restaurant”, später als “Mittelschänke” bekannt war. Fotos: Wohnhaus Cottbuser Straße 25 mit moderner Fassadenmalerei Die Dopplerstraße bildet die Mittelachse der von Hans Richter und Hans Waloschek projektierten Trachauer Siedlung
, die zu den wichtigsten Schöpfungen des sozialen Wohnungsbaus der Zwanziger Jahre gehört. Ihren Namen erhielt diese Straße
nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler (1803-1853), der auf dem Gebiet der Akustik und Optik forschte
und den nach ihm benannten Doppler-Effekt entdeckte. Ursprünglich waren für diesen Zentralbereich Reihenhäuser vorgesehen. 1934 entschied man sich jedoch für den Bau mehrgeschossiger Wohnblocks in traditionellem Stil.
Fotos: Die Wohnhäuser an der Dopplerstraße verdeutlichen die beiden Bauabschnitte der Trachauer Siedlung:
links eine Wohnzeile nach den Plänen Hans Richters - rechts ein 1934 entstandener Block im traditionellen Stil Die Dorothea-Erxleben-Straße entstand Ende des 19. Jh. als Ahornstraße. Um Verwechslungen mit gleichnamigen Straßen
in anderen Stadtteilen zu vermeiden, wurde sie 1904 im Zuge der Eingemeindung Trachaus in Marsdorfer Straße
umbenannt. Ihren jetzigen Namen erhielt sie nach der Ärztin Dorothea Christiane Erxleben (1715-1762), die 1754 als erste Frau in Deutschland den Doktortitel erwerben konnte. Die Ende der Zwanziger Jahre angelegte Duckwitzstraße erhielt ihren Namen nach dem Dresdner Bankier Heinrich Eduard
Duckwitz, welcher im 19. Jahrhundert einen großen Teil seines Vermögens in einer Stiftung „zur Begründung und
Unterhaltung einer Versorgungsanstalt für alte oder hilfsbedürftige Bürger“ anlegte. Die bis zum Zweiten Weltkrieg bestehende Duckwitzstiftung war u.a. Eigentümer des als Altersheim genutzten Gebäudes Friedrichstraße 34/36.
Zwischen 1929 und 1931 entstanden an der Duckwitzstraße nach Entwürfen des Architekten Paul Müller Reihenhäuser. Die Gebäude befanden sich zunächst im Besitz des Siedlervereins “Zur guten Hoffnung”,
seit dessen Auflösung 1933 gehören sie zur kleinsten Dresdner Wohnungsgenossenschaft “Am Alten Weingut Wilder Mann”. Die Eulerstraße wurde in den Dreißiger Jahren im Zusammenhang mit dem Bau neuer Siedlungshäuser angelegt. Ihren
Namen erhielt sie nach dem Schweizer Mathematiker Leonhard Euler (1707-1783), der sich mit Algebra, Physik und Astronomie befasste. Namenspatron dieser Straße im Westteil der Trachauer Siedlung war der bedeutende Physiker Joseph von Fraunhofer
(1787-1826), der die nach ihm benannten “Fraunhoferschen Linien” entdeckte, die das Absorpionsverhalten von Sonnenstrahlen beschreiben. Die Gebäude entstanden zwischen 1929 und 1931 nach Plänen von Hans Waloschek.

Die Galileistraße entstand Mitte der Dreißiger Jahre als Seitenstraße der Neuländer Straße und wurde in der Folgezeit mit
Siedlungshäusern bebaut. Die Namensgebung erfolgte, in Anlehnung an die Straßennamen der Trachauer Siedlung, nach
einem berühmten Wissenschaftler. Galileo Galilei (1564-1642) entdeckte Fall- und Pendelgesetz und setzte sich für die Durchsetzung des Kopernikanischen Weltbildes ein, was ihm Verfolgung durch die Inquisition einbrachte.
Die Gaußstraße war ursprünglich ein alter Verbindungsweg des Dorfes Trachau nach Norden
und hieß ab 1880 Nordstraße. 1904 wurde sie nach dem deutschen Mathematiker Karl Friedrich Gauß (1777-1855) in Gaußstraße umbenannt. Gauß gilt bis heute als einer der
berühmtesten Mathematiker überhaupt und entdeckte zahlreiche neue mathematische Gesetze.
Ursprünglich nutzten verschiedene Gärtnereien die Flächen an der Gaußstraße, die bis heute
ihr ländliches Bild weitgehend bewahren konnte. Das zu den ältesten erhaltenen Gebäuden des Ortes gehörende Haus Nr. 4 (Foto) entstand um 1650 abseits des Dorfkerns am
“Dorffrieden”. Unweit der Industriestraße überspannt eine Brücke der Bahnstrecke Dresden - Leipzig die Straße.
Die 1896 angelegte Geblerstraße erhielt ihren Namen nach dem Trachauer Unternehmer Johann Heinrich Moritz Gebler (1817-1879). Gebler besaß in Dresden eine Seifensiederei und gehörte
zwischen 1859 und 1861 dem Stadtrat an. 1875 zog er nach Trachau und ließ sich hier ein Wohnhaus sowie die Gaststätte “Waldvilla” an der Leipziger Straße errichten. Die Familiengrabstätte Geblers
befindet sich auf dem Inneren Neustädter Friedhof.
Zu dieser Familie gehörte auch der sächsische Offizier Samuel Heinrich Gebler, der 1895 die Dresdner
Sand- und Kieswerke A. Gebler gründete und Besitzer der Villa Geblerstraße 20 war. Das 1874 entstandene Gebäude wurde früher auch als “Villa Sedan” bzw. “Villa Hedwig” bezeichnet und ist seit
1926 Sitz eines der ältesten noch bestehenden Dresdner Kindergärten. Die Gustav-Richter-Straße wurde Anfang der Dreißiger Jahre angelegt und nach dem deutschen Flugzeugkonstrukteur
Hugo Junkers (1859-1935) zunächst Junkersstraße genannt. 1963 erhielt sie ihren heutigen Namen. Gustav Richter
(1890-1942) war in Trachenberge und Pieschen als Mitglied der KPD im Widerstand gegen das Naziregime aktiv und wurde 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.Während im Westteil der Trachauer Siedlung die Pläne der Architekten Hans Richter und Hans Waloschek weitgehend umgesetzt werden konnten,
wurde der Ostteil erst nach 1933 errichtet. In bewusstem Bruch mit den an den Bauhausstil angelehnten Entwürfen Richters entstanden die Gebäude hier in traditionellen Bauformen. Die Planung oblag den Architekten
Ernst Ufer und Kurt Müller. 1935 konnte der Wohnblock unmittelbar an der Straße vollendet werden, die Häuser zwischen Gustav-Richter- und Trobischstraße folgten 1937/38. Die Guts-Muths-Straße im alten Dorfkern Trachaus verdankt ihren Namen dem Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759-1839). GutsMuths war als Lehrer für Geografie,
Französisch und Turnen am Philanthropinum in Halle tätig und engagierte sich vor allem auf dem Gebiet der Körpererziehung. Mit seinen Schriften “Gymnastik für die Jugend”
und “Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes” gehört er zu den Wegbereitern der Sportbewegung.
Die Halleystraße in der Trachauer Siedlung erhielt ihren Namen 1929 nach dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Halley berechnete als erster die
Umlaufbahn von Planeten. Nach ihm ist der 1758 von Johann Georg Palitzsch wiederentdeckte Halleysche Komet benannt.
Die an der Südseite der Halleystraße befindlichen Wohngebäude wurden 1930/31 für die
Wohnungsgenossenschaft GEWOBAG errichtet, wobei die Entwürfe von Hans Richter stammen. Charakteristisch sind die Laubengänge zur Straße, die durch kammartige Treppenhäuser unterbrochen werden (Foto)
. Für die Häuser der gegenüberliegenden Straßenseite, entstanden zwischen 1934 und 1936, zeichneten Ernst Ufer und Kurt Müller verantwortlich. Die Henricistraße trug zwischen 1896 und 1900 den Namen Schulgasse, da sie ihren Ausgangspunkt am 1873
eingerichteten ersten Trachauer Schulhaus hatte. Der heutige Name erinnert an den früheren Kaditzer Pfarrer Karl Bernhard
Henrici (1837-1924). Hier befindet sich das älteste erhaltene Haus des Ortes (Nr. 4), welches bereits 1642 entstand und bis 1887 mit Stroh gedeckt war. Weitere Wohnhäuser entstanden 1902 (Nr. 12-18) und weisen teilweise
Jugendstilornamentik auf. Foto: Das älteste Trachauer Haus Henricistraße 4 Die Hildesheimer Straße wurde kurz nach 1900 als Straße XI angelegt und 1904 nach der niedersächsischen Stadt
Hildesheim benannt. Ursprünglich sollte sie Leipziger Straße und Dorfplatz Alttrachau verbinden, was jedoch nicht zustande
kam. Als erstes Gebäude entstand hier 1902 das Wohnhaus Hildesheimer Straße 66, in dessen Erdgeschoss 1905 die
Gaststätte “Zum Bahnhof Trachau” eröffnet wurde. Mehrfach wechselten die Besitzer, bevor das Lokal Anfang der Dreißiger Jahre schloss. 1935 übernahm die Kant-Apotheke die ehemaligen Gasträume. 1899 wurde parallel zum Bahndamm eine neue Straße angelegt, die den Namen Industriestraße
erhielt. Gemäß dem Bebauungsplan der Gemeinde waren die Flächen zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben vorgesehen. Allerdings ließen sich zunächst nur an der linken Straßenseite einige
Unternehmen nieder, so die Fabrik für hölzerne Riemenscheiben Karthaus & Co., die Metallwarenfabrik Neider, die Lackfabrik Otto Baer, die Loschwitzer Tintenfabrik Leonhardi und
die Waffelfabrik Max Gerhardt. 1900 nahm das Trachauer Gaswerk seinen Betrieb auf.
Die gegenüberliegenden Flächen wurden noch bis Ende der Zwanziger Jahre landwirtschaftlich
genutzt. Erst 1927 erwarb diese Freiflächen die Stadt Dresden, um hier das Städtische Güntzheim als
Alters- und Pflegeheim zu errichten. Seit 1945 dienen die Gebäude als Krankenhaus Dresden-Neustadt. Weitere Häuser entstanden zwischen 1929 und 1936 für die gemeinnützigen Baugesellschaften GEWOBAG und GEWOG und werden
heute von der Wohnungsgenossenschaft Trachau-Nord vermietet.
Die frühere Hedwigstraße im Norden der Trachauer Flur erhielt 1904 den Namen Kleestraße. Die Namensgebung erinnert
an den Pädagogen und Sprachwissenschaftler Julius Klee (1807-1867), der viele Jahre Rektor der Dresdner Kreuzschule war. Die Kopernikusstraße verdankt ihren Namen dem polnischen Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473-1543), der als
erster die These des sonnenzentrierten Planetensystems aufstellte und damit das Weltbild seiner Zeit revolutionierte. Bereits Mitte der Zwanziger Jahre hatte eine Siedlungsgemeinschaft erfolglos versucht, die Flächen
zwischen Kopernikusstraße und Schützenhofstraße für den Bau von Wohnhäusern zu erwerben. Zunächst konnte jedoch ab 1925 lediglich die sogenannte “Damaschke-Siedlung” des
Heimstättenvereins zwischen Böttger- und Stephanstraße errichtet werden.
Erst ab 1928/29 entstand nach Überarbeitung des bestehenden Bebauungsplanes für Trachau ein
ausgedehntes Neubauviertel durch die gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften GEWOBAG und GEWOG. Die Entwürfe stammten von Hans Richter und Hans Waloschek und sorgten durch
ihre am Bauhaus orientierten Formen für Aufsehen (Foto). Die Gebäude erhielten meist Flachdächer und wurden bei
erschwinglichen Mietpreisen mit Erkern, Wintergärten, Bädern, Fernheizung und Gemeinschaftseinrichtungen ausgestattet. Die Trachauer Siedlung gehört zu den wichtigsten Beispielen des sozialen Wohnungsbaus in Dresden und steht wegen ihrer
architektonischen Bedeutung seit 1985 unter Denkmalschutz.
Die Krantzstraße wurde 1935 angelegt und erhielt den Namen des Musikwissenschaftlers Eugen Krantz (1844-1898).
Krantz war ab 1890 Direktor des Dresdner Konservatoriums und schrieb selbst verschiedene Klavierstücke und Lieder. Die Wohnhäuser an der Krantzstraße wurden Mitte der Dreißiger Jahre durch eine Baugesellschaft errichtet
. Weitere Häuser folgten 1956/57. Der Lichtenbergweg wurde nach dem deutschen Physiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) benannt. Lichtenberg
ist jedoch vor allem als Kunstkritiker, Satiriker und Verfasser zeitkritischer Aphorismen bekannt. Die Gebäude entstanden zwischen 1934 und 1936 nach Entwürfen von Ernst Ufer für die Baugenossenschaft GEWOBAG. Der Morseweg, am Rande der sogenannten “Kriegerheimsiedlung” gelegen, erhielt seinen Namen in Erinnerung an den
amerikanischen Erfinder Samuel Finley Morse (1791-1872), der 1837 den Morseapparat und das zugehörige Morsealphabeth zur Nachrichtenübermittlung erfand. Der Name Neuländer Straße geht auf das Jahr 1661 zurück, als Trachauer Bauern die kurfürstliche Erlaubnis erhielten, hier
zur Gewinnung neuer Ackerflächen den Wald zu roden. Das auch für den Weinbau genutzte Flurstück wurde als “die Neuländer” bezeichnet. Dieser Name ging 1905 auf die aus einem Forstweg hervorgegangene Straße über.
Nach dem Ausbau entstanden hier und an den neu angelegten Seitenstraßen Wohnhäuser (Foto). Markantestes Bauwerk ist jedoch das heutige Verwaltungsgebäude des
Berufsförderungswerkes Bau Sachsen e.V., welches 1936/37 als Lehrbaustelle der sächsischen Bauindustrie errichtet wurde. Auf dem gegenüberliegenden Grundstück waren
kurz zuvor Kasernen für die Polizei gebaut worden. Diese wurden nach 1945 zeitweise als Klinik für Körperbehinderte genutzt und gehören heute zur Hochschule des Ministeriums
des Inneren bzw. zum Landeskriminalamt Sachsen.
Die heutige Pettenkoferstraße geht in ihrem Verlauf auf den alten Trachauer Kirchweg nach Kaditz zurück. Erst 1896 wurde
dieser Fußweg zur Straße ausgebaut und zunächst Kirchgasse genannt. 1904 erfolgte die Umbenennung nach dem Professor für medizinische Chemie Max von Pettenkofer (1818-1901).
Die Rahnstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts an der Nordgrenze der Trachauer Flur
angelegt. Ihren Namen verdankt sie dem Pädagogen und früheren Vorsitzenden der “Literarischen Gesellschaft” Dr. Johannes Rahn (1850-1919), der sich der Förderung
von Kunst und Geistesleben in Dresden widmete. Rahn war zugleich Mitbegründer des Allgemeinen Mietbewohnervereins Dresden.
Zu den bemerkenswerten Gebäuden der Rahnstraße gehört das 1892/93 errichtete
Wohnhaus Nr. 26 im englischen Landhausstil. Für den Bau verwendete man u. a. Steine, die beim Umbau der Wartburg in Eisenach übrig geblieben waren. Architekten des Gebäudes waren Julius Gäbler und sein
Sohn Richard. Weitere Reihenhäuser entstanden in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Die Richard-Rösch-Straße entstand im Zusammenhang mit dem
Bau der Trachauer Siedlung und wurde vor 1945 Kirchhoffstraße genannt. Der Physiker Gustav Robert Kirchhoff
(1824-1887) begründete gemeinsam mit Robert Bunsen die Spektralanalyse. Die im Bauhausstil gestalteten Wohnhäuser mit Flachdächern wurden 1929 vom Österreicher Hans
Waloschek für die GEWOG (Gemeinnützige Wohnungs- und Heimstättengesellschaft für Arbeiter, Angestellte und Beamte) entworfen.
1946 erhielt die Kirchhoffstraße nach dem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden der GEWOG den Namen Richard- Rösch-Straße . Richard Rösch (1874-1936) war 1922/23 Redakteur der Dresdner Volkszeitung und gehörte viele Jahre
als Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender der SPD dem Dresdner Stadtrat an. 1933 wurde er in seiner Wohnung
Kirchhoffstraße 40 von den Nazis verhaftet und inhaftiert. In der Haft schwer erkrankt, verstarb er 1936 in Cunewalde bei Bautzen. Die Rietzstraße am Rande des alten Trachauer Dorfkerns verdankt ihren Namen dem
Dirigenten Julius Rietz (1812-1877), der ab 1860 in Dresden als Hofkapellmeister wirkte. 1874 wurde Rietz zum ersten Generalmusikdirektor der Oper ernannt. Bis zur Eingemeindung Trachaus trug sie den Namen Rosenstraße.
Neben einigen Bauernhäusern ist auch das “Schlösschen” Rietzstraße 14 interessant (Foto), welches einst Herrenhaus einer Ziegelei war. Nach Einstellung der Ziegelbrennerei um 1815
ließ der Besitzer das frühere Wohn- und Wirtschaftsgebäude zu einem Landhaus umbauen, welches häufig seine Besitzer
wechselte. Zu ihnen gehörte ab 1877 der Dresdner Gastwirt Johann Heinrich Hensel, Inhaber der Gaststätte “Zum
Forsthaus” auf der Großen Brüdergasse in der Innenstadt. Als einziges Gebäude Trachaus blieb dieses Landhaus 1845 vom
schweren Elbehochwasser verschont und wurde deshalb auch “Wasserschloss” genannt. 1937 fielen die Seitenflügel und
Nebengebäude des Hauses der Bebauung der Krantzstraße zum Opfer. An das Grundstück grenzt heute eine kleine Parkanlage mit Kinderspielplatz.
Die Roßmäßlerstraße hieß bis zur Eingemeindung Dammstraße und erhielt 1904 ihren heutigen Namen nach dem
Naturforscher und Forstwissenschaftler Emil Adolph Roßmäßler (1806-1867). Roßmäßler war ab 1830 als Professor an
der Tharandter Forstakademie tätig und gehörte 1848/49 der Frankfurter Nationalversammlung an. Die ersten Mietshäuser
entstanden hier um 1900, darunter das vom Kaditzer Baumeister Emil Rösler gebaute markante Eckhaus zur Leipziger Straße.
Neben Wohnhäusern befanden sich an der Roßmäßlerstraße noch bis in die jüngste Vergangenheit Kleingärten. Eine dieser
Lauben war während der NS-Zeit ein illegaler Treffpunkt Dresdner Widerstandskämpfer um den Sportler Heinz Steyer.
Außerdem gab es an der Roßmäßlerstraße das Lokal “Trachauer Hof”, später “Zum Trachauer Stiefel”. 1992 wurde im Haus Nr. 13 das kleine Hotel “Windsor” eröffnet. Der Name der Schedlichstraße, einer kurzen Seitenstraße der Neuländer Straße, erinnert an den Dresdner Rechtsanwalt
Dr. Franz Emil Schedlich (1847-1890), der sich Ende des 19. Jahrhunderts für eine Verbesserung der Wohnverhältnisse
einsetzte. 1883 gründete er den Allgemeinen Mietbewohnerverein, der an seine Mitglieder Baudarlehen vergab und Vorläufer der späteren Baugenossenschaften wurde. Die Steinheilstraße in der Trachauer Siedlung erhielt ihren Namen nach dem Physiker und Mathematiker Carl August von
Steinheil (1801-1870). Steinheil besaß in München eine Professur und gründete 1855 die optische Fabrik C. A. Steinheil &
Söhne. Hier entwickelte er verschiedene Objektive und gehörte zu den Wegbereitern der modernen Fotografie. Die Teichstraße, seit 1901 so genannt, erinnert an die früheren Dorfteiche. Diese waren bis
zur Trockenlegung letzter Rest eines alten Elbarmes und wurden nach Bau der Kanalisation Ende des 19.Jh. zugeschüttet. An dieser Straße entstanden um die Jahrhundertwende einige
Mietshäuser, die nach 1990 saniert wurden. Bemerkenswert ist das unter Denkmalschutz stehende Wohnhaus Nr. 5, in dessen Treppenhaus sich Malereien der Entstehungszeit
erhalten haben. Bis 1993 wohnte hier der Dresdner Maler Theodor Rosenhauer. Das Haus Teichstraße 7 wurde 1995 vom bekannten Model Claudia Schiffer erworben und saniert.
Die Tichatschekstraße erinnert an den Opernsänger und Wagner-Interpreten Joseph Aloys Tichatschek (1807-1886), der
32 Jahre dem Ensemble des Königlichen Hoftheaters angehörte und zu den bekanntesten Tenören seiner Zeit zählt. Tichatschek wirkte bis zu seinem Bühnenabschied 1872 in über 1.600 Aufführungen mit und liegt auf dem Alten
Katholischen Friedhof in der Friedrichstadt begraben. 1926-30 errichtete die Baugenossenschaft für Handwerk, Handel und Gewerbe den Wohnkomplex zwischen Tichatschek-, Guts-Muths-Straße und Alttrachau. Der Trentzschweg entstand 1935 als Verbindungsweg zwischen Steinheilstraße und Halleystraße und wurde nach dem
früheren Windmüller in Trachau, Karl Friedrich Trentzsch benannt. Trentzsch bewirtschaftete später auch die Gaststätte “Feldschlösschen” an der Leipziger Straße.
Die Trobischstraße in der Trachauer Siedlung erinnert an den Gutsbesitzer Johann Heinrich Trobisch (1843-1918), der zu
den engagiertesten Gemeinderatsmitgliedern des Ortes gehörte. Trobisch war Besitzer des “Trobischhofes” in Alttrachau
und stellte der Gemeinde das Schulgrundstück an der Böttgerstraße kostenlos zur Verfügung. Die Wohnhäuser der Trobischstraße wurden
1934 von Ernst Ufer und Kurt Müller im traditionellen Stil entworfen und besitzen teilweise interessanten baukünstlerischen Schmuck. Fotos: Reliefs mit Märchenmotiven “Rotkäppchen” und “Die Bremer Stadtmusikanten” an der Trobischstraße Die Virchowstraße entstand um 1900 im Zusammenhang mit der Erschließung eines neuen Wohnviertels an der Ortsgrenze
zu Pieschen. Ihren Namen erhielt sie nach dem Naturforscher Rudolf Virchow (1821-1902), der zu den Mitbegründern der modernen Anthropologie und Ethnologie gehört.
Die Ende des 19. Jahrhunderts südlich des Alttrachauer Dorfkerns angelegte Straße trug bis zur Eingemeindung den Namen
Gohliser Straße. 1904 wurde sie in Wöhlerstraße umbenannt. Friedrich Wöhler (1800-1864) arbeitete als Professor für
organische Chemie und entwickelte 1828 das Verfahren der Harnstoffsynthese. Mit seinen Versuchen gehört er zu den Wegbereitern der Biochemie und wurde für seine Verdienste international geehrt. |