Die Bodenbacher Straße ist Teil einer alten Verkehrsverbindung zwischen dem Stadtzentrum und der Burg Dohna. Bereits 1315 wurde sie als “Pirnaische Landstraße” erwähnt und nahm ihren Ausgangspunkt am
Pirnaischen Tor. Von dort führte sie entlang der heutigen Grunaer Straße, durchquerte den Großen Garten und erreichte hier die Grunaer Dorfflur. Noch heute erinnert ein altes Sühnekreuz in der Nähe des Palais an den früheren Straßenverlauf. In Gruna entspricht die Straßenführung weitgehend der heutigen Bodenbacher Straße. Ihren Namen erhielt sie nach der böhmischen Stadt Bodenbach, heute Stadtteil von Decin.
Nach Zerstörung der Burg Dohna im Zuge der “Dohnaischen Fehde” 1402 wurde diese Straße Hauptverbindung nach Böhmen und entsprechend stark von Kaufleuten genutzt. Zur Überquerung des Landgrabens ist
bereits 1439 eine “brucke bie Grunow” erwähnt, die ursprünglich sicher eine Holzbrücke war, jedoch schon bald in Stein ausgeführt wurde. In ihrer Nachbarschaft entstand eine Schmiede, um notwendige Reparaturen an den
Fuhrwerken vor Ort ausführen zu können. Diese Schmiede erhielt das Schankrecht sowie das Privileg der Gästebeherbergung und entwickelte sich zu einer Ausspanne. Im 19. Jahrhundert ging aus dieser das einst beliebte,
1945 zerstörte Ausflugslokal “Grüne Wiese” hervor. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden an der Bodenbacher Straße auf
Grunaer und Seidnitzer Flur einige schlichte Mietshäuser. Der größte Teil der Flächen wurde jedoch von Gärtnereien eingenommen, die die bislang dominierende Landwirtschaft immer mehr verdrängten. Zu diesen gehörte auch
der städtische Zentralschulgarten, wo auf einer Fläche von fast 12.000 m² Obst, Gemüse und andere Pflanzen für den naturkundlichen Unterricht der Dresdner Schulen angebaut wurde. Hinzu kamen gewerbliche Anlagen zwischen
den Dorfkernen von Gruna, Seidnitz und der Bahnlinie. Auf dem Grundstück Bodenbacher Straße 44 hatte bis in die Dreißiger Jahre der Dresdner Techniker Fritz Pfleumer seine Werkstatt. Pfleumer entwickelte 1928 das erste
Magnetband zur Tonaufzeichnung und legte damit den Grundstein für die späteren Tonbandkassetten. Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten verschiedene Baugenossenschaften Wohnanlagen auf Seidnitzer und Dobritzer Flur.
1945 fielen einige Gebäude an der Bodenbacher Straße den Bomben zum Opfer. Während die nördliche Straßenseite zunächst unbebaut blieb, entstanden gegenüber Neubauten für die hier ansässigen Betriebe. Erst nach 1970
wurde an Stelle des früheren Grunaer Dorfkerns ein Neubaugebiet errichtet. Erstmals wurden hier in größerem Umfang sechsgeschossige Plattenbauten des Typs WBS 70 errichtet, welcher bis 1989 das Wohnungsbauprogramm der
DDR dominierte. 1992/94 folgte auf ehemaligem Gärtnereigelände der Wohnpark “Rosenhof” zwischen Bodenbacher und Winterbergstraße. Außerdem entstand 1998 ein moderner Büroneubau für die Firma Linde-KCA, heute größter
Arbeitgeber in Gruna. Im Rahmen eines Modellprojektes zur Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs wurde die Bodenbacher Straße 1999 völlig umgestaltet, wobei vor allem die Beschleunigung der Straßenbahn im
Vordergrund stand. Einzelne Gebäude: “Espitas”:
Das architektonisch auffällige Gebäude an der Ecke zur Zwinglistraße entstand 2001 im Stil eines mexikanischen Landhauses und beherbergt das am 1. August 2002 eröffnete mexikanische Restaurant “Espitas”. Der Name geht auf die Kleinstadt Espita in der Nähe von Acapulco zurück. Die zu den beliebtesten internationalen Lokalen in Dresden gehörende Gaststätte bietet vorrangig Gerichte der mexikanischen und lateinamerikanischen Küche an.
Sporthalle:1997 wurde an der Bodenbacher Straße mit dem Bau einer modernen Sporthalle begonnen, erster Neubau dieser Art nach 1990. Der als Mehrzweckhalle konzipierte Bau wurde vom
Architekten Witter entworfen und am 9. Juli 1998 eingeweiht. Die Großarena fasst insgesamt ca. 3000 Zuschauer und wird für sportliche Großveranstaltungen, aber auch für Konzerte genutzt. Hinzu kommen einige Nebenräume,
Krafträume sowie eine Caféteria. Steinkreuz:
Ein historisches Steinkreuz befindet sich auf Seidnitzer Flur in der Nähe der Einmündung Marienberger Straße. Das bereits im Mittelalter entstandene Kreuz entstand vermutlich als Sühne für eine Bluttat und weist auf der Vorderseite einen eingeritzten Hirschfänger auf, der möglicherweise die Mordwaffe darstellt.
Gasthof Seidnitz:
Der aus einem alten Landgasthof hervorgegangene Seidnitzer Gasthof an der Bodenbacher Straße wurde um 1898 vom damaligen Besitzer Paul Neukirchner
umgebaut und erweitert. In diesem Zusammenhang entstand ein Saalanbau, der für verschiedene Veranstaltungen genutzt wurde sich zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens im
Ort entwickelte. Nach 1945 schloss das Lokal seine Pforten. In die Räume zogen nun eine Textilwarenfabrik, später ein Betriebsteil des VEB Kamerawerke Niedersedlitz ein. 1996
wurde das Gebäude saniert und diente heute als Büro- und Geschäftshaus.
Philipp-Müller-Stadion: Das Stadion entstand 1953 an der Flurgrenze zwischen Seidnitz und Dobritz und wurde am 8.
Juli 1953 mit einem Freundschaftsspiel zwischen der BSG Empor und Rotation Dresden eingeweiht. Die Anlage erhielt
zugleich den Namen des ein Jahr zuvor in Essen bei einem Polizeieinsatz erschossenen Gewerkschaftsfunktionärs und
Kommunisten Philipp Müller. Zum Stadion gehören ein Rasenplatz mit Aschenbahn, zwei Volleyballfelder und einige Nebenanlagen. Heute wird das Stadion von der SV Sachsenwerk genutzt. |