Ursprünglich wurde der gesamte Talabschnitt der Weißeritz zwischen Plauen und Tharandt als Plauenscher Grund bezeichnet. Im engeren Sinne gehören die im Tal gelegenen Fluren der Gemeinden Plauen, Dölzschen,
Gittersee und Coschütz bis zur Freitaler Stadtgrenze dazu. Der Grund war schon im Mittelalter Standort mehrerer Mühlen, blieb jedoch ansonsten unbesiedelt. Wirtschaftliche Bedeutung hatte die bis 1875 betriebene
Holzflößerei auf der Weißeritz sowie der Anbau von Obst und Wein an den Hängen. Reste ehemaliger Weinbergsterrassen sind stellenweise noch erhalten. Bereits 1366 wurde in Plauen erstmals eine Wassermühle erwähnt. Im 15.
Jahrhundert folgte die Walkmühle der Dresdner Tuchmacher, die 1568 Kurfürst August erwarb. Dieser ließ das Gebäude abbrechen und im darauffolgenden Jahr durch eine Mahlmühle ersetzen. Als Hofmühle oblagen zeitweise über 60 Orte der Dresdner Umgebung dem Mahlzwang dieser Mühle, welcher erst um 1840 endete. Nach Übernahme der früheren Hofmühle durch Traugott Bienert im Jahr 1852 wurde das Unternehmen als Bienertmühle bekannt.
Bild: Der Plauensche Grund um 1810 - Gemälde von Carl August Richter Im 17. und 18. Jahrhundert war der romantische Grund kurfürstliches Jagdrevier und
Schauplatz prunkvoller Feste. So ließ Kurfürst August der Starke 1698 zu Ehren des Zaren Peter I. eine Parade erzgebirgischer Bergleute aufmarschieren. Im September
1719 fand im Plauenschen Grund das Saturnusfestes anlässlich der Vermählung des Kurprinzen statt. Dabei wechselten Parforcejagden, Komödienaufführungen und Illuminationen ab. Für den Revierförster entstand 1722 das Hegereiterhaus in der Nähe der alten Weißeritzbrücke, welches später als “Forsthaus” beliebte Ausflugsgaststätte
war und erst 1964 abgerissen wurde. Die 1779 errichtete neue Bogenbrücke über den Fluss wird seit Verlegung der durch den Grund führenden Tharandter Straße auf das linke Ufer 1921 nicht mehr genutzt, ist jedoch als Baudenkmal
noch erhalten. 2006 erfolgte ihre Sanierung im Rahmen der Anlage eines Wanderweges durch den Grund (Foto).
1741 wurde der durch das Tal führende Pfad zu einem durchgehenden Fahrweg ausgebaut. Die verbesserten Verkehrsverbindungen und die reizvolle Landschaft
machten das Weißeritztal bei Plauen zu einem beliebten Anziehungspunkt für Dresdner Bürger, unter ihnen viele Künstler. Allein zwischen 1770 und 1830 entstanden über
1000 künstlerische Darstellungen des Plauenschen Grundes, darunter Werke so berühmter Maler wie Caspar David Friedrich, Anton Graff und Adrian Zingg. Als
“Dichter des Plauenschen Grundes” gilt der Literat Wilhelm Müller, der in seinem Werk “Frühlingskranz aus dem Plauenschen Grunde” der Schönheit des Tales ein
Denkmal setzte. Die im Plauenschen Grund durch den Steinbruchbetrieb entdeckten geologischen Aufschlüsse mit Fossilien waren Gegenstand von Forschungen Wilhelm von Humboldts und des Geologen Hans Bruno Geinitz.
Wichtigstes Bodendenkmal ist die hoch über dem Weißeritztal gelegene Heidenschanze auf Coschützer Flur.
Im 19. Jahrhundert geriet der Plauensche Grund stärker ins Blickfeld einer wirtschaftlichen
Nutzung. Existierten bislang nur einige Wassermühlen, entstanden nun erste gewerbliche Unternehmen. So wurde die 1728 entstandene Dölzschener Neumühle deutlich vergrößert, der
benachbarte Eisenhammer entwickelte sich ab 1827 zum Eisenhammerwerk Dölzschen. Aus einem
früheren Kupferhammer ging 1830 die Garnisonsmühle der sächsischen Armee hervor. Die in Burgk und Zauckerode entdeckten Steinkohlevorkommen erforderten jedoch auch eine
Verbesserung der Transportwege. Neben dem Ausbau der Talstraße zur Chaussee zwischen 1807 und 1809 wurde 1855 die Albertbahn mit einem später abgetragenen Tunnel eröffnet. Entlang der
Strecke entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts Wohnhäuser und gewerbliche Bauten. Zu den älteren Gebäuden im Plauenschen Grund zählten die mittlerweile verschwundenen Villen von Josef
Grassi und Friedrich August von Cosel (Coselvilla). 1857 wurde in ihrer Nähe die Felsenkellerbrauerei eröffnet (Foto).
Durch diese Entwicklung verlor der Plauensche Grund viel von seinem ursprünglichen Reiz. Dazu
trugen auch zahlreiche Steinbrüche bei, die den hier vorkommenden Plänerstein (“Plauenscher Stein”) abbauten. Bedeutendster war der Ratssteinbruch, der sich ab 1872 im Besitz der Stadt
Dresden befand. 1902 wurde die Straßenbahnlinie nach Deuben und Hainsberg eröffnet, welche 1974 durch eine Buslinie ersetzt wurde. Als Wahrzeichen des Plauenschen Grundes gelten heute
der in den Zwanziger Jahren entstandene Siloturm der früheren Garnisonsmühle und die hoch über dem Grund gelegene Begerburg in Dölzschen
(historisches Foto). Jüngste Bauvorhaben waren die Anlage eines 121 Meter langen Straßentunnels in der Nähe der Felsenkellerbrauerei (1992) und
der Bau der Autobahnbrücke im Jahr 2001/02. 1998 entstand am früheren Mühlgraben der Hofmühle Dresdens erstes privates Wasserkraftwerk mit einer Maximalleistung von 800 kW.
Foto: Straßenbahnparade im Plauenschen Grund kurz vor der Einstellung am 26. Mai 1974
Verheerende Auswirkungen hatte das schwere Weißeritzhochwasser vom 12/13. August 2002, welches auch den Plauenschen Grund verwüstete. Dabei wurden Teile der Straße sowie die Eisenbahntrasse weggerissen und unpassierbar
gemacht. Auch die im Plauenschen Grund stehenden Gebäude sowie das Wasserkraftwerk wurden in Mitleidenschaft
gezogen. Während die Straße bereits einige Wochen später wieder hergestellt werden konnte, dauerte die komplette Sanierung der Bahnstrecke nach Chemnitz bis Ende 2003. Foto links: Die Folgen des Hochwassers von August 2000 sind am Wasserkraftwerk noch deutlich zu erkennen (September 2002) Foto rechts:
das wiederaufgebaute Wasserkraftwerk im Sommer 2008 Schwebebahn: Zu den Kuriositäten der Verkehrsgeschichte gehörte der um 1900 erwogene Bau einer Schwebebahn
zwischen Rabenau und Dresden. Die Bahn sollte nach dem Wuppertaler Vorbild auf Stelzen über der Weißeritz verlaufen und die heutigen Freitaler Stadtteile Deuben, Döhlen und Potschappel mit
Dresden zu verbinden. In Dresden konstituierte sich dafür eine Aktien- Gesellschaft “Elektra”, die mit den Vorplanungen für die Strecke begann. Als Ausgangspunkt war die Egermühle in Deuben
vorgesehen, von der die Bahn bis zur Endstation unterhalb des Hohen Steins schweben sollte. Als Option waren Verlängerungen über Eckersdorf bis Rabenau und zum Postplatz geplant. Von dort
könnte, so die Vorstellungen der Projektanten, die Schwebebahn unterirdisch durch das Dresdner Stadtzentrum und dann auf Stelzen weiter bis Pirna verkehren. Obwohl das Finanzministerium seine Zustimmung
signalisierte und die Planungsarbeiten durch die ausführende Maschinenbaugesellschaft Nürnberg bis 1899 weitgehend abgeschlossen waren, kam der Bau nie zustande. Grund waren neben den immensen Kosten Proteste von
Naturschützern und Anliegern sowie die 1902 eröffnete Straßenbahnlinie, die der Schwebebahn einen Großteil der Fahrgäste abgezogen hätte.
Einzelne Gebäude: Bahnhof Plauen:
Das Gebäude in der Nähe der Felsenkellerei entstand 1855 als Haltepunkt der am 28. Juni 1855 eröffneten Albertbahn. In unmittelbarer Nähe befand sich einst ein 57 Meter langer Eisenbahntunnel, der 1894/95 dem
Streckenausbau zum Opfer fiel. Der Bahnhof war zugleich erster Unterwegshalt der Windbergbahn nach Gittersee und Possendorf. Wegen der ungünstigen Lage abseits
des Ortes hielten die Züge hier jedoch nur bei Bedarf. Als 1923 die Gleise der Eisenbahn auf einen Hochdamm verlegt wurden, schloss der alte Bahnhof seine
Pforten und wurde nach Altplauen verlegt. Das frühere Bahnhofsgebäude im Plauenschen Grund diente nun als Wohnhaus und ist bis heute erhalten (Foto). Seit einigen Jahren hat hier eine Kunstglaserei ihr Domizil.
Buschmühle: Die Mühle entstand 1559 als Glasschleife, wurde jedoch später als Mahlmühle genutzt. Der Legende nach
soll hier der sagenhafte sorbische Müllergeselle Pumphut beschäftigt gewesen sein. Die romantisch gelegene Mühle,
zeitweise auch Schweizermühle genannt, war in der Romantik beliebtes Motiv für Maler und Zeichner. 1857 wurde die
Buschmühle verkauft und wenig später stillgelegt. Das Gebäude fiel 1871 einer Erweiterung der Felsenkellerbrauerei zum Opfer. Königsmühle:
Die Mühle entstand 1747 auf Initiative des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen Friedrich August III. 1857 und 1892 fielen Teile der Königsmühle
Bränden zum Opfer. Die verbliebenen Gebäude wurden 1899 von den Söhnen Traugott Bienerts erworben und zugunsten anderer Industriebauten abgerissen. U.a. befand sich
hier zeitweise eine Fabrik zur Herstellung von Kühleis, ein Zweigbetrieb eines Spielzeugherstellers sowie ein Lager der Quedlinburger Saatgutwerke. Das unter
Denkmalschutz stehende markante Klinkergebäude an der Tharandter Straße 109 aus dem Jahr 1878 soll künftig zu Loftwohnungen und Büros umgebaut werden (Foto).
Villa Grassi:
Das Gebäude wurde ursprünglich als Huthaus eines 1767 aufgeschlossenen Kupferbergwerks erbaut. Da die Erkundungen jedoch keinen Erfolg brachten, ließen die Besitzer das Haus fünf Jahre später aufstocken und zu einem
Landhaus umbauen. Ab 1799 lebte hier der Malers Josef Grassi, der im August 1800 als Professor an die Dresdner
Kunstakademie berufen wurde und ein beträchtliches Vermögen besaß. Grassi ließ in der Umgebung seiner Villa einen kleinen Aussichtspavillon und ein Badehaus errichten und das Gelände parkartig umgestalten.
Nach der Beseitigung der von französischen Soldaten verursachten Kriegsschäden kam die Villa Grassi 1816 in den
Besitz des Grafen Friedrich von Kalckreuth. Zeitweise wohnte der Liederdichter Wilhelm Müller in diesem Haus, der hier
u. a. die Verse zu seinem “Frühlingskranz aus dem Plauenschen Grunde” und das bekannte Volkslied “Das Wandern ist des Müllers Lust...” schrieb. Später diente das Gebäude als Kaffeehaus und wurde 1857 zugunsten der
Felsenkellerbrauerei abgerissen. Neumühle: Die Mühle entstand 1728 auf Dölzschener Flur und wurde 1766/68 erweitert. 1839 übernahm die sächsische
Weißbäckerinnung den Mahlbetrieb und nutzte die Gebäude nun auch als Bäckerei. 1874 erwarb der Hofbäcker Braune
das Gelände und richtete hier sowie auf dem Grundstück der benachbarten Garnisonsmühle eine moderne Großbäckerei
ein. Erweiterungsbauten entstanden 1903 und nach Ende des Ersten Weltkrieges. Nach 1945 wurde die Mühle vom Konsum-Backwarenbetrieb genutzt. Garnisonsmühle:
Diese Mühle gehörte ursprünglich einer Bauernfamilie aus Coschütz und wurde im 17. Jahrhundert als Kupferhammer genutzt. 1770 entstand an dessen Stelle die Pulvermühle
der sächsischen Armee, die mehrfach durch Explosionen zerstört wurde, trotzdem jedoch noch bis 1830 bestand. Das frühere Wohnhaus der Pulverarbeiter, leider mittlerweile stark verfallen, erinnert noch an diese Zeit.
Mit Verlagerung der Pulverproduktion wurden die Gebäude zur Mühle mit Bäckerei umgebaut, welche vorrangig den Bedarf der Dresdner Garnison decken sollte und deshalb Garnisonsmühle
genannt wurde. 1903 bezog man das Gelände in die benachbarte Großbäckerei der Gebrüder Braune ein. 1917 entstand für diese der bis heute erhaltene Siloturm (Foto). Leider verschwand
die originelle Wetterfahne mit dem Müllerburschen nach dem Zweiten Weltkrieg von der Spitze des Turmes. Während
des Krieges dienten Teile des Gebäudekomplexes als Schmiermittelfabrik für den Rüstungsbedarf. Seit 1990 stehen die
Gebäude der früheren Weizenmühle leer und wurden durch das Weißeritzhochwasser 2002 sowie einen Großbrand im September 2005 schwer beschädigt. Gegenwärtig ist ein Umbau zum Wohn- und Bürohaus geplant.
Zwei-Pfennig-Brücke: Das 1837 als einfache Holzbrücke errichtete Bauwerk wurde im Volksmund früher als “Zwei-
Pfennig-Brücke” bezeichnet, da man hier in den ersten Jahren eine Benutzungsgebühr bezahlen musste. Die Brücke
verbindet die durch den Plauenschen Grund führende Fahrstraße (Tharandter Straße) mit den jenseits der Weißeritz
gelegenen Häusern des Stadtteils Gittersee. 1897 wurde die Brücke beim Weißeritzhochwasser zerstört und durch eine
Fachwerk-Bogenbrücke aus Stahl ersetzt. Diese Brücke war noch bis Anfang der 1990er Jahre erhalten, wurde dann
jedoch durch einen modernen Neubau ersetzt. Bis heute steht sie jedoch nur Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung. |