Straßen und Plätze in Lockwitz


Am Burgwall

Die oberhalb des Lockwitzgrundes gelegene Straße Am Burgwall erinnert an die im 10./11. Jh. entstandene Wehranlage von Lockwitz. Diese diente als Wehrbauernburg dem Schutz der Bewohner in Kriegszeiten. Heute sind von der Anlage keine Reste mehr zu sehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden hier Einfamilienhäuser errichtet.

Foto: Lockwitzer Villensiedlung am Burgwall

Am Galgenberg

Die Siedlung Am Galgenberg wurde früher im Gegensatz zum Niederdorf am Plan als Oberlockwitz bezeichnet. Der Ort entwickelte sich aus zwei Dorfkernen, die erst Ausgang des Mittelalters zusammenwuchsen. Der Straßenname erinnert an den einst hier stehenden Galgen. Die Lockwitzer Rittergutsherrschaft besaß als eine der wenigen im ländlichen Raum auch die Obere Gerichtsbarkeit, was zur Verhandlung von schweren Straftaten und zur Verhängung von Todesurteilen berechtigte. Zu den hier hingerichteten Personen gehörte 1807 der Brandstifter von Reick, dessen Tat einen Großteil dieses Dorfes vernichtet hatte.

Ursprünglich gab es am Galgenberg nur wenige Gebäude, darunter ein seit 1623  dem amtierenden Ortspfarrer gehörendes Gehöft. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden Am Galgenberg und seinen neu angegten Nebenstraßen neue Ein- und Mehrfamilienhäuser. 1930 folgte eine größere Wohnsiedlung.

Am Plan

Der Platz Am Plan (Foto) war einst eine unbebaute Fläche am Rande des Dorfkerns von Niederlockwitz. Hier befand sich eine Furt zur Durchquerung des Lockwitzbaches. Zu deren Sicherung erfolgte während des Dreißigjährigen Krieges 1638 der Bau einer Schanze. Als diese nicht mehr benötigt wurde, ließen die Rittergutsbesitzer die Befestigungen abtragen und an ihrer Stelle zwischen 1685 und 1695 die ersten Häuser errichten. Die Furt wurde 1696 durch eine mittlerweile mehrfach erneuerte Brücke ersetzt. Im Zuge dieser Arbeiten erhielt der Plan sein heutiges Aussehen und bildet den Kern des Niederdorfes. Hier befand sich auch die erste Dorfschule des Ortes.

Wilhelms Gaststätte: Die zu den einst zahlreichen Lokalitäten des Ortes gehörende kleine Schänke befand sich bis 1973 im Familienbesitz und wurde deshalb Wilhelms Gaststätte genannt. Nachdem die letzten Besitzer das Lokal aus Altersgründen aufgaben, nutzten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr die Räume. 2007 begann der Umbau des Hauses zum Hotel Garni.

Lockwitzer Wetterfrosch: Das kleine Wetterhäuschen wurde 1913 unmittelbar an der Brücke aufgestellt und ist seitdem originelles Wahrzeichen von Lockwitz. Das Bauwerk wurde nach einem Entwurf von Jean Pape gestaltet und erhielt als Bekrönung einen Frosch. An den Seiten symbolisieren Tiere wie Hahn und Eule den Tagesablauf. Außerdem informiert eine Wanderkarte über Ausflugsziele der Umgebung. Im Inneren befinden sich verschiedene meteorologische Instrumente und eine Uhr. 1965/67 erfolgte eine Erneuerung des Häuschens. Leider fiel dieses Gebäude im August 2002 dem Hochwasser zum Opfer, wobei lediglich die Froschplastik und drei Reliefplatten gerettet werden konnten. 2004 wurde es unter Verwendung der geborgenen Originalteile wieder hergestellt.
 

Am Wehr

Die kleine Straße Am Wehr in der Nähe des Lockwitzer Dorfkerns erhielt ihren Namen nach dem hier befindlichen Wehr, welches einst den Lockwitzbach aufstaute, um dessen Wasserkraft für den Betrieb der unterhalb gelegenen Mühle zu nutzen. 2002 wurde die historische Anlage beim Hochwasser zerstört. Im Haus Nr. 21 befindet sich seit 1895 der Lockwitzer Kindergarten, welcher bereits nach 1880 auf Anregung des Schokoladenfabrikanten Rüger gegründet worden war. Träger der Einrichtung war eine Stiftung, um auch Müttern mit kleinen Kindern die Arbeit in der Fabrik zu ermöglichen. Seit 2009 wird die Kita vom Verbund Sozialpädagogischer Projekte betrieben.

Dohnaer Straße



Gerberstraße

Die Gerberstraße wurde nach dem Lockwitzer Pfarrer Christian Gottlob Gerber benannt. Gerber war zwischen 1690 bis zu seinem Tod 1731 Pfarrer der Schlosskirche und befasste sich als Verfasser einer Ortschronik auch mit der Geschichte seines Heimatdorfes. In den Zwanziger Jahren entstanden hier die ersten Einfamilienhäuser.

Grohmannstraße

Die Grohmannstraße in Oberlockwitz erhielt ihren Namen nach dem Lockwitzer Ortschronisten und Heimatkundler Johann Samuel Grohmann (1759-1835).

Hermann-Conradi-Straße

Die Hermann-Conradi-Straße wurde nach dem Schriftsteller und Redakteur Hermann Conradi (1862-1890) benannt. Conradi gilt als Vertreter des frühen Naturalismus in der Literatur. Der in ständigen finanziellen Nöten und gesundheitlichen Problemen leidende Autor weilte1888 auf Einladung der Mutter seines Freundes Hänichen für zwei Monate zur Erholung in Lockwitz. Die Wohnhäuser an dieser Straße entstanden in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg.

Foto: Wohnhäuser an der Hermann-Conradi-Straße


Kap-herr-Weg

Der Kap-herr-Weg, unmittelbar hinter dem Schloss gelegen, erinnert an eine einst im Ort ansässige Adelsfamilie. Hermann Christian Kap-herr besaß ab 1867 die Gutsherrschaft Lockwitz und kaufte wenig später die Rittergüter in Bärenklause und im benachbarten Prohlis. Seine Nachkommen erwarben sich Verdienste um das soziale und kulturelle Leben im Ort und wohnten noch bis nach 1945 im Schloss. Mit dem Tod Victor Kap-herrs 1948 endete die Geschichte der Familie im Dresdner Raum. Erhalten blieb neben dem Schloss Lockwitz das Familienmausoleum am Krähenhügel unweit des Kap-herr-Weges.

Lockwitzgrund

Der Lockwitzgrund verbindet Lockwitz mit Kreischa und war einst Standort mehrerer Mühlen. Im 19. Jh. entwickelten sich diese meist zu Industriebetrieben. So wurde bereits 1838 in der früheren Hänichenmühle eine Spiritusfabrik gegründet. Die Niedermühle, später auch als Strohbleiche genutzt, wurde Mitte des 19. Jh. zur Chemischen Fabrik. 1928 gründeten die Besitzer hier eine Hornmehlfabrik. Wechselhaft war auch die Nutzung der einstigen Schmidtmühle, die 1868 in eine Papiermühle umgewandelt wurde und später als Teigwaren- sowie als Polstermöbelfabrik genutzt wurde. Auch die alte Dampfmühle (Lockwitzgrund 10) diente zeitweise als Möbelfabrik. In der Hintermühle gründete 1895 Otto Rüger seine bekannte Schokoladenfabrik. Zweites überregional bekanntes Lockwitzer Unternehmen war die 1893 entstandene Kelterei Donath.

1906 wurde zwischen Lockwitz, Niedersedlitz und Kreischa eine elektrische Überlandstraßenbahn in Betrieb genommen, die bis zu ihrer Einstellung 1977 durch das Lockwitztal verkehrte. Einige Wohnhäuser entstanden in den Jahren zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Zu den größten Bauvorhaben der jüngsten Zeit gehört die neue Autobahnbrücke über das Lockwitztal, die 2005 fertiggestellt werden konnte.

Foto: Die Lockwitztalbrücke der Autobahn Dresden-Prag im Bau (Sommer 2003)

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Preußerstraße

Die Preußerstraße im Dorfkern von Niederlockwitz erinnert an den früheren Rittergutsbesitzer Johann Gottlob Preußer, der sich als sächsischer Landtagsabgeordneter bereits 1810 für die Abschaffung der Lasten der Landbevölkerung einsetzte. Preußer erließ auf freiwilliger Basis seinen Bauern die bestehenden Fronen und Abgaben und trug so wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes bei.

Röhrsdorfer Straße

Oberer Gasthof: An der nach dem nahegelegenen Ort Röhrsdorf benannten Röhrsdorfer Straße befand sich einst der schon 1537 erstmals erwähnte Gasthof. Zur besseren Unterscheidung zum Unteren Gasthof an der Dohnaer Straße wurde dieser später als Oberer Gasthof Lockwitz bezeichnet. Das Lokal schloss nach 1945 seine Pforten und wurde später abgerissen. In der Nachkriegszeit sollte hier ein Kino eingerichtet werden, was jedoch nicht realisiert wurde.


Theilestraße

Die Theilestraße verdankt ihren Namen dem Arzt Friedrich Theile, der 1849 am Dresdner Maiaufstand teilgenommen hatte. Theile ließ sich später in Lockwitz nieder und befasste sich hier mit politisch-historischen Themen. 1878 gründete er die Zeitung “Lockwitzer Nachrichten aus alter und neuer Zeit”. Zeitweise war Theile auch Mitglied des Gemeindevorstandes.

Tögelstraße

Die Tögelstraße im Lockwitzer Dorfkern erinnert an den früheren Lehrer und Kantor Christoph Gottlob Tögel (1791-1845) und dessen Sohn Julius Hermann Tögel (1822-1893). Beide waren auch als Ortschronisten der Gemeinde aktiv und verfassten verschiedene Schriften zu diesem Thema. 1868 entstand an der Tögelstraße die neue Schule des Dorfes. Das Gebiet zwischen Tögelstraße und Lockwitzbach war bereits vor Entstehung von Lockwitz Standort einer altslawischen Siedlung, von der mehrere Funde gemacht wurden.

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