Die Dohnaer Straße ist Teil einer alten Verbindungsstraße zwischen Dresden und der einst wichtigen Burg Dohna. Ihren Ausgangspunkt hat sie im Dorfkern von Strehlen, wo noch einige historische Bauerngüter
erhalten geblieben sind. Hier verlief einst auch die Weichbildgrenze Dresdens, die mit entsprechenden Weichbildsteinen gekennzeichnet wurde. Ein solcher hat sich noch in Altstrehlen erhalten. Nach Zerstörung
der um 1000 entstandenen Burg Dohna im Zuge der Dohnaischen Fehde 1402 verlor der Verkehrsweg schlagartig seine Bedeutung, da Markgraf Wilhelm die wichtige Moltabrücke bei Großluga zerstören ließ und somit die
Verbindung nach Dohna unterbrach. Erst nach Ende der Kampfhandlungen konnte diese Straße wieder durchgängig befahren werden. Im 18. Jahrhundert wurde sie als Alte Teplitzer Poststraße
ausgebaut und diente nun dem Fernverkehr nach Böhmen. Mit Entstehung neuer Verkehrswege im Elbtal verlagerte sich der Verkehr immer mehr auf diese günstigeren Verbindungen, wodurch die alte Straße zum unbedeutenden Ortsverbindungsweg herabsank.
Erst im 19. Jahrhundert griff man auf den ursprünglichen Verlauf zurück. Die alte Dohnaische Straße wurde zur Chaussee ausgebaut und gehört heute als Bundesstraße 172 zu den am stärksten befahrenenen
Ausfallstraßen Dresdens. Bis zur Stadtgrenze folgte diese Straße weitgehend dem ursprünglichen Verlauf. Der Straßenteil zwischen Luga und Dohna existiert heute nur noch als Feldweg. 1899 entstand an der Ehrlichtmühle in
Heidenau die neue Müglitzbrücke, in den 20er Jahren der Neubauabschnitt bis Pirna. Strehlen: Die Dohnaer Straße beginnt im alten Dorfkern von Strehlen, wo noch einige
frühere Bauerngüter erhalten sind. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden weitere Wohn- und Geschäftshäuser, darunter der einstige Gasthof “Zur goldenen Krone”. Bedeutendstes historisches Gebäude ist das 1829 von Thormeyer errichtete alte Strehlener Schulhaus (Nr. 16), welches seit 1977 unter Denkmalschutz steht und heute gewerblich genutzt wird. 1962 wurde an der Dohnaer Straße 53 ein Gemeindehaus für die katholische St.-Petrus-Gemeinde eingeweiht. Strehlener Mühle:
Die Mühle am Kaitzbach entstand Mitte des 16. Jahrhunderts als Wassermühle und wurde 1870 zur modernen Dampfmühle umgebaut. Am 9. August 1883 besiegelte ein Brand das Schicksal des Unternehmens. Nach Abbruch der Ruinen entstand an gleicher Stelle das Mietshaus Dohnaer Straße 18. Bauherr war der Bäckermeister Louis Haase, dessen Nachkommen bis heute im Haus ihre Bäckerei betreiben. 1993 entstand nebenan das kleine “Café Lui”.
Olympia-Kino:
Das kleine Kino an der Ecke Dohnaer/Teplitzer Straße wurde im März 1938 eröffnet. Architekt des Gebäudes war Paul Müller, der das Haus in modernen und sachlichen Formen gestaltete. Im Inneren befand sich hinter dem Foyer mit der Kinokasse der Zuschauerraum mit ca. 500 Plätzen. Außerdem gab es im Obergeschoss ein Wohnung. Die Namensgebung erfolgte vermutlich in Anlehnung an ein bereits vor dem Ersten Weltkrieg gegründetes Filmtheater am Altmarkt. Auch nach 1945 wurde im “Olympia-Kino” der Spielbetrieb fortgesetzt. 1995 schloss das Kino aus wirtschaftlichen Gründen und wurde in der Folgezeit zur Kfz-Werkstatt umgebaut.
Wohnsiedlung Dohnaer/Rayskistraße:
Die nach einem einheitlichem Konzept entworfene Wohnsiedlung entstand zwischen 1930 und 1934 im Auftrag des Baumeisters Hanns Vasak und wurde in Anlehnung an die Formensprache des Bauhauses modern gestaltet. Bereits zuvor hatte die Heimstättengesellschaft Sachsen (HGS) zwischen Dohnaer und Lockwitzer Straße einige Wohnblocks errichten lassen. Die Gebäude beherbergten vorrangig Kleinwohnungen mit Bädern und WC´s. Wegen des Verdachts der Beamtenbestechung und manipulierter Bürgschaften wurden Vasak und der Geschäftsführer der HGS 1934 verhaftet. Die folgenden Zivilgerichtsprozesse zwischen Banken und der am Bau beteiligten Reichspost führten zu einem jahrelangen Rechtsstreit, der erst 1959 mit der Auflösung der Heimstättengesellschaft und der Übernahme der Häuser durch die Deutsche Post endete. Nach 1990 wurde die Siedlung saniert.
Leubnitz-Neuostra: Mit Erreichen der Ortsgrenze zwischen Strehlen und Leubnitz trifft die Dohnaer Straße auf die Bundesstraße B 172, die ihrem weiteren Verlauf bis
zur Dresdner Stadtgrenze folgt. Ursprünglich lagen hier mehrere Ziegeleien, welche heute alle nicht mehr existieren und deren Grundstücke jetzt gewerblich genutzt werden. 1928 entstanden auf Leubnitzer Flur die auch
“Sommersiedlung” genannten Mietshäuser an der Spitzwegstraße. Die übrigen Freiflächen wurden nach 1980 mit einer Plattenbausiedlung bebaut. Beim Bau konnten Reste einer steinzeitlichen Siedlung freigelegt werden. Firma Dr. Klopfer:
Die Nahrungsmittelfabrik an der Dohnaer Straße 103 wurde 1900 von Dr. Volkmar Klopfer gegründet und produzierte in einem speziellen Verfahren Lezithin. Das für die gesunde Ernährung wichtige Pflanzeneiweiß wurde dabei mit Hilfe einer von Klopfer entwickelten Zentrifuge aus Weizenmehl gewonnen und zur Weiterverarbeitung zu Vollkornbrot und Kräftigungsmitteln verkauft. Der international renommierte Lebensmittelfachmann erhielt 1911 auf der I. Internationalen Hygiene-Ausstellung für sein Verfahren den “Großen Preis”.
Bis zum Ersten Weltkrieg wuchs die Belegschaft des Werkes auf zeitweise über 300 Angestellte an. Bedingt durch die Kriegsfolgen und die Inflation geriet der Nahrungsmittelhersteller jedoch in wirtschaftliche
Schwierigkeiten und wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dr. Klopfer fungierte zunächst noch als deren Direktor, schied jedoch wenig später aus seinem Betrieb aus und gründete das Chemische Werk Dr. Klopfer GmbH in Altleubnitz. 1932 wurde die Dr. Klopfer AG geschlossen und das Grundstück verkauft. Nach 1945 befand sich
hier der VEB Weizenin, welcher u.a. Speisewürze, Glutal, Brühpulver und Rohstoffe für die Backwarenindustrie herstellte. Nach der Wende übernahm die Düsseldorfer Handelsgesellschaft Zamek den Betrieb. Die Fabrikgebäude
weisen zum Teil Jugendstil-Dekorationen auf und stehen unter Denkmalschutz. 1997/98 wurde die Anlage saniert und wird heute von einem Sportcenter und einem Autohaus genutzt
Prohlis: Zwischen dem Dorfkern von Prohlis und der Dohnaer Straße entstanden Ende des 19. Jahrhunderts auf Leubnitzer, Prohliser und Tornaer Flur mehrere Ziegeleien. Auf eine solche geht auch
der Naturpark an der Gamigstraße zurück, der mit seinem Teich nach Einstellung des Betriebes angelegt wurde. Bis 1923 betrieben hier die Gebrüder Kunath eine Lehmgrube zur Rohstoffgewinnung ihrer Ziegelei (Dohnaer
Straße 121). Ein weiteres Restloch der 1906 stillgelegten Ziegelei Pahlisch & Vogel wurde nach dem Abriss der Gebäude 1933 zum Freibad Prohlis umgewandelt (Nr. 135). Gegenüber stand bis zur Zerstörung 1945 der Prohliser Gasthof. Hier fand am 31. Mai 1921 die letzte Gemeinderatssitzung vor der Eingemeindung statt.
Ziegeleien an der Dohnaer Straße |
Standort |
Ziegelwerk Mey & Sohn (F. Herrmann und Johannes Mey) |
Dohnaer Str. 60 |
Ziegelwerk Hering (Herings Erben) |
Dohnaer Str. 64 |
Ziegelwerke Reinhold Prenzel (VEB Ziegelwerk Torna)
|
Alttorna 5 |
Ziegelwerke Schmidt & Co. |
Alttorna 7 |
Dampfziegelwerk Pahlisch & Bergmann |
Tornaer Str. 28 |
Ziegelwerke Friedrich Kunath |
Dohnaer Str. 121 |
Ziegelwerke F. Paul Gottschalch (später Pahlisch & Vogel) |
Dohnaer Str. 135 |
Dampfziegelei Thieme & Söhne |
Dohnaer Str. 158 |
Dampfziegelei Müller & Bergmann |
Dohnaer Str. 176 |
Dampfziegelei Robert Kunath (Kunath & Müller) |
Dohnaer Str. 176-180 |
Ziegelwerke Kurt Herrnsdorf |
Dohnaer Str. 194 |
Dampfziegelwerke Hans Leonhardt |
Dohnaer Str. 236 |
Ziegelei Heyde & Waschneck |
Dohnaer Str. 340 |
Lockwitz/Nickern: Der durch die Fluren von Lockwitz und Nickern führende Straßenabschnitt wird von verschiedenen gewerblichen
Einrichtungen geprägt, die meist nach 1990 auf früherem Ziegeleigelände entstanden. Neben zahlreichen Autohäusern wurde
1995 gegenüber der Gleisschleife Prohlis das Einkaufszentrum “Kaufpark Nickern” errichtet. In der 1994 an der Ecke
Fritz-Meinhard-Straße eröffneten Mercedes-Niederlassung erinnert das Café Caracciola an den berühmten Rennfahrer Rudolf Caracciola, der seine Karriere in den Zwanziger Jahren als Autoverkäufer in Dresden begann.
Unterer Gasthof Lockwitz: Der Gasthof entstand als zweiter des Ortes Mitte des 16. Jahrhunderts an der Dohnaer Straße/
Ecke Lockwitztalstraße und wurde 1577 erstmals urkundlich genannt. Zur besseren Unterscheidung vom älteren Oberen
Gasthof erhielt das ursprünglich als Niederschänke bezeichnete Lokal den Namen Unterer Gasthof Lockwitz. 1862 enstand
an gleicher Stelle ein Neubau mit zwei Sälen. 1891/95 wurde dieses Haus von O. Kreyßig um einen Saalanbau und eine
Veranda erweitert. Während der Obere Gasthof heute nicht mehr existiert, blieb der Untere Gasthof auch nach 1945
beliebte Einkehrstätte und wurde wegen seiner häufigen Tanzveranstaltungen bekannt. Nach 1990 befand sich in den
Räumen ein Jugendclub. Heute haben hier verschiedene Unternehmen ihr Domizil. Im 2008 sanierten Ballsaal finden regelmäßig Veranstaltungen statt, außerdem können die Räume für private Feiern gemietet werden |