Der heutige Ebertplatz wurde 1890 auf einer Freifläche in der Nähe der Weißeritz angelegt. Ursprünglich stand hier der Zirkusbau von August Schumann, der 1899 den Zirkus Renz in Berlin übernahm. Der neue
Platz erhielt 1891 den Namen Crispiplatz, benannt nach dem italienischen Staatsmann Francesco Crispi. Crispi (1819-1901) war ab 1887 Ministerpräsident des Königreiches Italien und enger Vertrauter Bismarcks. Löbtau
unterhielt um 1900 freundschaftliche Kontakte mit Crispis Heimatstadt Palermo, die der Gemeinde 1901 eine Statue des Politikers schenkte. Um den Platz entstanden mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser sowie nach der
Jahrhundertwende die Wohnanlage des Dresdner Spar- und Bauvereins. 1926 wurde der Crispiplatz in Ebertplatz umbenannt. Diese Namensgebung sollte an den kurz zuvor verstorbenen ersten Reichspräsidenten der
Weimarer Republik, Friedrich Ebert (1871-1925), erinnern. Da Ebert als ehemaliger SPD- Vorsitzender von den Nazis als “unwürdig” betrachtet wurde, ließen diese 1933 die Benennung wieder rückgängig machen. 1945
zerstörten Bomben Teile der vorhandenen Bebauung, woraufhin der Platz in eine große Grünanlage mit Kinderspielplatz umgestaltet wurde. Die vorhandenen repräsentativen Wohngebäude an der Weißeritzbrücke wurden 1988
zugusten der neuen Hochstraße
gesprengt, die seit 1993 die Platzanlage überspannt. An ihrer Stelle entstand 2008 eine kleine, zur Weißeritz geöffnete Parkanlage. 1962 wechselte der Crispiplatz erneut seinen Namen und hieß nun bis 1993
Willi-Ermer-Platz. Willi Ermer (1903-1949) war ab 1925 Mitglied der KPD und leitete die Abteilung Dresden-Löbtau des Roten Frontkämpferbundes. Nach seiner Entlassung aus dem berüchtigten Strafbataillon 999 war er in der
Nachkriegszeit in verschiedenen Funktionen der SED tätig. 1993 beschloss der Dresdner Stadtrat, dem Platz seinen früheren Namen Ebertplatz zurückzugeben. Zwischen 1964 und 1974 befand sich hier die Wendeschleife der
einzigen Dresdner O-Bus-Linie von Löbtau nach Weißig. Foto: Blick vom Crispiplatz zum Drei-Kaiser-Hof um 1910 Einzelne Gebäude:
Crispidenkmal: Das vom italienischen Bildhauer M. Rutelli geschaffene Standbild des Politikers Francesco Crispi wurde
als Geschenk der Stadt Palermo an Löbtau übergeben und am 26. 10. 1906 feierlich eingeweiht. Nach Umbenennung
des Crispiplatzes in Ebertplatz forderten vor allem linke SPD-Mitglieder die Entfernung des Denkmals. An seiner Stelle
sollte stattdessen ein Gedenkstein für den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert aufgestellt werden. Lediglich die
Erhaltung des von Erlwein gestalteten Denkmalsockels war geplant. Dieser Vorschlag wurde von der Stadt Dresden jedoch abgelehnt. Das Crispidenkmal wurde 1945 bei der Zerstörung der umliegenden Wohngebäude nur leicht
beschädigt, fiel jedoch 1946 der politisch motivierten “Bilderstürmerei” zum Opfer. 1948 verschwand auch der Sockel, so dass heute keine Reste mehr auffindbar sind. Graf-von-Posadowsky-Wehner-Häuser:
Zwischen 1903 und 1905 entstanden am damaligen Crispiplatz die “Graf-von-Posadowsky-Wehner-Häuser” durch den Dresdner Spar- und Bauverein. Das Areal des ehemaligen Weißeritzfloßhofs war
zuvor vom Reichsamt des Inneren erworben und dem Verein per Erbbauvertrag überlassen worden. Die 1945 zerstörte Häusergruppe mit 301 Kleinwohnungen
verfügte über Innenhöfe mit Kinderspielplätzen, Gemeinschaftsbäder und eine Bibliothek und stand vorrangig unbegüterten Mietern offen. Die Finanzierung erfolgte
durch den Evangelischen Arbeiterverein und den erwähnten Erbbauvertrag des Grafen Posadowsky-Wehner, welcher Staatssekretär im Reichsinnenministerium war. Für die damals beispielhafte
Wohnanlage erhielt der Verein 1906 eine Goldmedaille der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung.
Dr.-Höhne-Häuser:
Auch diese Wohnanlage zwischen Ebertplatz, Freiberger und Oederaner Straße entstand im Auftrag des Dresdner Spar- und Bauvereins. Die fünfgeschossige Häusergruppe mit ca. 400 Wohnungen wurde zwischen 1920
und 1921 nach Plänen des Architekten Paul Beck erbaut, welcher auch Schöpfer der Grunaer Gartenheimsiedlung war. |