Elbezweigbahn


Verlauf der Elbezweigbahn um 1910

Die zum Großteil auf Friedrichstädter Flur gelegene Anschlussbahn zwischen dem ehemaligen Albertbahnhof und dem Elbufer diente dem Anschluss der zahlreichen Industrieunternehmen in diesem Gebiet und stellte zugleich die Verbindung zum Elbkai her, wo Güter - vor allem Steinkohle - direkt von der Bahn auf die Elbschiffe umgeladen werden konnte.

Ausgangspunkt der auch “Elbezweigbahn” genannten und nur dem Güterverkehr dienenden Strecke war der Albertbahnhof an der Freiberger Straße. Hier hatte ab 1855 die private Albertbahn ihren Ausgangspunkt, welche dem Kohletransport aus dem Burgk-Zauckeroder Steinkohlerevier diente. Um die abgebaute Kohle auch in entferntere Gegenden Sachsens transportieren zu können, legte die Bahngesellschaft ein ca. 4,3 km langes Anschlussgleis zum Ausschiffungsplatz auf der Altstädter Elbseite in der Nähe der Marienbrücke an. Am 2. April 1856 wurde die Strecke in Betrieb genommen. Drei Jahre später folgte der Bau eines weiteren Gleises bis zum Packhof (Speicherviertel).

Im Zuge der Industrialisierung der Friedrichstadt, Löbtaus und der angrenzenden Stadtteile der Wilsdruffer Vorstadt entstanden schon bald Anschlussgleise zu den hier entstandenen Fabriken. Mit Verstaatlichung der Albertbahn 1868 wurde der Albertbahnhof, der zuvor auch dem Personenverkehr in Richtung Tharandt und Bannewitz gedient hatte, geschlossen und fortan als reiner Güterbahn genutzt. Offiziell trug die Station fortan den Namen "Dresden-Altstadt Kohlenbf". Bereits zehn Jahre später waren verschiedene neue Bahn- und Lagergebäude entstanden, u.a. vier Zollgüterschuppen am Elbkai, acht Ladekräne, ein Telegraphen- und ein Wirtschaftsgebäude. Um Behinderungen des Straßenverkehrs zu minimieren, erfolgte 1880 eine Absenkung der Freiberger Straße und der Bau einer Bahnbrücke. Außerdem wurden die Gleisanlagen am Elbkai in Richtung Ostragehege erweitert und mit den Anlagen der Anschlussbahn des Alberthafens verbunden. Ab 1875 gab es zudem eine Verbindungskurve vom Berliner Bahnhof, deren Gleise sich bis 1894 mit der Elbezweigbahn niveaugleich kreuzten. Innerhalb des Gleisdreiecks lag ab 1895 der Städtische Bauhof. Zudem führten von dort Ladegleise zum Westkraftwerk (Kraftwerk Mitte).

Einschneidende Veränderungen brachte die 1893 durchgeführte Verlegung des Flussbettes der Weißeritz und der Bau des Rangierbahnhofes Friedrichstadt und des Alberthafens mit sich. Auf dem ehemaligen Flussbett entstand 1895 die Großmarkthalle, welche ein eigenes Anschlussgleis erhielt. Eigene Anschlüsse führten auch zur Kristalleisfabrik an der Magdeburger Straße, zum neuen Fernheizwerk hinter der Semperoper und seit 1914 zum Erlweinspeicher an der Devrientstraße. Die Gesamtgleislänge wuchs so bis 1928 auf fast fünf Kilometer an. Im westlichen Teil des Kohlenbahnhofs gab es zudem zeitweise eine Umlademöglichkeit zur Straßenbahn.

Nach 1945 wurde die Kohleverladung am Elbufer eingestellt und das Gelände zum Lagerplatz umgestaltet. Einige Speicher- und Lagergebäude, der Kohlebahnhof und das Verwaltungsgebäude an der Ecke Freiberger Straße/Bauhofstraße waren im Februar 1945 durch Luftangriffe zerstört worden. In den 1950er Jahren wurde eine automatische Entladeanlage für die Kohlezüge errichtet, damit die Kohle mit Hilfe ausgedehnter Bandförderanlagen zum Kraftwerk Mitte transportiert werden konnte. Mit dem Bau des neuen Fernheizwerkes an der Nossener Brücke erhielt auch dieses 1966 einen eigenen Gleisanschluss. Zu den wenigen neuen Hochbauten gehörten die in den 1950er Jahren errichtete Fahrkarten-Druckerei der Deutschen Reichsbahn (Foto links) und einige Lagerschuppen, die zuletzt von Kohlen- und Schrotthändlern genutzt wurden. Die nicht mehr benötigten Gleise nutzte man zum Abstellen schadhafter Lokomotiven.

Nach 1990 verlor die Industriebahn schnell an Bedeutung. Letzte Kunden waren das Kühlhaus und die Markthalle sowie das Heizkraftwerk. Zudem richtete man auf dem Areal 1992 des Kohlebahnhofes eine Betonmischanlage für den Bau des World Trade Centers ein, wobei man die Zuschlagstoffe per Bahn anlieferte. Am 1. März 1993 wurden die Anschlussgleise stillgelegt und wenig später abgebaut. Einige Gleisreste fanden sich bis vor wenigen Jahren noch unter der Marienbrücke. Die Überbauten der Fachwerkbrücke über die Freiberger Straße (Foto) verschwanden 2007. Am Altstädter Elbkai erinnert in der Nähe der Marienbrücke noch das einstige Stellwerksgebäude an die Elbezweigbahn (Foto oben). Die frühere Trasse an der Pieschener Allee ist heute Teil des Elberadwegs.


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