Das Friedrichstädter Lehrerseminar entstand auf Befehl Kurfürst Friedrich August III.
und wurde Ostern 1787 als erste Bildungseinrichtung für Lehrer in Sachsen eröffnet. Mit seiner Gründung sollte eine einheitliche Ausbildung von Volksschullehrern eingeführt und
eine Verbesserung der Qualität des Unterrichts gesichert werden. Die Einrichtung befand sich zunächst in den Räumen der zwei Jahre zuvor erbauten Real- und Armenschule auf der Seminarstraße (Foto)
. Zum ersten Direktor wurde der Diakon Johann Gottlieb Feigenhauer ernannt, dem zwei ausgebildete und zwei angehende Lehrer zur Seite standen.
Zu den bekannten Persönlichkeiten, die zeitweise an diesem Institut wirkten, gehören Carl Heinrich Nicolai und Gustav
Friedrich Dinter. Nicolai war ab 1789 Direktor des Lehrerseminars und ist Verfasser eines “Wegweisers durch die
Sächsische Schweiz”, welcher als erster touristischer Führer durch das Gebirge gilt. Dinter leitete die Einrichtung
zwischen 1797 und 1807. Als einer der ersten Pädagogen legte er Wert auf eine praxisorientierte Ausbildung und setzte
sich für die Abschaffung der Prügelstrafe ein. 1801 ließ er auf dem Schulgelände einen Obstgarten anlegen, der von den
Seminaristen betreut wurde. An ihn erinnert eine Straße auf dem Gelände des Friedrichstädter Krankenhauses. Nach Dinters Weggang und
infolge der Wirren der Befreiungskriege geriet das Lehrerbildungsseminar zeitweise in wirtschaftliche Schwierigkeiten und konnte nur mit Mühe und durch finanzielle Zuschüsse des Seminarleiters Heise vor
der Schließung bewahrt werden. Zwischen 1830 und 1835 war der Einrichtung eine Taubstummenschule angeschlossen.
1848/49 forderten die Lehrer des Friedrichstädter Seminars demokratische Reformen im Schulwesen und eine bessere soziale Absicherung der Volksschullehrer.
1865 verlegte man das Lehrerseminar in einen Neubau zur Waltherstraße 26. Das repräsentative Gebäude entstand nach
einem Entwurf des Baumeisters Carl Adolph Canzler und bot neben Klassenzimmern auch Wohn- und Schlafräume für 80 auswärtige Schüler. 1910 bezog das Lehrerbildungsseminar einen größeren Gebäudekomplex am Weberplatz in Strehlen, der heute von der Technischen Universität - Fakultät Erziehungswissenschaften genutzt wird. Das zuletzt zu
Wohnzwecken verwendete Haupthaus fiel 1945 den Bomben zum Opfer. Das Seminargebäude im Hinterhof, in den Dreißiger Jahren Sitz der Maschinenfabrik Neupert, diente auch nach 1945 gewerblichen Zwecken und wurde später
abgerissen. |