Krankenhaus Friedrichstadt






Krankenhaus
Friedrichstadt

Friedrichstr. 41
01067 Dresden

Tel. 0351/4800

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Nachdem die Krankenfürsorge in Dresden jahrhundertelang in der Hand kirchlich- karitativer Einrichtungen lag, machten sich im 19. Jahrhundert dringend Reformen notwendig. Zu diesem Zeitpunkt stand der Stadt lediglich das bereits 1568 errichtete frühere “Pestilenzhaus” an der Grünen Straße zur Verfügung. Dieses bot nach einer Erweiterung im 18. Jahrhundert Platz für ca. 140 Kranke und Pflegebedürftige, genügte jedoch längst nicht mehr den hygienischen Anforderungen der wachsenden Großstadt. Nach mehrjähriger Suche und mit Hilfe einer großzügigen Spende des Stifters August von Hühnerbein entschied man sich schließlich für einen Umzug des Hospitals in das ehemalige Marcolinipalais an der Friedrichstraße.

Foto: Haupteingang zum Friedrichstädter Krankenhaus

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Verkaufsverhandlungen mit dem Besitzer des Areals, dem Dresdner Stadtrat Carl Ernst Werner, konnte 1845 mit dem Umbau begonnen werden. 1849 richtete die Stadt Dresden in einigen Räumen des Marcolinipalais ein Lazarett für Verwundete des Dresdner Maiaufstandes ein. Im November konnte das neue Stadtkrankenhaus offiziell eingeweiht werden. Zunächst gab es hier nur zwei Abteilungen, die von Hofarzt Dr. Hermann Walther (Innere Abteilung) und Prof. Dr. Eduard Zeis (Chirurgie) geleitet wurden. Für diese standen anfangs 260 Betten zur Verfügung. Außerdem fanden pathologische Untersuchungen zur Aufklärung von Todesursachen statt. Zur seelsorgerischen Betreuung wurde eine Krankenhauskapelle im ehemaligen Festsaal eingerichtet.

Unter Einbeziehung weiterer Gebäude, u.a. des ehemaligen Manteuffelschen Brauhauses wurde das Friedrichstädter Krankenhaus mehrfach erweitert. 1865/67 entstand auf dem Gelände die organisatorisch zunächst getrennte königliche Frauenklinik. 1870 folgte das “Mutterhaus”, ergänzt um drei baulich mit ihm verbundene Pavillons. Hinzu kamen verschiedene Wirtschaftsgebäude und andere für den Krankenhausbetrieb notwendige Einrichtungen, die das historische Bild der Gartenanlage stark beeinträchtigten. Zu den bedeutenden Medizinern, die am Friedrichstädter Krankenhaus tätig waren, gehören Albert Zenker (entdeckte 1860 den Erreger der Trichinenkrankheit), Maximilian Nitze (entwickelte 1877 den Blasenspiegel) und der Pathologe Schmorl, der 1897 das erste Röntgengerät in Dresden anschaffen ließ.

Bereits um 1900 erwies sich die Klinik trotz mehrfacher Erweiterung und ihren insgesamt 1.058 Betten als zu klein, weshalb man sich mit dem Gedanken einer Verlagerung des Krankenhauses befasste. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg und die folgende schwierige finanzielle Lage kam dieser jedoch nicht zustande. Stattdessen wurden in den Zwanziger Jahren weitere Ergänzungsbauten errichtet, u.a. eine Hals-Nasen-Ohren-Klinik und ein Neubau für die Chirurgie.

Die Kriegszerstörungen des Jahres 1945 überstand das Friedrichstädter Krankenhaus ohne größere Schäden, während die Klinik in Johannstadt fast vollständig den Bomben zum Opfer fiel. Nach Verstaatlichung des Gesundheitswesens wurde hier am 15. August 1947 die erste Poliklinik Sachsens eingeweiht. Im gleichen Jahr richtete man im Haus R die neue Augenklinik ein. Nachdem die Wahl zur Einrichtung einer Medizinischen Akademie auf das Johannstädter Krankenhaus gefallen war, wurde das Krankenhaus Friedrichstadt 1957 zum Bezirkskrankenhaus erklärt und entsprechend ausgestattet. In diesem Zusammenhang entstand 1961 ein Schwesternwohnheim in einem Neubau am Hohenthalplatz. Nach 1990 konnten verschiedene Gebäude rekonstruiert und mit moderner Technik ausgestattet werden.

 

Einzelne Gebäude (ab 1849):

Isolierhäuser (Häuser I und K): Die beiden Gebäude (Foto) wurden 1886 zur Unterbringung von Personen mit ansteckenden Krankheiten erbaut. Ursprünglich handelte es sich dabei nur um einstöckige Bauten, welche jedoch schon 1901 um jeweils ein weiteres Stockwerk erhöht werden ssten. Grund war der zunehmende Platzmangel im Krankenhaus. 1891 und 1899 entstanden in der Nachbarschaft zudem vier Wellblechbaracken, um alle Patienten unterbringen zu können.

Fachklinik-Zentrum (Haus K): Das moderne Klinikzentrum wurde 2010/11 an Stelle eines abgerissenen Vorgängergebäudes erichtet und soll künftig die Pflegestation der Augenklinik, die HNO-Klinik und die Dermatologische und Allergologische Abteilung aufnehmen. Verbunden wird es mit dem benachbarten Haus H, in welchem sich Operationssäle befinden.

Hautklinik (Haus L): Das Gebäude an der Bräuergasse 1 diente ursprünglich als Schulhaus für die III. Bezirksschule. Nach deren Verlegung zur Wachsbleichstraße gliederte man den Bau an das Friedrichstädter Krankenhaus an und nutzte ihn ab 1888 für die II. Äußere Abteilung sowie als Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Die Einrichtung war die fünfte Hautklinik im damaligen Deutschen Reich nach München, Würzburg, der Charité in Berlin und Straßburg. 1918 richtete man zusätzlich eine städtische Beratungsstelle für Geschlechtskranke an.  In den Dreißiger Jahren bezog die Hautklinik neue Räumlichkeiten im Klinikgelände, woraufhin im Haus L das Ärztekasino und die Schwesternschule einzogen.

Neue Frauenklinik (Haus M): Der stilistisch an die vorhandene Bebauung des 18. Jahrhunderts angeglichene Dreiflügelbau entstand zwischen 1929 und 1937 und wird seit seiner Fertigstellung als Frauen- und Geburtsklinik genutzt.

Mutterhaus (Haus N): Das sogenannte “Mutterhaus”, auch als “Neues Haus” bezeichnet, wurde um 1870 im ehemaligen Garten des Marcolinipalais errichtet. Durch den Bau des architektonisch an das Palais angeglichenen Gebäudes verschwand die frühere Blickbeziehung zwischen Marcolinipalais und Neptunbrunnen. Unmittelbar mit dem Hauptgebäude sind vier pavillonartige Nebenbauten verbunden, die zwischen 1866 und 1878 entstanden und jeweils einen Krankensaal mit 30 Betten nebst Sanitäranlagen aufnahmen. Diese Lösung galt seinerzeit als fortschrittlich im Krankenhausbau und findet sich in abgewandelter Form auch beim Neustädter Krankenhaus an der Industriestraße in Trachau. Das “Mutterhaus” wird heute von der Chirurgischen Abteilung genutzt.

Ehemalige Frauenklinik (Haus P): Das Gebäude entstand 1865/67 nach Plänen von Carl Moritz Haenel als Königliche Frauenklinik und Landesentbindungsschule. Nach Verlegung dieser Einrichtung in die Johannstadt wurde der an der Dinterstraße gelegene klassizistische Dreiflügelbau auch organisatorisch in das Stadtkrankenhaus eingegliedert. Ein Ergänzungsgebäude wurde 1893 an der Menageriestraße errichtet.

Augenklinik (Haus R): Das Gebäude wurde 1923 als Hals-Nasen-Ohren-Klinik errichtet, wobei die Planungen dem Städtischen Hochbauamt oblagen. Das Äußere ist in schlichten Formen gestaltet und nimmt ebenfalls Elemente des Marcolinipalais auf. Seit 1947 wird es als Augenklinik genutzt.

Haus S: Der zwischen 1926 und 1928 entstandene Erweiterungsbau der Chirurgischen Abteilung, heute als Haus S bezeichnet, durchbricht als einziges Vorkriegsgebäude die Traditionen der Barockzeit. Das Haus wurde vom Städtischen Hochbauamt entworfen und zeigt Anklänge an Bauten des Expressionismus und der neuen Sachlichkeit. Im mittleren Teil des Gebäudes findet sich im Erdgeschoss eine vorgelagerte Terrasse, im 1. Obergeschoss ein  durchgehender Balkon.

Pathologie und Kapelle: Die aus mehreren verbundenen Einzelbauten bestehende Gebäudegruppe entstand um 1895 und schließt das Krankenhausgelände zur Friedrichstraße und zum Matthäusfriedhof ab. In Anlehnung an die vorhandenen Gebäude wurde auch die Pathologie im neobarocken Stil gestaltet. Im Mittelbau befindet sich ein Hörsaal für angehende Mediziner. Zum Komplex gehört auch die ehemalige Krankenhauskapelle mit verglaster Kuppel und Zwiebeltürmchen. Im Inneren sind verschiedene Reliefs mit Symbolen der vier Evangelisten zu sehen. Seit 2010 stehen die zuletzt als Lagerraum genutzte Kapelle und einige Nebenräume als “Haus der Stille” für Andachten und Seelsorge zur Verfügung.

Küchengebäude: Der zur Versorgung des Krankenhauses erforderliche Küchentrakt entstand 1876, wurde jedoch mehrfach modernisiert und erweitert. Das heutige Erscheinungsbild stammt vom letzten größeren Umbau 1925/26. In diesem Zusammenhang wurde auch das benachbarte zweigeschossige Wirtschaftsgebäude gebaut.

Ärztehaus: Das viergeschossige Gebäude entstand 1884 auf dem Grundstück des früheren Manteuffelschen Brauhauses als Beamtenwohnhaus für leitende Angestellte (Friedrichstraße 39). 1945 brannte das Haus aus und wurde 1953 nach Plänen von Werner Poppe wiederhergestellt. Beim Ausbau der Ruine wurden die Fassaden in Anlehnung an das benachbarte Marcolinipalais farblich gestaltet.

 

 


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