Der Name Altenzeller Straße erinnert an einen bereits im Mittelalter vorhandenen Fahrweg
am Fuße der südlichen Elbtalhänge. Da dieser Weg von den Mönchen des Klosters Altzella auf ihrem Weg zum Leubnitzer Klosterhof benutzt wurde, bürgerte sich der Name Zellescher Weg ein. Während der Straßenabschnitt zwischen Fritz-Förster-Platz und
Teplitzer Straße noch heute diesen Namen trägt, benannte man den in der Südvorstadt gelegenen Straßenteil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Zellesche Straße, nach
dem Ersten Weltkrieg in Altenzeller Straße um. Bereits 1851 hatte eine städtische Kommission Bebauungspläne für das Areal zwischen Bahnlinie und Zellescher Straße ausgearbeitet.
In der Folge entstanden an der Altenzeller Straße repräsentative Villen und Landhäuser in unterschiedlichen Stilformen (Foto: Altenzeller Straße 37).
Meist dienten diese als Wohnhäuser für wohlhabende Fabrikanten, höhere Beamte, Professoren und Pensionäre. Aber auch Diplomaten, Privatkliniken und Mädchenpensionate siedelten sich hier an.
Stellvertretend erwähnt werden sollen das Töchterpensionat Bodemann (Nr. 28) und die Chirurgische Privatklinik Dr.
Nahmacher (Nr. 35). Auch im Haus Nr. 23 befand sich zeitweise ein Mädchenpensionat. Ab 1928 wohnte hier der Arzt
Dr. Fromme, Chefchirurg des Städtischen Krankenhauses Friedrichstadt. Auf dem Grundstück der 1945 zerstörten Villa entstand nach 1950 eine Schulturnhalle. 1955 erfolgte an der Altenzeller Straße die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Südvorstadt. An Stelle
ausgebrannter und vollständig zerstörter Villen entstanden nun Wohnblocks für die Wohnungsgenossenschaft (AWG) “Glückauf”, die sich 1961 mit der AWG Süd vereinigte (Foto)
. In den Anfangsjahren wohnten hier hauptsächlich Bergleute der “Wismut” und Aktivisten aus volkseigenen Dresdner Betrieben. Neben diesen
Wohnhäusern blieben jedoch auch einige Villen erhalten, die noch heute an die frühere Bebauung des “Schweizer Viertels” erinnern. Da die Altenzeller Straße 1976 durch den
Bau der Wohnzeile an der Budapester Straße unterbrochen wurde, erhielt das kurze westliche Reststück nach 1990 den Namen Werdauer Straße.
Einzelne Gebäude:
Nr. 11: Das zweigeschossige Landhaus entstand 1863 nach Entwürfen des Architekten Edmund Hanefeldt. Die nach dem
Vorbild der Semper-Nicolai-Schule im Neorenaissancestil gestaltete Villa überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, wurde jedoch 1975 zugunsten der Neubebauung der Budapester Straße abgerissen.
Nr. 26: Diese 1945 zerstörte Villa befand sich in den Dreißiger Jahren im Besitz der Fabrikantenwitwe Elisabeth Pick.
Die Christin jüdischer Herkunft nahm 1935 ihre vier Enkelkinder in Pflege, nachdem deren Eltern verstorben waren.
Enkeltocher Hildegard Hamm-Brücher wurde später als Spitzenpolitikerin der FDP bekannt. 1942 vergiftete sich Elisabeth Pick mit Tabletten, um der drohenden Einlieferung ins Vernichtungslager zu entkommen.
Nr. 29: Das Gebäude wurde 1880 von Rudolf Heyn für den Fabrikanten Lewicki errichtet. Heyn war auch für die
Gestaltung des Polytechnikums am Bismarckplatz zuständig und übte 1893/94 als Professor für Baukonstruktionslehre das Amt des Rektors der Technischen Hochschule aus. Die Villa fiel 1945 den Bomben zum Opfer.
Nr. 32: Das Haus gehörte bis in die Dreißiger Jahre der wohlhabenden jüdischen Familie Cohn. Ab 1940 richteten die
Nazis hier - ebenso wie in der benachbarten Villa des Seidenwarenhändlers Moritz Jacobi (Nr. 41) ein “Judenhaus” ein, in
welches jüdische Bürger zwangsweise einziehen mussten. 1942 wurden die verbliebenen Bewohner nach Theresienstadt
deportiert. Verantwortlich für die Betreuung der Dresdner Judenhäuser war der jüdische Arzt Dr. Gellert, der auf der Altenzeller Straße 4 seine Wohnung und Praxisräume besaß. Nr. 39: Wie die meisten Nachbargebäude orientierte sich auch diese 1885 von August
Seifert errichtete Villa an den Traditionen der Semper-Nicolai-Schule. Sie ist bis auf geringfügige Veränderungen bis heute erhalten geblieben (Foto).
Nr. 41:
In diesem Haus wohnte bis 1935 der Kommunalpolitiker Dr. Eduard Bührer, welcher ab 1927 Zweiter Bürgermeister und Stellvertreter von Oberbürgermeister Dr.
Wilhelm Külz war. Bührer, der 1932 der NSDAP beigetreten war, übernahm im März 1933 kommissarisch das Amt des von den Nationalsozialisten zwangsweise beurlaubten
Külz und leitete bis zur Einsetzung seines Nachfolgers Ernst Zörner die Geschicke der Stadt. 1935 verzog er nach Berlin. Nr. 50: Das Haus an der Einmündung zur Rugestraße wurde 1883/84 nach Plänen des
renommierten Architekturbüros Giese & Weidner erbaut und nach seinem ersten Besitzer Villa Wolf genannt. Das zu den größten Villenbauten des “Schweizer Viertels”
gehörende Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit unbeschadet und besitzt in einigen Räumen eine noch gut erhaltene Innenausstattung. Heute hat hier eine Immobilienfirma ihren Sitz.
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