Die Russisch-Orthodoxe Kirche entstand als eine von mehreren “Ausländerkirchen” der
Südvorstadt. Nachdem sich auf Grund der guten wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Sachsen und Rußland zahlreiche Russen in Dresden niedergelassen hatten, gründeten
diese 1861 eine eigene Gemeinde. Zuvor hatte es bereits 1813 im Brühlschen Palais, Sitz des russischen Gouverneurs Repnin-Wolkonski, eine orthodoxe Kapelle gegeben
Die Gottesdienste fanden zunächst in privaten Räumen auf der Sidonien- und der Beuststraße statt, bevor man sich zum Bau eines eigenen Gotteshauses entschloss. Die Finanzierung des
Vorhabens erfolgte durch Spenden wohlhabender Bürger russischer Abstammung. Neben Alexander von Wollner, der der Gemeinde kostenlos das Grundstück zur Verfügung stellte,
gehörten auch der Kaiserlich-Russische Staatsrat Simeon von Wikulin, der russische Gesandte Wassili Kotzebue und selbst Zar Alexander II. zu den Förderern des Kirchenbaus. Bekannte Gemeindemitglieder waren
der Dichter Fjodor Dostojewski und der Dirigent und Komponist Sergej Rachmaninow. Unter Leitung des Baumeisters Karl Robert Weißbach begann man 1872 mit der Errichtung einer Kirche im altrussischen
Stil. Das Gebäude entstand nach Plänen des deutschen Hofarchitekten des Zaren Harald Julius von Bosse und erhielt fünf
Türme, bekrönt von den typischen Zwiebeltürmchen und einem 40 Meter hohen Glockenturm. Am 6. Juni 1874 erfolgte
die offzielle Weihe des Gotteshauses. Benannt wurde sie nach dem Schutzpatron des Stifters Wikulin in “Kirche des
Heiligen Simeon vom wunderbaren Berge”. Im Inneren befindet sich nach Durchqueren der Vorhalle der eigentliche
Kirchenraum, der durch eine Ikonenwand von den Heiligen Räumen getrennt ist, die nur von Priestern betreten werden
dürfen. Die meisten Ikonen und das Deckenplafond wurden von James Marshall geschaffen. Bemerkenswert ist auch die vergoldete Königspforte mit den Bildnissen der vier Evangelisten und der Verkündigung Marias.
Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelte sich ein ungestörtes Gemeindeleben, nachdem auch der sächsische Staat die Russisch-Orthodoxe Gemeinde als gleichberechtigte christliche Konfession
anerkannt hatte. Mit Kriegseintritt Russlands wurde die Kirche jedoch geschlossen, da man eine “feindliche Beeinflussung” der Bevölkerung durch die in russischer Sprache gehaltenen
Gottesdienste befürchtete. Außerdem mussten 1917 die acht Glocken für die Rüstungsindustrie abgegeben werden.
Ab 1921 durften die in Dresden verbliebenen Gemeindemitglieder ihre Kirche wieder nutzen.
Eine Dresdner Besonderheit war, dass trotz des Zuzugs zahlreicher Flüchtlinge aus dem sowjetisch regierten Russlands die Gemeinde auch weiterhin dem Moskauer Patriarchat
angehörte und sich nicht der oppositionellen “Auslandskirche” anschloss. Erst durch die Nationalsozialisten wurde dieser
Zustand beendet und das Kirchengrundstück 1939 enteignet und der “Russisch- Orthodoxen Auslandskirche”
übertragen. Aus dieser Situation entwickelte sich nach der Wende ein Rechtsstreit, der erst Mitte der 90er Jahre beendet werden konnte.
Den Luftangriff auf Dresden überstand die Kirche mit einigen Schäden, konnte jedoch in ihrer Substanz gerettet werden.
Bis 1952 gelang es, die meisten Kriegsschäden an Dach und Türmen zu beseitigen. Um das Gotteshaus auch in den
Wintermonaten nutzen zu können, richtete man 1964 eine dem heiligen Nikolaus geweihte Winterkirche im Untergeschoss ein. 1976 wurde
das frühere Geläut durch vier provisorische Neugüsse ersetzt. Nicht zuletzt durch den Zuzug zahlreicher Spätaussiedler und Emigranten gehören der Gemeinde heute wieder über 1.200 Gläubige an. 1991/94 erfolgten
umfangreiche Restaurierungsarbeiten. 2006 konnten die von Fred Krönke geschaffenen neuen Glasfenster eingebaut
werden. 2010 wurden acht nach historischem Vorbild in Donezk (Ukraine) gegossene Bronzeglocken erworben, welche seitdem wieder im Glockenturm läuten. |