Hohe Straße


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Die Hohe Straße wurde 1852 auf dem Kamm des heute kaum noch wahrnehmbaren Hahneberges angelegt und verläuft von der Bayrischen Straße hinter dem Hauptbahnhof durch die Südvorstadt bis nach Plauen. Wenig später entstanden im unteren Abschnitt die ersten Villen, denen später großbürgerliche Mietshäuser folgten. Im Zusammenhang mit dem Bau des Hauptbahnhofes wurde 1898 die heute nicht mehr vorhandene Hohe Brücke über die Bahngleise gebaut, welche die Verbindung zur Innenstadt herstellte.

Von der ursprünglichen Bebauung der Hohen Straße hinter dem Bahnhof sind durch die Zerstörungen 1945 und Abrisse in der Nachkriegszeit nur noch wenige Gebäude erhalten geblieben (Foto: Hohe Str. 27). Stattdessen entstanden ab 1955 mehrgeschossige Wohnblocks der Wohnungsgenossenschaften “Glückauf” und “Süd”. Im oberen Teil auf  Plauener Flur prägen hingegen bis heute Wohnhäuser aus der Zeit um 1900 das Bild.

 

Einzelne Gebäude:

Nr. 6: Die um 1870 errichtete Villa wurde in den 20er Jahren von der Studentenverbindung “Corps Albingia” genutzt. Neben Professoren und wohlhabenden Pensionären lebten bis 1945 auch zahlreiche Studenten in der Südvorstadt. Nicht nur Studentenverbindungen sondern auch Privatpensionen und gemeinnützige Vereinigungen boten den Studierenden hier Unterkünfte in unterschiedlichen Preisklassen an.

Nr. 7: Die zweigeschossige Villa wurde 1866 von Hermann August Richter, einem Schüler von Hermann Nicolai, errichtet. Nach mehrfachen Besitzerwechsel lebte hier ab 1919 der Hutfabrikant Oskar Klügel, der seinen Betrieb auf der Großen Plauenschen Straße hatte. Als eines der wenigen Gebäude in diesem Teil des Schweizer Viertels überstand das Haus die Luftangriffe 1945 und blieb bis heute fast unverändert erhalten.

Nr. 8: In diesem heute nicht mehr vorhandenen Wohnhaus lebte zwischen 1924 und 1934 der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer. Bis 1933 war er als Professor für Romanistik an der Technischen Hochschule tätig, wurde jedoch dann wegen seiner jüdischen Herkunft entlassen. 1934 bezog Klemperer ein Haus in Dölzschen, bevor er 1942 in ein ”Judenhaus” auf der Caspar-David-Friedrich-Straße umziehen musste. Nur Dank seiner deutschen Frau und mit Glück überlebte er die Naziherrschaft und verfasste nach 1945 sein berühmtes Buch “L T I” über die Propagandasprache des Dritten Reiches.

Künstliche Ruine: Das Schicksal dieses um 1875 entstandenen Kleinbaus steht exemplarisch für die Verluste an historischer Bausubstanz in der Südvorstadt nach 1945. Der burgartige neogotische Bau wurde als Gartenpavillon einer 1945 zerstörten Villa errichtet und besaß im Innenraum einen kleinen Kamin sowie eine über einen Treppenturm erreichbare Aussichtsplattform. Das unbeschädigte Bauwerk (Foto) verfiel jedoch in der Nachkriegszeit und wurde 1975 zugunsten eines Spielplatzes abgerissen.

Nr. 12: Die nach 1990 sanierte Villa ist heute Sitz des Luxemburger Generalkonsulates. Bereits vor 1945 gab es in der Südvorstadt mehrere diplomatische Vertretungen. So befanden sich in den Zwanziger Jahren auf der Hohen Straße 24 die Konsulate Perus und Boliviens.

Nr. 22: Diese Villa wurde 1903 von Carl Poppe errichtet und erhielt eine aufwendig gestaltete Sandsteinfassade. Neben Anklängen an den Jugendstil weist das Haus reiche Neobarockformen auf, wobei sich der Architekt an den Bauten Pöppelmanns orientierte. Das Gebäude überstand den Krieg mit einigen Schäden, blieb jedoch erhalten. Heutige Nutzer sind die Dresdner Bäckerinnung und der Schutzverband “Dresdner Stollen”.

 

Nr. 27: Die nach 1990 denkmalgerecht sanierte Villa war bis 1946 Wohnsitz der Familie Bierling. Diese besaß in der Wilsdruffer Vorstadt ab 1848 eine bedeutende Kunst- und Glockengießerei, in welcher u.a. die Figuren der Brunnen am Albertplatz, das König-Johann-Denkmal, der Müllerbrunnen in Plauen und über 2000 Glocken entstanden. Mit der Zerstörung der Produktionsstätte an der Flemmingstraße endete 1945 die Geschichte des Unternehmens.

Nr. 40: An der Grundstücksgrenze hinter dem Wohnhaus Hohe Straße 40 ist ein historischer Weichbildstein erhalten geblieben, wie er einst zur Markierung der städtischen Flur verwendet wurde. Der erst 1995 wiederentdeckte Stein trägt das Dresdner Stadtwappen sowie die Jahreszahlen 1679 und 1729 und die Nr. 74.

Nr. 139: Die zweigeschossige Villa entstand 1904/05 nach Entwürfen des Architekten Moritz Ackermann. Das im Landhausstil gestaltete und mit Jugendstilornamenten versehene Haus steht beispielhaft für die Architektur nach 1900, die sich immer mehr von klassischen Bauformen löste. Bemerkenswert ist die gut erhaltene Innenausstattung des Hauses.

  Feinste Christollen

 

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