Leubnitzer Straße


Die Leubnitzer Straße wurde um 1850 im Zusammenhang mit dem Bau des Villenviertels hinter dem Hauptbahnhof angelegt. Ihren Namen erhielt sie nach dem Dresdner Stadtteil Leubnitz. Von den zahlreichen Villen überstanden nur wenige die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs. Einige erhaltene Gebäude am westlichen Ende der Straße wurden 1976 für die Neubauten der Budapester Straße abgerissen. Die durch die Zerstörung entstandenen Baulücken schloss man in der Nachkriegszeit mit Neubauten. Interessantester Abschnitt ist das Gebiet an der Liebig- und Hübnerstraße, wo Dank der erhaltenen Vorkriegsbebauung noch etwas vom Flair des einstigen ”Schweizer Viertels” zu spüren ist.
(Foto: Leubnitzer Straße 23).

 

Einzelne Gebäude:

Nr. 5: Die dreigeschossige Villa wurde 1874 von August Rönitz errichtet. Das Gebäude folgte in seiner Gestaltung der für den Dresdner Villenbau richtungsweisenden Semper-Nicolai-Schule und besaß im Erdgeschoss eine Terrasse mit Freitreppe zum Garten, im Obergeschoss einen mit schmiedeeisernen Gittern verzierten Balkon. Die noch gut erhaltene Villa fiel 1976 dem Abbruch zum Opfer.

Nr. 6: Zu den älteren Bauten im “Schweizer Viertel” gehörte die 1864 entstandene Villa Leubnitzer Straße 6. Das vom Architekten Bär entworfene Gebäude besaß zwei Etagen sowie eine auf Säulen vorgelagerte Terrasse mit Balkon. Auch diese zu den qualitätsvollen Bauten der Nicolai-Schule gehörende Villa wurde 1976 abgerissen. An ihrer Stelle steht heute ein Supermarkt.

Nr. 7 (Villa Haniel): Das nach einem früheren Besitzer auch als Villa Haniel bezeichnete Haus entstand 1868 nach einem Entwurf von Edmund Hanefeldt. Auch Hanefeldt orientierte sich bei der Gestaltung der Neorenaissancefassade an den Vorgaben der Semper-Nicolai-Schule, die zu dieser Zeit als “Leitlinie” des privaten Villenbaus galt. Wenig später erwarb der durch Beteiligungen in der Schwerindustrie des Ruhrgebietes zu Wohlstand gekommene Premierleutnant Richard Haniel das Gebäude. Nach dessen frühen Tod ließ seine Witwe Anna Sophie, Sängerin der Hofoper, das Haus umbauen und deutlich vergrößern. Bemerkenswert ist die teilweise erhaltene Innenausstattung mit Deckengemälden, Stuck- und Marmorverkleidungen und einem “Römischen Bad”. Da das Haus den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstand, nutzte man die Villa später als Wohnhaus für mehrere Familien. 2001 konnte das Gebäude umfassend saniert werden.

Nr. 9: Zeitgleich mit dem Nachbarhaus errichtete Edmund Hanefeldt 1868 diese zweigeschossige Villa. Auftraggeber war der Dresdner Bauunternehmer C. M. Schlächter. Die durch Simse, Bänder und eine vorgelagerte Terrasse mit Freitreppe gegliederte Fassade ist bis heute fast unverändert erhalten geblieben.

Nr. 11: Das repräsentative Wohnhaus an der Ecke zur Hohen Straße wurde 1866 für den Privatier Hermann Francke errichtet. Für die Fassadengestaltung wählte Francke klassizistische Bauformen, die jedoch bei späteren Umbauten verloren gingen. Nach 1900 diente die Villa als Töchterpensionat. 1945 fiel das Gebäude den Bomben zum Opfer.

Nr. 13: In diesem Haus lebte bis zu seinem Tod am 2. April 1877 der erste Dresdner Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Pfotenhauer als Mieter. Pfotenhauer, ausgebildeter Jurist, war nach der Bürgerlich-Demokratischen Revolution 1849 kommissarisch zum Bürgermeister ernannt wurden und durfte ab 1853 den Titel eines Oberbürgermeisters tragen.

Nr. 23: Die sparsam dekorierte Villa wurde 1910 errichtet und orientiert sich an süddeutschen Bautraditionen. Deutlich ist der Einfluss der von Stadtbaurat Hans Erlwein inspirierten “Reformarchitektur” erkennbar. Heute befinden sich in diesem Haus Physiotherapie-Praxen.

Nr. 28 (Villa Möckel): Die mit einer Klinkerfassade und plastischem Schmuck gestaltete neogotische Villa gehört zu den schönsten erhaltenen Gebäuden des Schweizer Viertels. Bauherr und Architekt war Gotthilf Ludwig Möckel, der u. a. auch die 1945 zerstörte Johanneskirche in der Pirnaischen Vorstadt und die Erlöserkirche in Striesen entwarf.

An der Fassade des 1878 fertiggestellten Hauses (Foto) befinden sich neben mehreren Balkons und Erkern zwei lebensgroße Kalksteinskulpturen des Bauherren und seiner Ehefrau. Auch im Inneren sind noch Teile der früheren Ausstattung erhalten.

Nr. 30 (Villa Lingner): Die 1880 von Max Gutmann errichtete Villa erwarb 1896 der Odolfabrikant Karl August Lingner und ließ sie fünf Jahre später von Wilhelm Kreis umbauen und erweitern. Neben Wohnräumen besaß das Haus auch einen saalartigen Anbau für Lingners umfangreiche Privatbibliothek sowie einen Musiksalon mit der Privatorgel des Hausherren. Nach dessen Umzug ins “Lingnerschloss” am Elbhang wechselten mehrfach die Besitzer. Das Haus überstand den Luftangriff 1945 ohne größere Schäden und beherbergte in den 50er und 60er Jahren das Stadtbüro des Klotzscher Flughafens. Fluggäste konnten hier einchecken und wurden dann per Zubringerbus nach Klotzsche zu ihrer Maschine gebracht. Nach 1990 erfolgte eine umfassende Sanierung der Villa, die heute wieder Wohnzwecken dient. Seit Oktober 2011 hat hier außerdem das Honorarkonsulat von Kroatien seinen Sitz.

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