Marienallee



Die Marienallee wurde als zweite große Hauptstraße der Albertstadt 1873 angelegt. Ihren Namen erhielt die Straße fünf Jahre später nach Prinzessin Maria Anna von Portugal (1843-1884), Gemahlin des späteren sächsischen Königs Georg. Die Tochter des Prinzen Ferdinand von Sachsen-Coburg-Saalfeld und der portugiesischen Königin Maria II. hatte den Thronfolger 1859 in Lissabon geheiratet.

An der Marienallee entstanden u. a. das Garnisonslazarett, das Kriegsarchiv und der Komplex der Kadettenanstalt. Die Bauten blieben auch nach 1945 zum Teil in militärischer Verwendung. Auf dem Gelände der früheren Kadettenanstalt hat heute die Heeresoffiziersschule der Bundeswehr ihren Sitz. In einer anderen früheren Kaserne befand sich seit 1947 die Sächsische Landesbibliothek. Nach deren Umzug zum Zelleschen Weg wurden die Räume nur noch als Depot genutzt und beherbergen heute eine Kita.

Einzelne Gebäude:

Heeresarchiv: Das Gebäude Marienallee Nr. 3 wurde 1896/97 als Königlich- Sächsisches Kriegs- und Heeresarchiv erbaut und gehört zu den ersten modernen Archivbauten in Sachsen überhaupt. Dem Baubeginn am 21. September 1896 waren heftige Diskussionen über die erforderliche Finanzierung vorangegangen, so dass sich die Arbeiten immer wieder verzögerten. Am 4. Oktober 1897 erfolgte die Eröffnung. Das Heeresarchiv bestand aus einem Verwaltungsgebäude und dem mit ihm baulich verbundenen Archivflügel, welcher mit Eisenblech beschlagenen Doppeltüren und modernen Feuerschutzeinrichtungen ausgestattet war. Hier lagen auch die Bibliothek und die Lesesäle. Verbunden waren die vier Etagen mittels einer eisernen Wendeltreppe und durch einen Aufzug.

Bis 1945 waren hier alle Unterlagen der früheren sächsischen Armee untergebracht. Die frühesten Urkunden stammten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Später kamen Akten des Geheimen Kriegsratkollegiums aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie die Akten des 1831 entstandenen Sächsischen Kriegsministeriums hinzu. Mit der Eingliederung der sächsischen Armee in die Reichswehr 1921 endete die Sammeltätigkeit, wobei die vorhandenen Bestände bis 1945 an der Marienallee verblieben. Beim Bombenangriff auf Dresden gingen Teile des Archivs verloren, weitere Dokumente wurden nach Kriegsende in die UdSSR verbracht. Die verbliebenen und 1955 teilweise aus der Sowjetunion zurück gebrachten Akten kamen ins zentrale DDR-Militärarchiv und kehrten erst 1991 nach Dresden ins Staatsarchiv zurück.

Während der Archivbau bis heute erhalten blieb, fiel das Verwaltungsgebäude 1945 dem Luftangriff zum Opfer. Nach Ausbau der Ruine diente das Gebäude viele Jahre dem Dresdner Stadtarchiv, welches 1999 in die frühere Heeresbäckerei verlegt wurde.

Freiherrlich-von-Fletchersches Schullehrerseminar: Das Gebäude an der Marienallee 5 entstand 1880 für die bereits 1825 gegründete Einrichtung für Lehrerbildung, welche von Friederica Christiana Elisabeth von Fletcher bereits 1769 gestiftet worden war. Aufgabe war die Ausbildung von Lehrern für sächsische Volksschulen. Nach Auflösung aller Lehrerseminare wurde das Haus ab 1926 als höhere Schule genutzt. Die “Freiherrlich von Fletchersche Aufbauschule und Deutsche Oberschule zu Dresden-Neustadt” besaß ein eigenes Internat und stand nur für Jungen offen. 1945 brannte das Gebäude aus, konnte jedoch in der Nachkriegszeit wieder aufgebaut werden. Zu DDR-Zeiten befand sich hier die 1. POS “Dr. Kurt Fischer”, benannt nach dem kommunistischen Politiker Kurt Fischer (1900-1950), der ab 1945 sächsischer Innenminister und ab 1949 erster Chef der Deutschen Volkspolizei war. Ab 1990 nutzte die 1. Mittelschule “Freiherr von Fletcher” das Gebäude. Seit Schließung dieser Schule im Sommer 2004 ist im Gebäude die Freie Walddorfschule Dresden untergebracht.

Garnisonslazarett: Das Garnisonslazarett entstand 1871 als neues Militärlazarett für die Dresdner Garnison und löste die frühere Einrichtung an der Hospitalstraße ab. Die Anlage war im modernen Pavillonssystem gestaltet und bildete später das Vorbild für den Bau des Güntzheimes (heute Krankenhaus Neustadt) auf der Industriestraße. Die Einzelbauten beherbergten Räume für Schwer-, Leicht- und epidemisch Kranke, Labors, Medikamentendepot sowie Wohnungen für das Personal. Aufgenommen werden konnten bis zu 425 Patienten. In einem weiteren Pavillon konnten ca. 250 leichtere Fälle untergebracht werden. Große Verdienste um die Entwicklung des Lazaretts und die moderne Militärhygiene erwarb sich der Arzt Wilhelm August Roth (1833-1892), der seit 1870 Generalarzt der sächsischen Armee war. An den Militärhygieniker erinnert ein Denkmal vor dem Gebäude mit einem Relief von Heinrich Epler.

Foto: Blick in den Hof des Garnisonslazaretts in den 1930er Jahren

Kadettenanstalt (Heeresoffiziersschule): Im Zusammenhang mit dem Bau der Albertstadt wurde auch die bereits 1692 von Kurfürst Johann Georg IV. gegründete Kadettenanstalt aus der Ritterakademie in der Inneren Neustadt nach Norden verlegt. Für die Einrichtung entstand ein aus fünf Häusern bestehender Gebäudekomplex am Rand der Dresdner Heide, der 1875/78 fertiggestellt wurde. Der Hauptbau beherbergte neben den Wohn- und Schlafräumen der Kadetten auch die Lehrzimmer, eine Aula, eine Bibliothek, vier Arrestzellen sowie Wohnungen für das Lehrpersonal. Überdachte Gänge verbanden dieses Haus mit den benachbarten Gebäuden, in denen u.a. der Speisesaal, die Küche, Lagerräume und ein Tanzsaal untergebracht waren. Außerdem gab es eine großes Exerzierhaus, welches auch als Turn- und Fechthalle genutzt wurde.

Bis 1920 diente die Kadettenanstalt der Ausbildung des sächsischen Offiziersnachwuchses, musste dann jedoch wegen der Bestimmungen des Versailler Vertrages aufgelöst werden. Die Gebäude wurden nun einige Jahre als Landesschule (Reformrealgymnasium) genutzt. Am 18. November 1926 wurde auf dem Gelände der früheren Kadettenanstalt feierlich die neue Infanterieschule durch General Paul von Hindenburg eingeweiht. Leiter der Einrichtung war bis 1930 der spätere Infanterie-General Alexander Freiherr von Falkenhausen. Zu den bekanntesten Lehrern der Einrichtung gehörte Erwin Rommel, der während des Zweiten Weltkrieges als “Wüstenfuchs” bekannt wurde. Auch die späteren Generalfeldmarschälle Wilhelm List, Ferdinand Schörner, Maximilian von Weichs und Karl-Heinrich von Stülpnagel arbeiteten hier als Lehroffiziere. 1935 benannten die Nazis die Schule in Kriegsschule um. Während des Zweiten Weltkrieges befand sich auf dem Gelände einer Fahnenjunkerschule für angehende Infanterieoffiziere.

1945 wurden die Gebäude zunächst von der Roten Armee besetzt und danach von Polizei und Feuerwehr als Ausbildungsstätte genutzt, bevor 1952 die Kasernierte Volkspolizei, später die NVA einzog. U.a. waren hier die Stabskompanie, die 7. Panzerdivision und Teile der Militärakademie untergebracht. 1990 übernahm die Bundeswehr das Areal und ließ die vorhandenen Gebäude sanieren. Hinzu kamen einige Neubauten nach Entwürfen der Architekturbüros Auer, Weber & Partner (Mensa) und Friedrich + Partner (Lehrgebäude). Der Gesamtkomplex umfasst ein modernes Hörsaalzentrum mit insgesamt 38 Unterrichts- und Vortragsräumen, zwei Sporthallen sowie eine Schwimmhalle und bietet Platz für ca. 800 Offiziersbewerber. Am 14. September 1998 wurde die Einrichtung unter dem Namen “Albertstadtkaserne” als Heeresoffiziersschule der Bundeswehr feierlich eingeweiht und setzt heute die militärische Tradition der Albertstadt fort. Am 14. September 2013 erhielt sie den Namen Graf-Stauffenberg-Kaserne.

 

Fotos: Bauten der Heeresoffiziersschule - links das ehemalige Lazarett, rechts die Exerzierhalle

Kadettenbadeanstalt: Das Gebäude wurde 1901/02 als Schwimmbad der Kadettenanstalt errichtet, wobei angeblich Karl August Lingner der Initiator gewesen sein soll. Im Inneren befand sich ein ca. 13 x 6,50 Meter großes Becken mit bis zu 2,40 Meter Wassertiefe. Die Baukosten betrugen nach historischen Unterlagen 125.362 Goldmark.  Das im Jugendstil gestaltete Bad mit Keramikfliesen von Villeroy & Boch diente bis zur Schließung der Anstalt dem Schwimmunterricht der angehenden Offiziere. Nach 1945 wurde es nicht mehr genutzt und von der sowjetischen Armee in eine Bibliothek umgewandelt. Eine Sanierung des Gebäudes erfolgte 1998. Heute dient das Haus als Tagungsraum der Heeresoffiziersschule. Reste des historischen Bades sind unter dem “Blücher-Saal” noch erhalten.

Kadetten-Denkmal: Das Denkmal entstand 1920 im Park der früheren Kadettenanstalt und erinnerte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen des Kadettencorps. Zu den gefallenen Kadetten gehörte auch der bekannte sächsische Jagdflieger Max Immelmann, der 1916 bei einem Einsatz ums Leben kam.

Das Denkmal bestand aus einem massiven Obelisken mit aufgesetzter sächsischer Krone. Der Sockel stammte bereits vom Vorläufer der Anstalt und befand sich bis 1878 an der Kasernenstraße vor der Ritterakademie. Eine Inschrift erinnerte an das 100. Jubiläum der Kadettenanstalt am 3. 10. 1825. Das von William Lossow geschaffene Kadettendenkmal fiel in der Nachkriegszeit wie die meisten Militärdenkmale der Albertstadt der “Bilderstürmerei” zum Opfer.

Infanteriekaserne: Die Kaserne wurde 1894/95 für das Infanterieregiment Nr. 177 errichtet und nach dem damaligen Kronprinzen Friedrich-August-Kaserne genannt. Ein Erweiterungsbau folgte 1904. Später nutzte die Kriegsschule die Gebäude. Vor der Kaserne wurde am 1. November 1937 eine Bronzeplastik aufgestellt, die an das 40-jährige Bestehen des Regimentes und dessen im Ersten Weltkrieg gefallene Angehörige erinnern sollte. Schöpfer der Figuren, die einen stürmenden Fahnenträger und einen Hornisten darstellten, war der Bildhauer R. Schandauer, während die Bauausführung von Erwin Graebner realisiert wurde. Im August 1946 wurde das Denkmal auf Weisung der SMAD beseitigt und später eingeschmolzen.

1947 bezog die Sächsische Landesbibliothek einen Teil des Gebäudekomplexes. Nach Verlegung der Einrichtung zum Zelleschen Weg diente die frühere Kaserne als Magazin der Bibliothek. Anfang 2003 wurden hier provisorische Depoträume der Dresdner Gemäldegalerie eingerichtet, nachdem das bisherige Depot im Zwinger bei der Flut zerstört wurde. 2012 begann der Umbau des Gebäudes zu einer Kindertagesstätte. Die Eröffnung der vom Deutschen Roten Kreuz betriebenen Einrichtung erfolgte am 31. Mai 2013.

Nr. 10: Für die militärischen Einrichtungen der Albertstadt befand sich im nördlichen Abschnitt der Marienallee ein Exerzierplatz. 1903 wurden hier ein Komplex aus verschiedenen Militärgebäuden errichtet, welche u.a. als Pulverhaus und Materiallager für Kleidung und Ausrüstungsgegenstände genutzt wurden. Nach 1990 diente das Haus dem Karstadt-Konzern als Warenlager. 2012 begann der Umbau zu einem Apartmenthaus.

 


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