Die Stauffenbergallee wurde 1873 als Hauptachse der Albertstadt angelegt und als
Paradestraße auf 3 Kilometern Länge mit ca. 30 Metern Breite ausgebaut. Zur Überwindung des Prießnitzgrundes entstand eine 23 Meter hohe Bogenbrücke. Nach
Fertigstellung der Straße erhielt der östliche Teil bis zur Königsbrücker Straße den Namen Carolaallee, der westliche Teil den Namen Prinz-Georg-Allee. Zu beiden
Seiten der Straße errichtete die sächsische Armee verschiedene militärische Bauten, darunter mehrere große Kasernen (Foto: Grenadierkaserne), die Hauptwache der Albertstadt und die Garnisonskirche.
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden weitere Kasernen erbaut, u a. die Artilleriekaserne an der König-Georg-
Allee. Die Gebäude blieben auch nach dem Ersten Weltkrieg in militärischer Nutzung. Obwohl die Bomben des Jahres
1945 auch hier einige Schäden hinterließen, sind die meisten Bauten bis heute erhalten und wurden bis 1990 von der Sowjetarmee und der NVA genutzt. Die Straße wurde zu DDR-Zeiten nach dem kommunistischen Funktionär und
früheren sächsischen Innenminister Dr.-Kurt-Fischer-Allee genannt. 1991 erfolgte die Umbenennung in Stauffenbergallee. Claus Graf Schenck von Stauffenberg (1907-1944) wurde als führender Kopf des Hitler-Attentates
am 20. Juli 1944 bekannt und absolvierte einen Teil seiner militärischen Ausbildung in Dresden. Gebäude an der Carolaallee: Grenadierkasernen:
Die beiden großen Kasernenbauten entstanden nach Plänen Hermann Nicolais zwischen 1873 und 1877 für die sächsischen Grenadierregimenter Nr. 100 und 101. Beide Grenadierkasernen waren baugleich und
besaßen eine Frontlänge von je 345 Metern (Foto). Im Zentrum der symmetrischen Anlage stand das Hauptwachgebäude der Albertstadt. Im Inneren waren die Gebäude nach modernsten Gesichtspunkten ausgestattet und erhielten Wasch- und Speisesäle,
Aufenthaltsräume und Bäder. Den hinteren Bereich nahm ein großer Exerzierplatz ein. Außerdem gab es Pferdeställe,
eine Beschlagschmiede, ein Reithaus sowie einen Schießstand am Rande der Dresdner Heide. Hinzu kamen mehrere Wohngebäude in der Umgebung, die für verheiratete Berufssoldaten zur Verfügung standen. Die Gesamtanlage galt
wegen ihrer modernen Ausstattung als Musterbeispiel für Militärbauten der damaligen Zeit und wurde international bewundert.
Nach 1918 nutzten Reichswehr und später die Wehrmacht die ehemaligen Grenadierkasernen. Beim Luftangriff auf
Dresden brannte das linke der beiden Kasernengebäude nach Bombentreffern ab und wurde bis auf einen Seitenflügel
und Teile des Erdgeschosses in der Nachkriegszeit abgetragen. 1945 übernahm die Sowjetarmee den Komplex. Heute haben in der erhaltenen Kaserne die Landesdirektion Dresden und das Landesamt für Finanzen ihren Sitz. Hauptwachgebäude:
Zwischen den beiden Grenadierkasernen errichtete Hermann Nicolai 1877 ein Wachgebäude. Dieses wurde nicht nur als Aufenthalt der Wache genutzt, sondern erhielt auch zwölf Arrestzellen, Büros und Räume für die
Divisionsbibliothek. Vor dem Gebäude fanden zwei Löwenplastiken von Johannes Schilling Aufstellung. Die beiden Bronzefiguren wurden aus erbeuteten französischen
Geschützen gegossen und sollten Krieg und Frieden symbolisieren. Um 1970 wurden sie demontiert und sind heute verschollen. Das Wachgebäude selbst diente nach 1945 bis
zum Abzug der sowjetischen Truppen als “Museum des Kampfesruhms”. Heute hat hier der sächsische Staatsbetrieb Schlösser und Gärten seine Zentrale.
Fabrice-Mausoleum: Das Mausoleum wurde1893 von Konstantin Lipsius auf dem
Gelände der Kadettenanstalt unmittelbar an der Carolaallee errichtet. Die finanziellen Mittel stammten von sächsischen Offizieren, die mit dem Bauwerk dem 1891
verstorbenen Kriegsminister und Gründer der Albertstadt, Graf Alfred von Fabrice ein Denkmal setzen wollten. Am 11. Oktober 1893 wurden die Särge des Generals und
seiner Frau vom Inneren Neustädter Friedhof in das Mausoleum überführt. Als Krönung des Gebäudes schuf Johannes Schilling eine Bronzestatue Fabrice´s. Diese
zeigte den Grafen in Militäruniform mit Helm in der Hand. Über dem Eingang zum Mausoleum ist noch heute sein Familienwappen zu sehen.
Das Denkmal überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, wurde jedoch 1946
aufgebrochen und geplündert. Die dabei beschädigte Bronzefigur musste wenig später entfernt und eingeschmolzen
werden. Erst in den 50er Jahren wurden die sterblichen Überreste aus dem Mausoleum in die Familiengruft auf dem
St.-Pauli-Friedhof verbracht. Das Fabrice-Mausoleum wurde 1992 von der Bundeswehr restauriert und befindet sich heute, bis auf die fehlende Plastik, wieder im Ursprungszustand.
Gebäude an der König-Georg-Allee: Militärreitanstalt: Die Militärreitschule wurde 1879 für den Bedarf der sächsischen Armee eingerichtet und diente der
obligatorischen Reitausbildung der Offiziere. Der Komplex an der Eisenbahnstrecke nach Görlitz bestand aus zwei Kasernengebäuden für Ausbilder und Kommandierte sowie einer Reithalle und war eine von drei derartigen
Einrichtungen in Deutschland. Hinzu kamen ein Stallgebäude für 160 Pferde und ein großer Reitplatz. 1945 wurden große Teile des Areals durch Bomben schwer beschädigt. Nach Kriegsende entstanden hier die
Kleingärten der Sparte “Friedenswacht”, deren Vereinsheim auf den Grundmauern der einstigen Reithalle steht.
Außerdem erinnert die erhaltene und über 1000 Meter lange Umfassungsmauer an die Vergangenheit des Grundstücks. Ein Restgebäude der früheren Kaserne wird durch die sächsische Polizei genutzt. Gardereiterkaserne:
Die Kaserne entstand 1878 für das Gardereiter-Regiment der sächsischen Armee an der König-Georg-Allee Nr. 12. Die Anlage bestand aus einem
langgestreckten Kasernengebäude mit mehreren Seitenflügeln, fünf Pferdeställen für je 160 Pferde, einer Reithalle sowie einem Krankenstall für erkrankte Tiere. Im
Hauptgebäude befanden sich die Wohn- und Schlafräume der Mannschaften, Wohnungen für Offiziere, Waschräume sowie die für den militärischen Alltag
erforderlichen Einrichtungen. Außerdem gab es ein Offizierscasino mit Veranda und Garten sowie ausgedehnte Reit- und Exerzierplätze. Die Planungen für die
Dachkonstruktion der Reithalle stammen vom französischen Ingenieur Alexandre Gustave Eiffel, welcher diese in der
Zeit seiner Kriegsgefangenschaft 1870/71 in Dresden schuf. Berühmt wurde Eiffel durch den Pariser Eiffelturm .
Nach Eingliederung der sächsischen Armee in die Reichswehr bezog 1919 das Reiter-Regiment Nr. 12 die Kaserne,
dem später die Wehrmacht folgte. Nach 1945 belegten zunächst sowjetische Soldaten die Räume, die jedoch in den 50er Jahren die Kaserne teilweise zu Wohnzwecken freigab. Nach längerem Leerstand wurden die Bauten an einen
privaten Investor verkauft und ab 2009 zu einer Wohnanlage mit 230 Wohnungen umgebaut. Zahlreiche Nebengebäude waren zuvor bereits abgetragen worden. Gardereiterdenkmal:
1919 wurde gegenüber dem Haupteingang ein Obelisk aufgestellt, der an die 108 gefallenen Angehörigen des Regiments im Ersten Weltkrieg erinnerte. Das Denkmal war sieben Meter hoch und trug neben den
Namenstafeln ein Relief mit Darstellung eines Lanzenreiters. Schöpfer des Ehrenmals waren der Bildhauer A. Lange und
der bekannte Architekt William Lossow, der selbst einige Jahre Offizier in dieser Einheit war. Als “militaristisches
Denkmal” wurde das Gardereiterdenkmal mit Ausnahme des Sockels 1953 beseitigt. Die Anlage mit Bastion und Sandsteinbänken blieb dagegen bis heute erhalten und konnte nach 1990 mit Sponsorengeldern restauriert werden. Artilleriekaserne:
Diese Kaserne entstand 1877/78 für das 1. Feld- Artillerie- Regiment Nr. 12 und wurde am 1. 4. 1878 übergeben. Der Gebäudekomplex bestand aus vier Unterkunfts- und Verwaltungsgebäuden, in denen auch die
Artilleriebibliothek und ein Offizierscasino untergebracht waren. Hinzu kamen vier Pferdeställe für je 100 Pferde, ein Reithaus und ein Lagerschuppen zur
Deponierung von Geschützen und Wagen. Außerdem legte man mehrere Reit- und Exerzierplätze an. 1914 erhielt der Komplex den Namen König-Albert-Kaserne.
Im Jahr 1900 entstand auf dem unmittelbar angrenzenden Areal ein weiterer Kasernenbau für das 4. Feldartillerie- Regiment Nr. 48 (König-Georg-Kaserne). Das neogotische Gebäude im Tudorstil (Foto)
bildete zugleich den westlichen Abschluss der Albertstadt. Einige Ergänzungsbauten folgten bis 1919. Mit Auflösung der beiden Regimenter
nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Reichswehr den Gebäudekomplex, nach 1933 die Wehrmacht. 1945 bezogen
zunächst sowjetische Truppen die Artilleriekasernen, später nutzten Bereitschafts- und Volkspolizei die Gebäude. Nach
erfolgter Sanierung haben hier heute verschiedene Einrichtungen der Polizei ihr Domizil. Die derzeit noch leer stehende
König-Georg-Kaserne soll in den kommenden Jahren saniert werden. Künftig soll das Gebäude vom Polizeizentrum des Freistaats Sachsen sowie von der Polizeidirektion “Oberes Elbtal/Osterzgebirge genutzt werden.
König-Georg-Denkmal: In Erinnerung an den 1904 verstorbenen sächsischen König Georg wurde auf dem Gelände der
Artilleriekaserne 1928 ein Bronzestandbild des Monarchen aufgestellt. Das Reiterstandbild zeigte den König in Generalsuniform hoch zu Ross und stammte vom Bildhauer Voelkerling. Dieses Denkmal wurde nach 1945 als
künstlerisch wertlos eingestuft und 1952 auf Beschluss des Stadtrates beseitigt und eingeschmolzen.
Kirchbach-Kaserne: Die Kaserne wurde zwischen 1875 und 1878 errichtet und am 1. April 1878 übergeben. Hier waren die Nachrichtentruppen und das Trainbataillon
Nr. 12 untergebracht. Der Komplex bestand aus einem Kasernengebäude (Foto), einem Stallgebäude, Reithaus und Lagerschuppen. Als einziges größeres Gebäude wurde die bis
1945 von der Wehrmacht genutzte Kirchbach-Kaserne im Zuge der Entmilitarisierung des Deutschen Reiches 1945 gesprengt.
Flak-Kaserne:
Dieser Gebäudekomplex entstand als letztes größeres Militärobjekt der Albertstadt in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Kaserne befand sich hinter dem Hauptgebäude der Artilleriekaserne und wurde bis 1945 von
der Wehrmacht, danach von der sowjetischen Armee genutzt. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Justizvollzugsanstalt am Hammerweg erfolgte in den 90er Jahren der Abriss. |