Straßen und Plätze der Albertstadt

Alaunplatz

Albert-Fromme-Weg

Der Albert-Fromme-Weg wurde nach 1990 auf ehemaligem Militärgelände zwischen Stauffenbergallee und Fabricestraße angelegt. Der Name erinnert an den früheren Chefarzt der Chirurgischen Klinik Albert Fromme (1881-1966), der 1921 nach Dresden kam. Nach 1945 war er Direktor des Krankenhauses Friedrichstadt und später an der Gründung der Medizinischen Akademie beteiligt.

Arno-Holz-Allee

Die von der Marienallee zu den früheren Grenadierkasernen führende Straße erhielt 1879 zu Ehren des regierenden deutschen Kaisers zunächst den Namen Kaiser-Wilhelm-Allee. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde wie bei vielen Straßennamen der Titel weggelassen und die Straße nur noch Wilhelmallee genannt. Bereits im September 1945 erhielt sie jedoch den neuen, bis heute verwendeten Namen Arno-Holz-Allee. Der Schriftsteller Arno Holz (1863-1929) gehörte zu den Vertretern einer neuen naturalistischen Literaturströmung und verfasste Ende des 19. Jahrhunderts mehrere sozialkritische Dramen und Prosastücke.

Charlotte-Bühler-Straße

Die Charlotte-Bühler-Straße gehört zu den Erschließungsstraßen des Industriegeländes und wurde ursprünglich wie auch die benachbarten Straßen nur mit einem Buchstaben bezeichnet (Straße B). 1997 erhielt sie ihren heutigen Namen nach der Psychologin Charlotte Bühler (1893-1974), die zeitweise an der Technischen Hochschule in Dresden lehrte. Später war sie u.a. in Wien und in Los Angeles als Professorin tätig. Zu ihren wichtigsten Werken gehört das Buch “Der menschliche Lebenslauf als psychologisches Problem”, ein Standardwerk der praktischen und experimentellen Psychologie.

Clemens-Müller-Straße

Die frühere Straße 10 auf dem Gelände der ehemaligen Artilleriewerkstätten erhielt 1997 nach einem Dresdner Unternehmer den Namen Clemens-Müller-Straße. Clemens Müller (1828-1902) gründete1855 die erste deutsche Nähmaschinenfabrik und führte diese zu Weltruf. 1883 verlegte er seinen Betrieb auf ein Gelände an der Großenhainer Straße. Verdienste erwarb er sich auch wegen seines für die damalige Zeit beispielhaften Engagements auf sozialem Gebiet.

Elisabeth-Boer-Straße

Die Elisabeth-Boer-Straße wurde im Zuge der Umgestaltung des Areals der ehemaligen Heeresbäckerei angelegt und 1999 nach der früheren Leiterin des Stadtarchivs benannt. Elisabeth Karoline Boer (1896-1991) war ab 1925 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ratsarchivs und 1945 maßgeblich an der Rettung des verbliebenen Archivgutes beteiligt. 1951 übernahm sie die Leitung der Einrichtung. Seit 1999 hat in den Gebäuden der Heeresbäckerei das Dresdner Stadtarchiv seinen Sitz.

Foto: Die ehemalige Heeresbäckerei mit dem Stadtarchiv an der Elisabeth-Boer-Straße

Else-Sander-Straße

Die zuvor als Straße C bezeichnete Straße im Industriegelände trägt seit März 1997 nach der Reformpädagogin Else Sander (1896-1988) den Namen Else-Sander-Straße. Else Sander war viele Jahre als Dozentin und Studienrätin an der Pädagogischen Hochschule tätig und verfasste in den Zwanziger Jahren einige Schriften, in denen sie sich für eine qualifizierte Berufsbildung junger Frauen einsetzte. Während des Zweiten Weltkrieges befand sich auf dem an dieser Straße gelegenen Sportplatz ein Barackenlager für Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa, welche vor allem bei Radio-Mende in der Rüstungsproduktion eingesetzt waren.

Fabricestraße

Die 1879 angelegte Straße trug ursprünglich den Namen Fabricestraße nach dem Gründer der Albertstadt, dem früheren sächsischen Kriegsminister Graf Georg Friedrich Alfred von Fabrice (1818-1891). Fabrice war maßgeblich an der Reorganisation der sächsischen Armee nach Gründung des Deutschen Reiches beteiligt und wirkte an der Seite Bismarcks bei den Friedensgesprächen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 mit. 1876 wurde er mit der Leitung des Gesamtministeriums betraut und erhielt 1882 das Amt des Ministers des Auswärtigen übertragen. Am 1. Juli 1946 wurde die Fabricestraße nach einer kleinen Erhebung in den Hellerbergen in Proschhübelstraße umbenannt, erhielt jedoch auf Beschluss des Stadtrates am 29. September 2011 ihren ursprünglichen Namen zurück. 2010 begann der Bau des Wohngebietes “Carolapark” mit mehreren Doppel- und Reihenhäusern. 2012 folgte ein weiteres Wohnviertel (“Quartier Fabrice”) mit 14 Reihen- und 6 Doppelhäusern.

Militärgericht: Seit 1901 befand sich auf der Fabricestraße 6 das Militärgericht der Dresdner Garnison mit angeschlossener Militärarrestanstalt. Hier wurden bis zum Ende des Ersten Weltkriegs ausschließlich Militärangehörige verurteilt und inhaftiert. Ab 1920 dienten die Gebäude als zivile Strafanstalt, nach 1933 wieder als Gerichtsgebäude des Divisionsgerichts 404 der Wehrmacht. Am 15. September 1945 bezogen Untersuchungshäftlinge des Dresdner Landgerichts die ehemalige Arrestanstalt, während das eigentliche Gerichtsgebäude zeitweise als Sitz der Landesverwaltung Justiz und der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen diente. 1949 mussten die Justizbehörden ihr Domizil zugunsten der Deutschen Volkspolizei bzw. der Sowjetarmee verlassen. Heute befindet sich hier der Sitz der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Im früheren Gefängnisgebäude soll künftig das Depot des Militärhistorischen Museums untergebracht werden.

Feuerwache Albertstadt: Die moderne Feuer- und Rettungswache entstand 2015/16 an der Ecke zur Magazinstraße als Ersatz für die nicht mehr den Anforderungen genügenden Neustädter Feuerwache auf der Katharinenstraße. Die Grundsteinlegung erfolgte am 21. Mai 2014, die offizielle Einweihung am 25. April 2016. In den Gebäudekomplex wurde ein 1893 erbautes Kasernengebäude der Arbeiterabteilung der sächsischen Armee einbezogen. Hier befinden sich Unterkunftsräume der Dresdner Berufsfeuerwehr und des DRK, Schulungs- und Ruheräume, Büros, eine Sporthalle und Küche mit Speiseraum. Die Wache bietet Platz für einen Löschzug mit vier Fahrzeugen sowie Spezialtechnik, u.a. für Straßenbahnhavarien. Das ehemalige Vorratsgebäude der Kaserne dient heute als Übungsraum.

Hammerweg

Der Hammerweg ist Teil eines alten Verbindungsweges von Trachenberge über die Hellerberge nach Klotzsche. Seinen Namen erhielt er nach einem alten Waldzeichen, dem sogenannten "Hämmerchen". Beim Bau des Flugplatzes Hellerberge wurde er in den Zwanziger Jahren unterbrochen und besteht heute aus zwei Teilstücken am St.-Pauli- Friedhof sowie in der Nähe der Deutschen Werkstätten Hellerau. Ab 1996 entstand am Hammerweg eine moderne Justizvollzugsanstalt, die das bisherige Gefängnis an der Schießgasse ersetzte. Der Gebäudekomplex bietet Platz für 750 Strafgefangene und wurde am 6. Juli 2000 eingeweiht. Weitere Flächen werden von der 1993 aus ehemaligen Hausgärten hervorgegangen Kleingartensparte “St. Pauli” genutzt.

2014 erfolgte der Abbruch der ehemaligen Mörtelfabrik am Hammerweg. Die Gebäude waren Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden und wurden nach 1945 u. a. von der Hutfabrik Klingner & Co. und der Wäscherei Schneeweiß genutzt. Künftig ist auf dem Grundstück eine Grünfläche geplant. Erhalten blieb die frühere Fabrikantenvilla Radeburger Straße 4.

Hans-Oster-Straße

Die ursprünglich Schimpff- bzw. Arsenalstraße genannte Verbindung zwischen Tannenstraße und Arsenalhauptgebäude entstand aus einem 1878 erstmals nachweisbaren Fußweg zur Pionierkaserne. Nach dem Ausbau dieses Weges wurde der südliche Abschnitt bis zur Stauffenbergallee ab 1896 Verbindungsstraße genannt. Ein Jahr später erfolgte die Umbenennung in Schimpffstraße. Namenspatron war Generalmajor Hans Otto von Schimpff (1822-1891). Zeitgleich erhielt der nördlich der Stauffenbergallee gelegene Teil den Namen Arsenalstraße.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs galten diese Namen als militaristisch, so dass man beide Straßen unter dem gemeinsamen Namen Tollerstraße zusammenfasste. Namensgeber war der Dramatiker, Lyriker und Erzähler Ernst Toller. Durch die Eingemeindung von Niedersedlitz, wo es ebenfalls eine Ernst-Toller-Straße gab, machte sich jedoch 1950 eine erneute Namensänderung erforderlich. Fortan hieß diese “Zur Stadthalle”. Als Stadt- bzw. Nordhalle diente in der Nachkriegszeit das ehemalige Arsenalgebäude, in welchem sich heute das Militärhistorische Museum befindet. Am 25. Februar 1993 wurde die Straße in Hans-Oster-Straße umbenannt. General Hans Oster (geb. 1887 in Dresden) gehörte ab 1941 der Abteilung Abwehr/Ausland der Wehrmacht an und organisierte gemeinsam mit anderen regimekritischen Offizieren den Widerstand gegen Hitler. Im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 20. Juli 1944 wurde Hans Oster verhaftet und am 9. April 1945 hingerichtet. 2009 begann an der Hans-Oster- / Tannenstraße der Bau einer Wohnanlage mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern.

Fachgerichtszentrum: Neben dem Militärhistorischen Museum haben an der Hans-Oster-Straße auch das Sächsische Landesvermessungsamt und seit 2007 das Fachgerichtszentrum ihren Sitz. Letzteres besteht aus zwei Gebäuden, welche durch einen modernen Zwischenbau miteinander verbunden sind. Das ältere Haus im Tudorstil (Foto) gehörte einst zum Arsenal und wurde, ebenso wie ein kurz nach der Jahrhundertwende entstandener Kasernenbau noch bis 1990 militärisch genutzt. Zuletzt waren hier sowjetische Soldaten untergebracht. 2004-07 erfolgte eine grundlegende Sanierung der Kasernen, welche heute Büros und Verhandlungsräume des Arbeits-, des Sozial- und des Verwaltungsgerichts beherbergen.

Fachgerichtszentrum Dresden: Sozialgericht - Arbeitsgericht - Verwaltungsgericht
Hans-Oster-Str. 4, 01099 Dresden, Tel. 0351/446-0 

Hartmut-Dost-Straße

Die Hartmut-Dost-Straße befindet sich auf dem Areal der früheren Gardereiterkaserne und wurde erst im Zuge der Neubebauung des Areals nach 1990 benannt. Da in den errichteten Neubauten u.a. die Sächsische Landesärztekammer ihren Sitz hat, erhielt sie den Namen des Kinderarztes Friedrich Hartmut Dost (1910–1985). Er gilt als Begründer der Pharmakokinetik, die sich mit der Erforschung der Wirkung von Arzneimitteln im Körper befasst.

Hermann-Mende-Straße

Die ehemalige Straße G im Industriegelände wurde 1997 nach einem Unternehmer Hermann-Mende-Straße benannt. Otto Hermann Mende (1885-1940) gründete 1923 die Mende & Co OHG, die unter dem Namen “Radio-Mende” bis 1945 bedeutendster Betrieb des Industriegeländes war. In den 20er und 30er Jahren wurden hier vor allem Rundfunk- und Funkgeräte gebaut. Heute werden die Gebäude von einigen kleineren Unternehmen sowie als Musikclub “01099” genutzt.

Königsbrücker Straße

Magazinstraße

Die Magazinstraße wurde im Zusamenhang mit dem Bau der Albertstadt zur Erschließung des ausgedehnten Proviant- und Magazinhofes angelegt und verläuft parallel zur Bahnstrecke Dresden - Görlitz. Neben Wirtschaftsgebäuden und Speichern zur Versorgung der Albertstand entstand hier 1892/93 die Kaserne der Arbeiterabteilung der sächsischen Armee.

 

Foto: Magazinstraße - links: ehem. Arbeiterkaserne - rechts die früheren Speicher des Provianthofes
 

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Marienallee

Melitta-Bentz-Straße

Die frühere Straße F, heute Melitta-Bentz-Straße, im Industriegelände wurde 1996 nach der Unternehmerin Melitta Bentz (1873-1950) benannt, die1908 in Dresden den Kaffeefilter erfand. Zunächst entstanden die Filter in ihrer Wohnung in der Pirnaischen Vorstadt, später in einem Hintergebäude auf der Wilder-Mann-Straße in Trachau. 1929 verlegte das Familienunternehmen “Melitta” seinen Sitz nach Minden in Westfalen.

Meschwitzstraße

Die Meschwitzstraße wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Albertstadt auf dem Gelände der Artilleriewerkstätten angelegt. Da sich hier das Pulverlaboratorium für die Munitionsherstellung befand, erhielt sie zunächst den Namen Laboratoriumsstraße, wurde 1903 jedoch nach dem sächsischen Kriegsminister Carl Paul von der Planitz benannt. Da dieser Name als “militaristisch” galt, erfolgte 1946 die Umbenennung der Planitzstraße in Meschwitzstraße nach einem früheren Oberförster der Dresdner Heide. Friedrich Wilhelm Meschwitz (1815-1888) war maßgeblich an der Erschließung des Heidegebietes für den Tourismus beteiligt.

Pulverlaboratorium: Die Gebäude entstanden 1875/76 und ersetzten das bisherige Pulverlaboratorium in der Friedrichstadt, welches dem Bau des Berliner Bahnhofes weichen musste. Als Gegenleistung hatte sich die Direktion der Eisenbahn zum Ankauf eines Grundstückes und zum Bau von sieben neuen Magazinen am Rande der Dresdner Heide auf eigene Kosten verpflichtet. Nachdem diese durch das Kriegsministerium mit der entsprechenden Einrichtung ausgestattet waren, wurde die Anlage als Königlich-Sächsische Munitionsfabrik und Munitionsanstalt in Betrieb genommen. Fortan erfolgte hier die Fertigung von Artillerie- und Infanteriemunition für das XII. Sächsische Armeekorps. 1918 musste die Herstellung von Munition eingestellt werden. Die Gebäude wurden daraufhin abgetragen bzw. von anderen Firmen genutzt. Hier befanden sich u.a. die Produktionsräume der Firma Radio-Mende und der Louis Naumann AG.

Olbrichtplatz

Der Olbrichtplatz entstand 1877 als Vorplatz des Arsenalhauptgebäudes der Albertstadt und wurde ab 1879 Königsplatz genannt. Als Mittelpunkt der Albertstadt legte man hier eine repräsentative Grünanlage mit einer direkt auf den Haupteingang des Arsenals zuführenden Allee an.

1946 erfolgte zunächst die Umbenennung in Nordplatz, am 18. Juli 1950 schließlich  in Dr.-Kurt-Fischer-Platz. Die zum Arsenal führende Straße erhielt dabei den Namen “Zur Stadthalle”.  Kurt Fischer (1900-1950) gehörte bereits in den Zwanziger Jahren der KPD an, emigrierte 1933 in die UdSSR und war nach 1945 maßgeblich an der gesellschaftlichen Umgestaltung im Sinne der neuen Machthaber beteiligt. Ab Mai 1945 hatte er das Amt des 1. Bürgermeisters von Dresden inne und übernahm wenige Monate danach das Amt des Vizepräsidenten der Landesverwaltung Sachsen. Später wurde er Innenminister Sachsens und war bis zu seinem Tod Chef der Deutschen Volkspolizei.

Am 20. Juli 1991 wurde der Dr.-Kurt-Fischer-Platz in Olbrichtplatz umbenannt, die kurze Straße erhielt den Namen Hans-Oster-Straße. Beide Namen erinnern an verdienstvolle Offiziere, die am missglückten Hitlerattentat 1944 beteiligt waren. Friedrich Olbricht (1888-1944) wirkte viele Jahre in Dresden und war ab 1934 Chef des Generalstabs des IV. Armeekorps. Als Mitglied des Generalstabs der Wehrmacht unterhielt er enge Beziehungen zu anderen regimekritischen Offizieren und bereitete mit diesen gemeinsam das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 vor. Das Grab des noch am gleichen Tag in Berlin  hingerichteten Offiziers befindet sich auf dem Nordfriedhof.

Am Olbrichtplatz fand 1994 das Sowjetische Ehrenmal seinen neuen Standort (Foto), welches zuvor ab 1945 am heutigen Albertplatz stand. Schöpfer des Monuments war der Bildhauer Otto Rost. In einem bis 1990 militärisch genutzten Nebengebäude des Arsenals (Olbrichtplatz 1) hat seit 2002 das Dresdner Amtsgericht sein Domizil. Hier sind die Bereiche Zwangsvollstreckung / Insolvenz, das Registergericht und das Grundbuchamt untergebracht. Weitere Räume des 1999 sanierten Gebäudes beherbergen das Sächsische Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen.

Schützenhöhe

Die Schützenhöhe wurde erst 1996 als Erschließungsstraße zwischen Fabricestraße und Stauffenbergallee angelegt. Nach Entwürfen des Stuttgarter Architekten Prof. Striffler entstanden hier 1996/98 moderne Verwaltungsbauten der sächsischen Landesärzte- und Landeszahnärztekammer sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

Stauffenbergallee

Tannenstraße

Die Tannenstraße wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Albertstadt an der Nordseite des Alaunplatzes angelegt. Der östlich der Königsbrücker Straße gelegene Teil trug vor 1945 den Namen Hausenstraße. Max Freiherr von Hausen (+ 1922) gehörte dem Generalstab der sächsischen Armee an und war letzter sächsischer Kriegsminister. Sein Grab befindet sich auf dem Inneren Neustädter Friedhof. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Straßenabschnitt wegen seines “militaristischen” Namens in die Tannenstraße einbezogen.

An der Tannenstraße / Ecke Königsbrücker Straße entstand im Zusammenhang mit der zweiten Ausbauphase der Albertstadt 1904 die Maschinengewehrkaserne. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde diese von der 1. Sächsischen Maschinengewehrabteilung genutzt und diente dann als Polizeikaserne. Heute hat hier das Staatliche Vermögens- und Hochbauamt seinen Sitz. Zwei weitere Kasernen, 1878 und 1913 errichtet und nach 1945 von der Sowjetarmee genutzt, beherbergen seit 2006 das Fachgerichtszentrum der sächsischen Justiz. Beide Gebäude waren 1945 teilzerstört und in den vergangenen Jahren wieder aufgebaut worden. Oberhalb des Alaunparks entstand ab 2008 eine kleine Wohnsiedlung mit Mehrfamilien-Stadthäusern.

In der Nähe befindet sich ein kleiner Kelchbrunnen (Foto), dessen Rekonstruktion im Sommer 2011 abgeschlossen werden konnte. Der Brunnen entstand 1871 beim Bau der Schützenkaserne und wurde über eine Dampfmaschine betrieben. Zugleich diente er dem Brandschutz, da es hier Anschlüsse für Feuerwehrschläuche gab. Leider gingen die vier als Delfine gestalteten Wasserspeier später verloren.

Toni-Sender-Straße

Die Toni-Sender-Straße entstand 2012 im Zuge des neuen Wohnviertel „Quartier Fabrice“ an der Fabricestraße. Toni Sender (1888-1964) war Sozialdemokratin und Journalistin und gehörte von 1924 bis 1933 dem deutschen Reichstag an. Nach 1933 engagierte sie sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und emigrierte 1935 in die USA, wo sie bis zu ihrem Tod politisch tätig war und u.a. in der UNO-Menschenrechtskommission wirkte.

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Werner-Hartmann-Straße

Die frühere Straße E im Industriegelände wurde 1997 in Werner-Hartmann-Straße umbenannt. Mit der Namensgebung wird an den Physiker Werner Hartmann (1912-1988) erinnert. Hartmann befasste sich mit Festkörper- und Halbleiterphysik, musste nach 1945 am sowjetischen Kernforschungsprogramm mitarbeiten und wurde nach seiner Rückkehr 1956 Professor an der Technischen Universität. Hier forschte er vorrangig auf dem Gebiet der Mikroelektronik und war viele Jahre Leiter der Arbeitsstelle für Molekularelektronik (später ZMD).

Die an der Straße befindlichen Werkshallen wurden nach 1990 teilweise zum Konzert- und Veranstaltungsort (“Straße E”) umgebaut und sind heute beliebter Treffpunkt für Partys und Musikevents (Foto). Historische Ziegelbauten und Schlusssteine an einzelnen Häusern erinnern an die früher hier ansässigen Firmen. Erhalten blieben auch die ehemalige Kantine und die Gebäude der Zünderwerkstatt der Munitionsfabrik.

Reithalle (“Bunker”): Das Gebäude entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Reithalle der Königlich-Sächsischen Kavallerie. Später wurde es ein eine Rüstungsfabrik umgewandelt, in dem u.a. Munitionsteile gefertigt wurden. Während des Zweiten Weltkrieges legte man unter einem Anbau einen Luftschutzbunker für die hier beschäftigten Arbeiter an. Diese Räumlichkeiten sind heute unter dem Namen “Bunker” Veranstaltungsort für Dark-Wave-Konzerte. Auch die frühere Reithalle dient seit einigen Jahren als Konzertsaal.


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