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Die Albertstadt wurde ab 1873 auf dem bis dahin unbebauten Gelände der Hellerterrassen im
Norden der Stadt planmäßig angelegt und als Garnison der sächsischen Armee ausgebaut. Bis 1945 bildete die Militärstadt mit ihren Kasernen, wirtschaftlichen und militärischen Einrichtungen
einen selbstständigen Gutsbezirk und wurde erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Dresden eingemeindet. Namensgeber des Stadtteils war der ab 1873 regierende sächsische
König Albert, der zugleich als Oberbefehlshaber aller sächsischen Truppen fungierte. Für die Anlage der Albertstadt wurden Teile des Fischhäuser und Neudorfer Staatsforstreviers sowie
Flurstücke der Stadt Dresden und der Gemeinden Loschwitz, Klotzsche, Rähnitz und Wilschdorf einbezogen. 1883 wurde das Areal offiziell zum selbständigen Gutsbezirk erklärt.
Als eigentlicher Gründungstag der Albertstadt gilt jedoch der 7. Februar 1873, als die sächsische Ständeversammlung die Pläne des Kriegsministeriums billigte. Mit einer politisch und wirtschaftlich selbstständigen
Militärstadt sollten kurze Entscheidungswege erreicht und unerwünschter politischer Einfluss von den Militärangehörigen
ferngehalten werden. Gleichzeitig gelang es jedoch, moderne Erkenntnisse der militärischen Ausbildung und der
Militärhygiene umzusetzen und so die Lebensbedingungen der Soldaten spürbar zu verbessern. Zuvor waren die meisten
Militärangehörigen in beengten Unterkünften in der Alt- und Neustadt, zum Teil sogar in Privathäusern untergebracht.
Außerdem hemmte die enge Verflechtung zwischen militärisch genutzten und zivilen Objekten die weitere städtebauliche Entwicklung Dresdens. Ältestes Gebäude der Albertstadt
war die bereits 1871 von französischen Kriegsgefangenen errichtete Schützenkaserne am Alaunplatz, die 1945 einem Luftangriff zum Opfer fiel. 1875 kaufte der sächsische Staat für 60.000 Reichsmark dem
Privatier Carl Friedrich Basold weitere 1.500 Hektar Land ab, so dass mit der Umsetzung der großzügigen Planungen
begonnen werden konnte. Der folgende Bauabschnitt wurde vom sächsischen Kriegsminister Georg Friedrich von Fabrice
geleitet. Unter Mitwirkung der Architekten Hermann Nicolai und Gustav Rumpel sowie der Königlich-Sächsischen Militärbaudirektion entstanden die Kasernen und Nebengebäude der um 1890 20.000 Mann zählenden Dresdner
Garnison. Hauptachse der Albertstadt war die heutige Stauffenbergallee, die auf 3 km Länge als Heer- und Paradestraße
ausgebaut wurde. Hier befanden sich die großen Kasernen der sächsischen Infanterieregimenter, das Hauptwachgebäude, die Garnisonskirche und weitere Militäreinrichtungen. Zweiter wichtiger Komplex war das Arsenal an der Kreuzung der neuen Heerstraße mit der Königsbrücker Straße. An
das Arsenalhauptgebäude, welches heute als Militärhistorisches Museum dient (Foto), schlossen sich die umfangreichen
Militärwerkstätten an. Dieses Zentrum der Rüstungsindustrie vereinigte Lager- und Magazingebäude, Werkstätten zur
Fabrikation militärischer Geräte und ein Pulverlaboratorium zur Munitionsherstellung. Die bis 1918 mehrfach erweiterten
Anlagen mussten nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages aufgegeben werden. In
den Hallen und Werkstattgebäuden siedelten sich daraufhin verschiedene zivile Unternehmen an, so dass dieser Teil der Albertstadt heute allgemein als Industriegelände bekannt ist. Auf den Flächen zwischen Königsbrücker Straße und Eisenbahn befand sich der
Provianthof zur Versorgung der Dresdner Garnison mit der Heeresbäckerei, Wäscherei und Speichern (Foto) sowie das Militärfestungsgefängnis. Nach dem Tod
Fabrices 1891 setzte sein Nachfolger Carl Paul von der Planitz den Ausbau der Albertstadt fort. U.a. entstanden 1897 das Sächsische Kriegsarchiv an der Marienallee, nach der Jahrhundertwende weitere Kasernenbauten an der König-
Georg-Allee und der Tannenstraße sowie 1910 das Sächsische Soldatenheim.
Bis 1920 war die Albertstadt Sitz der Kadettenanstalt, einer traditionsreichen
Ausbildungsstätte der sächsischen Armee. Als Nachfolgeeinrichtung wurde 1926 eine Infanterieschule der Reichswehr eingerichtet. Zu den bedeutenden Militärs, die zeitweise
in der Albertstadt lernten und dienten, gehören die durch ihre Beteiligung an der Bewegung des 20. Juli 1944 bekannten Offiziere Claus Graf Schenck von Stauffenberg,
Ludwig Beck, Friedrich Olbricht, Hans Oster und Erwin von Witzleben, an die heute zum Teil Straßennamen erinnern. Einige Gräber bekannter Militärs befinden sich auf dem Nordfriedhof (Foto), der als Garnisonsfriedhof zusammen mit der Albertstadt angelegt wurde.
Das nach dem Ersten Weltkrieg zum Großteil entmilitarisierte Gebiet sollte ursprünglich als Stadtteil nach Dresden eingemeindet werden. 1921 bildete sich aus diesem Grund ein Einwohnerausschuss, der eine demokratische
Gemeindeverwaltung für die Albertstadt installieren wollte. Alle Versuche scheiterten jedoch am Widerstand des
Gesamtministeriums. Während bis 1924 alle selbstständigen Gutsbezirke in Sachsen aufgelöst wurden, behielt die
Albertstadt ihren Sonderstatus wegen “wesentlicher öffentlicher Belange”. Nach 1933 rückte die militärische Nutzung wieder stärker in den Vordergrund. 1935 übernahm die Heeresstandortverwaltung Dresden die gesamten
Verwaltungsaufgaben des Gutsbezirkes, der ab 1938 offiiziell Heeresgutsbezirk Albertstadt genannt wurde. Mit Kriegsbeginn wurden die im Industriegelände ansässigen Firmen in die Rüstungswirtschaft des Deutschen Reiches
einbezogen. 1945 blieb die Albertstadt trotz ihrer militärischen Bedeutung weitgehend unzerstört. Bereits am
1. Juli gab Oberbürgermeister Friedrichs die Eingemeindung des Gebietes nach Dresden bekannt und beschlagnahmte sämtliche Gebäude und Grundstücke zugunsten der Stadt. Dieser Beschluss
musste Ende 1945 rückgängig gemacht werden, da auch das Land Sachsen seine Ansprüche geltend machte. Die Verwaltung der Albertstadt blieb jedoch bei der Stadt Dresden. Die
Kasernen und sonstigen militärischen Einrichtungen wurden meist von der Sowjetarmee, später auch von der NVA genutzt (Foto: ehem. Artilleriekaserne). Für die hier verstorbenen
sowjetischen Militärangehörigen entstand 1945 der Sowjetische Garnisonsfriedhof in der Heide.
Mit Auflösung der NVA und dem Abzug der letzten GUS-Truppen 1994 rückte die frühere Militärstadt wieder stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Mitte der 90er Jahre begann die Rekonstruktion vieler
Gebäude, die heute u. a. vom Regierungspräsidium, als Funkhaus des MDR und für andere Verwaltungszwecke genutzt werden. Bereits zuvor nutzten das Stadtarchiv und die Sächsische Landesbibliothek ehemalige Militärgebäude. Die
militärische Tradition des Stadtteils wird seit 1998 von der Heeresoffiziersschule der Bundeswehr und vom Militärhistorischen Museum fortgesetzt. Außerdem entstanden im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs einige
Neubauten für verschiedene öffentliche Einrichtungen.
 
Fotos: Fachgerichtszentrum an der Hans-Oster-/Tannenstraße (links) -
Heeresoffiziersschule (Mitte) - Neubau der Landesärztekammer an der Schützenhöhe (rechts) |
Kraftwerk Albertstadt:
Um eine weitgehende Unabhängigkeit der Militärstadt zu sichern, entstand 1901 auf dem Gelände der Artilleriewerkstätten eine “Electrische Zentrale”, kurz darauf das Wasserwerk Charlottenstraße.
Am 1. 10. 1902 nahm das neue Kraftwerk seinen Betrieb auf. Dieses erhielt neben einer Dampfkesselanlage 1909 auch ein Dieselaggregat, um eine
Notstromversorgung im Havariefall absichern zu können. Eine Erweiterung erfolgte 1916/18, vor allem um den Energiebedarf der zahlreichen neuen Rüstungsfabriken
abzusichern. Ab 1922 wurde das Werk von der Industriegelände-Gesellschaft Dresden-Albertstadt betrieben.
1945 ließ die Rote Armee einen Großteil der technischen Anlagen demontieren, was zu einer zeitweisen Stilllegung des
Werkes führte. 1949 wurde es als Kraftwerk Nord in den Verband der Dresdner Kommunal-Wirtschaftsunternehmen (KWU) eingegliedert. Unter Regie des Nachfolgers VEB Energieversorgung Dresden erfolgten in den 60er und 80er
Jahren Erweiterungen, um das gesamte Industriegelände kontinuierlich versorgen zu können. Nach 1990 wurde das Kraftwerk modernisiert und auf Heizöl- bzw. Erdgasfeuerung umgestellt. Das 1996 äußerlich denkmalgerecht
wiederhergestellte Kraftwerk dient heute vorrangig der Fernwärmeerzeugung. Wasserwerk Albertstadt:
Das Wasserwerk an der Charlottenstraße entstand 1901/03 zur Versorgung der Albertstadt und ist drittältestes in
Dresden. Der Klinkerbau entstand auf dem Areal einer im Dreißigjährigen Krieg aufgeschütteten Schwedenschanze und
beherbergt die technischen Anlagen, die stündlich bis zu 300 Kubikmeter Grundwasser liefern können. 1908 und 1915
erfolgten Erweiterungen des Werkes. Nach 1990 wurde das Wasserwerk vom öffentlichen Netz genommen und versorgt
heute ausschließlich das Chipwerk Infineon mit Brauchwasser. Gebäude und Ausstattung stehen unter Denkmalschutz. Postamt:
Zur postalischen Versorgung der Albertstadt entstand 1891 an der Königsbrücker Straße ein eigenes Postamt. Bis 1945 blieb die Albertstadt auch postalisch selbstständig
. Das Postamtsgebäude befand sich auf dem Grundstück Königsbrücker Straße 90 und wurde offiziell als Militärpostamt Dresden N 15 bezeichnet. Weiterführende Literatur und Quellen
Albertstadt-Nachrichten 28. Juli 2010:
Im Militärhistorischen Museum werden die ersten Exponate eingeräumt. Vorerst müssen Großgeräte wie das älteste deutsche U-Boot, das Geschütz “Faule Magd” und ein Militär- Hubschrauber in das Haus transportiert werden, bevor die Außenmauern endgültig geschlossen werden.
23. Juli 2010:
Der Umbau des ehemaligen Getreidespeichers an der Heeresbäckerei kommt voran. Zur Zeit wird das Gebäude komplett entkernt, um Platz für die künftigen Zwischenetagen zu schaffen. Nach seiner Fertigstellung soll hier das Zwischenarchiv des Stadtarchivs untergebracht werden.
7. April 2010:
Bis zum Jahresende soll die Sanierung der früheren Gardereiter-Kaserne Stauffenbergallee 12 komplett abgeschlossen sein. Künftig sind hier moderne Wohnungen geplant.
30. März 2010:
An der Proschhübelstraße soll in diesem Jahr mit dem Bau des neuen Wohngebietes “Carolapark” begonnen werden. Geplant sind mehrere Doppel- und Reihenhäuser mit insgesamt 26 Wohnungen. Die Gebäude befinden sich unterhalb der 2004-07 begrünten ehemaligen Deponie und werden mit einer Anliegerstraße an die Proschhübelstraße angebunden.
20. Januar 2010:
Ende Februar sollen die Umbauarbeiten am ehemaligen Getreidespeicher an der Heeresbäckerei beginnen. In den denkmalgeschützten Bau wird künftig das Zwischenarchivs des Dresdner Stadtarchivs einziehen, in dem aufbewahrungspflichtige Dokumente bis zu ihrer endgültigen Archivierung eingelagert werden.
26. September 2009:
Mit einer Eröffnungsveranstaltung feiern die Verantwortlichen des Projekts “Zeitenströmung” die offizielle Einweihung des Areals. Auf dem Gelände des ehemaligen VEB Strömungsmaschinenbaus befinden sich heute Oldtimerwerkstätten und verschiedene Dienstleistungsunternehmen.
17. September 2009:
Die Sanierungsarbeiten an den früheren Kasernen der Stauffenbergallee 16-22 sind zur Hälfte geschafft. In den kommenden Wochen sollen nun noch die Fassaden nach historischem Vorbild erneuert und die Innenausstattung eingebaut werden. Künftig wird hier die Polizeidirektion Elbtal-Osterzgebirge untergebracht.
13. August 2009:
Der im Juli nach Insolvenz geschlossene Club “Fahrenheit 100” auf der Werner- Hartmann-Straße soll bereits im September wieder geöffnet werden. Die neuen Betreiber planen hier Partys und Diskoveranstaltungen.
13. August 2009:
Ende 2009 soll in den neuen Produktionshallen der Firma Pharmatec an der Heeresbäckerei die Produktion aufgenommen werden. Die Hallen entstehen auf dem Areal eines abgerissenen Kornspeichers und sollen künftig noch um ein Bürogebäude und eine Verladefläche ergänzt werden. Der unter Denkmalschutz stehende baugleiche zweite Speicher wird künftig vom Stadtarchiv genutzt.
28. Juli 2009:
Das ehemalige Militärgebäude Olbrichtplatz 3, welches seit einigen Jahren als Amtssitz des Staatsbetriebes Geoinformation und Vermessung Sachsen dient, wird in den kommenden Monaten saniert. Geplant ist eine Wiederherstellung des historischen Äußeren sowie eine Modernisierung der Innenräume. Auch die Außenanlagen sollen neu gestaltet werden.
7. Juli 2009:
Auf dem Alaunplatz soll bis Ende 2010 eine neue Kindereinrichtung mit Krippe und Kindergarten entstehen. Die beiden Neubauten sollen im Nordteil des Alaunparkes erbaut werden und die maroden Gebäude aus DDR-Zeiten ersetzen. Nach Fertigstellung der neuen Kita werden diese abgerissen und die Flächen wieder begrünt.
5. Juli 2009: An der Königsbrücker Straße 86 eröffnet ein neues Senioren- und Pflegeheim mit 142 Plätzen. Betreiber ist die Unternehmensgruppe K+S Seniorenresidenzen. 10. Juni 2009:
Der Springbrunnen an der Tannenstraße oberhalb des Alaunparks soll bis 2011 saniert und in den Ursprungszustand versetzt werden. Die Finanzierung übernehmen der Investor des derzeit im Bau befindlichen Wohnparks, die Stadt und private Spender. Ein Spendenkonto wurde bei der Ostsächsischen Sparkasse eingerichtet: BLZ 850 503 00, Kto. 31 20 00 00 34, Kennwort: “Brunnen Alaunplatz. “.
6. Oktober 2008:
Im Beisein des Stararchitekten Daniel Libeskind und des Verteidigungsministers Jung findet das Richtfest am Bau des Militärhistorischen Museums statt. Bis Ende 2010 sollen die Restarbeiten abgeschlossen sein und das künftige Leitmuseum für deutsche Militärgeschichte eröffnet werden.
11. April 2006:
Im Militärhistorischen Museum wird eine Sonderausstellung “Dresden als Garnisonsstadt” eröffnet. Die Schau soll bis zur vollständigen Wiedereröffnung des Militärhistorischen Museums 2009 über Dresdens Militärgeschichte informieren. Seit 2004 laufen Umbauarbeiten am Gebäude, welche einen Entwurf des renommierten Architekten Daniel Libeskind realisieren. Nach Fertigstellung des Gebäudes werden den Besuchern ca. 10.000 m² neu gestaltete Ausstellungs- flächen zur Verfügung stehen. Die Kosten in Höhe von 38 Millionen Euro trägt das Bundesverteidi- gungsministerium.
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