Gebäude in der Albertstadt:
Sächsisches Soldatenheim: Das Gebäude entstand 1911 nach Plänen der Baumeister Hartung und Dutzmann und wurde am 8. 10. 1911 als Sächsisches Soldatenheim eröffnet (Foto)
. Mit dem durch Spenden finanzierten Soldatentreffpunkt sollte der Besuch von Arbeiterlokalen durch Militärangehörige verhindert werden, um so
unerwünschten politischen Einfluß von diesen fernzuhalten. Das Dresdner Soldatenheim auf der Königsbrücker Straße 84 war drittes seiner Art in Sachsen. Im Haus befanden
sich Aufenthalts-, Billard- und Leseräume für Soldaten, ein Festsaal und eine Stehbierhalle. Das Obergeschoss stand den Unteroffizieren zur Verfügung. Außerdem
besaß das Haus eine Wohnung für den Verwalter und im Keller eine Kegelbahn sowie ein Wannenbad.
Bis 1945 diente das Soldatenheim seiner Bestimmung. 1946 bis 1952 war es Sitz des sächsischen Landtages, da es an geeigneten Räumlichkeiten in der zerstörten Stadt fehlte. Im Anschluss übernahm die Technische Hochschule
das Gebäude und richtete hier ein Studentenwohnheim und Lehrräume ein. Ab 1962 wurde es von der Nationalen Volksarmee genutzt und Haus der NVA genannt. Hier befand sich auch
eine öffentliche Gaststätte. Nachdem die Bundeswehr das Gebäude übernommen hatte, wurde die Einrichtung 1991 geschlossen. Nach Umbau und Sanierung hat heute
hier das Goethe-Institut seinen Sitz, welches im Haus Sprachkurse, Vorträge und Seminare veranstaltet (Foto rechts).
Pionierkaserne:
Die Pionierkaserne entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Albertstadt als Unterkunfts- und Dienstgebäude des 1. Königlich-Sächsischen Pionierbataillons Nr. 12 und wurde am 1. April 1879 bezogen. Die Einheit
war bereits 1698 als Pontonierkompanie gebildet worden und bezog nach Fertigstellung das neue Gebäude an der
Königsbrücker Straße. Der Gebäudekomplex an der Ecke zur Carolaallee (heute Stauffenbergallee) erhielt neben den
Schlaf- und Speisesälen der Mannschaften auch ein Unteroffiziers- und ein Offizierskasino, die Ingenieurbibliothek und verschiedene Wirtschaftsgebäude. 1912 wurde die Einheit nach Pirna verlegt und der Gebäudekomplex an das 2. Königlich-Sächs. Fußartillerie-Regiment
Nr. 19 übergeben. In dieser Einheit leistete der bekannte Dresdner Schriftsteller Erich Kästner seinen Wehrdienst. Nach
1945 wurden die Kasernenbauten von der Sowjetarmee genutzt und zwischen 1997 und 1999 als Bürogebäude saniert. Heute befindet sich hier das Landesfunkhaus des MDR. Städtische Arbeitsanstalt:
Das Gebäude (Königsbrücker Straße 117) entstand als einer der wenigen zivilen Bauten in der Albertstadt 1876/78 neben dem “Lindengarten” und war im Besitz der Stadt Dresden. Während des Zweiten
Weltkrieges befand sich hier ein Reservelager für Hausrat, welcher im Falle eines Luftangriffes ausgebombten Familien
zur Verfügung gestellt werden sollte. Die Möbel und Haushaltsgegenstände stammten meist aus dem Besitz jüdischer Fami8lien bzw. aus zerstörten Häusern. Nach 1945 wurde auch dieser Bau militärisch genutzt.
Lindengarten: Die bekannte Dresdner Gaststätte geht auf eine 1869 vom Gastwirt S. G. Neumann gegründete Schänke
auf der Kreuzgasse zurück. Neumann stammte aus Sayda im Erzgebirge und erwarb einige Jahre später das Grundstück
Königsbrücker Straße 121, um hier eine Brauerei einzurichten. Neben dem Brauhaus und einem Wohngebäude richtete
er 1891 eine Brauereigaststätte ein, die den Namen “Lindengarten” erhielt. Schnell entwickelte sich diese zu einem beliebten Tanz- und Vergnügungslokal, welches vor allem von Militärangehörigen gern besucht wurde.
Die Brauerei wurde nach 1945 geschlossen, während die Gastwirtschaft als “Konzert- und Veranstaltungshaus
Lindengarten” weiter bestand. Zeitweise fanden hier auch Theatervorführungen statt. Der in den 70er und 80er Jahren
als “LiGa” berühmt-berüchtigte Tanzgasthof musste 1990 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Die Gebäude
wurden mit Ausnahme des denkmalgeschützten Ballsaales 1996 abgerissen. An gleicher Stelle befindet sich heute ein Hotel. Der restaurierte Saal wird für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Festungsgefängnis:
Die Einrichtung ging auf eine 1835 gegründete Militärstrafanstalt zurück, die seit 1874 offiziell Festungsgefängnis genannt wurde. Ursprünglich befand
sich das Gefängnis auf der Magazinstraße und wurde 1879 zur Königsbrücker Straße 125 verlegt. Der von Magnus Küchling entworfene Gebäudekomplex bestand aus Gerichtsgebäude (Foto)
, Gefängnis und einer Disziplinararrestanstalt für kleinere Vergehen. Hinzu kam ein kleineres Gebäude mit den Dienstwohnungen der Angestellten.
Die Gesamtanlage war ursprünglich von einer vier Meter hohen Mauer umgeben, die einige Nebenbauten wie Schuppen, Ställe und das Wachhaus einbezog.
Im Mittelpunkt der Anlage befand sich das dreistöckige Gerichtsgebäude, welches im Erdgeschoss die Wache und
Büros sowie Wohnungen für die Aufseher beherbergte. Im 1. Obergeschoss hatten die Gerichte der sächsischen Armee
ihren Sitz, die in Korps-, Gouvernements- und Divisionsgericht unterteilt waren und alle Militärstraftaten innerhalb der
Armee ahndeten. Die beiden obersten Etagen wurden von Zellen für Untersuchungsgefangene eingenommen. Kam es zur Verurteilung zu einer Haftstrafe, wurden die Gefangenen bei
Strafen bis zu sechs Wochen im Disziplinararresthaus, bei längeren Strafen im Festungsgefängnis untergebracht. Beide Gebäude waren mit Zentralheizung, Bade- und
Waschräumen sowie mit Werkstätten ausgestattet und besaßen Platz für insgesamt 370 Inhaftierte. Im Festungsgefängnis gab es zusätzlich Wohnräume für die Aufseher, ein Unterrichts- und Besucherzimmer sowie eine
Sakristei mit Betsaal zur religiösen Betreuung der Gefangenen. Obwohl das Gefängnis zur Zeit seiner Entstehung nach modernen Gesichtspunkten erbaut worden war, gerieten die Haftbedingungen immer wieder unter Kritik. Grund waren vor
allem die ungünstigen Licht- und Temperaturverhältnisse in den Gebäuden sowie die unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln. Außerdem deckte der sozialdemokratische
Landtagsabgeordnete Kunertin 1897 auf, das Häftlinge Kleidungsstücke und Möbel für das Personal herstellen mussten und auch gelegentlich als “Bedienungspersonal” bei
Trinkgelagen der Wachhabenden eingesetzt waren. Daraufhin befasste sich ein Untersuchungsausschuss mit den Vorwürfen, allerdings ohne durchgreifenden Erfolg. Inhaftiert waren hier bis zum Ende
des Ersten Weltkrieges ausschließlich Angehörige der sächsischen Armee. 1920 wurde das Festungsgefängnis (Foto) geschlossen und als Strafanstalt Dresden genutzt.
1924
erfolgte ein Umbau des Komplexes zum Verwaltungsgebäude, welches 1927 den Namen General-Müller-Block erhielt. Generalleutnant Müller (1866-1925) war ab 1919 Landeskommandant und 1923 am Einmarsch der Reichswehr
nach Sachsen beteiligt. 1925 kam er bei einem Manöver auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog ums Leben. Bis 1945
war das Gebäude zuletzt Sitz einer Wehrmachtsschule für Techniker. Einige Schäden entstanden durch den Luftangriff
auf Dresden. 1945 übernahm die Sowjetarmee den Komplex und nutzte ihn bis in die 50er Jahre. Später befanden sich
hier Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit. Trotz verschiedener Umbauten blieb die Grundstruktur der Gebäude bis heute im Wesentlichen erhalten. Garnisonsversorgungsanstalten:
Der gesamte Komplex zwischen Königsbrücker Straße und Eisenbahnlinie wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Albertstadt als Versorgungszentrum der sächsischen Armee erbaut und früher auch als Provianthof
bezeichnet. Neben der Versorgung der Dresdner Garnison waren hier auch Lebensmittel- und Futtervorräte für den Kriegsfall gelagert. Zur Garnisonsversorgungsanstalt gehörten eine Dampfwaschanstalt zur Reinigung der Bett-
und Leibwäsche der Soldaten, Mehl- und Körnermagazine, Rauhfuttermagazin für die Pferde, die Garnisonsmühle und die angeschlossene Heeresbäckerei mit dem Brotmagazin, eine Schlachtanstalt und weitere Einrichtungen.
Auch nach 1945 blieben die erhaltenen Gebäude in Verwendung und wurden noch bis 1994 von der sowjetischen
Armee genutzt. Nach Verkauf an einen privaten Investor und Abriss nicht mehr verwendbarer Nebengebäude wurde
der Komplex 1998 teilweise umgebaut. Heute befindet sich hier ein Einkaufszentrum. In den Gebäuden der früheren Heeresbäckerei hat seit 1999 das Dresdner Stadtarchiv seinen Sitz. Weitere Bauten, darunter die ehemaligen Körnermagazine (Foto)
, stehen noch leer und warten auf einen neue Nutzung. Das südliche Magazin wurde 2008 zugunsten einer modernen Produktionsstätte der Firma Pharmatec abgerissen. |