Die heutige Leipziger Straße verdankt ihre Existenz Kurfürst Friedrich August dem Gerechten, der im Jahr 1786 den Auftrag zum Bau einer neuen Poststraße nach Meißen gab, um die alte, hochwassergefährdete
Wegführung am Elbufer zu verlegen. Zuvor verlief diese wichtige Verbindung vom Weißen Tor aus (Palaisplatz) bis zum Pieschener Elbwinkel, zweigte in Höhe des Ballhauses Watzke ab und führte im Verlauf der heutigen
Kötzschenbroder Straße weiter nach Serkowitz und Kötzschenbroda. Im Zuge der Vermessung der sächsischen Poststraßen durch Zürner wurden auch hier um 1700 Meilensteine aufgestellt, von denen allerdings keiner die
Zeiten überdauerte. Vor allem die schweren Überschwemmungen von 1784 führten zur Überlegung, den Trassenverlauf auf hochwassersicheres Gelände zu verlegen. Nach nur zwei Jahren Bauzeit war am 10. November 1787 die
neue Straße fertiggestellt. Die nun als “Neue Meißner Post- und Landstraße” bezeichnete Verbindung führte zum wirtschaftlichen Aufschwung der Anliegergemeinden und zum Bau neuer Häuser entlang dieser Straße. Aufgrund
ihrer Richtung erhielt sie im 19. Jahrhundert den Namen Leipziger Straße. 1899 wurde vom Straßenbahnhof Mickten aus die schmalspurige “Lößnitzbahn” nach Radebeul eingerichtet, die 1929/30 in Stadtspur umgebaut wurde. Zuvor verkehrten bereits ab 1882 Pferdebahnen durch die Leipziger Vorstadt bis nach Mickten.
Leipziger Vorstadt: Die Leipziger Straße beginnt an der Bahnunterführung in der Nähe des Neustädter Bahnhofes und durchquert zunächst die Flur des ehemaligen Neudorfs, welches 1866 nach
Dresden eingemeindet und seit 1875 offiziell als Teil der Leipziger Vorstadt betrachtet wird. In diesem Abschnitt siedelten sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Gewerbebetriebe an, die von der Eisenbahnlinie Dresden - Leipzig, dem nahegelegenen Neustädter Güterbahnhof, aber auch von dem 1868 hier angelegten Neustädter Elbhafen profitierten. Bekannteste Unternehmen waren die Steingutfabrik Villeroy & Boch, die Drogen-Appretur-Anstalt Gehe (Vorgänger des Arzneimittelwerkes), die Farbenfabrik
Geißler & Lüders, die Holzgroßhandlung Grumbt, der Städtische Schlachthof, die
Maschinenfabrik und Schiffswerft Schlick und die Sächsische Champagner-Fabrik. Hinzu kamen Wohnhäuser, Gaststätten und kleinere Gewerbebetriebe. Um 1900 war die bauliche
Entwicklung in diesem Bereich im Wesentlichen abgeschlossen (Foto: Leipziger Straße 32/34).
Gasthaus “Elbschlößchen”:
Die Gastwirtschaft zwischen Leipziger Straße und Elbe ging vermutlich aus der ehemaligen Neudorfer Schiffsmühle hervor, die 1860 ihren Betrieb einstellen musste. Später befand sie sich im Besitz der Familie
Schwabe und wurde als “Schwabes Restauration Elbschlößchen” bezeichnet. Nr. 22: Das repräsentative Geschäftshaus “Zum deutschen Ritter” entstand um 1900 im
Jugendstil und gehört wegen seiner Fassadengestaltung zu den markantesten Gebäuden in der Leipziger Vorstadt (Foto). Auf dem Dach befindet sich die überlebensgroße Gestalt eines
Ritters in altdeutscher Tracht. Im Erdgeschoss existierte früher die Gaststätte “Zum Ritter”. 1995 wurde das Haus am Erfurter Platz umfassend saniert.
Nr. 32/34:
1901/02 entstand nach Plänen des renommierten Architektenbüros Schilling & Gräbner das Doppelhaus Leipziger Straße 32/34, welches im Eingangsbereich ebenfalls
Jugendstilformen aufweist. Bauherr des Wohn- und Geschäftshauses war der Dresdner Spar- und Bauverein. Dampfsägewerk Grumbt (Nr. 33):
Das Unternehmen wurde 1864 von Carl Ernst Grumbt als Holzgroßhandlung und Dampfsägewerk gegründet. Grumbt profitierte von der günstigen Lage am Elbufer und bezog sein Holz auf dem
Wasserweg aus Tschechien, Schweden und Rußland, welches hier zu Bauholz und Brettern verarbeitet wurde. Der
wirtschaftliche Erfolg ermöglichte ihm den Bau einer repräsentativen Villa, welche nach dem Zweiten Weltkrieg als “Puschkinhaus” der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft diente. Zugleich war er auch politisch engagiert
und gehörte dem Reichstag sowie dem Sächsischen Landtag an. Auf dem Grundstück siedelten sich später weitere Unternehmen an, darunter eine Metallgießerei und die Autowerkstatt
Nicht, die nach 1945 von der Familie Melkus übernommen wurde. Heinz und Ulli Melkus wurden zu DDR-Zeiten als Motorsportler bekannt und entwickelten in den 70er Jahren den einzigen DDR-Seriensportwagen.
Nr. 43 (Villa Martha): Die zweigeschossige Villa entstand 1858 als Fabrikantenwohnhaus und gehört zu den wenigen
Villenbauten der Leipziger Vorstadt. Ursprünglich besaß das Haus zur Straßenseite einen Balkon und eine Terrasse, die jedoch dem späteren Straßenausbau zum Opfer fielen. 1985 und nach 1990 wurde die Villa saniert. Zum Goldenen Anker (Nr. 45): Die Gaststätte “Zum Goldenen Anker” wurde um die Jahrhundertwende von Gustav
Eichhorn im Wohn- und Geschäftshaus Leipziger Straße 45 eingerichtet. Neben Gaststube und Gesellschaftsraum
gehörte auch eine Gartenwirtschaft auf der Elbseite dazu. Später kam das heute nicht mehr existierende Lokal in den Besitz der Familie Feist.
Gaststätte “Zur Einheit Deutschlands” (Nr. 51): Die kleine Schankwirtschaft “Zur Einheit” war eines von zahlreichen
Arbeiterlokalen der Leipziger Vorstadt. Für Aufsehen sorgte in den Wendemonaten 1989/90 die Umbenennung in “Zur Einheit Deutschlands”, mit der den zunehmenden Forderungen nach der deutschen Wiedervereinigung Rechnung
getragen werden sollte. Seit 1993 befindet sich in den Räumen ein Küchenstudio. Gasthof “Stadt Bremen”: Die Gaststätte ging auf den alten Neudorfer Gasthof zurück, der
bereits 1619 das Schankrecht bekommen haben soll. Ursprünglich hieß dieser zur besseren Unterscheidung zu einem weiteren Lokal im Dorfkern “Oberer Gasthof” und wurde vor
allem von durchreisenden Fuhrleuten besucht. 1856 ist erstmals der Name “Stadt Bremen” erwähnt. Das ein Jahr später auf den Fundamenten dreier kleinerer Häuser als Tanz- und Ballsaal erbaute Gebäude Leipziger Straße 58
(Foto) wurde bis Anfang der Zwanziger Jahre als Vergnügungslokal genutzt, bevor 1929 das Kino “Astoria” einzog. Außerdem gab es im Erdgeschoss die Gaststätte “Bremer Biertunnel”.
1970 wurde das Filmtheater geschlossen. Der Saal diente nun bis 1990 als Probebühne des Staatstheaters. Nach mehrjährigem Leerstand und Verfall konnte das Haus 1993 verkauft und saniert werden. Eine hier eingerichtete
Gaststätte schloss jedoch bereits kurze Zeit später wieder. Im Anschluss nutzte ein Partyveranstalter das Haus unter
dem Namen “Der Nachtgarten” für verschiedene Veranstaltungen. Später zog das lateinamerikanische Kulturzentrum “Casa Latina” in die Räume und organisierte im Saal Tanzkurse. Heute befindet sich hier das China-Restaurant
“Sonne”. Nr. 72: Auf diesem Grundstück eröffnete der Tischler Kurt Schlosser 1931 seine Werkstatt, nachdem er zuvor in den
Deutschen Werkstätten Hellerau die Kündigung erhalten hatte. Schlosser gehörte viele Jahre dem Betriebsrat dieses
Unternehmens an und engagierte sich auch nach 1933 politisch. 1943 wurde er als einer der leitenden Köpfe einer Dresdner Widerstandsgruppe verhaftet und am 16. August 1944 im Hof des Landgerichts am Münchner Platz
hingerichtet. Kurt Schlosser leitete zwischen 1927 und 1933 den Sächsischen Bergsteigerchor, der seit 1949 seinen Namen trägt. Kleingartenverein “Am Hafen” (Nr. 75):
Die Gartenanlage an der Leipziger Straße entstand 1931 auf einer früheren Grube der Keramikfabrik Villeroy & Boch, welche das Unternehmen als Deponie für Scherben und andere Reste der
Produktion nutzte. Nachdem diese mit Erde aufgefüllt worden war, wurde das Areal an Sozialfürsorgeempfänger abgegeben, damit diese sich hier mit Obst und Gemüse selbst versorgen konnten. Nach 1945 entwickelte sich aus
diesen Parzellen die Gartensparte “Am Hafen”, welche heute 48 Kleingärten besitzt. Faunpalast: Das Gebäude Leipziger Straße 76 wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Gasthof “Stadt Leipzig” eröffnet und war ein bekannter Treffpunkt Neustädter
Arbeiter, die hier ihre politischen Versammlungen abhielten. Außerdem fanden im ca. 1.000 Personen fassenden Saal regelmäßig Tanzveranstaltungen und andere
Vergnügungen statt. Hinzu kamen eine Kegelbahn sowie eine Stehbierhalle. Zu den Großereignissen im “Stadt Leipzig” gehörte im November 1908 eine Wahlrechtskundgebung gegen das herrschende Drei-Klassen-Wahlrecht sowie
am 28. Juli 1914 eine Protestkundgebung der SPD gegen den drohenden Krieg.
Nach dem Ersten Weltkrieg sank die Nachfrage nach großen Ballsälen spürbar ab. Hinzu kam die Konkurrenz ähnlicher Etablissements in der näheren Umgebung. 1923 entschieden sich die
Besitzer des Hauses deshalb, im Saal der Gaststätte die “Original Bühnenschau Faun- Lichtspiele” einzurichten. Mit ca. 600 Plätzen gehörten diese zu den größeren Dresdner Kinos.
Nach Zerstörung der Filmtheater der Innenstadt blieb der “Faunpalast” noch bis 1991 Spielstätte und wurde dann aus baupolizeilichen Gründen geschlossen. Später nutzten verschiedene
Geschäfte das Haus als provisorische Verkaufsstätte bzw. als Lager. Mit Ausnahme des denkmalgeschützten Vorderhauses (Foto links) wurde der ehemalige Ballsaal 2003 abgerissen.
An gleicher Stelle entstand ein Supermarkt mit einer Ladenpassage im früheren Kinofoyer.
Maschinenfabrik Schlick:
Die Firma entstand 1861 und befand sich im Besitz des Mechanikers Schlick. Zunächst fertigte das Unternehmen Maschinenteile unterschiedlichster Art, spezialisierte sich später jedoch auf den Schiffbau.
1884 übernahm die Österreichische Nordwest- Dampfschifffahrts- Gesellschaft die Fabrik und baute hier Binnenschiffe, Schleppkähne und Prähme, aber auch Dampfmaschinen, Lokomobile und andere Fahrzeuge. 1899
wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und 1905 mit der Übigauer Werft vereinigt.
Firma Carl Stoll: Das Unternehmen wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Carl Stoll gegründet. Stoll hatte nach
bestandener Meisterprüfung die alte Plauener Dorfschmiede übernommen und zu einer Werkstatt für den Bau von Kutschen und Wagen ausgebaut. Das ab 1890 “Dresdner Geschäfts-, Luxus- und Straßenbahnwagenfabrik” genannte
Unternehmen baute im Auftrag der beiden Dresdner Straßenbahngesellschaften auch die ersten Straßenbahnen für die
Stadt. Nachdem die beengten Verhältnisse in Plauen eine Erweiterung des Betriebes nicht mehr zuließen, verlegte Carl Stoll seine Firma 1898 auf die Leipziger Straße 78.
Hier konnte er seine erfolgreiche Geschäftstätigkeit zunächst fortsetzen. 1901 entwickelte er ein schienenloses Fahrzeug mit elektrischem Antrieb,
Vorläufer der späteren O-Busse. Da sich kein Auftraggeber für sein Projekt fand, ließ er auf eigene Rechnung 1902 die “Haidebahn” zwischen Arsenal und Klotzsche errichten, die am 24. März 1903 ihren
Betrieb aufnahm. Technische und wirtschaftliche Probleme ließen das Unternehmen jedoch scheitern. Bereits 1904
musste Stoll den Betrieb wieder einstellen. Der durch diesen Misserfolg und wegfallende Aufträge im Ausland völlig
ruinierte Unternehmer beging 1907 Selbstmord. Sein Sohn Hans-Ludwig Stoll übernahm den väterlichen Betrieb und verlegte ihn nach Wien, wo die Firma noch bis 1914 als Erbauer von O-Bus-Anlagen tätig war. Pieschen: An der Einmündung der Oschatzer Straße erreicht die Leipziger Straße die Flurgrenze Pieschens. Bereits Ende des 19.
Jahrhunderts waren Pieschen und die Leipziger Vorstadt baulich weitgehend zusammengewachsen. Beide Viertel gehörten zu den dichtbesiedelten Arbeiterwohnorten der Stadt und werden bis heute von mehrgeschossigen Wohn- und
Geschäftshäusern, Läden und kleinen Gewerbebetrieben geprägt. 1993 entstand an der Einmündung Leipziger/ Bürgerstraße mit dem “Elbcenter” ein modernes Stadtteilzentrum. Zur Börse:
Die Gaststätte auf der Leipziger Straße 95 war Ende des 19. Jahrhunderts ein Treffpunkt der Pieschener Arbeiter. Hier entstand 1882 der “Sozialdemokratische Verein für Pieschen und Umgebung”, der in den Räumen der
“Börse” sein Vereinslokal hatte. Der politisch sehr aktive Verein organisierte regelmäßige Veranstaltungen, für die z.T.
prominente Redner der Sozialdemokratie eingeladen wurden. U. a. weilten August Bebel, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Pieschen und sprachen hier vor den Arbeitern. Pieschener Gesellschaftshaus:
Das Lokal befand sich auf der Leipziger Straße 109 und besaß einen großem Gesellschaftssaal, welcher für verschiedenste Veranstaltungen genutzt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg fanden hier regelmäßig große
Sonntagskonzerte statt. Nach 1990 wurde in den Erdgeschossräumen die “Pälzer Stubb” mit typisch Pfälzer Gastronomie eingerichtet.
Foto:
Werbepostkarte des “Pieschener Gesellschaftshauses” Deutscher Kaiser: Das Konzert- und Ballhaus an der Leipziger Straße 112 entstand 1883 für den Gastwirt Gustav
Reißig und war nach der Jahrhundertwende wichtigstes Versammlungslokal der Pieschener Arbeiter. Zum Haus gehörte
ein Konzert- und Biergarten, ein großer Speisesalon sowie ein Ballsaal, der in den Zwanziger Jahren auch als Kinosaal
genutzt wurde. Am 11. 12. 1911 sprach hier Rosa Luxemburg. Außerdem fanden regelmäßig Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen, Konzerte sowie Vereinstreffen statt. Die Gaststätte wurde nach 1945 geschlossen, ist als
Gebäude jedoch noch erhalten. Lediglich der Saalbau musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Hafenschänke:
Diese Gaststätte an der Ecke Leipziger/ Rehefelder Straße gehörte zu den preiswerteren Pieschener Lokalen und wurde von Max Merbitz betrieben. Besonders die im Pieschener Elbhafen beschäftigten Männer nutzten
das Lokal mit seinem Biergarten. Hier war auch der Mittelpunkt des erstmals 1923 begangenen Pieschener Hafenfestes. Nach 1945 wurde die Hafenschänke geschlossen, blieb als Gebäude jedoch bis heute erhalten.
Elbcenter mit Sparkassenmuseum (Nr. 116): Das moderne Geschäftshaus entstand 1993/94 auf dem Grundstück
Leipziger / Rehefelder / Bürgerstraße. Neben Ladengeschäften im Erdgeschoss befinden sich in den oberen Etagen
Büro- und Wohnräume. Zeitweise gab es hier auch eine Gaststätte. Außerdem besteht eine Postfiliale. Heute wird das
Gebäude u.a. von der Ostsächsischen Sparkasse genutzt. Einige Räume beherbergen das 1997 von einem ehemaligen Angestellten gegründete Dresdner Sparkassenmuseum mit einer Sammlung historischer Dokumente und Sachzeugen
aus der Geschichte des Kreditinstitutes. Zu sehen sind auch alte Rechenmaschinen und die ersten DDR-Geldautomaten. Mickten:
Straßenbahnhof Mickten: Der Straßenbahnhof Mickten entstand 1892/97 und war bis 1930 zugleich Ausgangspunkt der schmalspurigen Lößnitzbahn nach Radebeul. Zur Anlage gehörten neben dem Verwaltungsgebäude an der
Leipziger Straße (Nr. 133) mehrere Fahrzeughallen und Werkstätten, die das gesamte Areal zwischen Leipziger, Stern- und Franz-Lehmann-Straße einnehmen. Während in der zentralen Wagenhalle Fahrzeuge der Dresdner
Straßenbahn abgestellt und gewartet wurden, nutzte die schmalspurige Lößnitzbahn die hölzerne Wagenhalle an der Lommatzscher Straße. Zum Komplex gehörte ein umfangreiches regel- und schmalspuriges Gleisnetz sowie
zwei Schiebebühnen, über welche die Straßenbahnfahrzeuge zu den jeweiligen Abstellgleisen befördert wurden.
Mit Umstellung der Lößnitzbahn auf die Dresdner Stadtspur wurden deren Anlagen nicht mehr benötigt und fortan als
Kfz-Werkstatt für Busse und Lkw der Verkehrsbetriebe genutzt. 1992 schlossen die Dresdner Verkehrsbetriebe den
Straßenbahnhof und verkauften das Areal vier Jahre später an einen privaten Investor. Nach jahrelangem Leerstand und der Übergabe an neue Eigentümer entstand in der
unter Denkmalschutz stehenden großen Wagenhalle 2009 ein Einkaufszentrum. Zahlreiche Nebengebäude und die frühere Lößnitzbahnhalle wurden ganz oder teilweise abgerissen
und in die Neugestaltung des Areals integriert. Das frühere Verwaltungsgebäude soll künftig ein Ärztehaus, Büros und Wohnungen beherbergen. Nr. 153/55:
Das Wohn- und Geschäftshaus Leipziger Straße 153/55 wurde 1899 für den Zigarettenfabrikanten Friedrich Otto Jedicke errichtet. Mit der Ausführung des Baus beauftragte er den Kaditzer Architekt Emil Rösler. Das
Gebäude entstand als Kopfbau einer geschlossenenen Häuserzeile und wurde nach seiner Fertigstellung 1900 vermietet. Im Hintergebäude betrieb der Eigentümer die Zigarrenfabrik Jedicke & Sohn. In Anspielung an die “Internationalität”
dieser Branche zieren das Haus Reliefköpfe verschiedener menschlicher Rassen. Gasthof Mickten: Die Schankwirtschaft entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Ausbau des
Stadtteils Neu-Mickten an der Leipziger Straße 10 (heute Nr. 170). 1889 befand sie sich im Besitz des Gastwirts Karl
Mäser. Nach 1945 schloss der Gasthof seine Pforten und wurde später u.a. als Eiscafé genutzt. Heute ist hier eine Spielothek untergebracht. Trachau:
Nach dem Ausbau der neuen Meißner Poststraße über Trachau entstanden hier außerhalb des Dorfkerns einige neue Häuser, darunter der 1787 gegründete Gasthof. Im Folgejahr baute der aus Serkowitz stammende Schmied Johann
Christoph Wenzel eine Schmiede, der bald weitere Handwerker- und Häusleranwesen folgten. Die Schmiede musste 1898 dem Wohnhausneubau Leipziger Straße 206 weichen. Weitere mehrgeschossige Wohnhäuser folgten nach 1900
und veränderten das einstige Ortbild. Nr. 210: 1899 ließ der Eigentümer des Grundstückes Leipziger Straße 210 Heinrich Moritz Berger das repräsentatives
Wohn- und Geschäftshaus im Stil des Historismus errichten. Mit der Ausführung wurde der Kaditzer Architekt Emil Rösler beauftragt, der an verschiedenen Wohn- und Geschäftshäusern im Dresdner Nordosten beteiligt war. Im
Gegensatz zur Dresdner Bauordnung durften in Trachau auch Stuckornamente an der Fassade angebracht werden. Die Reliefs zeigen zum Teil Jugendstilornamente und sind bis heute erhalten geblieben.
Weinschänke Kockel: Die kleine Schänke wurde um 1860 eröffnet und war bis 1888 im Besitz eines Trachauer Winzers, der hier einen Ausschank betrieb. 1929 wurde das Haus zugunsten der Wohngebäude Leipziger Straße
212/214 abgerissen. Elisabeth-Apotheke: Das Gebäude an der Leipziger Straße 218 entstand 1899/1900. Für den Bau musste eine der
alten Scheunen des Dorfkerns und das frühere Blumenbergische Gut weichen. Das dreigeschossige Wohn-und Geschäftshaus wurde im Erdgeschoss zunächst von einer Bäckerei genutzt, deren Besitzer hier das beliebte “Café
Germania” betrieb. Seit 1921 befindet sich in den Räumen die Elisabeth-Apotheke, erste Trachauer Apotheke. Im
Inneren stellt ein von A. Garn geschaffenes Kupferrelief das Leben der Heiligen Elisabeth und die Bedeutung der
Pharmazie dar. Als einzige Dresdner Apotheke blieb die Elisabeth-Apotheke auch zu DDR-Zeiten in Privatbesitz. Goldenes Lamm:
Der Gasthof (Leipziger Straße 220) entstand als erstes Gebäude auf Trachauer Flur an der neu angelegten Poststraße und erhielt am 13. Juni 1787 die
Schankkonzession. Besitzer war der Häusler und Fleischer Johann Gottfried Ockert. Seit 1839 tagte hier auch der Trachauer Gemeinderat.
1881 wurde der alte Gasthof “Zum Lämmchen” in heutiger Gestalt neu aufgebaut und
in diesem Zusammenhang in “Goldenes Lamm” umbenannt. Im Jahr 1895 entstand noch ein vergrößerter Tanzsaal. Weitere Umbauten erfolgten 1918. Der Saal diente
in den Zwanziger Jahren zeitweise auch als Turnsaal des Trachauer Turnvereins und seit 1925 als Kino. Ab 1962 wurden die Räumlichkeiten bis 1997 als Domizil des Dresdner Puppentheaters genutzt. Danach stand das Gebäude
leer, lediglich im Erdgeschoss befand sich noch eine kleine Gaststätte (Foto). 2005 übernahm die Freie Evangelische Gemeinde das Haus, um hier ihr Gemeindezentrum einzurichten. Nach erfolgter
Sanierung konnte dieses im September 2007 eröffnet werden. Neben dem Kirchensaal mit ca. 230 Plätzen stehen
weitere Räume für die Gemeinde- und Jugendarbeit der Freikirche zur Verfügung. Im Unterschied zur evangelisch- lutherischen Kirche werden ausschließlich Erwachsene nach entsprechendem Bekenntnis zu Christus getauft.
Nr. 230/232: Auch diese beiden Wohnhäuser entstanden kurz vor der Eingemeindung Trachaus und tragen zum
städtischen Erscheinungsbild der früheren Vorstadt bei. Die Fassaden wurden ganz im Stil der Zeit mit neogotischen
und Jugendstilornamenten verziert und mit farbigen Klinkern verkleidet. Derartige Fassadengestaltungen finden sich an zahlreichen Trachauer Wohn- und Geschäftshäusern im alten Ortskern. Waldvilla:
Das Gasthaus entstand 1875/76 als “Balletablissement Waldvilla Trachau” und wurde von seinem Besitzer Johann Moritz Gebler zu einem der beliebtesten Tanzlokale im Nordwesten Dresdens ausgebaut. Zur Gaststätte
gehörten neben dem Saal auch ein großer Gästegarten und eine Kegelbahn. 1922 wurde die “Waldvilla”, von den
Anwohnern liebevoll “Wilde Wally” genannt, geschlossen. Das Haus Leipziger Straße 300 ist seitdem Firmensitz der Arzneimittelfirma “Li-il GmbH”. Foto: Die Trachauer “Waldvilla” kurz vor ihrer Schließung Firma Li-il:
Das Unternehmen wurde 1910 von Richard Carl Pittlik als “Deutsche Arzneibäderfabrik Li-il Werk” in der
Johannstadt gegründet. Der Name leitet sich von den lateinischen Begriffen “Lithium” (wurde als Trägersubstanz für die
Essenzen genutzt) und “ilatium” (von außen nach innen) her und weist auf das Grundprinzip der hergestellten Produkte
her. Diese von Ärzten, Apothekern und Chemikern entwickelten ätherischen Öle und Badezusätze sollten “von außen
nach innen” wirken und galten seinerzeit als neuartige Naturheilmittel, welche in Kurkliniken und ähnlichen Einrichtungen zum Einsatz kamen.
1922 bezog das “Li-il”-Werk die ehemalige Gaststätte “Waldvilla” und stellte hier, ab 1928 unter Leitung von Dr.
Ernestine Gabriele Böhme, verschiedene medizinisch-badeheilkundliche Erzeugnisse her, u.a. das bis heute verwendete Camphoderm und Tussidermil. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Fabrik ohne größere Schäden, wurde 1972
jedoch zwangsweise verstaatlicht und 1975 an das Arzneimittelwerk Dresden angeschlossen. 1992 erwarb ein hessischer Unternehmer den Betrieb von der Treuhand und ließ diesen schrittweise modernisieren. Heute werden hier
neben traditionellen Gesundheitsbädern und Emulsionen auch verschiedene kosmetische Produkte hergestellt und zum Teil exportiert. Neukaditz:
Der Stadtteil Neukaditz entwickelte sich ab 1872 auf den früheren Feldern des wüsten Dorfes Gleina, welche später
von Kaditzer Bauern bewirtschaftet wurden. Begünstigt durch die industrielle Entwicklung in den Nachbarorten
entstanden hier, abseits des alten Kaditzer Dorfkerns, Wohnhäuser, die zum Teil von Genossenschaften, zum Teil auch
von privaten Bauherren errichtet wurden. Bemerkenswert ist die ab 1887 entstandene Wohnsiedlung zwischen Leipziger Straße, Kolbe- und Roscherstraße, die zu den ersten genossenschaftlichen Bauvorhaben in Dresden gehörte.
Erstes Gebäude war jedoch der heute als Theaterhaus “Rudi” genutzte ehemalige Gasthof “Zum Feldschlößchen”.
Wohnhausgruppe Nr. 203-209: Die Häuser entstanden Ende des 19. Jh. im Auftrag des Kaditzer Architekten Jähnig
und wurden von diesem baukünstlerisch gestaltet. Nach ihrem Fassadenschmuck werden sie als Kaiser-Wilhelm-Haus (Nr. 203), Lutherhaus (Nr. 205), Gustav-Adolf-Haus (Nr. 207) und Kronenhaus (Nr. 209) bezeichnet.
Friedrich-August-Haus: Das Gebäude an der Einmündung Kolbestraße wurde 1899 als erstes Haus des ein Jahr zuvor
gegründeten gemeinnützigen Dresdner Spar- und Bauvereins gebaut. Schirmherr des Bauvorhabens war der damalige
Prinz Friedrich August, der 1902 die Nachfolge König Georgs antrat. Friedrich August unterstützte den Unterhalt des Gebäudes mit einer jährlichen Zahlung von 50 Mark. Die Finanzierung des Baus übernahm der Vorstand der
Chemischen Fabrik von Heyden, die auch über das Belegungsrecht für fünf Wohnungen verfügte. Das architektonisch anspruchsvoll gestaltete Doppelhaus mit 20 Wohnungen und zwei Ladengeschäften wurde vom Architekten Thüme
entworfen und zeigt an der Fassade Anklänge an den Jugendstil sowie Spruchbänder. Eine umfassende Erneuerung fand 1993/94 statt. Foto: Das Friedrich-August-Haus an der Leipziger Straße. Inschrift am Giebel (links):
“Wer dieses Haus jetzt tadeln will, der stehe nun ein wenig still, und denk in seinem Herzen frei, ob er ganz ohne Tadel sei”. |