Leipziger Straße



Die heutige Leipziger Straße verdankt ihre Existenz Kurfürst Friedrich August dem Gerechten, der im Jahr 1786 den Auftrag zum Bau einer neuen Poststraße nach Meißen gab, um die alte, hochwassergefährdete Wegführung am Elbufer zu verlegen. Zuvor verlief diese wichtige Verbindung vom Weißen Tor aus (Palaisplatz) bis zum Pieschener Elbwinkel, zweigte in Höhe des Ballhauses Watzke ab und führte im Verlauf der heutigen Kötzschenbroder Straße weiter nach Serkowitz und Kötzschenbroda.  Im Zuge der Vermessung der sächsischen Poststraßen durch Zürner wurden auch hier um 1700 Meilensteine aufgestellt, von denen allerdings keiner die Zeiten überdauerte.

Vor allem die schweren Überschwemmungen von 1784 führten zur Überlegung, den Trassenverlauf auf hochwassersicheres Gelände zu verlegen. Nach nur zwei Jahren Bauzeit war am 10. November 1787 die neue Straße fertiggestellt. Die nun als “Neue Meißner Post- und Landstraße” bezeichnete Verbindung führte zum wirtschaftlichen Aufschwung der Anliegergemeinden und zum Bau neuer Häuser entlang dieser Straße. Aufgrund ihrer Richtung erhielt sie im 19. Jahrhundert den Namen Leipziger Straße. 1899 wurde vom Straßenbahnhof Mickten aus die schmalspurige “Lößnitzbahn” nach Radebeul eingerichtet, die 1929/30 in Stadtspur umgebaut wurde. Zuvor verkehrten bereits ab 1882 Pferdebahnen durch die Leipziger Vorstadt bis nach Mickten. Heute gehört die Leipziger Straße zu den am stäksten befahrenen Verkehrszügen der Stadt und wurde in den vergangenen Jahren saniert und neu ausgebaut.

Leipziger Vorstadt:

Die Leipziger Straße beginnt an der Bahnunterführung in der Nähe des Neustädter Bahnhofes und durchquert zunächst die Flur des ehemaligen Neudorfs, welches 1866 nach Dresden eingemeindet und seit 1875 offiziell als Teil der Leipziger Vorstadt gilt. In diesem Abschnitt siedelten sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Gewerbebetriebe an, die von der Eisenbahnlinie Dresden - Leipzig, dem nahegelegenen Neustädter Güterbahnhof, aber auch von dem 1868 hier angelegten Neustädter Elbhafen profitierten. Bekannteste Unternehmen waren die Steingutfabrik Villeroy & Boch, die Drogen-Appretur-Anstalt Gehe (Vorgänger des Arzneimittelwerkes), die Farbenfabrik Geißler & Lüders, die Holzgroßhandlung Grumbt, der Städtische Schlachthof, die Maschinenfabrik und Schiffswerft Schlick und die Sächsische Champagner-Fabrik. Hinzu kamen Wohnhäuser, Gaststätten und kleinere Gewerbebetriebe. Um 1900 war die bauliche Entwicklung in diesem Bereich im Wesentlichen abgeschlossen (Foto: Leipziger Straße 32/34).

Gasthaus “Elbschlößchen”: Die Gastwirtschaft zwischen Leipziger Straße und Elbe ging vermutlich aus der ehemaligen Neudorfer Schiffsmühle hervor, die 1860 ihren Betrieb einstellen musste. Später befand sie sich im Besitz der Familie Schwabe und wurde als “Schwabes Restauration Elbschlößchen” bezeichnet.

Nr. 22: Das repräsentative Geschäftshaus entstand um 1900 im Jugendstil und gehört wegen seiner Fassadengestaltung zu den markantesten Gebäuden in der Leipziger Vorstadt (Foto). Auf dem Dach befindet sich die überlebensgroße Gestalt eines Ritters in altdeutscher Tracht. Im Erdgeschoss existierte früher die Gaststätte “Zum deutschen Ritter”. 1995 wurde das Haus am Erfurter Platz umfassend saniert.

Nr. 32/34: 1901/02 entstand nach Plänen des renommierten Architektenbüros Schilling & Gräbner das Doppelhaus Leipziger Straße 32/34 (Foto oben rechts), welches im Eingangsbereich ebenfalls Jugendstilformen und -malereien aufweist. Bauherr des Wohn- und Geschäftshauses war der Dresdner Spar- und Bauverein.

Maschinenfabrik Schlick (Nr. 27): Die Firma entstand 1861 und befand sich im Besitz des Mechanikers Schlick. Zunächst fertigte das Unternehmen Maschinenteile unterschiedlichster Art, spezialisierte sich später jedoch auf den Schiffbau. 1884 übernahm die Österreichische Nordwest-Dampfschifffahrts-Gesellschaft die Fabrik und baute hier Binnenschiffe, Schleppkähne und Prähme, aber auch Dampfmaschinen, Lokomobile und andere Fahrzeuge. 1899 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und 1905 mit der Übigauer Werft vereinigt.

Im Anschluss siedelten sich auf dem früheren Werftgelände verschiedene Unternehmen an. Das Adressbuch von 1944 nennt die Metallwarenfabrik Wirsing, die Glashandlung Krüger und eine Niederlassung des Biergroßhandels “Augustinerbräu”. Nach 1945 nutzte die bekannte Dresdner Autowerkstatt des Rennfahrers Heinz Melkus die Gebäude, welche heute leer stehen (Foto).

Dampfsägewerk Grumbt (Nr. 33): Das Unternehmen wurde 1857 von Friedrich August Krüger als Holzgroßhandlung und Dampfsägewerk gegründet. 1868 pachtete Carl Ernst Grumbt diese Firma und konnte sie bereits im Folgejahr käuflich vom Vorbesitzer erwerben. Diese profitierte von ihrer günstigen Lage am Elbufer und bezog das Holz auf dem Wasserweg aus Tschechien, Schweden und Rußland, welches dann zu Bauholz und Brettern verarbeitet wurde. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte Grumbt den Bau einer repräsentativen Villa, welche nach dem Zweiten Weltkrieg als “Puschkinhaus” der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft diente. Zugleich war er auch politisch engagiert und gehörte dem Reichstag sowie dem Sächsischen Landtag an. Auf dem Grundstück siedelten sich später weitere Unternehmen an, darunter eine Metallgießerei und die Autowerkstatt Nicht, die nach 1945 von der Familie Melkus übernommen wurde. Heinz und Ulli Melkus wurden zu DDR-Zeiten als Motorsportler bekannt und entwickelten in den 1970er Jahren den einzigen DDR-Seriensportwagen.

Nr. 43 (Villa Martha): Die zweigeschossige Villa (Foto) entstand 1858 als Wohnsitz eines Fabrikanten und gehört zu den wenigen Villenbauten der Leipziger Vorstadt. Ursprünglich besaß das Haus zur Straßenseite einen Balkon und eine Terrasse, die jedoch dem späteren Straßenausbau zum Opfer fielen. 1985 und nach 1990 wurde die Villa saniert.

Zum Goldenen Anker (Nr. 45): Die Gaststätte “Zum Goldenen Anker” wurde um die Jahrhundertwende von Gustav Eichhorn im Wohn- und Geschäftshaus Leipziger Straße 45 eingerichtet. Neben Gaststube und Gesellschaftsraum gehörte auch eine Gartenwirtschaft auf der Elbseite dazu. Später kam das heute nicht mehr existierende Lokal in den Besitz der Familie Feist.

Gaststätte “Zur Einheit Deutschlands” (Nr. 51): Die kleine Schankwirtschaft “Zur Einheit” war eines von zahlreichen Arbeiterlokalen der Leipziger Vorstadt. Für Aufsehen sorgte in den Wendemonaten 1989/90 die Umbenennung in “Zur Einheit Deutschlands”, mit der den zunehmenden Forderungen nach der deutschen Wiedervereinigung Rechnung getragen werden sollte. Seit 1993 befindet sich in den Räumen ein Küchenstudio.

Gasthof “Stadt Bremen”: Die Gaststätte ging auf den alten Neudorfer Gasthof zurück, der bereits 1619 das Schankrecht bekommen haben soll. Ursprünglich hieß dieser zur besseren Unterscheidung zu einem weiteren Lokal im Dorfkern “Oberer Gasthof” und wurde vor allem von durchreisenden Fuhrleuten besucht. 1856 ist erstmals der Name “Stadt Bremen” erwähnt. Das ein Jahr später auf den Fundamenten dreier kleinerer Häuser als Tanz- und Ballsaal erbaute Gebäude Leipziger Straße 58 (Foto um 1900) wurde bis Anfang der Zwanziger Jahre als Vergnügungslokal genutzt, bevor 1928 das Kino “Lichtspiele Stadt Bremen” (ab 1929 “Astoria”) mit ca. 400 Plätzen einzog. Außerdem gab es im Erdgeschoss die Gaststätte “Bremer Biertunnel”.

Das Filmtheater blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst bestehen und wurde in den 1960er Jahren als Programmkino genutzt. 1970 wurde es geschlossen. Der Saal diente nun bis 1990 als Probebühne des Staatstheaters. Nach mehrjährigem Leerstand und Verfall konnte das Haus 1993 verkauft und saniert werden. Eine hier eingerichtete Gaststätte schloss jedoch bereits kurze Zeit später wieder. Im Anschluss nutzte ein Party-Veranstalter das Haus unter dem Namen “Der Nachtgarten” für verschiedene Veranstaltungen. Später zog das lateinamerikanische Kulturzentrum “Casa Latina” in die Räume und organisierte im Saal Tanzkurse. Heute befindet sich hier das China-Restaurant “Sonne”.

Nr. 70: Das Grundstück war Ende des 19. Jahrhunderts Sitz der Süßwarenfabrik Seim. Der Besitzer Ernst Seim wird 1890 als “Bonbonkocher” erwähnt. Hauptsächlich wurden hier jedoch Waffeln hergestellt. Eine Niederlassung gab es im böhmischen Bodenbach (heute Decin). Die Firma existierte bis 1923 und wurde dann von Ewald Wagner übernommen. Von den Bauten ist heute nichts mehr erhalten, das Areal wird jetzt von einer Autowerkstatt genutzt.

Nr. 72: Auf diesem Grundstück eröffnete der Tischler Kurt Schlosser 1931 seine Werkstatt, nachdem er zuvor in den Deutschen Werkstätten Hellerau die Kündigung erhalten hatte. Schlosser gehörte viele Jahre dem Betriebsrat dieses Unternehmens an und engagierte sich auch nach 1933 politisch. 1943 wurde er als einer der leitenden Köpfe einer Dresdner Widerstandsgruppe verhaftet und am 16. August 1944 im Hof des Landgerichts am Münchner Platz  hingerichtet. Kurt Schlosser leitete zwischen 1927 und 1933 den Sächsischen Bergsteigerchor, der seit 1949 seinen Namen trägt.

Kleingartenverein “Am Hafen” (Nr. 75): Die Gartenanlage an der Leipziger Straße entstand 1931 auf einer früheren Grube der Keramikfabrik Villeroy & Boch, welche das Unternehmen als Deponie für Scherben und andere Reste der Produktion nutzte. Nachdem diese mit Erde aufgefüllt worden war, wurde das Areal an Sozialfürsorgeempfänger abgegeben, damit diese sich hier mit Obst und Gemüse selbst versorgen konnten. Nach 1945 entwickelte sich aus diesen Parzellen die Gartensparte “Am Hafen”, welche heute 48 Kleingärten besitzt.

Faunpalast: Das Gebäude Leipziger Straße 76 wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Gasthof “Stadt Leipzig” eröffnet und war ein bekannter Treffpunkt Neustädter Arbeiter, die hier ihre politischen Versammlungen abhielten. Außerdem fanden im ca. 1.000 Personen fassenden Saal regelmäßig Tanzveranstaltungen und andere Vergnügungen statt. Hinzu kamen eine Kegelbahn sowie eine Stehbierhalle. Zu den Großereignissen im “Stadt Leipzig” gehörte im November 1908 eine Wahlrechtskundgebung gegen das herrschende Drei-Klassen-Wahlrecht sowie am 28. Juli 1914 eine Protestkundgebung der SPD gegen den drohenden Krieg.

Nach dem Ersten Weltkrieg sank die Nachfrage nach großen Ballsälen spürbar ab. Hinzu kam die Konkurrenz ähnlicher Etablissements in der näheren Umgebung. 1923 entschieden sich die Besitzer des Hauses deshalb, im Saal der Gaststätte die “Original Bühnenschau Faun- Lichtspiele” einzurichten. Nach einem großzügigen Umbau durch den bekannten "Kino-Architekten" Martin Pietzsch besaß das Filmtheater ca. 600 Plätze und gehörte damit zu den größeren Dresdner Kinos. Durch die Zerstörung der Filmtheater der Innenstadt war der "Faunpalast" zeitweise nach der "Schauburg" zweitgrößtes Kino der Stadt. Pläne, den Saal auch für Varietévorstellungen zu nutzen, blieben unrealisiert. Nach einer umfassenden Sanierung in den 1980er Jahren blieb der "Faunpalast" noch bis 1991 Spielstätte und wurde dann aus baupolizeilichen Gründen geschlossen. Später nutzten verschiedene Geschäfte das Haus als provisorische Verkaufsstätte bzw. als Lager. Mit Ausnahme des denkmalgeschützten Vorderhauses (Foto links) wurde der ehemalige Ballsaal 2003 abgerissen. An gleicher Stelle entstand ein Supermarkt mit einer Ladenpassage im früheren Kinofoyer.

Firma Carl Stoll: Das Unternehmen wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Carl Stoll gegründet. Stoll hatte nach bestandener Meisterprüfung die alte Plauener Dorfschmiede übernommen und zu einer Werkstatt für den Bau von Kutschen und Wagen ausgebaut. Das ab 1890 “Dresdner Geschäfts-, Luxus- und Straßenbahnwagenfabrik” genannte Unternehmen baute im Auftrag der beiden Dresdner Straßenbahngesellschaften auch die ersten Straßenbahnen für die Stadt. Nachdem die beengten Verhältnisse in Plauen eine Erweiterung des Betriebes nicht mehr zuließen, verlegte Carl Stoll seine Firma 1898 auf die Leipziger Straße 78.

Hier konnte er seine erfolgreiche Geschäftstätigkeit zunächst fortsetzen. 1901 entwickelte er ein schienenloses Fahrzeug mit elektrischem Antrieb, Vorläufer der späteren O-Busse. Da sich kein Auftraggeber für sein Projekt fand, ließ er auf eigene Rechnung 1902 die “Haidebahn” zwischen Arsenal und Klotzsche errichten, die am 24. März 1903 ihren Betrieb aufnahm. Technische und wirtschaftliche Probleme ließen das Unternehmen jedoch scheitern. Bereits 1904 musste Stoll den Betrieb wieder einstellen. Der durch diesen Misserfolg und wegfallende Aufträge im Ausland völlig ruinierte Unternehmer beging 1907 Selbstmord. Sein Sohn Hans-Ludwig Stoll übernahm den väterlichen Betrieb und verlegte ihn nach Wien, wo die Firma noch bis 1914 als Erbauer von O-Bus-Anlagen tätig war.

 

Pieschen:

An der Einmündung der Oschatzer Straße erreicht die Leipziger Straße die Flurgrenze Pieschens. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren Pieschen und die Leipziger Vorstadt baulich weitgehend zusammengewachsen. Beide Viertel gehörten zu den dichtbesiedelten Arbeiterwohnorten der Stadt und werden bis heute von mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern, Läden und kleinen Gewerbebetrieben geprägt. 1993 entstand an der Einmündung Leipziger/ Bürgerstraße mit dem “Elbcenter” ein modernes Stadtteilzentrum. 

Video: Mit der Straßenbahn von der Oschatzer Straße bis Altpieschen (2009)

 

Zur Börse: Die Gaststätte auf der Leipziger Straße 95 war Ende des 19. Jahrhunderts ein Treffpunkt der Pieschener Arbeiter. Hier entstand 1882 der “Sozialdemokratische Verein für Pieschen und Umgebung”, der in den Räumen der “Börse” sein Vereinslokal hatte. Der politisch sehr aktive Verein organisierte regelmäßige Veranstaltungen, für die z.T. prominente Redner der Sozialdemokratie eingeladen wurden. U. a. weilten August Bebel, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Pieschen und sprachen hier vor den Arbeitern.

Pieschener Gesellschaftshaus: Das Lokal befand sich auf der Leipziger Straße 109 und besaß einen großem Gesellschaftssaal, welcher für verschiedenste Veranstaltungen genutzt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg fanden hier regelmäßig große Sonntagskonzerte statt. Nach 1990 wurde in den Erdgeschossräumen die “Pälzer Stubb” mit typisch Pfälzer Gastronomie eingerichtet.

Foto: Werbepostkarte des “Pieschener Gesellschaftshauses”

Deutscher Kaiser: Das Konzert- und Ballhaus an der Leipziger Straße 112 entstand 1883 für den Gastwirt Gustav Reißig und war nach der Jahrhundertwende wichtigstes Versammlungslokal der Pieschener Arbeiter. Zum Haus gehörte ein Konzert- und Biergarten, ein großer Speisesalon sowie ein Ballsaal, der in den Zwanziger Jahren auch als Kinosaal genutzt wurde. Am 11. Dezember 1911 sprach hier Rosa Luxemburg. Außerdem fanden regelmäßig Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen, Konzerte sowie Vereinstreffen statt. Ab 1910 gab es zudem ein Kino, welches zunächst Varieté- und Lichtspieltheater Deutscher Kaiser, später Deutscher-Kaiser-Lichtspiele genannt wurde und über 600 Plätze bot. Die Gaststätte wurde nach 1945 geschlossen, ist als Gebäude jedoch noch erhalten. Lediglich der Saalbau musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Hafenschänke: Diese Gaststätte an der Ecke Leipziger/ Rehefelder Straße gehörte zu den preiswerteren Pieschener Lokalen und wurde von Max Merbitz betrieben. Besonders die im Pieschener Elbhafen beschäftigten Männer nutzten das Lokal mit seinem Biergarten. Hier war auch der Mittelpunkt des erstmals 1923 begangenen Pieschener Hafenfestes. Nach 1945 wurde die Hafenschänke geschlossen, blieb als Gebäude jedoch noch bis 2009 erhalten.

Elbcenter mit Sparkassenmuseum (Nr. 116): Das moderne Geschäftshaus entstand 1993/94 auf dem Grundstück Leipziger / Rehefelder / Bürgerstraße. Neben Ladengeschäften im Erdgeschoss befinden sich in den oberen Etagen Büro- und Wohnräume. Zeitweise gab es hier auch eine Gaststätte. Außerdem besteht eine Postfiliale. Heute wird das Gebäude u.a. von der Ostsächsischen Sparkasse genutzt. Einige Räume beherbergen das 1997 von einem ehemaligen Angestellten gegründete Dresdner Sparkassenmuseum mit einer Sammlung historischer Dokumente und Sachzeugen aus der Geschichte des Kreditinstitutes. Zu sehen sind auch alte Rechenmaschinen und die ersten DDR-Geldautomaten.

Dresdner Sparkassenmuseum, Leipziger Str. 116
Eintritt und Führungen nach Voranmeldung unter Tel. 0351/455-894339

Mickten:

Straßenbahnhof Mickten: Der Straßenbahnhof Mickten entstand 1892/97 und war bis 1930 zugleich Ausgangspunkt der schmalspurigen Lößnitzbahn nach Radebeul. Zur Anlage gehörten neben dem Verwaltungsgebäude an der Leipziger Straße (Nr. 133) mehrere Fahrzeughallen und Werkstätten, die das gesamte Areal zwischen Leipziger, Stern- und Franz-Lehmann-Straße einnehmen. Während in der zentralen Wagenhalle Fahrzeuge der Dresdner Straßenbahn abgestellt und gewartet wurden, nutzte die schmalspurige Lößnitzbahn die hölzerne Wagenhalle an der Lommatzscher Straße. Zum Komplex gehörte ein umfangreiches regel- und schmalspuriges Gleisnetz sowie zwei Schiebebühnen, über welche die Straßenbahnfahrzeuge zu den jeweiligen Abstellgleisen befördert wurden.

Mit Umstellung der Lößnitzbahn auf die Dresdner Stadtspur wurden deren Anlagen nicht mehr benötigt und fortan als Kfz-Werkstatt für Busse und Lkw der Verkehrsbetriebe genutzt. 1992 schlossen die Dresdner Verkehrsbetriebe den Straßenbahnhof und verkauften das Areal vier Jahre später an einen privaten Investor. Nach jahrelangem Leerstand und der Übergabe an neue Eigentümer entstand in der unter Denkmalschutz stehenden großen Wagenhalle 2009 ein Einkaufszentrum. Zahlreiche Nebengebäude und die frühere Lößnitzbahnhalle wurden ganz oder teilweise abgerissen und in die Neugestaltung des Areals integriert. Das frühere Verwaltungsgebäude beherbergt ein Ärztehaus, Büros und Wohnungen.

Klax: Das kleine Gebäude an der Einmündung zur Sternstraße (Sternstraße 1) diente ursprünglich als Wohnhaus; im Erdgeschoss befand sich eine Fleischerei. Später wurden die Räume als Imbiss genutzt. 1990 erwarb der bekannte Dresdner DJ und Partyveranstalter Wolfgang "Wolle" Förster das Haus und richtete hier die Nachtbar "Klax" ein. Ursprünglich war in den Räumen eine Spielothek geplant, woran noch heute der Name (nach einem Spielautomatenmodell) erinnert. Als Nacht- und Stripteasebar ist das "Klax" heute Dresdens wohl bekanntestes Lokal seiner Art.

Tabakfabrik A. R. Jedicke & Sohn (Nr. 153/55): Das Wohn- und Geschäftshaus Leipziger Straße 153/55 wurde 1899 für den Zigarrenfabrikanten Friedrich Otto Jedicke errichtet. Mit der Ausführung des Baus beauftragte er den Kaditzer Architekt Emil Rösler. Das Gebäude entstand als Kopfbau einer geschlossenenen Häuserzeile und wurde nach seiner Fertigstellung 1900 vermietet. Im Hintergebäude betrieb der Eigentümer die Zigarrenfabrik A. R. Jedicke & Sohn. In Anspielung an die “Internationalität” dieser Branche zieren das Haus Reliefköpfe verschiedener menschlicher Rassen.

Das Unternehmen war bereits 1886 in der Leipziger Vorstadt von den Brüdern Friedrich Otto und Hermann Jedicke gegründet worden und verlegte seinen Sitz aus Platzgründen 1889 nach Trachau. In diesem Jahr 1889 genehmigte die damals noch selbständige Gemeinde Trachau den Bau einer Wohnvilla und eines Fabrikgebäudes auf dem Grundstück 1929 wurde der Firmensitz zur Holbeinstraße 36 in die Johannstadt verlegt, wo sie bis zur Zerstörung 1945 unter gleichem Namen weiterproduzierte. In den nun nicht mehr benötigten Räumen in Trachau richtete die Stadt Dresden 1930 ein Asyl für Obdachlose ein. Seit 1945 werden die Gebäude als Wohnhäuser genutzt und 2012 saniert.

Gasthof Mickten: Die Schankwirtschaft entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Ausbau des Stadtteils Neu-Mickten an der Leipziger Straße 10 (heute Nr. 170). 1889 befand sie sich im Besitz des Gastwirts Karl Mäser. Nach 1945 schloss der Gasthof seine Pforten und wurde später u.a. als Eiscafé genutzt. Heute ist hier eine Spielothek untergebracht.

 

Trachau:

Nach dem Ausbau der neuen Meißner Poststraße über Trachau entstanden hier außerhalb des Dorfkerns einige neue Häuser, darunter der 1787 gegründete Gasthof. Im Folgejahr baute der aus Serkowitz stammende Schmied Johann Christoph Wenzel eine Schmiede, der bald weitere Handwerker- und Häusleranwesen folgten. Die Schmiede musste 1898 dem Wohnhausneubau Leipziger Straße 206 weichen. Weitere mehrgeschossige Wohnhäuser folgten nach 1900 und veränderten das einstige Ortbild.

Nr. 210: 1899 ließ der Eigentümer des Grundstückes Leipziger Straße 210 Heinrich Moritz Berger das repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus im Stil des Historismus errichten. Mit der Ausführung wurde der Kaditzer Architekt Emil Rösler beauftragt, der an verschiedenen Wohn- und Geschäftshäusern im Dresdner Nordosten beteiligt war. Im Gegensatz zur Dresdner Bauordnung durften in Trachau auch Stuckornamente an der Fassade angebracht werden. Die Reliefs zeigen zum Teil Jugendstilornamente und sind bis heute erhalten geblieben.

Weinschänke Kockel: Die kleine Schänke wurde um 1860 eröffnet und war bis 1888 im Besitz eines Trachauer Winzers, der hier einen Ausschank betrieb. 1929 wurde das Haus zugunsten der Wohngebäude Leipziger Straße 212/214 abgerissen.

Elisabeth-Apotheke: Das Gebäude an der Leipziger Straße 218 entstand 1899/1900. Für den Bau musste eine der alten Scheunen des Dorfkerns und das frühere Blumenbergische Gut weichen. Das dreigeschossige Wohn-und Geschäftshaus wurde im Erdgeschoss zunächst von einer Bäckerei genutzt, deren Besitzer hier das beliebte “Café Germania” betrieb. Seit 1921 befindet sich in den Räumen die Elisabeth-Apotheke, erste Trachauer Apotheke. Gründer war der Apotheker und Nahrungsmittelchemiker Dr. Max Heinze, der sein Geschäft am 1. Oktober 1921 eröffnete. Als einzige Dresdner Apotheke blieb die Elisabeth-Apotheke auch zu DDR-Zeiten in Privatbesitz. Neben dem üblichen Medikamentenangebot wurden hier auch homöopathische Präparate hergestellt und verkauft.

Größere Umbauten in den Räumen erfolgten 1980/81 und 1991. Im Inneren stellt ein von Alfons Garn geschaffenes Kupferrelief das Leben der Heiligen Elisabeth und die Bedeutung der Pharmazie dar. Garn ist auch Schöpfer des zweiten Wandbildes “Lebensbaum”.

Goldenes Lamm: Der Gasthof (Leipziger Straße 220) entstand als erstes Gebäude auf Trachauer Flur an der neu angelegten Poststraße und erhielt am 13. Juni 1787 die Schankkonzession. Besitzer war der Häusler und Fleischer Johann Gottfried Ockert. Seit 1839 tagte hier auch der Trachauer Gemeinderat.

1881 wurde der alte Gasthof “Zum Lämmchen” in heutiger Gestalt neu aufgebaut und in diesem Zusammenhang in “Goldenes Lamm” umbenannt. Im Jahr 1895 entstand noch ein vergrößerter Tanzsaal. Weitere Umbauten erfolgten 1918. Der Saal diente in den Zwanziger Jahren zeitweise auch als Turnsaal des Trachauer Turnvereins und seit 1925 als Kino. Ab 1962 wurden die Räumlichkeiten bis 1997 als Domizil des Dresdner Puppentheaters genutzt. Danach stand das Gebäude leer, lediglich im Erdgeschoss befand sich noch eine kleine Gaststätte (Foto).

2005 übernahm die Freie Evangelische Gemeinde das Haus, um hier ihr Gemeindezentrum einzurichten. Nach erfolgter Sanierung konnte dieses im September 2007 eröffnet werden. Neben dem Kirchensaal mit ca. 230 Plätzen stehen  weitere Räume für die Gemeinde- und Jugendarbeit der Freikirche zur Verfügung. Im Unterschied zur evangelisch- lutherischen Kirche werden ausschließlich Erwachsene nach entsprechendem Bekenntnis zu Christus getauft.

Nr. 230/232: Auch diese beiden Wohnhäuser entstanden kurz vor der Eingemeindung Trachaus und tragen zum städtischen Erscheinungsbild der früheren Vorstadt bei. Die Fassaden wurden ganz im Stil der Zeit mit neogotischen und Jugendstilornamenten verziert und mit farbigen Klinkern verkleidet. Derartige Fassadengestaltungen finden sich an zahlreichen Trachauer Wohn- und Geschäftshäusern im alten Ortskern.

Trachauer Markthalle (Nr. 242): Das einstöckige Gebäude befindet sich gegenüber dem heute als "Theaterhaus Rudi" genutzten Neukaditzer Gasthof und diente ursprünglich als Verkaufsstelle für Waren des täglichen Bedarfs. Später wurde es als Obst- und Gemüsehandel genutzt. Nach dem Abriss des Nachbarhauses 1986 erwarb der private Inhaber auch dieses Grundstück und nutzte es als Parkplatz. Nach 1990 bezog eine Gaststätte die ehemaligen Verkaufsräume, bevor 2007 die Familie Keyl das Haus sanieren ließ und dort eine Produktionsstätte für Speiseeis einrichtete. Neben Großabnehmern und Supermärkten betreibt die Firma "Eis-Keyl" heute auch mehrere Filialen in Dresden und Radebeul.

Waldvilla: Das Gasthaus entstand 1875/76 als “Balletablissement Waldvilla Trachau” und wurde von seinem Besitzer Johann Moritz Gebler zu einem der beliebtesten Tanzlokale im Nordwesten Dresdens ausgebaut. Zur Gaststätte gehörten neben dem Saal  auch ein großer Gästegarten und eine Kegelbahn. 1922 wurde die “Waldvilla”, von den Anwohnern liebevoll “Wilde Wally” genannt,  geschlossen. Das Haus Leipziger Straße 300 war seitdem Firmensitz der Arzneimittelfirma “Li-il GmbH”.

Foto: Blick zur Trachauer “Waldvilla” (Bildmitte) um 1900

Firma Li-il: Das Unternehmen wurde 1910 von Richard Carl Pittlik als “Deutsche Arzneibäderfabrik Li-il Werk” in der Johannstadt gegründet. Der Name leitet sich von den lateinischen Begriffen “Lithium” (wurde als Trägersubstanz für die Essenzen genutzt) und “ilatium” (von außen nach innen) her und weist auf das Grundprinzip der hergestellten Produkte her. Diese von Ärzten, Apothekern und Chemikern entwickelten ätherischen Öle und Badezusätze sollten “von außen nach innen” wirken und galten seinerzeit als neuartige Naturheilmittel, welche in Kurkliniken und ähnlichen Einrichtungen zum Einsatz kamen.

1922 bezog das “Li-il”-Werk die ehemalige Gaststätte “Waldvilla” und stellte hier, ab 1928 unter Leitung von Dr. Ernestine Gabriele Böhme, verschiedene medizinisch-badeheilkundliche Erzeugnisse her, u.a. das bis heute verwendete Camphoderm und Tussidermil. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Fabrik ohne größere Schäden, wurde 1972 jedoch zwangsweise verstaatlicht und 1975 an das Arzneimittelwerk Dresden angeschlossen. 1992 erwarb ein hessischer Unternehmer den Betrieb von der Treuhand und ließ diesen schrittweise modernisieren. Heute werden hier neben traditionellen Gesundheitsbädern und Emulsionen auch verschiedene kosmetische Produkte hergestellt und zum Teil exportiert.

 

Neukaditz:

Der Stadtteil Neukaditz entwickelte sich ab 1872 auf den früheren Feldern des wüsten Dorfes Gleina, welche später von Kaditzer Bauern bewirtschaftet wurden. Begünstigt durch die industrielle Entwicklung in den Nachbarorten entstanden hier, abseits des alten Kaditzer Dorfkerns, Wohnhäuser, die zum Teil von Genossenschaften, zum Teil auch von privaten Bauherren errichtet wurden. Bemerkenswert ist die ab 1887 entstandene Wohnsiedlung zwischen Leipziger Straße, Kolbe- und Roscherstraße, die zu den ersten genossenschaftlichen Bauvorhaben in Dresden gehörte. Erstes Gebäude war jedoch der heute als Theaterhaus “Rudi” genutzte ehemalige Gasthof “Zum Feldschlößchen”.

Ranke-Drogerie (Nr. 199): Die nach der angrenzenden Rankestraße benannte Drogerie wurde von Alfred Mißbach gegründet und am 1. April 1931 eröffnet. Neben klassischen Drogeriewaren wurden hier auch Fotoapparate und Zubehör verkauft. 1966 übernahm eine frühere Angestellte die Geschäftsleitung und führte das traditionsreiche Unternehmen noch bis 2006. Heute befindet sich in den Räumen das italienisches Restaurant “La Dolce Vita”.

Wohnhausgruppe Nr. 203-209: Die Häuser entstanden Ende des 19. Jh. im Auftrag des Kaditzer Architekten Jähnig und wurden von diesem baukünstlerisch gestaltet. Nach ihrem Fassadenschmuck werden sie als Kaiser-Wilhelm-Haus (Nr. 203), Lutherhaus (Nr. 205), Gustav-Adolf-Haus (Nr. 207) und Kronenhaus (Nr. 209) bezeichnet.

Friedrich-August-Haus: Das Gebäude an der Einmündung Kolbestraße wurde 1899 als erstes Haus des ein Jahr zuvor gegründeten gemeinnützigen Dresdner Spar- und Bauvereins gebaut. Schirmherr des Bauvorhabens war der damalige Prinz Friedrich August, der 1904 die Nachfolge König Georgs antrat. Friedrich August unterstützte den Unterhalt des Gebäudes mit einer jährlichen Zahlung von 50 Mark. Die Finanzierung des Baus übernahm der Vorstand der Chemischen Fabrik von Heyden, die auch über das Belegungsrecht für fünf Wohnungen verfügte. Das architektonisch anspruchsvoll gestaltete Doppelhaus mit 20 Wohnungen und zwei Ladengeschäften wurde vom Architekten Thüme entworfen und zeigt an der Fassade Anklänge an den Jugendstil sowie Spruchbänder. Eine umfassende Erneuerung fand 1993/94 statt.

 

Foto: Das Friedrich-August-Haus an der Leipziger Straße. Inschrift am Giebel (links):

“Wer dieses Haus jetzt tadeln will, der stehe nun ein wenig still,
und denk in seinem Herzen frei, ob er ganz ohne Tadel sei”.

 


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