Die Hechtstraße bildet die Hauptachse eines seit Mitte des 19. Jahrhunderts planmäßig angelegten Wohnviertels. Bereits 1836 hatte der Dresdner Polizeidirektor Hans Ludwig von Oppell hier Grundstücke für die
Bebauung mit Wohnhäusern erworben. Die meisten Gebäude entstanden allerdings erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und machten die Oppellvorstadt,
die im Volksmund bis heute meist als “Hechtviertel” bekannt ist, zu einem der am dichtesten besiedelten Stadtteile Dresdens. 1862 wurde an der Hechtstraße der St.-Pauli-Friedhof angelegt. Unweit davon befindet sich der sogenannte “Hechtpark”, eine grüne Oase am Rande des Hechtviertels.
Ihren Namen verdankt die Hechtstraße dem früheren Neudorfer Revierförster Johann August Hecht, der 1715 ein Grundstück am Rande der Hellerberge erwarb und hier einen Weinberg anlegte. Neben ihrem Weingut betrieb die
Familie Hecht eine kleine Schankwirtschaft für ihre Angestellten. Aus dieser ging später die Restauration “Zum Blauen
Hecht” an der Radeburger Straße hervor, deren Name auf die hier einmündende Straße übertragen wurde. 1891 fuhr
erstmals die Straßenbahn durch die Hechtstraße bis zum Endpunkt Buchenstraße, ab 1926 bis zum St.-Pauli-Friedhof.
Nach kriegsbedingter Betriebseinstellung wurde der Verkehr nach 1945 nicht wieder aufgenommen und die Gleisanlagen in den 50er Jahren demontiert.
Zu DDR-Zeiten verfielen die meisten Altbauten in diesem Gebiet, nachdem es bereits 1945 durch den Luftangriff zu Verlusten an Bausubstanz gekommen war. Dafür
entwickelte sich im “Hechtviertel” wie auch in der Äußeren Neustadt eine alternative Szene mit illegalen Treffs und Cafés. Einer der bekanntesten war das im Obergeschoss
des Wohnhauses Hechtstraße 26 entstandene “Café Stillos”. Nach 1990 wurden die meisten Gebäude saniert. Trotzdem konnte die Hechtstraße mit ihren zahlreichen
kleinen Läden, Bars und Gaststätten ihr Flair bis heute weitgehend bewahren. Im Haus Nr. 10 entstand 2002 die inzwischen leider geschlossene Jugendherberge “Die Boofe”
als preisgünstige Übernachtungsmöglichkeit für Dresden-Besucher aus aller Welt. Im oberen Teil der Hechtstraße prägen hingegen Neubauten aus den 50er und 60er Jahren das Straßenbild (Foto)
, da hier zahlreiche Gebäude durch Bomben zerstört worden waren.
Einzelne Gebäude: Nr. 27:
In diesem Haus betrieb Ende des 19. Jahrhunderts der stadtbekannte Fischhändler August Paschky sein Geschäft. Paschky besaß zahlreiche Filialen in verschiedenen Stadtteilen und galt als
umtriebiger Kaufmann. Zugleich engagierte er sich in der sozialdemokratischen Partei und war einer der Mitbegründer der Dresdner SPD. Wegen seiner politischen Tätigkeit wurde er 1880 zur
Zeit des Sozialistengesetzes zu 1 1/2 Jahren Haft verurteilt. Nach seinem Tod 1891 übernahm Paschkys Ehefrau den Betrieb, der noch bis in die 30er Jahre existierte.
Nr. 30:
Im Erdgeschoss und im Hinterhaus des Grundstückes Hechtstraße 30 (Foto) befanden sich um 1900 die Lager- und Geschäftsräume des Fleischermeisters Franz Augustin. Augustin war
ein Onkel Erich Kästners und wurde von diesem in seinen Kindheitserinnerungen “Als ich ein kleiner Junge war” verewigt. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg kam er als Pferdehändler zu
erheblichem Wohlstand und erwarb die Villa Antonstraße 1 am Albertplatz (heute Erich-Kästner-Museum). Obwohl die
Räumlichkeiten an der Hechtstraße heute anderweitig genutzt werden, blieben die ehemaligen Stallgebäude im Hinterhof erhalten. Nr. 137:
Hier lädt seit April 2008 das Lokal “Am Hecht” seine Gäste ein. angeboten werden vorrangig Fisch- und Fischgrillgerichte. Zuvor wurden die Räume von einem Lokal mit dem Namen “Zum Fritz” genutzt. Wohnanlage “Oberer Hecht”:
Die Siedlung zwischen Hechtstraße, Bärwalder und Bernsdorfer Straße entstand zwischen 1926 und 1929 nach Plänen des Architekten Prof. Dr. Otto Schubert. Bauherr war der Kleinwohnungs-Bauverein Dresden,
welcher hier seine größte Wohnanlage mit insgesamt ca. 570 Wohnungen errichtete. Auf den angrenzenden Flächen folgten kurz darauf zweigeschossige Siedlungshäuser
des Allgemeinen Sächsischen Siedlerverbandes - Heimstättenverein Dresden Nord-West. Diese befinden sich heute in Privatbesitz, während die Häuser des
Bauvereins jetzt zur Sächsischen Wohnungsgenossenschaft Dresden gehören.
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