Leipziger Vorstadt

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Leipziger Vorstadt:

Als Leipziger Vorstadt wird heute allgemein der nordwestlich des rechtselbischen Stadtkerns gelegene Teil der Neustadt bezeichnet. Er umfasst das zwischen Elbe - Oschatzer Straße - Weinböhlaer Straße - Stauffenbergallee und der Bahnlinie Dresden - Görlitz gelegene Gebiet. Historisch entwickelte sich die Leipziger Vorstadt in verschiedenen Etappen. Ältester Siedlungsteil ist das um 1550 gegründete Neudorf, eine im Zusammenhang mit dem Festungsbau in der Inneren Neustadt entstandene Kleinbauern- und Häuslersiedlung an der heutigen Moritzburger Straße (Foto). Diese vorstädtische Gemeinde besaß bis zu ihrer Eingliederung nach Dresden 1866 einen Sonderstatus, der immer wieder zu Konflikten zwischen der örtlichen Bevölkerung und dem städtischen Rat führte. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wuchs das bis dahin ländlich geprägte Neudorf mit dem benachbarten Pieschen zusammen, so dass die ehemalige Flurgrenze heute nicht mehr erkennbar ist. Heute dominieren hier mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser in geschlossener Bauweise. Hinzu kommen mehrere Kleingartenanlagen und gewerblich genutzte Flächen. Ab 1874 setzte sich für die ehemalige Neudorfer Flur und das angrenzende Gebiet der vom Stadtrat am 29. Oktober offiziell eingeführte Name Leipziger Vorstadt durch, wobei sowohl die Leipziger Straße als auch die hier entlang führende Eisenbahnlinie für die Namensgebung Pate standen.

Auch das Gebiet zwischen Großenhainer und Friedensstraße bildet faktisch eine “Ausgliederung” aus der eigentlichen Neustadt. Nach dem großen Stadtbrand von 1685 wurden hier die Scheunenhöfe angelegt, um diese besonders durch Feuer gefährdeten Gebäude außerhalb der Stadtmauer anzusiedeln. Außerdem entstand 1732 in unmittelbarer Nähe der Innere Neustädter Friedhof als Begräbnisplatz der Dreikönigskirche. Später wurde auch dieses Areal bebaut und ist alten Dresdnern noch unter dem Namen “Scheunenhofviertel” geläufig.

Im 19. Jahrhundert begann sowohl auf Neudorfer Flur als auch im Umfeld der Scheunenhöfe die Ansiedlung gewerblicher Unternehmungen. Begünstigt wurde diese Entwicklung ab 1836 durch den Bau der ersten deutschen Ferneisenbahn zwischen Dresden und Leipzig. Die für deren Betrieb erforderlichen Bauten und technischen Anlagen, darunter der alte Leipziger Bahnhof und die Eisenbahnwerkstätten, entstanden auf damals noch unbebautem Gebiet zwischen Leipziger und Großenhainer Straße. Nach Eröffnung des Neustädter Bahnhofes im Jahr 1901 diente der Leipziger Bahnhof als Güterbahnhof der Neustadt (Foto: Bahnbrücken am Bischofsplatz).

Dem Eisenbahnbau folgten schon bald verschiedene Industriebetriebe, u.a. die Drogenappretur-Anstalt von Ludwig Gehe, das Dampfsägewerk Grumbt, die Steingutfabrik Villeroy & Boch und der Dresdner Schlachthof. An der Großenhainer Straße entstanden Produktions- und Verwaltungsgebäude der bekannten Nähmaschinenfabrik Clemens Müller. Hinzu kamen kleinere Handwerksbetriebe, Lagerhallen, aber auch Kleingarten- und Sportanlagen. Per Ortsgesetz vom 5. Februar 1878 wurde die Leipziger Vorstadt offiziell zum Industriebezirk erklärt.

Trotz dieser Entscheidung entstanden rund um die Industriezonen auch Wohnhäuser für die Arbeiter und Angestellten. Im nördlichen Teil der Vorstadt hatte 1836 der Dresdner Polizeidirektor Hans Ludwig von Oppell ein größeres Grundstück erworben, um hier auf planmäßigem Grundriss eine Arbeitersiedlung zu errichten. Nach ihm hieß dieser Bereich inoffiziell zunächst Oppellvorstadt, bevor sich später der volkstümliche Name Hechtviertel durchsetzte. Erst um 1875 begann der zunehmende Ausbau des Stadtteils, welcher vor 1945 zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Dresdens gehörte. Zur kirchlichen Betreuung der hier lebenden Bevölkerung entstanden 1889 die St. Petri-Kirche am Großenhainer Platz sowie 1891 die St. Pauli-Kirche am Königsbrücker Platz.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auf den noch verbliebenen Freiflächen an der Hechtstraße eine genossenschaftliche Wohnsiedlung erbaut. 1945 fielen Teile des Hechtviertels, aber auch Wohn- und Gewerbegebäude in den übrigen Teilen der Leipziger Vorstadt dem Luftangriff zum Opfer. Getroffen wurden u. a. der Güterbahnhof Neustadt sowie Wohnhäuser und Industrieanlagen an der Großenhainer und der Leipziger Straße. Bomben fielen auch auf Teile des alten Neudorfer Dorfkerns sowie in den angrenzenden Wohnvierteln. Heute weist der Stadtteil ein stark zergliedertes Bild auf. Neben bereits sanierten Wohnhäusern warten nach 1990 aufgegebene Industriebrachen auf ihre künftige Neugestaltung. Jüngstes Projekt ist die geplante Umgestaltung des Areals zwischen Leipziger Straße und Elbufer zur “Hafencity” mit Wohnhäusern und Freizeiteinrichtungen.

 

Neustädter Hafen:

Der Neustädter Elbhafen entstand Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde 1872-1876 im Zusammenhang mit der zunehmenden Industrialisierung und zur Entlastung des Pieschener Hafens ausgebaut. Das ca. 380 m lange und 70 m breite Hafenbecken bot bis zu 40 Schiffen Platz. Als erster Verkehrshafen Sachsens erhielt er zugleich Anschluss an das Eisenbahnetz und ermöglichte somit die direkte Verladung von Gütern vom Wasser- auf den Schienenweg. Für den Umschlag wurden drei Dampfkräne angeschafft, die später Verstärkung durch zwei elektrische Kräne und eine Elevatoranlage erhielten. 1888/89 erfolgte nochmals eine Erweiterung des Hafenbeckens, um dieses zugleich als Winterhafen für die Passagierdampfer nutzen zu können.

Seine letzte Blütezeit als Umschlagplatz erlebte der Neustädter Hafen in der Nachkriegszeit. 1950 wurde auf der Moritzburger Straße sogar ein 425 m langes Gleis der Straßenbahn bis zum Elbkai verlegt, welches jedoch nur dem innerbetrieblichen Transport von Kies und Sand für die Verkehrsbetriebe diente. Später nutzte man das Hafenbecken nur noch als Winterdomizil der “Weißen Flotte”. Die Hafenanlagen stehen seit 1993 unter Denkmalschutz und sollen künftig Teil einer Elbuferpromenade werden. Auch die Einrichtung eines Yachthafens wird erwogen. Außerdem liegen hier zwei ehemalige Ausflugsdampfer der “Weißen Flotte” (Foto). Das 1963 in Roßlau gebaute dieselelektrische Seitenradschiff  “Karl Marx” (ab 1991 “Daniel Pöppelmann”) dient seit 2000 als Touristenherberge “Die Koje” und wird von der städtischen Gesellschaft QAD betrieben. Ein zweites baugleiches Schiff, bis 1992 als “Friedrich Engels” bzw. “Johann Friedrich Böttcher” im Einsatz, wird vom CVJM als Jugendbildungs- und Begegnungszentrum genutzt. Das Foto oben zeigt eine Luftaufnahme des Hafens, am oberen Bildtand ist die Marienbrücke zu erkennen.


Straßen der Leipziger Vorstadt

 

Weiterführende Literatur und Quellen

Leipziger Vorstadt-Nachrichten

19. Januar 2012: Mit Abschluss der Verglasung des Schutzdaches über der St.-Pauli-Ruine im ist eine weiterer wichtiger Bauabschnitt geschafft. Am 27.April sollen die Arbeiten vorerst beendet sein, Insgesamt wurden in den letzten Monaten ca. 2,6 Millionen Euro investiert. Im Sommer soll dann auch die Glocke wieder in den Turm zurückkehren.

19. Januar 2012: Der Stadtrat hat jetzt den Bau einer neuen Schule in der geplanten Hafencity beschlossen. Der Neubau könnte an der Ecke Leipziger Straße/Erfurter Straße entstehen. Ob und wann mit der Umsetzung des Vorhabens begonnen wird, steht jedoch noch nicht fest.

2. Dezember 2011: Am Bischofsplatz soll bis zum Frühjahr 2016 ein neuer S-Bahn-Haltepunkt eingerichtet werden. Die Deutsche Bahn hat jetzt die Detailplanung des Projekts an die bauausführenden Firmen vergeben. Der neue Halt entsteht im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke zwischen Dresden und Coswig.

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24. November 2011: Das Wohnhaus Buchenstraße 15 b wird ab Sommer 2012 zu einem Wohnhaus für sozial Bedürftige umgebaut. Statt des bestehenden Obdachlosenheims sollen hier elf sogenannte Gewährleistungswohnungen für Wohnungslose eingerichtet werden.

9. November 2011: An der St.-Pauli-Kirche wurden jetzt die letzten drei von insgesamt sieben Stahlträgern für das neue Kirchendach aufgesetzt. Bis zum Jahresende sollen nun Glasscheiben montiert werden, Ziel der Aktion ist es, die für Theateraufführungen und Konzerte genutzte Kirchenruine künftig unabhängig von der Witterung nutzen zu können und zugleich die Lärmbelastung für die Anwohner zu verringern.

20. September 2011: Der Umbau des früheren Hostels „Die Boofe“ hat jetzt begonnen. In den kommenden Monaten wird das Gebäude u. a. einen zweiten Rettungsweg sowie neue Türen erhalten. Außerdem entsteht in jeder Etage eine Gemeinschaftsküche für die Bewohner.

4. August 2011: Auf der Rudolf-Leonhard-Straße 3 im Hechtviertel hat seit Anfang August das vegane Restaurant „Falscher Hase“ geöffnet. Angeboten werden ausschließlich Gemüsegerichte, Tofu und Speisen aus Fleischersatz. Auch die Getränke sind auf  rein pflanzlicher Basis hergestellt.

29. Juli 2011: Das ehemalige Hostel „Die Boofe“ auf der Hechtstraße 10 wird ab Mitte August zu einem Obdachlosenheim umgebaut. Die Eröffnung der Einrichtung ist für den 1. März 2012 vorgesehen. Hier sollen künftig vorrangig erwerbsfähige Einzelpersonen und Familien untergebracht werden. Die Platzzahl wurde nach Anwohnerprotesten von 64 auf 50 reduziert, um eine Konzentration von sozial Schwachen im Viertel zu verhindern.

13. Mai 2011: Die Stadt saniert derzeit das Eingangsportal zum Inneren Neustädter Friedhof. Außerdem bekommt das Verwaltergebäude einen neuen Anstrich. Schon im März wurde mit der Sanierung der Friedhofsmauer begonnen. Die Kosten in Höhe von 67.000 Euro werden zu 75 Prozent von der EU gefördert.

3. Mai 2011: Auf einer ehemaligen Brachfläche an der Kiefernstraße 12/14 entsteht in derzeit ein weiteres Gebäude mit sechs Wohnungen. Bauherr ist eine private Baugemeinschaft mehrerer  Familien, die hier gemeinsam eine kleine Wohnanlage schaffen wollen. Unterstützt wird das Projekt vom Verein Bauforum Dresden.

22. März 2011: Die Freifläche rund um die St.-Petri-Kirche soll bis zum Jahresende neu gestaltet werden. Vorgesehen ist eine Beräumung des Areals sowie eine Bepflanzung mit Bäumen und Sträuchern. An der Fritz-Reuter-Straße soll außerdem ein kleiner Platz entstehen.

17. März 2011: An der St.-Pauli-Ruine am Königsbrücker Platz haben die seit längerem geplanten Sanierungsarbeiten begonnen. U.a. wird derzeit das Fundament der neuen Toilettenanlage vorbereitet. Geplant ist auch der Bau eines Glasdachs über der Ruine.  Insgesamt kostet die Sanierung ca. 2,6 Millionen Euro.

15. März 2011: An der Ecke Großenhainer Straße / Harkortstraße wird bis zum Jahresende ein kleiner Stadtteilpark mit Grünflächen und Ruhebänken entstehen. In der Mitte des Geländes ist ein befestigter Platz für öffentliche Veranstaltungen geplant. Erhalten bleiben die vorhandenen Kirschbäume. Außerdem sollen überdachte Stellplätze für Fahrräder entstehen. Dabei werden auch einige beim Umbau der Bahnbrücken geborgenen gusseisernen Säulen wieder verwendet.

11. März 2011: Die 1992 als eines der ersten italienischen Lokale in Dresden eröffnete “Pizzeria Florenz” in der Erlenstraße 15 bleibt ab sofort geschlossen. Grund sind zu hohe Mietforderungen für die Räume.

9. März 2011: Die Handelskette Globus will am historischen Leipziger Bahnhof für 30 Millionen Euro einen neuen Supermarkt errichten. Obwohl der Kaufvertrag für das Areal  zwischen Leipziger und Großenhainer Straße bereits unterzeichnet ist, wird der Baubeginn frühestens in zwei Jahren erfolgen.

8. März 2011: Im Hinterhaus der Hechtstraße 27 soll ein familienfreundliches Hostel entstehen. Dabei sind in der ersten Etage des Gebäudes sieben Zimmer mit zwölf Betten, eine Küche und zwei Bäder geplant.  Eröffnen soll das Hostel bereits im April.
 

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