Hellerau wurde auf Initiative des Besitzers der Deutschen Werkstätten, Karl
Schmidt, im Jahr 1908 als erste deutsche Gartenstadt gegründet und erhielt als “Au am Heller” seinen Namen. Ziel der um 1900 in England entstandenen
Gartenstadtbewegung war es, neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu propagieren, die sich auch auf künstlerischem und architektonischen Gebiet
ausdrücken sollten. Für den Bau Helleraus erwarb Schmidt 130 Hektar Land von Rähnitzer und Klotzscher Bauern und gründete eine “Gemeinnützige
Gartenbaugesellschaft mbH” , die den künftigen Bewohnern zu günstigen Konditionen den Erwerb von Wohnhäusern ermöglichen und jegliche Bodenspekulation verhindern sollte. Für die Planung der Reihenhaussiedlung wurde der
Münchner Architekt Richard Riemerschmidt gewonnen, der Schmidts Ideen in die Tat umsetzen sollte.
Am 9. Juni 1909 erfolgte an der Straße Am grünen Zipfel die Grundsteinlegung für die ersten Häuser. Im Anschluss
entstanden in mehreren Bauabschnitten das Kleinhaus- und Villenviertel, ein Stadtzentrum um den Markt mit den erforderlichen öffentlichen Einrichtungen sowie das Betriebsgebäude der Deutschen Werkstätten, für deren Arbeiter die
Siedlung hauptsächlich gedacht war. Einbezogen wurde die als einziges Gebäude bereits vorhandene Ausflugsgaststätte “Waldschänke”
. Diese gehörte neben der “Hellerschänke” in den nahe gelegenen Hellerbergen zu den beliebten Zielen für Heidewanderer
. Geschickt wurde von Riemerschmidt das hüglige Gelände für die Gestaltung genutzt. Die
Straßen verliefen meist bogenförmig, um so einen Einklang zwischen Natur und Architektur herzustellen (Foto: Am Dorffrieden). Neben Riemerschmidt wirkten die Architekten
Hermann Muthesius und Heinrich Tessenow am Bau der Gebäude mit. Tessenow war auch Architekt des Festspielhauses, welches einige Jahre künstlerischer Mittelpunkt
Helleraus war. Der Ruf des Ortes als fortschrittliche Kulturstätte europäischen Ranges führte zum Besuch bekannter Künstler der damaligen Zeit. 1913 erhielt Hellerau Straßenbahnanschluss (1938 bis Rähnitz verlängert).
Durch den Ersten Weltkrieg wurde die Entwicklung Helleraus abgebrochen. Bereits zuvor hatte Riemerschmidt den Ort
1913 verlassen. 1919 wurde Hellerau mit der Nachbargemeinde Rähnitz vereinigt. In den 20er und 30er Jahren erfolgten
lediglich noch einige Ergänzungen, darunter eine Holzhaus-Mustersiedlung nach Entwürfen bekannter Architekten.
Finanzielle Schwierigkeiten der Gartenstadtgesellschaft zwangen 1923 zum Verkauf eines Teils der Kleinhäuser an
Privatbesitzer. Trotzdem konnte bis 1932 der unvollendete Markt durch Rudolf Kolbe fertiggestellt werden. Außerdem wurden 1937 weitere Wohnhäuser Am Pfarrlehn errichtet. 1938 erhielt der bisherige Doppelort Rähnitz-Hellerau offiziell den Namen Hellerau und
kam am 1. Juli 1950 als Stadtteil zu Dresden. In den 50er Jahren wurden unter Beachtung des Gesamtkonzepts der Gartenstadt einige Häuser für die Angestellten der Klotzscher
Flugzeugwerke errichtet, die im Volksmund “Klein-Dessau” genannt wurden. Die gesamte Anlage steht als Zeugnis des modernen Städtebaus vom Anfang des 20. Jahrhunderts unter
Denkmalschutz. Neben der denkmalgerechten Sanierung der vorhandenen Gebäude wurde 1993 mit der Planung eines Erweiterungsgebietes begonnen. Hier entstanden in Anlehnung
an Hellerauer Bautraditionen gestaltete Ein- und Mehrfamilienhäuser für Familien zwischen den Straßen Kirchsteig und Am Pfarrlehn (Foto)
. Ein Ideenwettbewerb zur weiteren Entwicklung des Ortsteils wurde 1998 durchgeführt. 2012 erfolgte die Nominierung der Gartenstadt als “Laboratorium einer neuen Menschheit” für die UNESCO-Kulturerbeliste.
Schulen in Hellerau: Das Hellerauer Schulwesen war vor allem in den Anfangsjahren stark von reformpädagogischen Ansätzen geprägt. Ausgehend von der 1910 gegründeten Bildungsanstalt für rhythmische Gymnastik entstanden auch nach deren Schließung
verschiedene Nachfolgeeinrichtungen ähnlichen Konzepts, die gesellschaftliche und künstlerische Reformvorstellungen
miteinander verbinden wollten. Letztlich scheiterten diese Konzepte an fehlenden finanziellen Mitteln bzw. wurden spätestens mit Machtantritt Hitlers unterbunden. Volksschule:
Die Schule wurde für die Kinder der Hellerauer Einwohner 1914 nach einem Entwurf von Curt Frick erbaut. Obwohl sie dem üblichen Volksschulkonzept folgte, wurden auch hier neue Pädagogikansätze ausprobiert, so der
gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen sowie eine erweiterte körperliche Erziehung durch Sport und Tanz. Die
Schule war Initiator der bis 1933 regelmäßig durchgeführten Festumzüge und besaß ab 1927 ein kleines Museum. Nach
1945 wurde sie als 84. POS “Carl Bobach” weitergeführt. Heute dient das Gebäude auf dem Heinrich- Tessenow- Weg als 84. Grundschule “In der Gartenstadt”. Foto: Blick zur Hellerauer Schule am Heinrich-Tessenow-Weg Schulheim:
Das “Schulheim für eine private Höhere Schule” wurde 1912 in einem privaten Wohnhaus gegründet und ein Jahr später in das Haus Am Grünen Zipfel 1 verlegt. Die Privatschule besuchten u. a. die Kinder von Tessenow und
Dalcroze. Der Unterricht erfolgte fächerübergreifend und sollte so besondere Interessen und Fähigkeiten der Kinder entwickeln. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Schule geschlossen.
Neue Schule Hellerau: Die Schule entstand 1920 auf dem Gelände der ehemaligen Bildungsanstalt auf Initiative Carl
Theils. Theil war zuvor Lehrer an der reformorientierten Odenwaldschule und wollte deren Konzept nun auch in Hellerau
umsetzen. Unterrichtet wurden natur- und gesellschaftswissenschaftliche Fächer, kombiniert mit einer handwerklichen und
Eurythmieausbildung. Nach Theils Weggang nach Jena geriet die Privatschule in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1925 geschlossen. Verbandsberufsschule:
Die Schule wurde als “Verbandsberufsschule Heiderand-Nord” 1924 gegründet und nutzte die Räume der Hellerauer Volksschule sowie des benachbarten Feuerwehrdepots. Sie diente der Aus- und Weiterbildung
von Jugendlichen in verschiedenen Handwerksberufen und erhielt 1934 Außenstellen in Weixdorf und Ottendorf-Okrilla.
Nach kurzzeitiger kriegsbedingter Unterbrechung nahm die Berufsschule bereits im Juni 1945 den Lehrbetrieb wieder auf und bestand noch bis Mitte der 50er Jahre. Zuletzt wurden hier vor allem Werkzeugmacher ausgebildet.
Postamt: Das Hellerauer Postamt wurde im Zusammenhang mit der Bebauung des Marktes 1910/12 errichtet. Schöpfer war der
Architekt Riemerschmidt, der am Markt alle öffentlichen Einrichtungen der Gartenstadt konzentrieren wollte. Heute gehört Hellerau postalisch zum Postamt Klotzsche. Rathaus:
Das Hellerauer Rathaus wurde 1928 nach Plänen des Architekten Lüdecke erbaut. Lüdecke war auch Schöpfer des
“D-Zuges”, einer originellen Reihenhaussiedlung am Urnenfeldweg. Für den Bau des Verwaltungsgebäudes fanden Ziegel
eines abgerissenen Schornsteins Verwendung. Nach der Eingemeindung diente das Haus nur noch Wohnzwecken und wurde Mitte der 90er Jahre zugunsten eines Sparkassen-Neubaus abgerissen. Weiterführende Literatur und Quellen
Führungen durch die Gartenstadt Hellerau: architektour_dd - Claudia Beger - Architekturführungen:
Prießnitzstraße 25,01099 Dresden, Tel.: 0351 / 329 61 46, Mail:
info@architektour-dd.de MARKT2 hellerau - Clemens Galonska: Markt 2, 01109 Dresden, Tel.: 0351 / 888 18 01, Mail: markt2@dresden-hellerau.de |
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Hellerauer Nachrichten 1. Juli 2010: Im Eigenverlag von Siegfried Bannack ist in Kooperation mit CeWe Color ein neues Fotobuch “100 Jahre
Hellerau mit dem älteren Ortsteil Rähnitz” erschienen. Das Buch enthält auf 130 Seiten zahlreiche historische und aktuelle Fotografien der beiden Stadtteile, ergänzt um ortgeschichtliche
Hintergrundinformationen. Erhältlich ist das Buch zum Preis von 19,80 ¥ bei Siegfried Bannack, Geschwister-Scholl-Str. 59, 01109 Dresden, Tel. 0351-890 60 82. *** 22. März 2013: Das Grundstück an der Karl-Liebknecht-Straße / Am Pfarrlehn soll in den
kommenden Wochen verkauft und anschließend bebaut werden. Auf dem Areal sollen künftig drei Doppelhäuser, ein Einfamilienhaus sowie ein weiteres Mehrfamilienhaus entstehen. Insgesamt sind
12 Wohnungen geplant. 2. Januar 2013: Das vom Förderverein Waldschänke verkaufte Waldschänken-Puzzle stößt auf
große Resonanz. Deshalb soll nun eine weitere Auflage folgen. Die Puzzlespiele werden zum Preis von 15 Euro in mehreren Hellerauer Geschäften verkauft. Der Erlös wird für den weiteren
Wiederaufbau der Waldschänke verwendet.
8. Juni 2012:
Die Hellerauer Kita „Hellerauer Gartenkinder“ am Moritzburger Weg wird mindestens bis 2024 von der Stadt betrieben. 2010 hatte diese die private Kita nach Insolvenz der Betreiberfirma
übernommen. Jetzt konnte auch ein langfristiger Mietvertrag mit dem Eigentümer des Hauses abgeschlossen werden.7. April 2012:
An der Endhaltestelle der Straßenbahn-Linie 8 wurde jetzt eine neue Abstellanlage für Fahrräder gebaut. Die Anlage besitzt insgesamt 40 Stellplätze, davon sind 20 überdacht.
28. Februar 2012: Eine unscheinbare Holzhütte am Moritzburger Weg soll in Zukunft ein kleines
Museum zur Geschichte der Deutschen Werkstätten Hellerau aufnehmen. Das Gebäude wurde 1921
nach Entwürfen des Architekten Karl Bertsch als Musterhaus errichtet und war das erste Holzhaus des Betriebes.
Literatur über Hellerau und andere Stadtteile finden Sie auch hier:
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