Die Alexander-Herzen-Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Villenviertel Königswald
angelegt und erhielt zunächst den Namen Schillerstraße. Um Verwechslungen mit einer gleichnamigen Straße in Loschwitz zu vermeiden, wurde sie nach der Eingemeindung
Klotzsches in Alexander-Herzen-Straße umbenannt. Namensgeber war der russische Philosoph und Schriftsteller Alexander Herzen (1812-1870), der sich aktiv gegen die
zaristische Alleinherrschaft stellte und mit der Zeitung “Kolokol” (“Glocke”) die freie russische Auslandspresse begründete.
Im Haus Alexander-Herzen-Straße 1 (Foto)
hatte früher die Klotzscher Ortskrankenkasse ihren Sitz. Später nutzte die Volkssolidarität die Räume als Rentnertreff. Neben weiteren Villenbauten aus der Entstehungszeit des Ortsteiles, darunter der
von Woldemar Kandler entworfenen Villa Nr. 9, wurden hier zu DDR-Zeiten auch einige Neubaublocks errichtet. Nach 1990 folgten weitere Gebäude an der Einmündung zur Theodor-Fontane-Straße. Die Straße bildet den Kern des ehemaligen Dorfes und wurde deshalb früher Hauptstraße
genannt. Die meisten Gebäude entstanden nach dem letzten großen Dorfbrand von 1802 und stehen unter Denkmalschutz. Zu den wenigen Häusern des Ortes, welche den Brand
überstanden, gehört das ehemalige Vogelstellerhaus (Nr. 44), in dem früher der Vogelfänger des Dresdner Hofes seinen Sitz hatte. Bemerkenswert sind auch die Gebäude Altklotzsche 51
(Baujahr 1670), 59, 60 (Baujahr 1864) und 61 (ehem. Pfarrhaus) sowie die Gebäudegruppe Nr. 91-97. Im Dorfkern Altklotzsche befindet sich auch die alte Dorfkirche des Ortes. Noch bis in die Nachkriegszeit wurden einige Gehöfte landwirtschaftlich genutzt.
Erbgericht:
Das Erbgericht Klotzsche wurde 1501 erstmals erwähnt. Erster namentlich bekannter Erbrichter war der
Gutsbesitzer Zceissigk. Zu den frühen Zeugnissen der dörflichen Gerichtsbarkeit gehört das Klotzscher Rügenbuch mit vielfältigen
Regeln zum Zusammenleben im Ort, von dem sich eine Abschrift erhalten hat. Mit der Gerichtsbarkeit war auch das Schankrecht
verbunden, wodurch das Erbgericht zum Gasthof des Ortes wurde. Zusätzlich diente es ab 1583 als kurfürstliche Ausspanne und
gelegentlich als Versorgungspunkt bei größeren Jagdvergnügen. Neben dem eigentlichen Ausschank im Dorfkern bewirtschaftete der Erbrichter auch eine Bierschänke an der Königsbrücker Landstraße, aus der 1835 das Gasthaus Schänkhübel hervorging. Mehrfach durch Brände zerstört, umgebaut und erweitert, blieb das Erbgericht bis in die
jüngste Vergangenheit ein wichtiges kulturelles Zentrum des Ortes. Um 1900 besaß es einen großen Saal, mehrere Restaurationsräume, Kegelbahn und einen Gästegarten mit
Tanzdiele. Zugleich diente das Gebäude bis zur Fertigstellung des Rathauses als Tagungsort des Gemeinderates. Nach einer Rekonstruktion 1948 war das Haus als “Stadtsäle
Klotzsche” bekannt, später als Klubhaus der Flugzeugbauer bzw. als Kulturhaus “Friedrich Wolf” (Foto). Einige Räume im Obergeschoss beherbergten zeitweise ein
Studentenwohnheim. Das nach der Wende geschlossene und zuletzt leer stehende Gebäude wurde im Herbst 2003 abgerissen. An seiner Stelle befinden sich heute mehrere Wohnhäuser.
Fotos: Historische Gebäude im Dorfkern Altklotzsche
Die Gebäude entstanden am Ende des Zweiten Weltkrieges als Notquartiere für Flüchtlinge und Ausgebombte. Für den Bau wurden u. a. Teile der Umkleidekabinen des Waldbades Klotzsche sowie der früheren Wandelhalle des Waldparks verwendet.
Zunächst “Behelfsheimsiedlung” genannt, erhielt die Straße später den Namen Am Feldgehölz. Nach 1990 wurde die kleine Siedlung durch moderne Einfamilienhäuser komplettiert. Der Straßenname Am Steinacker nördlich des Dorfkerns geht auf eine alte Klotzscher
Flurbezeichnung zurück. Die hier abgelagerten Steine stammen aus der letzten Eiszeit. Die Häuser wurden zwischen 1920 und 1934 durch die Siedlervereinigung “Am Steinacker e. V.”
erbaut. Vorstandsvorsitzender war Kurt Wachtveitl, der 1945 erster Nachkriegsbürgermeister Klotzsches wurde. 1943/44 entstand an der Straße ein nach Kriegsende gesprengter ziviler Luftschutzbunker.
Die Quelle am Steinborn war möglicherweise Ausgangspunkt der Gründung Klotzsches. Im Mittelalter galt deren Wasser als
wohltätig und wurde deshalb in einer nahen Kapelle als Weihwasser verwendet. 1583 entstand hier ein kurfürstliches Jagdhaus mit Stallgebäude, woraufhin die Quelle den Namen Fürstenborn
erhielt. Das Wasser wurde in hölzernen Röhren in die Pferdeställe geleitet und diente zur Versorgung des Anwesens. Im Dreißigjährigen Krieg wurde dieses Jagdhaus 1637 zerstört.
Die zuvor Am Fürstenborn genannte Straße trägt seit 1945 den Namen Am Steinborn. Die Straße Am Wasserwerk wurde 2005 im Zusamenhang mit dem Bau einer neuen Wohnsiedlung angelegt. Der Name erinnert an das frühere Klotzscher Wasserwerk, welches 1899 von Baurat Salbach an der Königsbrücker Landstraße errichtet worden
war. In der Nachkriegszeit wurde der Betrieb stillgelegt. Bis 2009 entstanden hier insgesamt 24 Einfamilien- und Doppelhäuser der Siedlung “Wohnerlebnis am Königswald”. Die Bezeichnung Trobischberg geht auf einen alten Flurnamen zurück Einst besaßen Angehörige einer im Klotzscher Raum weit
verzweigten Bauernfamilie Trobisch hier ihre Felder. Die Siedlung Am Trobischberg entstand zwischen 1927 und 1931 auf
Initiative des Pharmazeuten Max Glausch, der das benötigte Grundstück der Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellte. Die
modern ausgestatteten Doppelhäuser wurden anfangs bevorzugt an Kriegsversehrte des Ersten Weltkriegs vergeben und von Professor Oswin Hempel entworfen. Die Bezeichnung An den Ruschewiesen geht
vermutlich auf einen früheren Klotzscher Flurnamen zurück. Als Rusche wurden einst einfache Alarmanlagen bezeichnet, bei denen in Kriegszeiten von
besonders hohen Bäumen Wachposten auf Bretter schlugen, um die Bewohner des Dorfes zu warnen. Da in unmittelbarer Nähe der Klotzscher Ruschewiesen einst wichtige Handelswege
entlangführten, sicherte man diesen Platz mit Wassergräben und ähnlichen einfachen Hilfsmitteln. Der Name Rusche tauchte früher auch in der Bezeichnung Ruscheborn und Ruscheweg auf, wie
die heutige Greifswalder Straße noch bis zum Ersten Weltkrieg genannt wurde. Das Bild zeigt die Wohnsiedlung An den Ruschewiesen um 1950. Die Häuser wurden Mitte der Dreißiger Jahre für Angestellte des Flughafens erbaut.
Die Straße wurde 1935 unter dem Namen Siedlerstraße angelegt. Die hier entstandenen Häuser dienten vorrangig der
Unterbringung der Angestellten des Klotzscher Flughafens. Nach 1945 erfolgte die Umbenennung in An der Nordsiedlung. Die Boltenhagener Straße bildet die Hauptverbindungsstraße zwischen Dorfkern und der Ende des 19. Jahrhunderts
entstandenen Villenkolonie Königswald. Bereits zuvor war sie eine der wichtigsten Fahrstraßen des Dorfes. Am Boltenhagener Platz (ehemals Kaiser-Wilhelm-Platz) wurde 1907 die Christuskirche als zweites Klotzscher Gotteshaus eingeweiht. Unweit
davon steht das 1914 ebenfalls von Woldemar Kandler erbaute evangelische Jugendheim (heute Gemeindehaus) der
Christuskirche (Nr. 58). Die Villa Boltenhagener Platz 9 gehörte ursprünglich dem Oberkirchenrat und Superintendenten Armin
Oskar Colditz. Nach 1945 befand sich hier die sowjetische Ortskommandantur. 2003 entstand an der Boltenhagener Straße ein neues Einkaufszentrum. Ursprünglich Querweg genannt, wechselte die Boltenhagener Straße mehrfach ihren Namen:
Querallee, ab 1933 Adolf-Hitler-Straße, ab 1945 Marschall-Stalin-Straße. Ihren heutigen Namen erhielt sie 1950 nach dem Seebad Boltenhagen, womit an die Tradition angeknüpft wurde,
Klotzscher Straßen nach Orten im Ostseegebiet zu benennen.
Schmiedeschänke:
Die Schmiedeschänke entstand 1899 und war eines von zahlreichen neuen
Lokalen des aufstrebenden Kurortes. Ursprünglich trug die Gaststätte den Namen “Glück auf”, wurde jedoch bereits wenig später in Erinnerung an die beiden einstigen Klotzscher Dorfschmieden in
“Schmiedeschänke” umbenannt. 1910 erwarb der Besitzer der Hellerauer Waldschänke Hugo Hahn das Lokal und ließ es um einen Bier- und Konzertgarten erweitern. In einem Seitengebäude befand
sich bis in die 30er Jahre eine Mosterei. Die beliebte Gaststätte schloss in den 1960er Jahren ihre Pforten. Das Gebäude diente fortan als Schulhort der 83. POS. 1997 wurde hier nach kompletter Renovierung wieder eine
Gaststätte mit Pension eröffnet (Foto).
Die Ende des 19. Jahrhunderts im Ortsteil Königswald angelegte frühere Richard-Wagner-Straße erhielt nach der
Eingemeindung Klotzsches ihren heutigen Namen Darwinstraße. Charles Darwin (1809-1982) gehört zu den bedeutendsten
Naturforschern des 19. Jahrhunderts und begründete die Abstammungstheorie der Arten. Die frühere Villa “Odin” (Darwinstraße
19) diente seit 1927 als Ordensniederlassung der Klarissen-Kapuzinerinnen und wird heute als katholische Heilig-Kreuz-Kapelle genutzt. Die Straßenbezeichnung Dörnichtweg geht auf einen früheren Klotzscher Flurnamen zurück. In den 60er Jahren entstanden
zwischen Dörnichtweg und Karl-Marx-Straße mehrere Wohnblöcke für die Angestellten der Klotzscher Flugzeugwerft und
anderer Betriebe. 1996 wurde in Ergänzung des Wohngebietes zwischen Dörnichtweg und Göhrener Weg eine der größten
Dresdner Wohnanlagen der Nachwendezeit mit über 800 Wohnungen und einem Einkaufszentrum angelegt (Fontanepark). Die
architektonisch bemerkenswerte Anlage bietet als Attraktion ein Schwimmbad auf dem Dach eines der Gebäude, welches
jedoch nur den Mietern zugänglich ist. In Anlehnung an die Tradition, Straßen in Klotzsche nach Orten im Ostseeraum zu
benennen, erhielten zwei neu angelegte Erschließungsstraßen 1996 den Namen Putbuser bzw. Sagarder Weg.
Die frühere Carolastraße in der Nähe des Klotzscher Bahnhofes wurde nach der Eingemeindung des Ortes in Siegfried-Rädel- Straße umbenannt. Rädel (1893-1943) gehörte der KPD an und war einige
Jahre Mitglied des Reichstages. 1993 erhielt sie den Namen Georg-Estler-Straße. Georg Estler (1860-1954) war als Landschaftsmaler tätig und wohnte viele Jahre in Klotzsche auf der Carolastraße
3. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Klotzscher Friedhof.
Nr. 8: Zu den bemerkenswerten Gebäuden gehört die Villa Georg-Estler-Straße 8 (Foto), welche
1887 nach Plänen des Architekten Ernst Friedrich Giese errichtet wurde. Bauherr des einst “Villa Burgfrieden” genannten Hauses war der Stukkateur Carl Hauer, der als einer der ersten Künstler
überhaupt Kunstmarmor verwendete und u.a. den Altar der Klotzscher Christuskirche schuf. 1940 verkauften seine Nachkommen das Haus an eine Kaufmannsfamilie. Nach deren Wegzug in den
Westen kam es 1958 in den Besitz der Stadt, welche hier Mietwohnungen einrichtete. Nach erfolgreicher Restitution 1995 wurde die Villa denkmalgerecht saniert und dient heute Wohnzwecken.
Die Gertrud-Caspari-Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Ausbau des Villenviertels
Königswald angelegt und hieß ursprünglich Auenstraße. Als wichtige öffentliche Gebäude entstanden hier 1896 die Grundschule
Klotzsche-Königswald und 1936 das neue Klotzscher Postamt. Nach Eingemeindung des Ortes wurde die Straße 1954 nach
der Kinderbuchillustratorin Gertrud Caspari (1873-1948) benannt, die viele Jahre in Klotzsche lebte. Die ersten Häuser an dieser Straße entstanden 1928/29 durch die “Arbeitsgemeinschaft Eigenwerk e. V.”. Das Bauland hatte
der Verein von der Klotzscher Familie Hüttig günstig erworben. Die Siedlung sollte Auftakt für weitere Wohnviertel in diesem
Gebiet sein. Der Bau des Flughafens verhindert jedoch alle weiteren Pläne. Stattdessen mussten sogar sechs Wohnhäuser der “Ödlandsiedlung” am Ende der Straße 1934 wieder abgerissen werden.
Ursprünglich trug die Geschwister-Scholl-Straße den Namen Eigenwerkstraße. Während der Nazizeit nach dem sächsischen
Gauleiter Martin Mutschmann zunächst Mutschmannstraße genannt, erhielt sie 1945 den Namen Ernst-Thälmann-Straße. Um
Verwechslungen mit der gleichnamigen Straße im Stadtzentrum zu vermeiden, wurde sie nach der Eingemeindung Klotzsches in
Geschwister-Scholl-Straße umbenannt. Das Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl war im Kampf gegen das Naziregime aktiv und wurde wegen der Verteilung illegaler Flugblätter 1943 hingerichtet. Die Goethestraße gehört zu den Straßen Klotzsches, die Ende des 19. Jahrhunderts im Villenviertel Königswald angelegt
wurden. Das Landhaus Goethestraße 3 war Wohnsitz des Architekten Woldemar Kandler, der die Christuskirche und einige
Klotzscher Villen entwarf. Von ihm stammen auch die Kapelle auf dem Alten Friedhof Klotzsche, das Pfarrhaus auf der Hendrichstraße, das Kriegerdenkmal vor der Christuskirche und die Kirche von Bühlau. Foto: Die 1907 errichtete Villa Woldemar Kandlers auf der Goethestraße 3 Nr. 9: Seit 1900 lebte im
von ihm selbst entworfenen Haus Goethestraße 9 der Bildhauer Johannes Schilling. Schilling verstarb am 21. März 1910 in Klotzsche und schuf u.a. die vier Figurengruppen
am Aufgang zur Brühlschen Terrasse, das König-Johann-Denkmal auf dem Theaterplatz sowie die Quadriga der Semperoper. Bis 1945 blieb die Villa in Familienbesitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde sie u.a. von der Firma Meißner, später vom VEB Mantissa als Produktionsstätte für Rechenschieber genutzt. Aus Anlass seines 100. Todestages wurde am Haus (Foto rechts) eine
Gedenktafel für den Künstler angebracht.
Nr. 11: Auch die benachbarte Villa Baldur war Wohnhaus eines Prominenten. 1917 hatte der
dänische Schriftsteller Karl Gjellerup das Haus vom Geld seines Literaturnobelpreises erworben und bewohnte es bis zu seinem Tod 1919. Danach befand es sich im Besitz der Familie Sternberg,
welche auf der Wilsdruffer Straße 44 in der Innenstadt ein Wollwarengeschäft betrieb. Villa Harzer (Nr. 17): Das repräsentative Gebäude wurde 1907 für den Unternehmer Max
Bruno Harzer nach Plänen des Architekten Gustav Schleinitz errichtet. Harzer war mit 25 Jahren nach Mexiko ausgewandert, dort als Plantagenbesitzer zu erheblichem Wohnstand
gekommen und später wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Das von einer großen Parkanlage umgebene Haus wurde deshalb auch spöttisch “Ananasvilla” genannt. Nach dem
Auszug der sechs Kinder des Paares vermietete Harzer das Erdgeschoss des Gebäudes an die katholische Gemeinde Klotzsche, die hier ihre Gottesdienste abhielt. Am 1. Oktober 1938
wurde der Kirchenraum geweiht und Klotzsche zur eigenständigen Vikarie erhoben.
1940 vermietete die Witwe Bruno Harzers weitere Räume an
die Haushaltschule der Mathilde-Zimmer-Stiftung. 1943 wurde die Villa jedoch von den Behörden enteignet und an das Deutsche Rote Kreuz zur Nutzung übertragen. Fortan befand sich hier die
Frauenabteilung des Instituts für Wirbeltuberkulose. 1946 übernahm das Land Sachsen das Haus. Seit den 1970er Jahren war in
der ehemaligen Villa Harzer bis 1989 das Internat des Dresdner Datenverarbeitungszentrums untergebracht. Nach langjährigem Leerstand erfolgte 2007/08 der Umbau zum Wohnhaus. Institut für Wirbeltuberkulose:
Zu den wichtigen medizinischen Einrichtungen Klotzsches gehörte das 1926 auf der Goethestraße im früheren Fremdenheim Doehn gegründete Institut für Wirbeltuberkulose.
Leiter war der aus Livland stammende und 1918 emigrierte Arzt Prof. Dr. med. Julius von Finck. Für die Heilstätte nutzte dieser zunächst die Villa “Gesundbrunnen” (Nr. 18), ab 1943 auch die
benachbarte Villa “Harzer” (Nr. 17). Behandelt wurden vor allem Kinder und Jugendliche, die an der bislang als unheilbar geltenden “Buckelkrankheit” litten. Julius von Finck führte sein Institut auch nach
1945 bis zu seinem Tod im April 1951 weiter. Wenig später wurde die Privatklinik in die Medizinische Akademie eingegliedert. Das Gebäude in Klotzsche nutzte ab 1972 die Poliklinik Dresden-Mickten als
Außenstelle. Heute dient die Villa Gesundbrunnen als Ärztehaus.
Die Greifswalder Straße hieß bis zur Eingemeindung Klotzsches Parkstraße, bevor sie, ebenso wie
zahlreiche weitere Straßen in Klotzsche, nach einer Stadt an der Ostsee benannt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde sie Ruscheweg genannt.
Das Wohnhaus Nr. 10 (Foto)
wurde 1925 für den Kunstmaler Friedrich Alfred Oehme (1881-1935) erbaut, dessen Atelier mit einer von ihm gestalteten Kassettendecke noch erhalten ist .
Architekt der Villa war Woldemar Kandler, der auch die Christuskirche am Boltenhagener Platz schuf. Oehme malte vor allem Landschafts- und Porträtbilder und wurde nach seinem Tod auf dem
Alten Friedhof Klotzsche beigesetzt. Nach 1945 war das Haus zeitweise Sitz des sowjetischen Geheimdienstes. Die Grenzstraße, Teil des ehemaligen Fürstenweges, erhielt ihren Namen, da sie an der Ortsgrenze Klotzsches verläuft. 1935
entstand auf dem Areal zwischen Grenzstraße und Weixdorf die Luftnachrichtenschule mit ausgedehnten Kasernenanlagen. Hier
siedelten sich nach 1945 Gewerbebetriebe an, für die man eigens eine Stichbahn mit S-Bahnhof anlegte. Außerdem wurde
zwischen 1986 und 1990 ein Wohngebiet mit ca. 700 Wohnungen in Plattenbauweise errichtet. Nach 1990 entstand auf dem
Gelände des ehemaligen Zentrums für Mikroelektronik ein moderner Büropark, der in den kommenden Jahren noch erweitert werden soll. Die Bahnstrecke wurde 2000/01 als Flughafenzubringer ausgebaut und verlängert. Die Hauerstraße entstand mit Anlage der Wohnsiedlung nördlich der Christuskirche und verdankt ihren Namen dem königlichen
Hofstuckateur Carl Hauer. Hauer ist Schöpfer des Altars der Kirche und gestaltete auch das heute nicht mehr vorhandene König-Albert-Denkmal im Waldpark. Die Hendrichstraße befindet sich im alten Dorfkern an der Grenze zu Hellerau und erinnert an den früheren Gemeindevorstand
Friedrich Hendrich (1834-1900). Hendrich erwarb sich große Verdienste bei der Wandlung des Ortes vom Bauerndorf zum
Villenvorort und wohnte im Haus Hendrichstraße 1. Unter seiner Regie erhielt Klotzsche u. a. Straßenbeleuchtung und ein gemeindeeigenes Wasserwerk.
Ein besonderes Kuriosum ist unmittelbar am Durchgang zur Alten Klotzscher Kirche zu entdecken. In einer stillgelegten
Telefonzelle wurde “Dresdens kleinste Leihbücherei” eingerichtet. Literaturbegeisterte können sich hier kostenlos Bücher ausleihen bzw. durch eigene Exemplare austauschen. Fotos: Hendrichstraße mit der “Literaturzelle” am Durchgang zum Kirchhof Die Hermann-Reichelt-Straße auf dem Gelände des Flughafens erinnert an den deutschen Flugpionier Hermann Reichelt
(1878-1914), der 1909 erste Versuche mit selbstgebauten Fluggeräten unternahm. 1912 gründete er in Dresden-Kaditz eine Flugschule und war auch als Konstrukteur tätig. 1914 kam er bei einer Schauvorführung ums Leben.
Die 2004 im Zusammenhang mit einem Neubaugebiet am Dörnichtweg angelegte Karl-Gjellerup-Straße erhielt ihren Namen
nach dem dänischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Karl Adolph Gjellerup (1857-1919), der seine letzten Lebensjahre in Klotzsche verbrachte und auf dem Neuen Friedhof begraben liegt. Die Karl-Marx-Straße verbindet die Königsbrücker Landstraße mit dem Flughafen. Der hintere Straßenteil wurde deshalb nach
1990 wieder in Flughafenstraße rückbenannt. Angelegt wurde sie im Zusammenhang mit dem Bau des Flughafens 1935.
Ursprünglich sollte hier eine neue Hauptachse mit Straßenbahntrasse entstehen. Zu beiden Seiten waren repräsentative Gebäude
für die junge Stadt, u. a. ein Stadion, eine Stadthalle und ein Aufmarschplatz für nationalsozialistische “Weihestunden”
vorgesehen. Kriegsbedingt wurden diese Pläne des Stadtbaumeisters Dutschke nicht mehr realisiert, so dass heute nur einige Wohnhäuser aus dieser Zeit an das Projekt erinnern.
In den 1960er Jahren wurden an der Karl-Marx-Straße Wohnblöcke für die Angestellten von Klotzscher Betrieben errichtet,
denen später eine Plattenbausiedlung folgte. Bemerkenswert ist der 1952/55 als Konstruktionsbüro der DDR-Luftfahrtindustrie
errichtete Stahlbetonbau am Flughafen, welcher unter Denkmalschutz steht. 1997 wurde das Haus zum Airport Bürocenter
umgebaut. 2009/10 entstand an der Ecke zur Boltenhagener Straße ein modernes Einkaufszentrum nach einem Entwurf des Dresdner Architekten Dieter Gechter. Der heutige Käthe-Kollwitz-Platz wurde Ende des 19. Jahrhunderts an der Kreuzung Königsbrücker Landstraße / Langebrücker
Straße angelegt. Um den Platz entstanden wenig später Villen des Kurortes Königswald. Außerdem befand sich hier ab 1898 die aus einer alten Kutscherschänke hervorgegangene Gaststätte “Deutsche Eiche”. Der Platz wurde bis 1945 König-Albert-
Platz genannt und war zwischen 1903-1905 Endpunkt der gleislosen “Haidebahn”.
1945 erfolgte zunächst die Umbenennung in August-Bebel-Platz. Da es diesen Straßennamen in Dresden bereits gab, musste der
Platz bereits wenige Jahre später nach der Eingemeindung Klotzsches erneut seinen Namen wechseln. Die Malerin und
Grafikerin Käthe Kollwitz (1867-1945) wurde mit ihren Anti-Kriegs-Darstellungen international bekannt und verbrachte ihre
letzten Lebensmonate in Moritzburg, wo eine Gedenkstätte an sie erinnert. Heute hat der Käthe-Kollwitz-Platz vor allem als Verkehrsknotenpunkt für den öffentlichen Nahverkehr Bedeutung. Die Kieler Straße verbindet parallel zur Königsbrücker Landstraße den alten Ortskern mit dem Villenviertel Königswald. Die
ersten Gebäude entstanden Ende des 19. Jahrhunderts. 1907 folgte auf damals noch unbebautem Gebiet das Klotzscher Rathaus. Die übrigen
Häuser wurden bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges für Offiziere der Klotzscher Luftkriegsschule
errichtet. Zunächst Gartenstraße genannt, erfolgte später die Umbenennung in Bismarckstraße, bevor 1945 der Straßenname
August-Bebel-Straße eingeführt wurde. Auch hier war die Namensgleichheit mit einer Dresdner Straße Anlass für eine erneute Umbennung nach der Eingemeindung. Die frühere Hauptstraße, wichtigste Verbindung zwischen Schänkhübel und Dorfkern erhielt erst nach 1990 ihren heutigen
Namen. Grund war die Rückbenennung der Straße der Befreiung in Hauptstraße in der Inneren Neustadt. Die Gebäude an der
Klotzscher Hauptstraße entstanden ab Ende des 19. Jahrhunderts, als rund um den Schänkhübel ein neues Wohnviertel angelegt
wurde, welches auch als Ortsteil “Alberthöhe” bezeichnet wird. 1880 wurde auf dem Grundstück Nr. 24 ein “Lufthüttenbad” angelegt, welches jedoch nur wenige Jahre existierte.
Die Konrad-Zuse-Straße wurde 2004 zur Erschließung des neuen Gewerbeparks “data.base” angelegt und nach dem
Computerpionier Konrad Zuse (1910-1995) benannt. Zuse entwickelte 1941 den ersten programmgesteuerten Rechenautomaten und gilt als “Vater des Computers”. In den letzten Jahren entstanden an der Konrad-Zuse-Straße
verschiedene Labor- und Produktionshallen, u.a. für das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme. Die Korolenkostraße wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Villenviertels Königswald angelegt und zunächst Florastraße
genannt. Zwischen 1933 und 1945 trug sie nach einem nationalsozialistischen “Vorkämpfer” den Namen Leo-Schlageter- Straße. Bereits im Sommer 1945 wurde
die Straße in Rosa-Luxemburg-Straße umbenannt. Da es in Dresden bereits eine gleichnamige Straße in der Inneren Neustadt gab, erhielt sie nach der Eingemeindung Klotzsches ihre heutige Bezeichnung nach
dem russischen Schriftsteller und Erzähler Wladimir Korolenko (1853-1921). Die Langebrücker Straße verbindet den Klotzscher Ortsteil Königswald mit dem benachbarten Langebrück und durchquert
dabei den nördlichen Teil der Dresdner Heide. Am Abzweig Königsbrücker Landstraße befindet sich seit 1897 die Gaststätte “Deutsche Eiche” (Nr. 2). Unweit davon
gab es ab 1889 einen der ersten Dresdner Kindergärten (Nr. 3a). Die Einrichtung wurde 1866 vom Dresdner Stadtverein für Innere Mission in der Oppellvorstadt gegründet und 1888/89 in einen Neubau im
Vorort Königswald verlegt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg bot dieser Kindergarten Platz für über 200 Kinder. Zu den Bauvorhaben der jüngsten Vergangenheit gehört ein nach 1990 entstandener Wohnpark. Die Maria-Reiche-Straße entstand 2004 im Zusammenhang mit dem Ausbau des Klotzscher Gewerbeparks “data.base”. Ihren Namen erhielt sie nach der
in Dresden geborenen Geographin und Archäologin Maria Reiche (1903-1998). Maria Reiche verbrachte einen Großteil ihres Lebens mit völkerkundlichen Studien in Peru und befasste sich mit der Erforschung der
weltbekannten Scharrbilder von Nazca, die sie als frühgeschichtlichen Kalender deutete. Zentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD):
Das Institut in Klotzsche geht auf die am 1. August 1961 gegründete Arbeitsstelle für Molekularelektronik zurück. Unter Leitung des Physikers Prof. Werner Hartmann begann in einer ehemaligen Kaserne an der
Königsbrücker Landstraße (Objekt 1) die Entwicklung der integrierten Halbleitertechnik in der DDR. In mehreren Gebäuden der
früheren Luftkriegsschule richtete man die erforderlichen Laboranlagen und Forschungsräume ein. Zu den ersten Ergebnissen
gehörte die Entwicklung von Logik-Schaltkreisen in Bipolartechnik und der Einstieg in die Unipolartechnik. 1974 wurde Werner Hartmann als Leiter der Einrichtung aus politischen Gründen abberufen.
Zwei Jahre später wurde die Einrichtung in Institut für Mikroelektronik Dresden umbenannt und 1978 dem Kombinat Mikroelektronik Erfurt, 1986 dem Kombinat Carl Zeiss Jena
zugeordnet. 1981 erfolgte an der Grenzstraße die Grundsteinlegung zum Objekt 2, der Zentrale Verfahrensentwicklung (ZVE). Bis 1990 wurden hier grundlegende Technologien
der Mikroelektronik erforscht und industriell umgesetzt. Im Mittelpunkt stand die Herstellung von Wafern und Chips und deren Einsatz in Schaltkreisen. Nach der Wende bildeten diese
Entwicklungen die Grundlage für die bis zur Gegenwart in Klotzsche ansässigen Hochtechnologiefirmen der Branche.
Mit der Herauslösung der Forschungseinrichtung aus dem Kombinat Carl Zeiss Jena begann 1990 ein neuer Abschnitt der
Firmengeschichte. Fortan firmierte diese als Zentrum Mikroelektronik Dresden GmbH. 1992 entstand schließlich das heutige
Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme, welches sich sowohl mit Forschungsaufgaben als auch
industrienahmen Dienstleistungen für Unternehmen der Branche befasst. Seit 2003 wird dieses als Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) bezeichnet. Heute arbeiten hier ca. 210 Mitarbeiter an elektronischen, mechanischen und optischen Komponenten und ihrer Integration in intelligente Bauelemente und Systeme. Die Max-Hünig-Straße wurde 1953 nach dem Gründer der Kindererholungsstätte am Oberen Waldteich, Max Hünig
(1851-1935), benannt, der sich als Mitglied der SPD (später der KPD) auch politisch engagierte. Bis zur Eingemeindung
Klotzsches trug sie den Namen Georgstraße (ab Juni 1945 Rudolf-Breitscheid-Straße). Hier entwickelte sich nach 1890 eine
kleine Wohnsiedlung, die im Laufe der Zeit mit der vorhandenen Bebauung am Schänkhübel zusammenwuchs und fortan den
Ortsteil Alberthöhe bildete. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle ein kurfürstlicher Ortolanherd, eine Vogelfangstelle für
Gartenammern (Ortolanen). Ende der 1960er Jahre war unterhalb der Alberthöhe der Bau eines Neubaugebietes mit
mehrgeschossigen Plattenbauten vorgesehen, was jedoch wegen der Nähe zu den militärischen Anlagen am Einspruch der sowjetischen Streitkräfte scheiterte. Alberthöhe (Nr. 13): Die Gaststätte wurde 1888 als Ballhaus und Hotel “Alberthöhe”
eröffnet und war eines der größten Restaurants in der Dresdner Umgebung. Zum Haus gehörten u. a. ein wegen des Fernblicks berühmtes Café mit Terrasse und Aussichtsturm,
ein Restaurant und mehrere Tanzsäle. Architekt des Gebäudes war Johann Wachs, Inhaber der Gastwirt Moritz Reiche. In den Dreißiger Jahren wurden die Gebäude
nochmals modernisiert und um eine Freitanzdiele erweitert. Bis zum Zweiten Weltkrieg gastronomisch genutzt, diente die Alberthöhe zeitweise als Lazarett und wurde 1952
geschlossen. In den Jahren nach 1945 fanden hier noch Konzerte, Theater- und Opernaufführungen sowie Filmvorführungen statt. 2009 erfolgte der Umbau der einstigen Gaststätte zu einer Wohnanlage.
In den Räumen der “Alberthöhe” produzierte ab 1953 die Süßwarenfabrik Herbert Wendler KG ihre Dominosteine. Wendler
hatte dieses Marzipan-Marmeladen-Gebäck bereits 1933 erfunden und auf der Rosenstraße 39, später in Radebeul hergestellt.
Da es im zerstörten Dresden keine geeigneten Produktionsräume mehr gab, erwarb Wendler das Gebäude vom letzten Besitzer
Bernhard Lukaschek und richtete hier seine Fabrik ein. Die Firma wurde 1972 verstaatlicht und 1990 privatisiert. 1998
übernahm die Dr. Quendt Backwaren GmbH das Unternehmen und verlegte es zwei Jahre später nach Coschütz/Gittersee. Die Oderstraße, früher Nordstraße genannt, gehört zu den Straßen um alten Dorfkern. Bis ins
19. Jahrhundert lagen nördlich dieser Straße die Bauernweinberge des Ortes. Noch 1955 existierte im Grundstück Nr. 5 eine alte Weinpresse, die zur Weinhandlung und Probierstube
“Zum Winzer” der Familie Hempelt gehörte. Bemerkenswert ist auch das Wohnhaus der ehemaligen Molkerei Leuschner mit einem Haussegen über dem Eingang. Leuschner besaß in
Dresden eine Molkerei und ließ 1936 in Klotzsche einen Neubau errichten. Später dienten die Kühlräume als Lager für Wild und Geflügel und wurden ab 1962 durch den VEB Mantissa
genutzt. An der Oderstraße hatte einst auch die Grützemühle zum Mahlen des Heidekorns ihren Standort. 1925 entstand an deren Stelle der Sportplatz des Klotzscher Turnvereins “Gut Heil”.
Die ehemalige Jägerstraße im Ortsteil Königswald erhielt 1954 den Namen Prof.-von-Finck-Straße. Mit der Namensgebung
wird an den 1918 aus Rußland emigrierten Arzt Prof. Dr. Julius von Finck (1864-1951) erinnert, der 1926 die Leitung des
Institutes für Wirbeltuberkulose auf der Goethestraße 18 übernahm. Finck wurde für seine Verdienste zur Bekämpfung dieser Krankheit vielfach geehrt und war nach 1945 bis zu seinem Tod
an diesem Institut tätig. Seit 2009 erinnert eine Gedenktafel im Klotzscher Rathaus an ihn.
Die Quosdorfstraße wurde im Zusammenbau mit der Anlage weiterer Siedlungen zwischen Klotzsche und dem Ortsteil
Königswald angelegt und nach dem früheren “Bezirksfeldwebel” (Landrat) Friedrich August Quosdorf (1840-1889) benannt. Quosdorf gilt als eigentlicher Gründer des Ortsteils Königswald und ließ hier 1884 das Bahnhofshotel als “Sommerfrische Quosdorf” erbauen. An ihn erinnert seit 1896
ein Gedenkstein gegenüber vom Bahnhof.
Die Rostocker Straße im Stadtteil Königswald (früher Mozartstraße) erhielt ihren Namen nach der Hafenstadt Rostock, wobei dabei an eine nach der Eingemeindung entstandene
Klotzscher Tradition angeknüpft wurde, Straßen den Namen von Orten im Ostseegebiet zu geben. Im Wohnhaus Rostocker Straße 17 lebte bis zu seinem Tod 1983 der Kunstmaler
und Graphiker Rudolf Nehmer, der zu den Mitbegründern der Künstlergruppe “Das Ufer - Gruppe 1947” gehörte. Bemerkenswert ist auch die Villa an der Ecke zur Goethestraße
(Nr. 15) mit Jugendstilelementen an der Fassade (Foto).
Die Rudolf-Nehmer-Straße wurde als Querstraße der Geschwister-Scholl-Straße 2002 angelegt und im Anschluss mit einer
neuen Doppelhaussiedlung bebaut. Der Name erinnert an den Kunstmaler Rudolf Nehmer (1912-1983), der seit 1936 in
Dresden lebte und in den 60er Jahren ein Wohnhaus in Klotzsche besaß. Nehmer gehörte der Künstlergruppe “Das Ufer -
Gruppe 1947” an und erhielt für seine Arbeiten 1962 den Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis der Stadt Dresden. Die einer Klotzscher Nachkriegstradition entsprechend nach einem Ostseebad benannte Selliner Straße ist Standort eines der
letzten Plattenbaukomplexe Dresdens. Die mehrgeschossigen Wohnblocks sowie Schule, Sporthalle und Kaufhalle wurden 1989 erbaut und erst im Frühjahr 1990 bezogen.
Ein kleiner Wohnpark mit ca. 450 Wohnungen folgte bis 1995. Außerdem existieren noch einige Villen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind u.a. die Villen Nr. 1 und Nr. 12, welche in
den letzten Jahren denkmalgerecht saniert wurden. An der Stendaler Straße 24, die bis zur Eingemeindung den Namen Martin-Luther-Straße
trug, richteten 1945 die Franziskaner das St.-Marien-Krankenhaus ein. Zuvor hatte der Besitzer des Gebäudes, der Dresdner Zigarettenfabrikant Galm, die Villa für soziale Zwecke
zur Verfügung gestellt und hier Flüchtlinge versorgen lassen. Wenig später kam auch das Nachbarhaus (Nr. 26) hinzu. Die Betreuung der Patienten oblag zunächst den “Grauen
Schwestern”, einem katholischen Laienorden. Schwerpunkt des Krankenhauses waren in den 50er und 60er Jahren die Bereiche Chirurgie und Gynäkologie.
Nach Weggang der Ordensschwestern und erfolgter Modernisierung und Erweiterung wird die Klinik seit 1969 als Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie betrieben. Träger ist heute der
Caritasverband des Bistums Dresden-Meißen. 1998 und 2003/04 wurde die Klinik in zwei Bauabschnitten um einen Neubau
erweitert. Seitdem stehen hier ca. 100 Betten und 25 Tagesplätze zur Verfügung. 2011 kam eine kleine Turnhalle für die Patienten hinzu.
Die heutige Tichystraße wurde im Zusammenhang mit der Bebauung des Areals nach dem Ersten Weltkrieg angelegt. Nach
Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt sie den Namen des “Märtyrers der Bewegung” Horst Wessel, der bei politischen
Auseinandersetzungen in Berlin 1930 ums Leben kam. Bereits 1945 erfolgte die Umbenennung der Straße in Karl-Liebknecht- Straße.
Da es jedoch im benachbarten Hellerau bereits eine Karl-Liebknecht-Straße gab, folgte nach der Eingemeindung 1950 eine
erneute Namensänderung in Leo-Jogiches-Straße. Leo Jogiches-Tyszka (1867-1919) leitete um 1900 die ersten polnischen
Kampfzirkel der revolutionären Arbeiter und war ein Kampfgefährte Karl Liebknechts. 1919 wurde er im Gefängnis in
Berlin-Moabit erschossen. 1993 erhielt die Tichystraße ihren heutigen Namen. Professor Dr. Hans Tichy (1888-1970) war Begründer des Institutes für Rheumatologie in Klotzsche. Die Traute-Richter-Straße entstand 2004 im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Wohngebietes am Dörnichtweg. Ihren
Namen verdankt sie der Schauspielerin Edeltraud Antonia (“Traute”) Richter (1924-1986), welche zwischen 1949 und 1986 zum Ensemble des Dresdner Staatsschauspiels gehörte und ab 1984 dessen Ehrenmitglied war.
Die aus einem früheren Feldweg hervorgegangene Travemünder Straße erhielt ihren Namen nach dem Ostseebad Travemünde,
welches heute als Stadtteil zu Lübeck gehört. Ursprünglich befand sich auf diesem Gelände eine Kiesgrube, welche später als
Hausmülldeponie genutzt wurde. Nach deren Rekultivierung begann hier 2009 der Bau einer Wohnsiedlung mit ca. 120 Eigenheimen. Als Wilhelmine-Reichard-Ring wird seit März 1996 der Vorplatz des Klotzscher Flughafens bezeichnet. Mit dem Namen soll an
die deutsche Luftfahrtpionierin Johanne Wilhelmine Siegmundine Reichard (1788-1848) erinnert werden, die 1811 als erste Frau überhaupt eine Reise im Ballon unternahm. Gemeinsam mit ihrem Ehemann verdiente sie sich
später ihren Lebensunterhalt mit Ballonfahrten und erwarb sich so internationales Ansehen. Die William-Shakespeare-Straße im Klotzscher Stadtteil Alberthöhe wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Albertstraße angelegt.
Nach 1945 kurzzeitig Rennerstraße genannt, erhielt sie 1953 ihren heutigen Namen nach dem berühmten englischen Schriftsteller William Shakespeare (1564-1616). Die Siedlungshäuser am Windmühlenweg entstanden ab 1914 durch die Heimhüttengesellschaft Sachsen gGmbH. Seinen Namen verdankt der Weg der ehemaligen Rähnitzer Windmühle, die 1955 dem Ausbau des Flughafens weichen musste.
Die Wolgaster Straße wurde 1875 als Verbindungsstraße zwischen Königsbrücker
Landstraße und dem neu eröffneten Eisenbahnhaltepunkt Klotzsche angelegt und erhielt zunächst den Namen Bahnhofstraße. Später wurde sie Graf-Spee-Straße bzw. ab 1945
Schnellerstraße genannt. Nach der Eingemeindung des Ortes erhielt sie ihren heutigen Namen Wolgaster Straße. Im Wohnhaus Nr. 3 (Foto) wohnte viele Jahre der bekannte Geodät und
Professor Sophus Ruge (1831-1903), dessen Grab sich auf dem Alten Friedhof in Klotzsche befindet.
Bürgerschänke: Das Gebäude Wolgaster Straße 7 entstand 1887 als zweites Hotel im Ortsteil
Königswald. Auf Initiative des Gründers des Kurbades Friedrich August Quosdorf wurden in die Fassade vier Säulen des ehemaligen “Café Reale” eingefügt, welches 1886 dem Bau der
Kunstakademie auf der Brühlschen Terrasse weichen musste. Im Haus befand sich ab 1888 das Gast- und Logierhaus “Goldener Apfel”.
Nach Einstellung des Kurbetriebes und dem damit verbundenem Rückgang der Gästezahl
wandelten die Besitzer ihr Hotel in ein Mietshaus um. In den früheren Weinkeller zog nun die Gaststätte “Bürgerschänke” ein, die im Volksmund auch “U-Boot” genannt wurde und bis
2004 existierte. Seinen Namen verdankte das Lokal einem früheren Besitzer mit Namen Hans Bürger. Heute dient das vor einigen Jahren komplett sanierte Gebäude (Foto) ausschließlich Wohnzwecken. Die Straße entstand 1875 als Zufahrt zum neu eingerichteten Klotzscher Eisenbahnhaltepunkt und erhielt zunächst den Namen
Königstraße. Ihre heutige Bezeichnung verdankt sie dem nahegelegenen Nesselgrundviadukt der Bahnstrecke Dresden - Görlitz. Markanteste Gebäude sind neben dem 1907 entstandenen Empfangsgebäude das ehemalige Bahnhofshotel und einige Villen aus
der Gründerzeit von Klotzsche-Königswald. Ein Gedenkstein in der Nähe des Bahnhofsvorplatzes erinnert an Friedrich August Quosdorf, Gründer des Ortsteils. Die nach der hier gelegenen Wetterwarte Dresden-Klotzsche benannte Straße befindet sich auf dem Gelände der früheren
Flugzeugwerft. Ursprünglich waren die hier gelegenen Werksstraßen, welche nicht dem öffentlichen Verkehr dienten, nur mit
Nummern bezeichnet. Erst 1996 entschied sich der Stadtrat zur Vergabe von Straßennamen. Mit der Namensgebung “Zum Windkanal” und “Ikarusweg” wird die Erinnerung an die Geschichte des Areals wachgehalten. |