Straßen und Plätze in Rähnitz


Die Mitte der 1930er Jahre angelegte Straße wurde 1936 nach den in der Nähe befindlichen Oltersteinen Am Olter genannt. Zuvor waren die Häuser der Radeburger Straße zugeordnet. Olterteich und Oltersteine befinden sich im Waldgebiet der Jungen Heide und waren in frühgeschichtlicher Zeit Standort einer Kultstätte.

Die parallel zur Autobahn verlaufende Straße Am Torfmoor wurde 1930 im Zusammenhang mit dem Bau einer Kleinhaussiedlung am Ortsrand von Rähnitz angelegt. 1931 erhielt sie ihren Namen nach einem einst auf der Hochfläche zwischen Rähnitz und Hellerau liegenden Torfmoor. Neben Wohnhäusern entstand hier in den 1930er Jahren ein Draht- und Federnwerk (Nr. 3). Unter dem Namen Dresdner Spiralfedern-Fabrik Strobel & Co. Hellerau-Dresden fertigte das Unternehmen Präzisionsfedern für den Elektromaschinenbau, Schalter und Messinstrumente. 1946 wurde der Betrieb enteignet und als VEB Federnwerk in Volkseigentum überführt. Später gehörte die Firma als Betriebsteil zum VEB Federnwerk Marienberg.

 Bild: Werbung der Dresdner Spiralfedern-Fabrik aus den 1930er Jahren

Bauernweg

Der Bauernweg in Rähnitz, bis 1933 Dorf- bzw. Hauptstraße genannt, bildet den Kern des aus zwei Gemeindeteilen zusammengewachsenen Dorfes. Der ältere Teil zwischen Radeburger und Hellerstraße entstand um 1150 und wurde einst als “Klöppelgemeinde” bezeichnet, während der östliche Teil bis zum Vorerlenweg die “Bullengemeinde” bildete. Erst 1836 wurden beide Gemeindeteile vereinigt. 1933 erfolgte nach Reichspräsident Paul von Hindenburg die offizielle Benennung als Hindenburgstraße, 1945 die Rückbenennung in Dorfstraße. Um nach der Eingemeindung Verwechslungen mit der Hauptstraße in Klotzsche zu vermeiden, erfolgte wenig später die neue Namensgebung Bauernweg.

Die meisten Gebäude entstanden nach 1813, lassen in ihrer Anordnung jedoch noch deutlich das frühere Dorfbild erkennen. Zwischen den Bauernhöfen Nr. 12 und 14 stand noch im 19. Jahrhundert eine alte Dorf- und Gerichtslinde, während in Höhe von Nr. 20 einst der Dorfteich lag. Der auch als “Schleicherpfütze” bezeichnete Teich wurde 1929 verfüllt, wodurch der Anger endgültig sein romantisches Aussehen verlor. Bereits 1889 war die enge Dorfstraße begradigt worden. Historisch interessant sind das zu den ältesten erhaltenen Häusern des Ortes gehörende Haus Bauernweg 14, ein 1913 in Erinnerung an die Kämpfe von 1813 aufgestellter Gedenkstein sowie eine Gedenktafel an der Scheune von Gut Nr. 23, die an die letzte auf Dresden abgeworfene Fliegerbombe vom 17. April 1945 erinnert. Das Foto zeigt die Dorfstraße um 1910.

Kulturhaus Hellerau: Das Gebäude (Bauernweg 60) entstand ursprünglich als Gasthaus “Zur Hoffnung”. 1948 erfolgte der  Umbau zum Kulturhaus Hellerau. Das in freiwilliger Aufbauleistung errichtete Kulturhaus war eines der ersten auf dem Gebiet der späteren DDR und wurde anlässlich der 40-Jahrfeier von Hellerau am 20. August 1949 eröffnet. Neben dem Gastronomiebetrieb gab es hier nun auch regelmäßig verschiedene Veranstaltungen und Filmvorführungen. Nach der Wende wurde das Kulturhaus geschlossen und nach jahrelangem Leerstand 2008 abgerissen. Heute stehen auf dem Grundstück zwei Einfamilienhäuser.

Foto: Die “Restauration Zur Hoffnung” in Rähnitz um 1900

Beckerstraße

Die im Zusammenhang mit einer Ortserweiterung Anfang des 20. Jahrhundert angelegte Beckerstraße verdankt ihren Namen dem früheren langjährigen Gemeindevorstand Karl Friedrich Wilhelm Becker (1841-1901), der sich auch für den Bau der Kirche einsetzte. Ursprünglich trug sie ab März 1900 den Namen Neue Straße, bevor um 1910 die Umbenennung zu Ehren Beckers erfolgte.

Der Birkenweg entstand Ende der 1940er Jahre als Verbindung zwischen den Straßen Am Torfmoor und  Kiefernweg. Später wurde er bis zum Kronenhügel erweitert. Im April 1949 erfolgte die amtliche Namensgebung Birkenweg.

Die Blankensteiner Straße im westlichen Teil der Rähnitzer Flur entstand erst in den 1970er Jahren beim Bau einer neuen Wohnsiedlung. Ihren Namen erhielt sie 1975 nach dem kleinen Ort Blankenstein bei Wilsdruff.

Der Erlenweg entstand Mitte der 1930er Jahre als Querverbindung zwischen Becker- und Radeburger Straße. Erstmals ist der 1938 Name im Adressbuch zu finden. Die Namensgebung erfolgte nach einer Baumart.

Die Feldstraße beginnt im alten Ortskern von Rähnitz und zweigt dort vom Bauernweg ab. Ursprünglich wurde sie nach einem Grundstücksbesitzer Menzels Gasse genannt, bevor der Name um 1930 in Feldstraße wechselte. Grund dieser Benennung war, dass sie in die nördlich gelegenen Felder des Dorfes bis zum Volkersdorfer Weg führte. Durch den Bau der Autobahn wurde die Feldstraße 1937 unterbrochen und unterquerte die Autobahntrasse nun in einer Unterführung. Beim Bau der neuen  Anschlussstelle Dresden-Flughafen verschwand diese, so dass die Feldstraße heute aus zwei Teilabschnitten besteht: vom Bauernweg bis zur Rähnitzer Allee und von der Wilschdorfer Landstraße bis zum Volkersdorfer Weg.

Hellerstraße

Die von der Dorfstraße (Bauernweg) in südlicher Richtung abzweigende Hellerstraße erhielt ihren Namen nach dem Rähnitzer Lehrer und Kantor Karl Heller, der sich als Organisator einer Spendensammlung für den Bau der Rähnitzer Kirche einsetzte. Sein Grab befindet sich auf dem 1899 angelegten Friedhof des Ortes. Markanteste Gebäude an der Hellerstraße sind der aus dem früheren Dorfgasthof hervorgegangene “Lindengarten Hellerau” sowie das heute als Kindergarten genutzte ehemalige Schulhaus des Ortes.

Lindengarten Hellerau: Der Lindengarten entstand als Dorfgasthof des Ortes Rähnitz und erhielt 1898 einen bis heute erhaltenen Saalanbau. Um 1900 wurde diese Gaststätte nach ihrem Besitzer “Traugott Schmiedgens Etablissement” genannt und war beliebtes Tanz- und Vergnügungslokal. Der während des Ersten Weltkriegs als Lazarett genutzte Bau erlebte in den Zwanziger Jahren, bedingt durch den Zuzug zahlreicher neuer Einwohner nach Hellerau, eine neue Blütezeit und wurde 1928 erweitert. 1945 befand sich in den Räumen kurzzeitig die Lotterieauswertungsstelle der Stadt Dresden, bevor das Haus als “Lindengarten Hellerau” wieder geöffnet wurde. 1995 erfolgte ein kompletter Umbau zur Diskothek, bei dem die historische Innenraumgestaltung des Ballsaales weitgehend verloren ging.

Foto: Der Lindengarten Rähnitz auf einer historischen Postkarte

Hohle Gasse

Die Hohle Gasse, ein vom Bauernweg abzweigender Feldweg, erhielt ihren heutigen Namen offiziell 1950, wurde aber bereits seit den 1930er Jahren so bezeichnet. Postalisch waren die wenigen Gebäude zuvor der Hauptstraße zugeordnet. Früher wurde die Hohle Gasse auch Pappritz Gasse genannt, wobei der Name wahrscheinlich auf eine einst hier ansässige Bauernfamilie zurückgeht Interessant ist das am Beginn des Weges angebrachtes Straßenschild, wobei der Name hier nicht wie üblich auf Metall angebracht, sondern in Sandtein gemeißelt wurde.

Knappsdorfer Straße

Die Knappsdorfer Straße wurde erst nach 1990 im Zusammenhang mit der Erschließung eines neuen Gewerbegebietes nördlich des historischen Dorfkerns angelegt. Der Name erinnert an das frühere Vorwerk Knappsdorf, welches 1547 aufgelöst und an Rähnitzer Bauern aufgeteilt wurde. Die umliegenden Erschließungsstraßen erhielten ihre Bezeichnungen nach alten Flurnamen wie Kammerholz, Ellerwiesen und Ilschengraben.

Ludwig-Kossuth-Straße

Die Ludwig-Kossuth-Straße verbindet Rähnitz mit dem benachbarten Hellerau. Ihren Namen erhielt sie nach dem ungarischen Politiker und Revolutionär Ludwig Kossuth (1802-1894), der zu den Führern der bürgerlichen Revolution 1848 gehörte und sich für die Unabhängigkeit Ungarns vom Habsburgerreich einsetzte. Bemerkenswert ist das Wohnhaus Ludwig-Kossuth-Str. 35 mit Fachwerkobergeschoss.

Meridianstraße

Die kurze Meridianstraße entstand Anfang des 20. Jahrhunderts zur Erschließung eines neuen Wohnviertels und der angrenzenden Kleingartenanlage. Ihren Namen erhielt sie nach der 1828 aufgestellten Meridiansäule, die einer Vermessungsaktion in Sachsen diente. Die Rähnitzer Säule sowie ihr “Gegenstück” auf der Goldenen Höhe bei Bannewitz stehen unter Denkmalschutz.

 


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