Das Gebäude am Ausgang des Keppgrundes entstand um 1750 als Landsitz des Grafen Brühl, der 1749 das Hosterwitzer Plantagengut erworben hatte. Ursprünglich lagen hier Weinberge, deren ältester bereits 1586
erstmals erwähnt wurde. Bereits im 17. Jh. existierte wohl ein Weinberghaus, welches als Ursprung des späteren Keppschlosses betrachtet werden kann. 1774 erwarb Graf Camillo Marcolini über einen Mittelsmann den früheren
Brühlschen Besitz und ließ ein neues Landhaus neben dem bereits bestehenden Weinbergshäuschen errichten. Um das Gebäude entstand ein romantischer Landschaftspark mit künstlicher Ruine, Lusthaus und einer heute
nicht mehr vorhandenen Brunnengrotte. Zu den Besuchern Marcolinis auf seinem Hosterwitzer Sommersitz gehörte u.a. der spätere Papst Leo XII., weshalb eines der Nebengebäude auch als “Papstschlösschen” bezeichnet
wurde. Bis zu seinem Tod konnnte Marcolini seinen Hosterwitzer Besitz noch um weitere Grundstücke erweitern, den seine Erben jedoch schon bald aufsplitterten und an verschiedene Besitzer verkauften. Auch die Besitzer des eigentlichen Keppschlosses wechselten mehrfach. Ab 1835
gehörte es mit den angrenzenden Weinbergen der Baronin von Trautvetter, deren Sohn das alte Weinbergspalais 1850 erweitern und umbauen ließ. Aus dieser Zeit
stammt auch der heute geläufige Name “Keppschloss”. Neuer Besitzer war ab 1861 der Bankier Robert Thode. Thode ließ den Bau im neogotischen Tudorstil umgestalten
und zu einem einheitlichen Baukörper vereinheitlichen. Außerdem entstanden zwei kleinere Nebengebäude, ein Wirtschaftsgebäude und das Torhaus mit der
Hauptzufahrt. Thode konnte sich an seinem neuen Wohnsitz jedoch nur kurz erfreuen und musste aus finanziellen Gründen das Haus bereits 1865 an den spanischen Konsul Friedrich Finke verkaufen. Das Bild
zeigt das Gebäude nach dem Umbau.
Ab 1872 war das Keppschloß im Besitz der Großherzogin Elisabeth von Mecklenburg-Strelitz, die es bis zu ihrem Tode
1916 bewohnte. 1920 erwarb der rumänische Generalkonsul Dumitrescu das Schloss und bemühte sich um eine wirtschaftliche Nutzung. Nach mehrjährigen Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Hosterwitz wurde 1925/26 im
Keppschloss ein Kindergenesungsheim eingerichtet, welches jedoch wenige Jahre später ein Opfer der allgemeinen
Wirtschaftskrise wurde. Nach Zwangsversteigerung des Gebäudes 1933 nutzte der Reichsbund Deutscher Beamter das
Schloss einige Monate als Altersheim. Wenig später zogen eine Polizei- und eine Luftschutzschule in die Räumlichkeiten ein.
Nicht nur diese Nutzung sowie die während des Zweiten Weltkrieges erforderliche Unterbringung von Flüchtlingen
schädigten die historische Bausubstanz. Am 13./14. Februar schlug in der Nähe des Gebäudes eine Luftmine ein, die Dach
und Fenster in Mitleidenschaft zog. Nach notdürftiger Wiederherstellung konnte das Schloss jedoch schon bald wieder als Unterkunft für Umsiedler und Ausgebombte sowie als Lagerraum genutzt werden. Nach Enteignung des letzten Besitzers Prinz Ernst Julius zur Lippe 1947 diente das
Gebäude zwischen 1951 bis 1989 als Schulungseinrichtung der Zivilverteidigung. Dafür wurde in den 60er Jahren ein Obergeschoss aufgesetzt. Die chrakteristischen Türme fielen
späteren Umbauten zum Opfer, wodurch das frühere Aussehen negativ verändert wurde (Foto). Im Park entstanden ein weiteres Lehrgebäude, ein Bettenhaus, ein Schießstand an
Stelle der einstigen Kegelbahn sowie Garagen, womit die frühere Anlage erheblich entstellt wurde. 1978 erhielt die zeitweise auch “Kalininschule” genannte Einrichtung den
Namen “Bezirksschule für Zivilverteidigung Dr. Kurt Fischer” und wurde in die vormilitärische Ausbildung von Jugendlichen in der DDR einbezogen.
1990 zog die sächsische Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in das Keppschloss ein, die hier bis 1996 ihr Domizil
hatte. Eine Rekonstruktion des leerstehenden historischen Gebäudes scheiterte zunächst an den hohen Kosten. Nachdem
das Areal 2003 an eine Immobiliengesellschaft verkauft wurde, entstanden hier Luxus-Eigentumswohnungen. Außerdem ist der Neubau von mehreren Einfamilienhäusern auf dem Grundstück geplant. |