Maria am Wasser






Kirchgemeinde

Kirchhof

Die Kirche in Hosterwitz wurde1406 erstmals erwähnt, entstand aber als hölzerne Kapelle vermutlich bereits im 12/13. Jahrhundert Anlass für ihren Bau war die Bedeutung des Ortes für die Elbschiffer, die Hosterwitz als Rastplatz nutzten und hier bei Niedrigwasser ihre Kähne umladen mussten. Zwischen 1497 und 1500 ließ Dionysius von Carlowitz einen Neubau errichten, der nach der Gottesmutter und Schutzpatronin der Schiffer als “Maria am Wasser” geweiht wurde. Bis zur Reformation diente diese Kirche als Wallfahrtsort und wurde dann zur evangelischen Pfarrkirche der Dörfer Hosterwitz, Nieder- und Oberpoyritz, Rockau, Pillnitz und Söbrigen. Ab 1638 war der Hosterwitzer Pfarrer zugleich Prediger der Pillnitzer Schlosskapelle.

1704 erfolgte ein Umbau der Kirche in Barockformen, womit sie ihr heutiges Aussehen mit dem Zwiebelturm erhielt (Foto). Der Bau verzögerte sich um einige Jahre, da der berüchtigte Räuber Lips Tullian bei einem Einbruch am 26. August 1702 das für den Kirchbau gesammelte Geld entwendet hatte. Die Bande erbeutete dabei 687 Taler sowie mehrere sakrale Gegenstände. 1714/15 konnten die Täter schließlich gefasst und hingerichtet werden. Nur mit Hilfe von Spenden und Darlehen aus der Witwen-Kasse der Priester zu Dresden wurde die Kirche schließlich vollendet und eingeweiht. Weiter Umbauten folgten 1741 und 1774.

Im Inneren der Kirche befinden sich neben einigen historischen Grabplatten Teile eines Altars von 1644 (von Abraham Conrad Buchau) sowie ein erst 1929 nach Hosterwitz gekommener Taufstein. Der 1786 geschaffene Stein befand sich zuvor in der Kirche von Lichtenhain (Sächsische Schweiz). 1862/63 wurde eine Kreuzbach-Orgel mit 18 Registern eingebaut. Interessant sind auch einige Hochwassermarken an der Kanzeltreppe hinter dem Altar. Ein Glasfenster von 1555 stellt die Kreuzigung Jesu dar. Weitere Fenster stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind auch einige Bildnisse und Epitaphien früherer Hosterwitzer Pfarrer bzw. böhmischer Exulanten, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in Sachsen Zuflucht gefunden hatten.

Beim Luftangriff am 13. Februar 1945 blieb “Maria am Wasser” unbeschädigt, wurde jedoch am 3. März des gleichen Jahres von einer Brandbombe getroffen. Nur dem Einsatz des Pfarrers ist es zu verdanken, das größerer Schaden verhindert werden konnte. 1972/73 wurde die Kirche komplett restauriert und erhielt dabei ihre originale Farbgebung zurück. Heute gehört die Hosterwitzer Kirche zu den schönsten Dorfkirchen im Stadtgebiet und ist wegen ihrer romantischen Lage am Elbufer als “Hochzeitskirche” sehr beliebt. Große Schäden richtete das Elbehochwasser vom August 2002 an, welches den Innenraum der Kirche unter Wasser setzte und auch den Hosterwitzer Friedhof überflutete. Erst ein Jahr später konnte der komplett renovierte Bau wieder geweiht werden.

 

 

Hosterwitzer Friedhof:

Der erste Hosterwitzer Friedhof entstand schon mit dem Bau der Kirche und befand sich unmittelbar am Gotteshaus. Nach Anlage des neuen Friedhofs an der Dresdner Straße wurde er geschlossen, wird jedoch seit 1930 wieder als Begräbnisort genutzt. Auf dem Kirchhof befinden sich einige historische Grabdenkmale von Mitgliedern des kurfürstlichen Hofes aus Pillnitz. Zu ihnen gehört der Silberpage Christoph Ferdinand von Brandenstein, der 1788 in der Elbe ertrank. Auch die Maler Ludwig v. Hoffmann (+ 1945), Heinrich Klemm (+ 1982) und das Künstlerehepaar Wanda Bibrowicz (+ 1954) und Max Wislicenus (+ 1957) wurden auf dem alten Hosterwitzer Friedhof beigesetzt.

Nachdem der alte Kirchhof zu klein geworden war und eine Erweiterung wegen der Hochwassergefahr nicht möglich war entstand 1870 ein neuer Friedhof an der Dresdner Straße. Beim Bau wurde ein frühgeschichtliches Gräberfeld der Lausitzer Kultur freigelegt. Auch hier fanden einige bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte, darunter der Kunst- und Porträtmaler Emil von Hartitzsch (+ 1907), der  Hofgärtner Georg Arlt (+ 1908), der Pflanzenzüchter Prof. Otto Schindler (Erdbeersorte “Mieze Schindler”), die Maler Max Pietschmann (+ 1952) und Hans Herzig (+ 1971) sowie die Glasbläser Leopold und Rudolph Blaschka. Vater und Sohn Blaschka fertigten in ihrer Hosterwitzer Werkstatt ab 1890 über 3000 Glasmodelle von Pflanzen für die Harvard-Universität in Boston/USA an. Leopold Blaschka verstarb 1895, sein Sohn Rudolph 1939.
 


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