Der Ort Hosterwitz wurde 1406 als Hostembricz urkundlich erwähnt, entstand jedoch
bereits bedeutend eher als slawische Schiffersiedlung. Der Name ist vermutlich vom slawischen Wort hostis (= Gast, Fernhändler) abgeleitet und weist auf die Bedeutung
dieses Platzes für Händler und Elbschiffer hin. Aufgrund einer Untiefe mussten diese hier ihre Kähne umladen, was die Entstehung der kleinen Siedlung begünstigte. Hier
befand sich neben einer bis ins 18. Jahrhundert genutzten Furt auch eine kleine Kirche, Vorgängerin der heutigen Schifferkirche “Maria am Wasser”
(Foto).
Bereits 1371 bestand in Hosterwitz ein Vorwerk, welches 1445 der Familie von Carlowitz gehörte und später aufgelöst
wurde. Neben dem ursprünglichen Sackgassendorf am Elbufer entstanden ab 1618 weitere Häusleranwesen am Keppgrund und der Dresdner Straße. Trotzdem blieb die kleine Siedlung unbedeutend und war ab 1622 Teil der
Herrschaft Pillnitz, die zu diesem Zeitpunkt der Familie von Loß gehörte. Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde der Ort
durch den Dreißigjährigen Krieg und seine Folgen, was um 1680 fast zu einer völligen Entvölkerung des Dorfes führte.
Um Hosterwitz eine wirtschaftliche Zukunft zu verschaffen, verkauften die Grundherren 1687 das größte Gut (Laubegaster Straße 2) an Johann Weißkopf. Dieser veräußerte seinen Besitz wenig später an den Hoffourier August Zenker, der
dieses Gut zum “Plantagengut” umwandelte und zunächst als landwirtschaftliches Mustergut weiterbetrieb. 1745 bezog der Bildhauer Lorenzo Mattielli das Anwesen
und richtete hier seine Bildhauerwerkstatt ein. Mattielli schuf in Hosterwitz den größten Teil seiner Heiligenfiguren für die Dresdner Hofkirche, die per Schiff in die Residenz
verbracht wurden. 1749 erwarb Graf Heinrich von Brühl das Plantagengut und betrieb in den Räumen eine Manufaktur für Schnupf- und Rauchtabak. Durch die kurfürstliche
Landeskommerziendeputation wurde wenig später eine Seidenraupenzucht mit Seidenmanufaktur und einer Maulbeerbaumplantage eingerichtet, die bis um 1800 bestand. 1801 pachtete Graf Marcolini das Hosterwitzer Gut und
ließ Brühls Wohnsitz am Elbhang zum Keppschloss umbauen. Nach Marcolinis Tod 1814 wurde der bis dahin
zusammenhängende Besitz in Hosterwitz aufgeteilt und das Plantagengut aufgelöst. Auf einem Teil der Fluren entstand
1908 das Hosterwitzer Wasserwerk. Der größte Teil der früheren Gutsfelder wird heute jedoch von Obstplantagen eingenommen.
Im 19. Jahrhundert zog die reizvolle Umgebung von Hosterwitz zunehmend Dresdner Bürger an, die hier ihre Sommerhäuser errichteten. Bekanntester Gast war Carl Maria von Weber, der zwischen 1818 und 1824 die
Sommermonate im Haus des Hosterwitzer Winzers Felsner verbrachte und hier an seinen Werken arbeitete. In dem erhaltenen Gebäude (Dresdner Straße 44) befindet sich heute die Weber-Gedenkstätte. Auch die Wettiner ließen sich im Ort nieder und erwarben hier 1864 ein Landhaus. In der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts entstand auf Hosterwitzer Flur eine weitere Siedlung an der heutigen Van-Gogh-Straße. 1877 wurde die katholische Kapelle “Maria am Wege” als Privatkapelle der Wettiner errichtet. Auf
eine Schenkung der Prinzessin Maria Immaculata geht das benachbarte Haus Hoheneichen zurück, welches bis heute als
Niederlassung des Jesuitenordens dient. Von größeren Neubauprojekten blieb der kleine Ort jedoch verschont und
konnte so bis heute sein ländliches Bild bewahren. Am 2. März 1945 trafen Bomben einige Wohnhäuser an der Dresdner
Straße sowie die angrenzenden Obstplantagen. Nachdem 1929/30 die Verhandlungen zum Anschluss an Dresden kurz vor ihrer Beendigung am Einspruch der Gemeinderäte gescheitert waren, wurde Hosterwitz unter neuen politischen
Voraussetzungen am 1. Juli 1950 nach Dresden eingemeindet. Schulen in Hosterwitz:
Das erste Hosterwitzer Schulhaus wurde 1745 erwähnt. Diese Schule besuchten im 19. Jh. auch die Kinder aus Ober-
und Niederpoyritz, Söbrigen und Pillnitz. Da das Gebäude nicht mehr den Anforderungen genügte, schlossen sich
Hosterwitz und Pillnitz 1920 zum Schulverband zusammen. 1969 entstand ein Schulneubau an der Dresdner Straße, der heute von der 88. Grund- und Mittelschule genutzt wird. Gemeindeamt: Das Hosterwitzer Gemeindeamt befand sich bis zur Eingemeindung des Ortes 1950 im Haus Bergstraße 15 (heute
Van-Gogh-Straße). Seit Frühjahr 1951 wurden einige Räume als Kindergarten genutzt. Nach dem Auszug der letzten
Mieter konnte dieser 1966 erweitert werden. In den Jahren 1980-82 erfolgte ein kompletter Umbau des Gebäudes zur
modernen Kindertagesstätte, bei der auch das frühere Uhrtürmchen auf dem Dach verschwand. Heute hat hier die städtische Kindertagesstätte “Am Elbhang” ihren Sitz. Wasserwerk Hosterwitz:
Das Wasserwerk
an der Pillnitzer Landstraße entstand 1905/08 als drittes in Dresden, nachdem die Stadt 1904 82 Hektar Flächen des ehemaligen Plantagengutes erworben hatte.
Nach Plänen von Hans Erlwein wurde die Anlage in Form eines Gutshofes gestaltet und mit einem kleinen Park umgeben (Foto). Hinzu kam ein Wohnhaus für die Angestellten an der
Wasserwerkstraße 2. Zwischen 1928 und 1932 machte sich eine Kapazitätserweiterung erforderlich, um die gewachsene Großstadt auch weiterhin ausreichend versorgen zu können.
Ab 1983 erfolgte eine umfassende Modernisierung des Werkes, welches durch den Bau einiger neuer Hallen jedoch viel
von seinem ursprünglichen Aussehen einbüßte. In den 90er Jahren wurde die Anlage erneut rekonstruiert, wobei sowohl
die Erlweinbauten als auch der frühere Park weitgehend in den Ursprungszustand zurückversetzt werden konnten. Dabei
stellte man auch die Pergola und einen 1908 von Georg Wrba geschaffenen Trinkbrunnen wieder her. Der kleine Brunnen
zeigt vier Putten mit verschiedenen Wassergefäßen sowie einen Fischkopf, der als Wasserspeier dient. Nach Beseitigung
der beim Hochwasser 2002 entstandenen Schäden ist das moderne Wasserwerk bis heute in Betrieb. Die unter Denkmalschutz stehenden Erlwein-Bauten werden heute von der DREWAG für Verwaltungszwecke genutzt Zuckerhut: Als Zuckerhut wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts ein ca. 220 Meter hoher Bergrücken in der Nähe von Hosterwitz
bezeichnet. Der Name, der erstmals 1752 genannt wurde, geht vermutlich auf die markante Form der Bergkuppe zurück.
Ursprünglich befand sich das Gelände im Besitz des kursächsischen Oberstallmeisters Graf Camillo Marcolini, der den
Berg um 1800 an den Leibschützen Carl Christian Lulius Petzold verpachtete. Später wechselten mehrfach die
Eigentümer, zu denen u.a. Marcolinis Sohn Peter, der Finanzprokurator Julius Hermann Beschorner und die Großherzogin
Auguste Caroline von Mecklenburg-Strelitz gehörten. 1904 legte die Gemeinde Hosterwitz am Zuckerhut einen Hochbehälter des Wasserwerkes an. Nachdem der Ort 1935 den Berg zurückerworben hatte, legte man einen
Promenadenweg vom nachgelegenen Keppgrund bis zum Gipfel an. Von dort bietet sich eine schöne Aussicht über das Elbtal.
Weiterführende Literatur und Quellen
Hosterwitzer Nachrichten 28. Juli 2010:
Gegenwärtig laufen die Vorarbeiten für einen virtuellen Friedhofsführer über die beiden Hosterwitzer Friedhöfe. Der Führer soll künftig über kulturhistorisch und künstlerisch wertvolle Grabstätten auf den beiden Begräbnisplätzen informieren.
8. Juli 2010:
Die 144 Brunnen des Hosterwitzer Wasserwerkes werden derzeit saniert. Zunächst werden Schäden mit Hilfe von Kameras ermittelt, bevor die eigentlichen Reparaturarbeiten beginnen. In Spitzenzeiten liefert das Werk bis zu 40.000 Kubikmeter Trinkwasser ans Netz.
24. September 2009:
In der Hosterwitzer Webergedenkstätte laufen derzeit umfassende Sanierungsarbeiten. U.a. werden die Sanitäranlagen erneuert und ein neuer Kassenraum eingerichtet. Geplant ist außerdem ein “Hörraum”, in welchem künftig CD´s mit Weber-Musik vorgespielt werden.
Literatur über Hosterwitz und andere Stadtteile finden Sie auch hier: |
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