Bereits im Jahr 1471 wurde in Loschwitz der erste Elbübergang erwähnt, der in einer
Fähre zum gegenüberliegenden Dorf Blasewitz bestand. Der Übergang gehörte zu den wichtigsten im Stadtgebiet und unterstand deshalb ab 1723 dem Amt Dresden. Die
Fährgerechtigkeit befand sich im Besitz verschiedener Loschwitzer Familien, die im heute noch erhaltenen Fährgut an der Friedrich- Wieck-Straße 45 lebten. Wegen des
starken Verkehrs wurde bereits um 1870 der Bau einer Brücke an dieser Stelle erwogen. Eine entsprechende Petition der Anliegergemeinden unter Führung des
Loschwitzer Gemeindevorstandes Moritz Strauß lehnte der sächsische Landtag 1883 jedoch ab.
Erst die Vorlage eigener Baupläne durch wohlhabende Blasewitzer Bürger brachten den Brückenbau wieder ins
Gespräch. Man entschied sich für den Bau einer Hängebrücke in Stahlfachwerkkonstruktion zwischen dem Dorfplatz Blasewitz und dem gegenüberliegenden Loschwitz. Für den Brückenbau, der am 28. April 1891 begann, mussten
verschiedene Gebäude auf beiden Elbseiten abgetragen werden. Mit dem Schillerplatz und dem Körnerplatz wurden die
Brückenköpfe nach Fertigstellung des Bauwerks völlig neu gestaltet. Die Spannweite zwischen beiden Pfeilern beträgt
141,5 m bei einer Gesamtlänge von 260 Metern. Die Baukosten in Höhe von über 2 Millionen Reichsmark übernahm zu
zwei Dritteln der Staat; den Rest mussten die beiden Anliegergemeinden selbst aufbringen. Angefertigt wurden die
meisten Eisenteile in der Marienhütte Zwickau-Cainsdorf, die mit dem “Blauen Wunder” ihren 1500. Brückenbau realisieren konnte. Konstrukteure der neuen Elbbrücke waren der Ingenieur Prof. Dr. Claus Köpcke und
Bauinspektor Hans Manfred Krüger, die eine auf zwei Pylonen gelagerte Hängebrücke ohne Strompfeiler errichteten und damit einen der ersten Brückenbauten dieser Art in
Europa schufen. Wegen der kühnen Konstruktion und des blau-grünen Farbanstrichs wurde die neue Elbbrücke im Volksmund bald als “Blaues Wunder” bezeichnet.
Nach einem erfolgreich verlaufenen Belastungstest mit drei Dampfwalzen, drei mit Steinen beladenen Straßenbahnloren und schweren Wassertankwagen konnten die verantwortlichen Experten das
Bauwerk abnehmen. Selbst eine Schützenkompanie der sächsischen Armee ließ man im Gleichschritt über die Brücke
marschieren, um eventuelle Senkungen oder Verschiebungen messen zu können. Offiziell erhielt die am 15. Juli 1893 dem
öffentlichen Verkehr übergebene Brücke den Namen König-Albert-Brücke, der nach der Eingemeindung beider Orte
1921 in Loschwitzer Brücke verändert wurde. Mit der Fertigstellung des Baus wurde auch die bereits nach Blasewitz
verkehrende elektrische Straßenbahn bis zum Körnerplatz und später bis nach Pillnitz verlängert. Nicht nur die
Straßenbahnfahrgäste, sondern alle Nutzer der Brücke mussten in den ersten Jahren Brückenzoll errichten, wofür an
beiden Enden Zollhäuschen entstanden. Erst 1921 wurde diese Brückengeldpflicht, die zeitweise bis zu 100.000 Mark im Jahr einbrachte, aufgehoben.
Obwohl das “Blaue Wunder” durchaus modernen Verkehrserfordernissen entsprechend projektiert worden war, mussten bereits 1935 Veränderungen an der Brücke vorgenommen werden. Zu beiden Seiten wurden Gangbahnen für
Fußgänger angebaut, so dass die Fahrbahn verbreitert werden konnte. Diese Maßnahmen verhinderten den ebenfalls
erwogenen kompletten Neubau der Brücke als moderne Eisenbetonbrücke. Für Aufsehen sorgte kurze Zeit später der
Kunstflieger Ernst Udet, der bei seinem Besuch des “Dresdner Flugtages” am 7. Juli 1935 mit seiner Maschine unter der Brücke hindurchflog. 1945 sollte die Loschwitzer Brücke wie alle Dresdner Elbübergänge gesprengt werden, um
den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen. Die Sprengkörper waren bereits angebracht und die Kabel verlegt worden. Der mutige Einsatz des Dresdner Telegrafenarbeiters Paul
Zickler und des Klempnermeisters Erich Stöckel, die wenige Stunden vor Kriegsende unabhängig voneinander die Sprengdrähte durchschnitten, retteten das “Blaue Wunder” vor
der Zerstörung. An beide erinnert seit 1965 eine Gedenktafel am Blasewitzer Brückenkopf. Weitere Retter der Brücke, wie der aus Rochwitz stammende Max Mühle,
der Blasewitzer Handelsvertreter Carl Bouché und der als Brückenkommandant eingesetzte Hauptmann Wirth, sind heute weniger bekannt, waren aber ebenfalls an der Verhinderung der Sprengung beteiligt.
Inschrift am Blasewitzer Brückenkopf der Loschwitzer BrückeInfolge technischen Verschleißes durch die ständig zunehmende Verkehrsbelastung mussten mehrfach
Erneuerungsarbeiten an der Elbbrücke vorgenommen werden. So wurde 1956/59 der Holzbohlenbelag der Fahrbahn gegen Eisenblech ausgetauscht. 1982/85 erfolgte eine komplette Sanierung der Ankerkammern. Da Messungen eine zu
starke Belastung der Brücke durch den Straßenbahnverkehr feststellten, wurde dieser am 10. April 1985 eingestellt.
Auch die Nutzung des “Blauen Wunders” durch schwere LKW ist mittlerweile verboten. Regelmäßige Wartungsarbeiten sollen jedoch den Erhalt des Technischen Denkmals sichern. Die Brücke gehört wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens zu den Wahrzeichen Dresdens und
war deshalb ein beliebtes Motiv für Künstler. Bekannte Darstellungen des “Blauen Wunders” schufen u. a. der Fotograf August Kotzsch sowie die Maler Max Ackermann (1908), Ernst
Hassebrauk (1939) und Bernhard Kretzschmar (1954). 2000 war die Loschwitzer Elbbrücke Motiv einer Sonderbriefmarke der Deutschen Post (Bild). |