Die Friedrich-Wieck-Straße bildet den alten Kern der früheren Ratsgemeinde von Loschwitz, die dem Materni- Hospitalamt Dresden unterstand. Ursprünglich begann die Bebauung auf einer durch einen Damm
geschützten hochwasserfreien Fläche am heutigen Körnerplatz und dehnte sich erst im Laufe der Jahrhunderte bis zum Elbufer aus. Am Ende der Straße stand das Loschwitzer Fährgut, in dem die Fährmannsfamilie ihren
Wohnsitz hatte. Die meisten Gebäude waren kleine Häusleranwesen, da es im alten Loschwitz nur zwei Bauerngüter gab. Schwer betroffen waren die Bewohner von den regelmäßigen Elbehochwassern, die den Dorfplatz mit seinen
Bauten unter Wasser setzten. So sind für 1845, 1890, 1920 und 1940 Rekordpegelstände des Flusses verzeichnet. Auch bei der bislang höchsten Elbeflut im August 2002 wurde der untere Teil von Loschwitz völlig überflutet.
Im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Körnerplatzes und dem Bau des Blauen Wunders wurden einige Häuser des
Dorfkerns Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen. An ihrer Stelle entstanden Wohnhäuser im Stil der Gründerzeit (Foto). Im
unteren Teil der Friedrich-Wieck-Straße blieben die alten Wohnhäuser jedoch zum Großteil bis heute erhalten und wurden
in den letzten Jahren saniert. Seit 1895 trägt die Straße ihren heutigen Namen nach dem Klavier- und Musikpädagogen Friedrich Wieck (1785-1873). Einzelne Gebäude: Alte Pfarre: Das um 1650 errichtete Gebäude beherbergte einst das Loschwitzer Pfarramt und befand sich ungefähr an der
heutigen Einmündung der Friedrich-Wieck-Straße in den Körnerplatz. Bis 1709 wurden hier auch die Kinder des Ortes unterrichtet, bevor die Gemeinde ein neues Schulhaus an der Pillnitzer Landstraße errichtete. Zuletzt diente das 1892 im
Zuge der Neugestaltung des Körnerplatzes abgerissene Haus Wohnzwecken und war zugleich Werkstatt eines Schuhmachers. Friedrich-Wieck-Straße 1-11: Die Gebäude stammen im Wesentlichen aus dem 18./19.
Jahrhundert. Zu den ältesten Häusern gehören das um 1800 auf den Fundamenten eines 1679 erstmals erwähnten Vorgängerbaus errichtete Wohnhaus Nr. 3 und das Hintergebäude von Nr. 7
(ältestes Wohnhaus von Loschwitz), in dem sich heute ein Keramikfachgeschäft befindet. Am Wohnhaus Nr. 10, erbaut um 1830, erinnert eine Gedenktafel an den Vater Clara Schumanns,
Friedrich Wieck, der hier von 1840 bis zu seinem Tod 1873 lebte (Foto).
In einigen der kleinen Winzer- und Häusleranwesen befanden sich früher beliebte Gaststätten. Stadtweit bekannt war das
winzige Lokal “Mutter Unger” (Nr. 17). Auch das Wohnhaus Friedrich-Wieck-Straße 20 beherbergte bereits vor dem
Zweiten Weltkrieg ein Café, dessen Tradition heute vom 2000 eröffneten “Café Klara” fortgesetzt wird. Zu den wenigen
Bauerngütern des Ortes gehörte die Nr. 16. Bereits um 1600 erhielt dieses Gut das Schankrecht und war später als “Bauernstübel” Teil des Elbe-Hotels Demnitz. “Mutter Unger”:
Das Gebäude entstand um 1730 als Bauerngut und wurde im 19. Jahrhundert von einem Böttcher als Wohnhaus und Werkstatt genutzt. Da sich die Auftragslage infolge des Rückgangs
des Weinbaus immer mehr verschlechterte, richtete seine Frau 1835 eine kleine Schankwirtschaft ein, die zunächst nur im Nebenerwerb bewirtschaftet wurde und auch später in Familienbesitz blieb. Durch
die resolute Gastwirtin “Mutter Unger” war das Lokal bereits vor dem Ersten Weltkrieg weithin bekannt und wurde gern von Künstlern und Studenten besucht. Durch diese entstand auch die
originelle Innenausstattung mit zahlreichen Bildern und Kuriositäten. 1970 wurde das zuletzt von Anna Zöllner betriebene Lokal “Mutter Unger” geschlossen. Die historische Ausstattung blieb zunächst
erhalten, wurde jedoch 2002 beim Elbhochwasser schwer beschädigt.
Café Klara: Das Gebäude Friedrich-Wieck-Straße 20 entstand 1862 an Stelle eines älteren
Vorgängerbaus. Dessen Geschichte lässt sich bis 1646 zurückverfolgen, als der Gutsbesitzer George Reisigk das Haus an seinen Sohn Franz übertrug. Mehrfach wechselten die Besitzer,
zu denen auch der spätere Hotelbesitzer Demnitz gehörte. Um 1860 erwarb die Familie Liebing das Haus und ließ es durch einen größeren Neubau ersetzen. Mit seiner
klassizistischen Fassade gehörte es zu den ersten “städtischen” Häusern in Loschwitz. Im Erdgeschoss befand sich eine Bäckerei. 1921 übernahm diese Friedrich August Pietsch und
richtete hier ein kleines Café mit Gästegarten ein. Bedingt durch die Inflation und die Weltwirtschaftskrise musste Pietsch sein Lokal jedoch 1930 wieder aufgeben. Im Rahmen einer Zwangsversteigerung
erwarb zwei Jahre später der Bäckermeister Johannes Winkler, Betreiber des Café Winkler am Körnerplatz, das Haus und
ließ die ehemaligen Gaststättenräume zu Wohnungen umbauen. 1999 wurde das Gebäude umfassend saniert. Seit Mai 2000 befindet sich hier das Weinlokal “Café Klara” (im Foto ganz links).
Körnergarten: Die Gaststätte mit großem Biergarten befindet sich unmittelbar am Elbufer und bietet einen schönen Blick auf
das “Blaue Wunder” und den gegenüberliegenden Ort Blasewitz. Bereits 1877 entstand auf dem Grundstück eines früheren
Elbfischers die Gastwirtschaft “Zur Dampffähre”. Nach dem Bau der Brücke und der Einstellung des Fährbetriebs erhielt
das Lokal den Namen “Körnergarten”. Obwohl dieser Name heute meist mit der in den Sommermonaten in Loschwitz wohnenden Familie Körner in Verbindung gebracht wird, wurde der “Körnergarten” ursprünglich nach dem früheren
Besitzer Oskar Körner benannt. Trotz der schweren Schäden beim Elbehochwasser im August 2002 konnte das auch
durch die TV-Serie “Polizeiruf 110” bekannt gewordene Ausflugslokal bereits wenige Monate später wieder geöffnet werden. Fährgut (Nr. 45): Auf diesem Gut am Ende der heutigen Friedrich-Wieck-Straße lag von
alters her die Fährgerechtigkeit. 1556 wurde die erste Fährmannsfamilie Hempel urkundlich erwähnt. Das Haus am Elbufer entstand in seiner heutigen Form um 1697 und gehört zu den
ältesten Fachwerkbauten Dresdens. Zum Schutz des Gebäudes vor Hochwasser und Eisgang wurde eine steinerne Mauer errichtet. Die Fähre nach Blasewitz befand sich viele
Jahrhunderte lang in Privatbesitz verschiedener Loschwitzer Familien, die ihr Privileg auch vererben bzw. veräußern durften. Erst 1862 verkaufte die Witwe des Fährmanns Modes
ihre Rechte an die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft.
Neben der Nutzung zu Wohnzwecken diente das Fährgut ab 1839 auch als Weinpresse der örtlichen Winzer und
beherbergte zeitweise eine Schmiede. Im Erdgeschoss befand sich eine kleine Gaststube, in der Fährpassagiere bei einem
Glas Wein auf ihre Überfahrt warten konnten. Später lebten bzw. weilten im Haus einige prominente Persönlichkeiten wie
die Maler Anton Graff, August Böckstiegel und Conrad Felixmüller, der Eisenbahningenieur Max Maria von Weber und der
spätere Direktor des Dresdner Stadtmuseums Matthias Griebel, der sich sehr um die Erforschung der Geschichte seines
Heimatortes verdient gemacht hat. An Böckstiegels Aufenthalt erinnern zwei von ihm mit expressionistischen Malereien
ausgestaltete Zimmer im Obergeschoss. Neben dem Fährgut ist auch das eigentliche Fährhaus von 1630 bis heute erhalten
geblieben. Hier lebten früher die Fährknechte, bevor das Haus im 19. Jahrhundert für Sommergäste ausgebaut wurde.
Beide Gebäude befinden sich heute in Privatbesitz und wurden in den letzten Jahren saniert. Seit 2006 lädt im Fährgut das italienische Restaurant “Il Camino” zum Besuch ein.
Joseph-Herrmann-Denkmal: Das Denkmal auf dem Loschwitzer Dorfplatz wurde 1869 errichtet und erinnert an eine
historische Begebenheit von 1799. Am 24. Februar dieses Jahres zog der Vater des Bildhauers bei schwerem Eisgang zwei
Fischer aus der Elbe und rettete ihnen so das Leben. Zur Ehrung seines Vaters schuf Joseph Herrmann in Rom ein
Marmorrelief, welches die Szene darstellt und sich im Innenraum des kleinen Pavillons befindet. Wegen seiner Form wird das Haus von den Einheimischen auch spöttisch “Senfbüchse” genannt. Mitte der 80er Jahre wurde das
Joseph-Herrmann-Denkmal saniert. Foto: Das Relief Joseph Herrmanns im Innenraum der “Senfbüchse” Unter dem Relief ist folgende Inschrift zu lesen:
“Joseph Herrmann, dem edlen Menschenfreunde, welcher mit eigner Lebensgefahr bei der gewaltigen Eisfluth der
Elbe am 24. Februar 1799 zweien Schiffsleuten aus Prossen das Leben rettete, widmet sein Sohn Joseph Herrmann dieses nach eigenem Entwurfe ausgeführte und errichtete Denkmal im Jahre 1869.”
Flutdenkmal: Das in Form einer steinernen Welle gestaltete Denkmal wurde im Sommer 2006 auf dem Loschwitzer Dorfplatz aufgestellt. Die Inschrift lautet
“GEWIDMET DENEN, DIE MIT DEM FLUSS LEBEN” und erinnert an die enge Verbindung des Ortes mit dem Elbstrom sowie die zahlreichen Hochwasserkatastrophen, die Loschwitz heimsuchten.
Schwere Hochfluten und Unwetter sind u.a. für 1799, 1845, 1890, 1940, 1947, 1988 und 2002 verbürgt. Letztere übertraf
auch in Loschwitz alle bisherigen Rekordmarken und gab Anlass für die Errichtung der Plastik. Schöpfer war der Künstler Klaus-Dieter Köhler. Fotos: Impressionen von der Friedrich-Wieck-Straße mit dem ältesten Loschwitzer Wohnhaus (links), der “Senfbüchse” (Mitte) und dem 2006 entstandenen Flutdenkmal (rechts) |