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Die Alpenstraße im Ortsteil Oberloschwitz verdankt ihren Namen der einst hier befindlichen Ausflugsgaststätte “Schweizerei”. Das Lokal auf der Ulrichstraße besaß Ende des 19. Jahrhunderts als besondere Attraktion einen künstlich angelegten und nachts bengalisch beleuchteten “Alpenweg” mit künstlichem Wasserfall. Aus diesem Weg ging später die Alpenstraße hervor. 1908 entstand hier das Sanatorium des früheren Schiffsarztes Möller, welches später als Klinik Oberloschwitz genutzt wurde. Die Amtsstraße wurde ebenso wie die benachbarte Ratsstraße und die Winzerstraße erst nach 1990 im Zusammenhang mit dem Bau des Wohnparks “Loschwitz-Arkaden” angelegt. Die drei Straßen erinnern an die frühere Aufteilung des Ortes in die Amts-, Rats- und Winzergemeinde. Die 1997 beim Bau des “Augustusparkes” angelegte Anna-Angermann-Straße wurde nach der früher in Loschwitz lebenden Malerin Anna Elisabeth Angermann (1883-1985) benannt. Ihr Grab befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof.
Die Brockhausstraße verbindet die Bautzner Landstraße mit dem am Elbufer entlangführenden Körnerweg. Das Gelände am Schotengrund war einst Teil des Findlaterschen Weinberges und kam im 19. Jahrhundert in den Besitz der Verlegerfamilie Brockhaus. 1847 ließ sich Heinrich Brockhaus eine Villa mit einem großen Parkgelände errichten, die bis 1945 im Familienbesitz blieb. Häufig weilte Richard Wagner, ein Schwager des Verlegers, auf diesem Grundstück. Nach 1945 nutzte bis 1989 das Ministerium für Staatssicherheit Teile des Areals, was zur teilweisen Zerstörung des Gartens führte. Erhalten blieben die Villa und das bereits 1836 entstandene Gartenhaus. Eine Wiederherstellung des Parks ist geplant. Außerdem sollen hier mehrere Einfamilienhäuser entstehen. Am Ende der Straße befindet sich am Elbufer das Wasserwerk Saloppe.
Die heute nicht mehr benannte Brückenstraße entstand 1893 beim Bau des “Blauen Wunders” und verband den Loschwitzer Brückenkopf mit dem Körnerplatz. In älteren Stadtplänen ist sie auch als Elbbrückenstraße verzeichnet. Nach 1945 wurde die Namensgebung aufgehoben und die wenigen Gebäude dem Körnerplatz zugeordnet. Die Dammstraße verbindet den Körnerplatz mit dem alten Dorfkern an der Friedrich-Wieck-Straße. Bis zum Abbruch 1893 befanden sich hier kleine Häusleranwesen, die jedoch der Gründerzeitbebauung rund um den Körnerplatz weichen mussten. Erhalten blieb das Gebäude unmittelbar an der Auffahrt zum “Blauen Wunder”, welches heute gewerblich genutzt wird. Die ursprünglich als Parkstraße bezeichnete Straße im westlichen Teil der Loschwitzer Flur erhielt nach der Eingemeindung des Ortes zunächst den Namen Hausenstraße. Clemens von Hausen, ein aus der Lausitz stammender Gutsbesitzer, erwarb um 1890 den früheren Güntzschen Weinberg und ließ hier die Villa Rosenhof errichten (heute Schevenstraße 11). Wenig später entstand das “Magdala-Haus” für die Tochter des Bankiers Wilhelm Knoop (Nr. 7). Nach 1945 erfolgte die Umbenennung der Hausenstraße in Dostojewskistraße. Der bedeutende russische Dichter Fjodor Dostojewski (1821-1881) verbrachte einige Jahre seines Lebens in Dresden und verfasste hier seinen berühmten Roman “Die Dämonen”. Die Fidelio-F.-Finke-Straße hieß ursprünglich Albertallee. Ihren heutigen Namen erhielt sie nach dem Komponisten Fidelio F. Finke (1896-1978), der nach 1945 einige Jahre Leiter des Dresdner Konservatoriums war. Um 1930 war der Ausbau zu einer neuen Verbindungsstraße nach Pillnitz geplant, der jedoch nie fertiggestellt wurde. Markantestes Gebäude ist die Alte Loschwitzer Feuerwache, die der Architekt Georg Schramm 1908/12 im Jugendstil erbaute. Hier hatte bis 1945 die Freiwillige Feuerwehr des Ortes ihr Domizil. Später befanden sich im Haus Büroräume und Wohnungen. Seit 1992 wird die Feuerwache vom Kunstverein “Alte Feuerwache e.V.” genutzt. Regelmäßig finden in den Räumen verschiedene Kurse, Workshops, Veranstaltungen und kleinere Ausstellungen statt.
Fotos: Alte Feuerwache auf der Fidelio-F.-Finke-Straße (Straßen- und Elbseite) Auch das kleine Gartenhaus auf dem Grundstück Fidelio-F.-Finke-Straße 7 dient seit 1991 kulturellen Zwecken. Hier hat heute der Elbhangfest-Verein sein Büro. Das 1919 errichtete Gebäude entstand ursprünglich als Atelierhaus des Fotografen Franz Gaudernack und gehörte ab 1930 der Kirchgemeinde, die es als Jugendhaus des “Jungmännervereins” nutzte. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde es 1934 an die Hitlerjugend und das NS-Winterhilfswerk vermietet. Nach 1945 befanden sich hier u.a. eine Dienststelle des Gesundheitsamtes, eine Kinder- und Jugendbibliothek und das Büro der Baupflegeabteilung der Landeskirche. 2004 wurde an der Fidelio-F.-Finke-Straße ein moderner Kindergarten eröffnet, der die 1955 eröffnete bisherige Kindertagesstätte Veilchenweg 7 ersetzt. Das Gebäude entstand als sogenanntes “Passivhaus” in besonders energiesparender Bauweise und wurde vom Architekturbüro wurm architektur aus Pirna unter Mitarbeit der Loschwitzer Architektin Wieke Felchner-Radig entworfen. Im Garten befinden sich zwei 1911 von Georg Türke geschaffene Kinderplastiken, die bereits im Garten des alten Kindergartens zu finden waren. Die Franz-Curti-Straße, eine kurze Nebenstraße der Malerstraße in Oberloschwitz, erhielt ihren Namen 1901 nach dem Komponisten Franz Curti (1854-1898). Curti betrieb ab 1880 eine Zahnarztpraxis in der Dresdner Innenstadt und widmete sich in seiner Freizeit der Komposition von Opern und Kantaten. In Oberloschwitz besaß er auf der Malerstraße 13 ein Sommerhaus. Auf Anregung seiner Witwe wurde der an diesem Grundstück vorbeiführende Weg 1901 nach dem Musiker benannt. Die Friedrich-Press-Straße entstand 1997 beim Bau der Wohnsiedlung “Augustuspark” zwischen Pillnitzer Landstraße und Elbufer. Benannt wurde sie nach dem Bildhauer Friedrich Press (1904-1990), der viele Jahre in Loschwitz wohnte und vor allem sakrale Plastiken schuf. Von ihm stammen u.a. die Pieta für die Opfer des 13. Februar 1945 in der Hofkirche sowie die Innenraumgestaltung der St.-Josefs-Kirche in Pieschen. Sein Grab befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof. <!-- BEGINN des zanox-affiliate HTML-Code -->
Der Heilstättenweg verbindet den am Elbufer entlangführenden Körnerweg mit der Wunderlichstraße und erhielt seinen Namen nach der 1872 von Marie Simon gegründeten Heilstätte Loschwitz. Die Einrichtung diente bis 1912 als Erholungsheim für Kriegsversehrte. Die Gebäude sind noch erhalten und werden heute zu Wohnzwecken genutzt. Die Hermann-Glöckner-Straße wurde 2006 auf dem Gelände der früheren Loschwitzer Kirschplantage angelegt. Mit der Namensgebung soll an den Dresdner Maler und Bildhauer Hermann Glöckner (1889-1987) erinnert werden, der als Wegbereiter der modernen Kunst gilt und sein Atelier viele Jahre im Loschwitzer Künstlerhaus hatte. Glöckner gehörte ab 1948 der Künstlergruppe “der ruf” an und schuf vor allem konstruktivistische Metallgestaltungen, u.a. den “Stahlmast mit Faltungen” vor der TU-Mensa am Fritz-Förster-Platz. Die Hermann-Vogel-Straße in Oberloschwitz entstand 1901. Ihren Namen verdankt sie dem Maler und Zeichner Hermann Vogel (1854-1921), der ab 1887 auf der Plattleite wohnte. Bekannt wurde er vor allem durch seine romantischen Märchen-Bilder im Ludwig-Richter-Stil. Um 1900 hatten die beiden Loschwitzer Architekten Oskar Menzel und Rudolf Kolber das Areal in Oberloschwitz erworben. Beide ließen hier wenig später mehrere Wohnhäuser errichten.In der heutigen Hermann-Vogel-Straße 2 (ehemals Rochwitzer Steg 6) bezog 1864 Ludwig Richter eine Sommerwohnung bei seinem Malerkollegen August Reinhardt. In Erinnerung an Richter wurde 1885 am Giebel ein Reliefbildnis aus Bronze angebracht. Schöpfer dieses Porträtmedaillons war Robert Henze. Heute schmückt eine Kopie das 2003 sanierte Gebäude. Die nach dem Ersten Weltkrieg angelegte Heymelstraße erhielt ihren Namen nach dem Konsul und Kaufmann Adolf Heymel (1822-1890). Heymel wohnte ab 1877 in der Villa Thorwald auf der Schillerstraße 12 und war in Loschwitz auch als Stifter aktiv. Sein Sohn Alfred gründete 1899 gemeinsam mit zwei Geschäftsfreunden die Zeitschrift “Die Insel”, aus der wenig später der bekannte Insel-Verlag hervorging. Die Wohnhäuser der Heymelstraße entstanden in den Zwanziger und Dreißiger Jahren. Der heute Josef-Hegenbarth-Weg genannte Weg hieß früher Wachwitzer Kirchweg, da er von den Bewohnern des Ortes auf ihrem Weg zur Loschwitzer Kirche benutzt wurde. 1628 gab es hier einen Weinberg des Oberhofpredigers von Hohenegg. Später besaß die Familie Poncet an dieser Stelle ein Herrenhaus (Nr. 18). Jean Francois Poncet (1714-1804) war im 18. Jahrhundert als Hofuhrmacher in Dresden tätig und schuf u.a. die Uhr des Schloßturmes. 1852 kam das Anwesen in den Besitz des Arztes und Kunstsammlers Dr. Carl August Reichel, der das zugehörige Gartenhaus (“Begerhäuschen”) in den Sommermonaten an Gäste vermietete. Zu diesen gehörte die Familie von Kügelgen. 1945 wurde das Begerhäuschen durch Bomben zerstört und wenig später abgetragen.
Fotos: Das unter Denkmalschutz stehende frühere Poncet´scheWeingut Josef-Hegenbarth-Weg 1 Seinen heutigen Namen erhielt der Weg Anfang der 60er Jahre. Josef Hegenbarth (1884-1962) studierte als Schüler von Gotthard Kuehl an der Dresdner Kunstakademie Malerei und Grafik und war später als Professor tätig. Bekannt wurde Hegenbarth vor allem als Buchillustrator. Bis zu seinem Tod wohnte er auf der Calberlastraße 2. Sein Grab befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof. Der von der Grundstraße nach Oberloschwitz führende Weg erhielt seinen Namen 1933 nach dem früheren Vorsitzenden des Vereins Sächsischer Heimatschutz. Karl Schmidt hatte sich in den 20er und 30er Jahren stark für die Schließung der Tintenfabrik Leonhardi und für die Umgestaltung des Areals zu einer Parkanlage eingesetzt. Angelegt wurde der Panoramaweg ursprünglich vom Besitzer der Ausflugsgaststätte “Schweizerei” und deshalb zunächst Alpenweg genannt. Die Klengelstraße erinnert an den sächsischen Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel (1630-1691), der als wichtiger Wegbereiter der barocken Umgestaltung Dresdens gilt. Auf seinen Entwurf gehen u. a. das strahlenförmige Straßennetz der Inneren Neustadt und die frühe Bebauung der Friedrichstadt zurück. Klengel besaß in Loschwitz oberhalb des Körnerweges einen Weinberg, welcher heute weitgehend überbaut ist. Die Wohngebäude an der Klengelstraße entstanden meist in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Die kurze Knoopstraße, eine Seitenstraße der Schevenstraße, wurde 1934 angelegt und mit Wohnhäusern bebaut. Mit der Namensgebung wird an den Konsul und Stifter Wilhelm Knoop (1836-1913) erinnert. Knoop war Mitinhaber des später in der Dresdner Bank aufgegangenen Bankhauses Thode & Co. und zugleich Mitglied mehrerer Aufsichtsräte sowie Konsul der USA und Mexikos. Als Mitglied des Ortsvereins Loschwitz setzte er sich für die Belange des Ortes ein und stiftete Teile seines Vermögens für soziale und kulturelle Zwecke, u.a. den Bau des Körner-Schiller-Denkmals an der Schillerstraße.
Foto: Blick in die Knoopstraße im westlichen Oberloschwitz
Preißlerscher Weinberg: Dieses Areal erstreckte sich ursprünglich zwischen Körnerweg und der heutigen Schevenstraße und umfasste die Grundstücke Körnerweg 10 - 16 sowie Schevenstraße 3 und 3b. Der beruflich als Gastwirt und Fleischhauer tätige Johann August Friedrich Preißler hatte den Weinberg 1800 erworben und hier einige neue Gebäude errichten lassen. Aus einem dieser Winzerhäuser ging Mitte des 19. Jahrhunderts die Villa Körnerweg 12 hervor, welche zwischen 1876 und 1916 Sommerwohnsitz der Schauspielerin Pauline Ulrich war. An diese erinnert bis heute der Schriftzug “Villa Paula” an der Fassade sowie ihre Initialien am Eingangstor. Nr. 20: Das auch “Villa Jenny” genannte Haus entstand Ende des 19. Jahrhunderts in einem früheren Loschwitzer Weinberg und gehörte ab 1915 Marie Caroline Vieth von Golßenau, Tante des Schriftstellers Ludwig Renn. Diese erwarb das zuvor seit 1912 als Erholungsheim für Damen und Kinder genutzte Gebäude und nutzte es als Privatpension. Auch nach dem Verkauf des Hauses an den ehemaligen Schönfelder Pfarrer Kretzschmar blieb diese erhalten und wurde noch bis um 1980 von seinen Kindern als “Fremdenheim Kretzschmar-Mehner” betrieben. Danach übernahm das Volksgut Borthen das Haus und richtete hier ein Schulungsheim ein. 2002 wurde die historische Villa zugunsten eines modernen Wohnhauses abgerissen. Klengels Weinberg: Dieser Weinberg oberhalb des Körnerweges gehörte im 17. Jahrhundert Wolf Caspar von Klengel (1630-1691), der 1656 zum Oberlandbaumeister in Sachsen berufen wurde. Klengel war maßgeblich am Ausbau der Friedrichstadt und der Inneren Neustadt beteiligt und gilt als erster bedeutender Barockarchitekt Dresdens. Am Eingang zum Grundstück befindet sich die sogenannte “Klengel-Kugel”, ein 1681 aufgestelltes kleines Denkmal für den Baumeister. Die lange Zeit verschollene Kugel wurde erst 1927 im Bett des Stechgrundbaches wiederentdeckt und an den heutigen Standort versetzt. Körnerfries: In Erinnerung an den Dichter Theodor Körner wurde im Zuge der Umgestaltung des Neustädter Elbufers 1938 eine kleine Gedenkstätte geschaffen. An der elbseitigen Grundstücksmauer brachte man aus Anlass des 125. Todestages Körners einen vom Bildhauer Reißmann geschaffenen Fries mit Szenen aus den Befreiungskriegen der Lützower Jäger 1813 an. Zum Schutz vor Witterungseinflüssen erhielt das Reliefbild eine überdachte Säulenvorhalle. Da man von dieser einen Einblick in das nach 1945 von der Staatssicherheit genutzte Grundstück hatte, wurde die Halle 1968 entfernt. 1986 verschwand auch das Denkmal im Depot, kehrte jedoch nach 1990 an seine ursprüngliche Stelle zurück.
Fotos: Der Körnerfries (links) und die “Klengel-Kugel” (rechts) am Loschwitzer Körnerweg
Die Villa Kotzschweg 1 war einst im Besitz der Familie Arnhold, die als Besitzer des Bankhauses Arnhold und als Mäzene bekannt wurden. Im Haus Nr. 12 (Foto) lebte ab 1898 der Architekt und Dresdner Stadtbaurat Hermann Klette. Klette war 1909 am Umbau der Augustusbrücke beteiligt. In Erinnerung an sein wichtigstes Werk ließ er an seinem Wohnhaus eine Kopie der Figur des “Brückenmännchens” anbringen, die heute noch dort zu sehen ist. Die Nachbargebäude Nr. 14, 15 und 16 fielen 1945 dem Luftangriff zum Opfer.
Die Kügelgenstraße am Loschwitzer Elbhang erhielt ihren Namen nach dem Maler Gerhard von Kügelgen (1772-1820), der 1819 ein Weinberghaus in Loschwitz erwarb. Auf dem Weg zu diesem Sommersitz wurde er am 27. März 1820 Opfer eines Raubmordes. Zu den markantesten Häusern der Straße gehört die Villa Nr. 12, die 1913 von Oswin Hempel für den Wirt der Bärenschänke Karl Höhne errichtet wurde. In den Dreißiger Jahren wohnte hier der Dresdner Oberbürgermeister Hans Nieland. Im Inneren sind noch einige von Paul Rößler geschaffene Wandmalereien und Glasfenster erhalten. Rößler war auch Schöpfer der Innenraumgestaltung des Ratskellers und einiger Dresdner Kirchen. Gegenüber befindet sich das Landhaus Nr. 10, welches 1902 von Max Hans Kühne für den Königlich-Sächs. Hofphotographen Müller im toskanischen Landhausstil entworfen wurde.
Foto: Die ehemalige Höhne-Villa auf der Kügelgenstraße 12 (links) und das Nachbarhaus Nr. 10 (rechts) Die früher Rakenweg genannte Leonhardistraße erinnert an den Loschwitzer Unternehmer und Kunstmaler Eduard Leonhardi (1828-1905). Leonhardi hatte 1859 von seinem Vater ein Grundstück an dieser Straße übertragen bekommen. 1865 entstand hier eine von ihm und seiner Familie genutzte Villa mit Ateliergebäude. Eduard Leonhardi ließ 1883 auch die frühere Hentschelmühle an der Grundstraße im romantischen Stil umbauen. Während die Mühle bis heute als Leonhardi-Museum erhalten ist, fiel die Villa 1945 dem Luftangriff zum Opfer. Nr. 1: Das Grundstück Leonhardistraße 1 geht auf einen bereits 1694 vorhandenen Weinberg zurück, den im gleichen Jahr der Dresdner Bürger Licentiat Johannes Dornfeld erwarb. Dornfeld ließ das Areal, welches sich bis zur Schillerstraße hinabzog, mit einer noch heute vorhandenen Mauer umgeben und ein kleines barockes Herrenhaus errichten. 1747 erwarb Heinrich Roos, sächsischer Oberlandweinmeister, das Gebäude. Dieses brannte 1857 ab und wurde wenig später durch eine um 1965 aufgestockte Villa ersetzt. Leider ging bei diesem Umbau das historische Erscheinungsbild weitgehend verloren. Heute dient das Haus als “Thorwald-Residenz” Wohnzwecken. Bereits sechs Jahre zuvor war auf dem Grundstück die repräsentative Villa Thorwald entstanden. Im Grundstück sind noch einige bauliche Reste der Barockanlage, darunter eine Herkules-Plastik und alte Wasserspeier erhalten. Nr. 3: Ursprünglich befand sich auch hier ein Weinberg, welcher 1801 dem Grafen von Einsiedel gehörte. 1819 erwarb Gerhard von Kügelgen das Grundstück und ließ sich ein Weinbergshaus errichten. Noch vor dessen Fertigstellung fiel der Maler jedoch am 27. März 1820 einem Raubmord zum Opfer. Das Gebäude kam 1847 in den Besitz des Apothekers Ludwig Eduard von Hofmann, der das vorhandene Haus 1852 abreißen und durch einen palastartigen Neubau ersetzen ließ. Ab 1860 gehörte dieser dem Dresdner Papierfabrikanten Eduard Thode. Die durch spätere Umbauten teilweise negativ veränderte Villa wurde ab 1996 nach historischem Vorbild saniert und dient heute als Wohn- und Bürohaus. An der Fassade befinden sich Relieftafeln mit Darstellungen aus dem Winzerleben.
Fotos: die mit Reliefs verzierte Fassade der Villa Leonhardistraße 3 kurz nach der Sanierung 2006
Die Ludwig-Richter-Straße wurde 1894 nach dem bekannten Maler und Zeichner Ludwig Richter (1803-1884) benannt, der viele Jahre seines Lebens in Loschwitz verbrachte. Richter bewohnte in den Sommermonaten 1853-55 das heutige Wohnhaus Nr. 8, welches sich damals im Besitz des Winzers Sperling befand. An Stelle eines Weinberges, der um 1720 dem Geographen und Karthographen Adam Friedrich Zürner gehörte, entstanden im 19. Jahrhundert verschiedene Villen und Wohnhäuser. Die Gebäude Ludwig-Richter-Straße 12, 14 und 16 wurden 1945 zerstört. Die nach dem Ersten Weltkrieg angelegte Marie-Simon-Straße erhielt ihren Namen nach der Gründerin der nahegelegenen Heilstätte Loschwitz, welche von 1872 bis 1912 existierte. Marie Simon (1824-1877) hatte zuvor an den Kriegen von 1866 und 1870/71 als Krankenschwester teilgenommen und angesichts des erlebten Leids eine Erholungsstätte für Kriegsinvalide und Verwundete gestiftet. Außerdem setzte sie sich für die fachkundige Ausbildung von Krankenpflegepersonal ein und gründete in Loschwitz eine entsprechende Lehranstalt. Gemeinsam mit Königin Carola gilt sie als Mitbegründerin des Albertvereins zur Versorgung kranker und alter Menschen, Die heutige Oeserstraße in Oberloschwitz geht auf einen alten Weinbergsweg zurück, der ursprünglich als Barths Privatweg bezeichnet wurde. Nach dem Bau der Schwebebahn und der hier gelegenen Ausflugslokale “Loschwitzhöhe” und “Schöne Aussicht” erfolgte 1901 die Umbenennung in Bergstraße. Um Verwechslungen mit der gleichnamigen Straße in der Südvorstadt zu vermeiden, wurde die Bergstraße 1926 in Oeserstraße umbenannt. Adam Friedrich Oeser (1717-1799) wirkte zwischen 1739 und 1759 in Dresden als Maler und Kupferstecher und war u.a. Zeichenlehrer Johann Joachim Winckelmanns.
Der Rietschelweg geht auf einen alten Weinbergspfad zurück und erhielt Ende des 19. Jahrhunderts seinen heutigen Namen. Ernst Rietschel (1804-1861) gehört zu den Begründern der Dresdner Bildhauerschule und war als Professor an der Kunstakademie tätig. Von seinen zahlreichen Werken sollen hier nur die Denkmale für König Friedrich August I. am Japanischen Palais und für Gottfried Semper am Theaterplatz erwähnt werden. Die Robert-Diez-Straße, früher als 3. Steinweg bezeichnet, erinnert an den bekannten Dresdner Bildhauer Robert Diez (1844-1922), der u. a. den Gänsediebbrunnen und die Brunnenanlage am Albertplatz schuf und viele Jahre in Loschwitz wohnte. Das Wohnhaus Nr. 2 gehört zu den ältesten Gebäuden des Ortes und war ursprünglich ein Winzerhaus. Wegen seines romantischen Aussehens wurde dieses Haus mehrfach von Künstlern gezeichnet bzw. von August Kotzsch fotografiert. Im Volksmund erhielt das Gebäude den Spottnamen “Villa Fallnichtein”. 1998 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion. 1903 entstand die burgartige Villa Robert-Diez-Straße 10 als Wohnhaus des Architekten Oskar Menzel. Menzel bewohnte das Haus bis zu seinem Tod 1958 und war Schöpfer zahlreicher Villen in Dresden und Radebeul. Auch an der Gestaltung des Loschwitzer Friedhofes war er beteiligt. Zeitweise lebten die Maler Oskar Zwintscher und Hanns Hanner in diesem Gebäude. Weitere Wohnhäuser an der Robert-Diez-Straße wurden 1945 zerstört. Darunter befand sich auch das ab 1856 im Besitz des Papierfabrikanten Theodor Kretzschmer befindliche Gebäude Robert-Diez-Straße 4. Kretzschmer war mit Helene Richter, einer Tochter Ludwig Richters, verheiratet und versammelte hier regelmäßig den großen Familien- und Freundeskreis der Familie. Die schwer beschädigte Villa konnte nach 1945 verändert wieder aufgebaut werden. Die kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges angelegte Schädestraße in Oberloschwitz verdankt ihren Namen dem in Loschwitz
lebenden Stifter Hermann Schäde (1831-1900), der Geld für verschiedene soziale Projekte zur Verfügung stellte. Die meisten Gebäude
entstanden zwischen 1925 und 1935. Bemerkenswert ist die bereits 1914 vom Architektenbüro Stephan & Möbius entworfene Villa Nr. 5.
Im Wohnhaus Sierksstraße 6 lebte nach 1945 der frühere Kreuzkantor Rudolf Mauersberger. Nach Zerstörung seiner Stadtwohnung bezog Mauersberger das Haus und verbrachte hier den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod 1971. Bemerkenswert ist auch die Villa Nr. 33, welche 1902 von Hermann Kickelhayn als eigenes Wohnhaus entstand. Kickelhayn arbeitete als Architekt und entwarf u.a. das heute von der Kreuzschule genutzte ehemalige Freimaurergymnasium in Striesen. Seine Loschwitzer Villa diente ab 1974 bis 2002 als städtische Jugendherberge und wurde 2005 als Wohnhaus rekonstruiert. Gleichzeitig entstanden auf dem Grundstück zwei moderne Neubauten. Sowohl der 1. als auch der 2. Steinweg gehen auf alte Weinbergspfade zurück und erschließen das Gelände des Loschwitzer Elbhangs für Fußgänger. Die beiden teilweise mit Stufen versehenen steilen Anstiege beginnen am Veilchenweg und führen von dort zur Bergstation der Schwebebahn bzw. zur Krügerstraße. Die 1935 entstandene Villa 1. Steinweg 19 wurde bis 1989 von der DDR-Staatssicherheit als konspirativer Treffpunkt genutzt. Unter Leitung des Chefs der DDR-Auslandsspionage Markus Wolf fanden hier Ende 1989 mehrere Treffs zwischen MfS-Mitarbeitern und Geschäftsleuten statt, um das Vermögen des Geheimdienstes in ausländische Unternehmen zu investieren und so vor dem Zugriff des Staates zu retten. Ein bereits organisierter Verkauf des Hauses wurde Mitte der 90er Jahre wieder rückgängig gemacht. Seit 2002 gehört das Haus mit seinen Nebengebäuden einem neuen Eigentümer und wird als Wohnhaus genutzt. Die in den Dreißiger Jahren angelegte Stürenburgstraße erhielt ihren Namen nach dem Studienrat Heinrich Stürenburg (1847-1934), der viele Jahre das Amt des Rektors der Kreuzschule innehatte. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges entstanden hier Einfamilienhäuser
Foto: Blick von der Wunderlichstraße in die Stürenburgstraße Die Tiedkestraße in Oberloschwitz erinnert an den deutschen Dichter Christoph August Tiedke (1752-1841), der 1819 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Elisa von der Recke nach Dresden übersiedelte. Das Paar bewohnte ein Haus auf der Körnerstraße in der Inneren Neustadt und machte dieses zu einem Mittelpunkt des literarisch-gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Bis zur Eingemeindung von Loschwitz trug die Straße nach dem früheren sächsischen Finanzminister Leonce Robert Freiherr von Könneritz (1835-1890) den Namen Könneritzstraße. Die in den Zwanziger Jahren in Oberloschwitz angelegte heutige Tolstoistraße wurde vor 1945 Souchaystraße genannt. Namenspatron war der Großkaufmann John Daniel Souchay (+ 1877), der sich 1859 das nahegelegene Schloss Eckberg erbauen ließ. Nach 1945 wurde die Souchaystraße in Tolstoistraße umbenannt. Mit der Namensgebung wird an den russischen Dichter Lew Tolstoi (1828-1910) erinnert, der durch seine Romane “Anna Karenina” und “Krieg und Frieden” international bekannt wurde. Die Ulrichstraße verdankt ihren heutigen Namen der 1916 verstorbenen Schauspielerin Pauline Ulrich, die seit 1859 am Dresdner Hoftheater engagiert war und dem Ensemble über 50 Jahre angehörte. Pauline Ulrich (* 1835) verbrachte während ihrer Dresdner Zeit gern die Sommermonate in Loschwitz und besaß am Körnerweg 12 ein Landhaus. Markantestes Gebäude der Ulrichstraße ist das ehemalige Sanatorium Möller, welches zuletzt als Klinik Oberloschwitz genutzt wurde und heute Wohnzwecken dient. Auf dem Grundstück Nr. 5 befand sich seit Ende des 19. Jahrhunderts die beliebte Ausflugsgaststätte “Schweizerei”. Nach diesem Lokal trug die Ulrichstraße bis 1926 den Namen Schweizer Straße. Eugen Rosenstiel, erster Besitzer der Gaststätte, hatte die Straße 1872 auf eigene Kosten zur Erschließung seines Grundstücks angelegt und später der Gemeinde Loschwitz übertragen. Auch die benachbarte Alpenstraße erinnert noch an diese Gastwirtschaft.
Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb das seit 1920 im Besitz des Gastwirts Adolf Richard Otremba befindliche Lokal geöffnet und
bot neben verschiedenen Obstweinen ein kleines Speisenangebot für die zahlreichen Besucher von Oberloschwitz. Erst mit der
Lebensmittelrationierung nach Beginn des Zweiten Weltkrieges musste der Gaststättenbetrieb eingestellt werden. Nach Beseitigung von
Kriegsschäden konnte die Schänke jedoch 1945 wieder öffnen und bestand noch bis 1949. In diesem Jahr zerstörte ein von der Straße
abgekommener sowjetischer Militärtransporter die hölzerne Veranda, womit der Gaststättenbetrieb endete. Das baufällige
Hauptgebäude fiel 1956 dem Abriss zum Opfer. Heute erinnert nur noch das frühere Gartenhaus (Ulrichstraße 39) an die ehemalige Gastwirtschaft. Als Wasserweg wird ein kleiner, nur Fußgängern vorbehaltener Weg, bezeichnet, der von der Fidelio-F.-Finke-Straße zur Elbe führt. Ab 1927 befand sich hier die Anlegestelle einer Personenfähre nach dem gegenüberliegenden Blasewitz (Oehmestraße). Am 1. November 1955 wurde der Fährbetrieb eingestellt, womit die jahrhundertelange Geschichte der Loschwitzer Fähren endete.
Munzinger-Archiv: Das “Munzinger-Archiv” wurde 1913 vom Jornalisten Dr. Ludwig Munzinger als “Archiv für publizistische Arbeit” gegründet. Im Mittelpunkt stand die Sammlung von biografischen Daten zu bedeutenden Persönlichkeiten. 1930 verlegte Ludwig Munzinger Firmen- und Wohnsitz nach Dresden-Loschwitz auf das Grundstück seiner Schwiegereltern an der Plattleite 16 (heute Weinleite 2). Trotz politischer Beschränkungen gelang es Munzinger, sein Archiv auch über die Nazizeit hinweg fortzuführen. 1945 verließ er jedoch mit seiner Familie Dresden und verbrachte die Sammlung nach Ravensburg, wo das Archiv bis heute besteht. Dr. Ludwig Munzinger verstarb 1957. Seine Nachkommen erhielten 1993 das Areal an der Weinleite zurück und leben heute in dem 1996/98 sanierten Haus Weinleite 2. Die von der Schillerstraße in westlicher Richtung abgehende Wunderlichstraße erinnert an den Kaufmann Arthur Bruno Wunderlich, der zugleich auch das Amt eines persischen Generalkonsuls innehatte. Wunderlich besaß ab 1870 Schloß Eckberg und war zeitweise auch Eigentümer des früheren Dinglinger-Weinbergs. Als Ziegengrund wird ein Seitental des Loschwitzbaches bezeichnet, welches einst als romantischster Teil des Ortes galt. Seinen Namen erhielt der Grund nach den hier weidenden Ziegen, deren Betreuung dem Gemeindehirten oblag. Das Tal war mehrfach Motiv für Zeichnungen Ludwig Richters und soll auch Vorbild für sein berühmtes Gemälde “Brautzug im Frühling” gewesen sein. In der Nähe der Grundstraße befindet sich die Ziegengrundquelle, deren Wasser der Sage nach zu dauernder Jugend und Schönheit verhelfen soll. Nach 1945 entstanden im Ziegengrund Wochenendhäuser und private Gartengrundstücke, die das ursprüngliche Bild stark beeinträchtigen. |
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