Bautzner Landstraße


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Die heutige Bautzner Landstraße ist Teil eines alten Weges oberhalb des Elbtales, der über Briesnitz und die heutige Neustadt weiter nach Stolpen und Bautzen führte und deshalb auch als Stolpische Straße bezeichnet wurde. Fuhrleute und Händler benutzten diese Straße ebenso wie Angehörige des Dresdner Hofes, die über diesen Weg ihr Jagdrevier in der Dresdner Heide und später den fernen Warschauer Hof erreichten. Die stark befahrene Straße war noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts weitgehend unbefestigt. Als besonders schwer zu überwinden galt der Anstieg oberhalb der Mordgrundbrücke, der deshalb mehrfach seine Streckenführung wechselte. Am seinem Ende lag der Gasthof Weißer Hirsch, wenige Minuten entfernt die Lohschänke, Vorgängerin des “Weißen Adlers”. Außerdem gab es hier ein Einnehmerhaus zur Erhebung des Straßenzolls.

1784 begann auf Befehl Friedrich August III. der Ausbau der alten Bautzner Landstraße zur Chaussee, welche noch im gleichen Jahr bis zum Weißen Hirsch und 1785 bis zur Ortsgrenze von Bühlau fertiggestellt war. In diesem Zusammenhang erneuerte man auch die Mordgrundbrücke, bevor diese 1826 durch eine neue Steinbrücke ersetzt werden konnte. Im 19. Jahrhundert wuchs der Verkehr auf dieser Strecke stark an. Vor allem die Entwicklung des Kurortes Weißer Hirsch machte neue Verkehrsmittel erforderlich. Bereits ab 1866 verkehrte ein Pferdeomnibus zwischen Waldschlößchen und Weißer Hirsch. Zwanzig Jahre später richtete ein privater Unternehmer eine Dampfomnibuslinie ein. Das Fahrzeug verfügte über 16 Sitzplätze und besaß am hinteren Ende einen Dampfkessel, der die Maschine antrieb. Wegen seines hohen Gewichts und des ohrenbetäubenden Lärms während der Fahrt musste dieser Omnibus jedoch bereits acht Tage später wieder außer Betrieb genommen werden.

Nachdem 1895 die Standseilbahn eröffnet worden war, verbesserten sich die Verkehrsbedingungen zum Weißen Hirsch erheblich. Im gleichen Jahr entstand eine weitere private Omnibuslinie zum Waldschlößchen. 1899 wurde diese durch die elektrische Straßenbahn ersetzt, wofür die Straße komplett erneuert und teilweise neu ausgebaut werden musste. Am 22. August 1899 fuhr erstmals ein Straßenbahnzug nach Bühlau. Im gleichen Jahr entstand der noch bis 2003 genutzte Straßenbahnhof (Foto). Ursprünglich war sogar der Transport von Güterwagen über Weißig und Bühlau geplant, weshalb die Gleise eine dritte Schiene erhielten. Letztlich ging diese Schmalspurbahn jedoch nie in Betrieb. Lediglich die bestehende Straßenbahnstrecke wurde 1908 bis zum Endpunkt Weißig der 1952 stillgelegten Hochlandbahn verlängert.

Wegen des steilen Anstiegs am Hirschberg waren auf der Bautzner Landstraße spezielle Betriebsbedingungen erforderlich. So kamen hier besonders leistungsstarke Fahrzeuge zum Einsatz. Ab 1931 setzte die Dresdner Straßenbahn nach Bühlau die von Alfred Bockemühl entwickelten Großen Hechtwagen ein, die noch bis Anfang der 70er Jahre das Straßenbild prägten. Eine weitere Besonderheit stellte der Güterverkehr der “Wäschewagen” dar, die ab 1901 die Wäsche Dresdner Bürgersfamilien zur Reinigung zum Weißen Hirsch und nach Bühlau brachten. Bis heute ist die Bautzner Landstraße eine der wichtigsten Dresdner Verkehrsadern im Norden der Stadt. Seit 2009 trägt auch der in Bühlau anschließende Straßenabschnitt über Weißig - Rossendorf den Namen Bautzner Landstraße (zuvor Dresdner bzw. Bautzner Straße).

Mordgrundbrücke: Die Brücke über den Stechgrund wurde bereits 1420 erstmals erwähnt. Der Name des Tales hat nichts mit Mord zu tun, sondern wurde wahrscheinlich vom altdeutschen Wort für Grenze abgeleitet. 1587 erfolgte ein Neubau in Stein, der 1784 durch eine provisorische Holzbrücke ersetzt wurde. 1828 entstand die bis heute erhaltene Steinbrücke über das Tal. Für die Dresdner Straßenbahn befand sich bis 2001 eine Rangierstelle an der Mordgrundbrücke, die erst im Zuge des Ausbaus der Strecke für moderne Stadtbahnwagen aufgegeben wurde.

In der Nähe der Mordgrundbrücke liegt die sogenannte Napoleonschanze, die bereits im Siebenjährigen Krieg 1758 von den Preußen aufgeschüttet wurde. 1813 diente sie als Beobachtungsposten der napoleonischen Armee vor der Schlacht bei Dresden. Damals ließ General Davonte das Bollwerk eigens zum Schutz der strategisch wichtigen Mordgrundbrücke wiederherstellen. Später wurde das Areal der Napoleonschanze in den Albertpark einbezogen.

Unweit der Mordgrundbrücke befindet sich ein aufgelassener Steinbruch, welcher während des Zweiten Weltkrieges zu einem Bunker für den Befehlshaber des SS-Oberabschnitts Elbe ausgebaut wurde. Nach dem Luftangriff vom 13. Februar 1945 befand sich hier die Dienststelle des Stabs des Höheren SS- und Polizeiführers, welcher mit der Bewältigung der Folgen des Angriffs beschäftigt war. Hier entstand auch der Abschlussbericht des Stabes, in dem detailliert die zerstörten Gebäude und Anlagen aufgelistet wurden. Reste der vermauerten Bunkeranlagen sind noch zu sehen.

Die Sage vom Mordgrund

 

Weißer Hirsch:

Obwohl die Bebauung des Weißen Hirschs zunächst abseits der heutigen Bautzner Landstraße begann, entwickelte sich dieser Teil spätestens im 19. Jahrhundert zum Zentrum der Gutsgemeinde. Größtes Gebäude war das 1755/56 errichtete Gutshaus (heute Nr. 6) mit seinem Dachreiter, welches trotz mehrfacher Umbauten sein historisches Bild weitgehend bewahren konnte. Um dieses Gut siedelten sich Häusler an, die ihre bescheidenen Fachwerkhäuser an der Plattleite und der Südseite der Bautzner Straße errichteten. Bis heute blieben die Gebäude Bautzner Landstraße Nr. 16, 22 und 30 erhalten, die zumindest im Kern noch auf diese Zeit zurückgehen.

Bild: Das Ortszentrum des Weißen Hirschs auf einer historischen Lithographie - rechts das Gutshaus

Im 19. Jahrhundert wurden jedoch die meisten dieser Gebäude zugunsten repräsentativer Villen und Pensionen abgebrochen. Gleichzeitig begann ab 1804 die Bebauung der Nordseite der Bautzner Landstraße. Gegenüber dem Gutshaus entstand aus einem 1863 gegründeten Gasthof das Parkhotel. In dessen Nachbarschaft wurden um 1900 an Stelle kleinerer Anwesen mehrstöckige Wohn- und Geschäftshäuser sowie 1907-11 das bis 2008 von der Sparkasse genutzte Rathaus der Gemeinde errichtet (Nr. 17).

Café Wachendorf: Die einst bekannte Konditorei an der Ecke zur Plattleite entstand um 1900 und befand sich ab 1907 im Besitz von Alfred Heinrich Wachendorf. Für seine Gäste ließ Wachendorf die Räumlichkeiten erweitern und eine verglaste Veranda anbauen. Vor allem die Patienten des gegenüberliegenden Lahmann-Sanatorium waren häufige Besucher des Cafés. Ab 1925 übernahm Alfred Wachendorf in den Sommermonaten auch die Bewirtschaftung des Konzertplatzes.

Nach 1945 musste der Cafébetrieb eingeschränkt werden. Die Veranda fiel 1953 einer Straßenverbreiterung zum Opfer. Trotzdem führten Wachendorfs Nachkommen das Geschäft noch bis 1986 weiter. Heute werden die ehemaligen Verkaufs- und Gasträume von verschiedenen Geschäften, u.a. seit 1948 vom Augenoptiker Glaser genutzt.

Kurhaus Weißer Hirsch: Der Gebäudekomplex Bautzner Landstraße 6/6a war Ausgangspunkt der Entwicklung des Kurortes. Aus dem früheren Herrenhaus des Gutes Weißer Hirsch ging Ende des 19. Jahrhunderts das Kurhaus mit Konzertsaal und Restaurant hervor. Anfang der Dreißiger Jahren erfolgte der Umbau des Saales zum Kino. Kurzzeitig gab es hier auch ein Spielcasino. Das nach 1945 nur noch als Wohnhaus dienende Gebäude wurde 1993 saniert und zum Stadtteilzentrum umgebaut. In den Räumen der früheren “Parklichtspiele” befindet sich heute eine Sparkassenfiliale.

Foto: Die Bautzner Landstraße mit Kurhaus und Gutshaus Weißer Hirsch um 1900

Häusergruppe Nr. 9 - 15: Die ersten Gebäude gegenüber dem alten Gutshaus entstanden ab 1804, als man an dieser Stelle die Bebauung von 14 Grundstücken genehmigte. Allerdings wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur eingeschränkt von dieser Genehmigung Gebrauch gemacht, da bis 1836 lediglich sechs Parzellen bebaut waren.

Um 1900 erwarben Investoren, unter ihnen der Baumeister Ferdinand Schaeffer, die Grundstücke und ließen die vorhandenen bescheidenen Wohnhäuser durch repräsentative Mehrfamilienhäuser ersetzten. Um die architektonische Gestaltung entbrannte ein heftiger Streit zwischen Architekt und Baubehörde, in dem sich Schaeffer jedoch schließlich durchsetzte. 1904/05 konnten die Gebäude, die zum Teil interessante Fassadengestaltungen im Jugendstil besitzen, fertiggestellt werden. Im Haus Nr. 15 befand sich bis zum Ersten Weltkrieg das Postamt Weißer Hirsch. Heute nutzt die Commerzbank die Räume. Weitere Räumlichkeiten dienten gewerblichen Zwecken, u.a. bis 1961 als Stammsitz der bekannten Eisenwarenhandlung Richter. Im Treppenhaus haben sich bis zur Gegenwart interessante Glasfenster mit Pflanzen- und Landschaftsdarstellungen erhalten.

Weihenstephan: Die zunächst als Haushaltwarenhandlung und Färberei genutzten Räume im Erdgeschoss des Hauses Bautzner Landstraße 9 (Foto) beherbergten bis zum Ersten Weltkrieg das Café Eberhardt.  In den Zwanziger Jahren hatte in diesem Haus die renommierte Privatbank Grieshammer & Söder ihren Sitz. Später befand sich in den Räumen das bekannte Vergnügungslokal “Teufelsdiele”, welches zuletzt unter dem Namen “Weihenstephan” noch bis 1982 als Speisegaststätte betrieben wurde. Inhaber war der aus Bayern stammende Oswald Danneberg, der neben den im typisch bayrischen Brauhausstil eingerichteten Lokal auch einen großen Biergarten betrieb. Nach 1990 gab es hier einen Möbelhandel. Zwischen 1998 und 2001 nutzte eine Filiale der Deutschen Bank die Gaststättenräume. Heute befindet sich hier ein Drogeriemarkt.

Im Nachbarhaus Nr. 11 gab es früher die Café-Konditorei Faust, eine der beliebtesten Konditoreien im Kurort mit großem Kaffeegarten. Diese wurde 1868 von Paul Faust gegründet und befindet sich bis heute in Familienbesitz (seit 1951 Bäckerei und Konditorei George).

Küntzelmann-Denkmal: Der Gedenkstein gegenüber des Eingangs zum Rathauspark erinnert an den Seifenfabrikanten und früheren Besitzers des Gutes Weißer Hirsch Ludwig Maximilian Küntzelmann. Dieser hatte 1872 das Gut erworben, die Grundstücke parzelliert und an Bauwillige verkauft und so den Grundstein für die Entwicklung des Kurortes Weißer Hirsch gelegt. Nach seinem Tod 1881 bildete sich ein Ausschuss zur Schaffung eines Gedenksteins, welcher am 15. Juli 1883 feierlich enthüllt wurde (Foto).

Nr. 10: Dieses repräsentative Wohn- und Geschäftshaus wurde 1905 nach Plänen von Max Herfurt errichtet, der für zahlreiche Bauten am Weißen Hirsch verantwortlich war. Mit seiner kupferverkleideten Loggia, dem massiven Dachreiter und ornamentalem Fassadenschmuck gehört es zu den interessantesten architektonischen Zeugnissen der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende .

Villa Wettin: Das Gebäude (Nr. 21) entstand um 1910 ebenfalls nach einem Entwurf von Max Herfurt für die Familie Großer. Ehregott Großer übernahm am 1. Januar 1896 das Amt des Gemeindevorstands auf dem Weißen Hirsch und führte dieses bis zu seiner Pensionierung 1912 aus. Nach 1990 befand sich in den Räumen der Villa das Restaurant “Amadeus”.

Nr. 32: Auch dieses 1912 fertiggestellte Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Bautzner Landstraße / Steglichstraße wurde von Max Herfurt projektiert. Im Erdgeschoss befand sich zunächst die Konditorei Lippoldt mit angeschlossenem Weinausschank. Später übernahm August Bleicher die Räume und richtete hier das “Café Bleicher” ein. Zwischen 1963 und 1992 folgte die Konditorei Binneberg. Nach einer kompletten Sanierung des Hauses setzt heute das Gourmet- Restaurant “Bean & Beluga” die gastronomischen Traditionen fort. Neben dem Lokal gibt es auch einen Feinkostladen sowie eine Kochschule.

Nr. 33: Das villenartige Gebäude entstand Ende des 19. Jahrhunderts und diente bis 1924 als Pension Illingsheim. Inhaber waren die Geschwister Marie und Emma Pretzschel, die in den insgesamt sechs Zimmern Gäste des Weißen Hirschs, aber auch Langzeitbewohner unterbrachten. Nach 1945 diente das Haus als Gästehaus des Staatsschauspiels und wird heute als Wohnhaus genutzt.

Villa Herzog: Die Villa (Nr. 41) wurde vor 1945 als Mädchenpensionat genutzt. 1994 zog in das Haus das Feinschmeckerrestaurant “Villa Herzog” ein, welches zu den besten Lokalen Dresdens gehörte, im Frühjahr 2002 jedoch wieder geschlossen wurde.

Villa Oscarshamm: Das parkartige Grundstück Bautzner Landstraße 44 wurde um 1880 parzelliert und mit Villen bebaut. Die als erstes Gebäude errichtete Villa Oscarshamm verdankt ihren Namen dem Besitzer Dr. phil Oscar Dolch, der 1. Vorsitzender des Gebirgsvereins Sächsisch-Böhmische Schweiz war. Weitere Häuser entstanden erst nach der Jahrhundertwende, darunter die bis 1945 in Familienbesitz befindliche Villa Brandenstein. Architekt des Gebäudes war Max Herfurt.  Nach 1945 diente das Haus als Mädchenwohnheim.

Villa Turmeck: In dem um die Jahrhundertwende vom Architektenbüro Rose & Röhle für den Fabrikanten Josef Werninghoff errichteten Bau (Nr. 46) hatte nach 1945 der Kammersänger Arno Schellenberg (1903-1983) seinen Wohnsitz. Arno Schellenberg gehörte ab 1933 dem Ensemble der Dresdner Staatsoper an und war maßgeblich am Wiederaufbau des Musiklebens nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Seit 1938 befand sich das Haus im Besitz der Familie Behrens, deren Tochter Renate mit Schellenberg verheiratet war. Schwester Manja Behrens war viele Jahre beim Staatsschauspiel in Dresden engagiert. Teile der früheren Innenausstattung der Villa sind noch erhalten.

Villa Degele: Das Haus (Nr. 50) befand sich im 19. Jahrhundert im Besitz des Kammersängers Eugen Degele (1834-1886), der das Grundstück nach seinem Tod testamentarisch der evangelischen Kirche vermachte. Degele gehörte 25 Jahre der Dresdner Hofoper an und wurde auch als Stifter der nach ihm benannten Degelequelle im Stechgrund bekannt.

 

Bühlau:

Die ersten Häuser auf Bühlauer Flur entstanden spätestens im 16. Jahrhundert und bildeten eine kleine Häuslergemeinde, die als Neubühlau bezeichnet wurde. Im 19. Jahrhundert folgten zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser, aber auch öffentliche Gebäude für den aufstrebenden Dresdner Vorort. Hier befanden sich die meisten für die Versorgung des Ortes wichtigen Läden, Handwerksbetriebe und Gastwirtschaften, die nicht zuletzt vom Durchgangsverkehr auf der Bautzner Landstraße profitierten. Neben mehreren Geschäften für Molkereiprodukte und Lebensmittel gab es einen Spirituosenladen neben dem früheren Barbarossa-Sanatorium (Nr. 102), einen Böttcher- und einen Polstermeister, das Sattlerwarengeschäft Hölzel, die Fahrradhandlung Päperer (heute am Körnerplatz) und das Fuhrunternehmen John (Nr. 142), welches sich heute auf den Bau von Lastenanhängern spezialisiert hat. Im Wohnhaus Bautzner Landstraße 149 bestand ab 1910 die Wäscherei Däbritz, die nach 1945 geschlossen wurde. Zeitweise hatte in dem 1991 abgebrochenen Gebäude auch die Ortskrankenkasse ihren Sitz. Zu den noch erhaltenen ältesten Bauten von Bühlau gehören die unter Denkmalschutz stehenden Häuser Bautzner Landstraße 131 und 133 (Foto) sowie das 1654 errichtete Wohnhaus Nr. 147 .

Trompeter: Das Gasthaus “Trompeter” entstand Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Grundstück Bautzner Landstraße 83 und wurde am 19. Mai 1877 eröffnet.  Zuvor befand sich an dieser Stelle eine Poststation als Raststätte für Kutscher und Fuhrleute. Das beliebte Restaurant wurde mehrfach renoviert und umgebaut und lädt bis heute seine Gäste ein.

Foto: die historische Bühlauer Gaststätte“Trompeter”

Hubertusgarten: Die Gaststätte (Bautzner Landstraße 89) wurde 1877 als “Kaisergarten” gegründet. 1897 erwarb Karl August Weber, 1902 der Fleischermeister Haake das Gebäude und nannte es fortan “Deutsches Haus”. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte man den Namen in “Hubertusgarten” ab. Bekannt wurde das Lokal durch sein großes Angebot an Wildgerichten und seine jagdtypische Ausstattung mit Trophäen und Waffen. Der Name erinnert an den Schutzpatron der Jäger, den heiligen Hubertus, der auch Namensgeber der Kirche am Weißen Hirsch und der benachbarten Hubertusapotheke ist. Zeitweise gehörte zur Gaststätte auch ein kleines Kino.

Hubertusapotheke: Die Apotheke wurde 1906 im Haus Bautzner Landstraße 93 gegründet. 1914 ließ der Apotheker Adolf Werneck auf dem Nachbargrundstück ein neues Wohn- und Geschäftshaus für sein Unternehmen errichten (Nr. 91 - Foto). Die nach 1945 erweiterten Räume erhielten bei einer Sanierung im Jahr 1974 Bleiglasfenster des Künstlers Rudolf Kleemann, welche Szenen aus dem Apothekeralltag zeigten. Die Ausführung übernahm der Dresdner Kunstglaser Wolfgang Beutner. 1992 wurden diese Fenster entfernt und eingelagert.

Nr. 94: Im Wohnhaus Bautzner Landstraße 94 hat seit 1945 das traditionsreiche Farbengeschäft Elström sein Domizil. Das Unternehmen wurde 1921 von Franz Elström auf der Großen Zwingerstraße 22 in der Nähe des Postplatzes als Spezialhandlung für Farben, Lacke und Künstlerbedarf gegründet und nach Kriegszerstörung des Stammhauses nach Bühlau verlegt. 1954 übernahm Sohn Christian das Geschäft und erweiterte es. Nachkommen führen das Fachgeschäft für Farben und Malerbedarf bis heute weiter. 1994 wurde das Gebäude umfassend saniert

Nr. 98/100: Diese beiden Wohn- und Geschäftshäuser mit Jugendstilfassaden wurden 1902/03 für Paul Bachmann errichtet. Die Bauleitung oblag Ernst Härtwig, der auch die Entwürfe für das Projekt lieferte. Interessant sind die bis heute erhalten gebliebenen Ausmalungen im Treppenhaus der beiden Häuser.

Hedrig-Greß-Heim: Das Heim auf der Bautzner Landstraße 108 wurde als Altersheim für Beamte im Ruhestand gegründet und am 1. Mai 1929 eröffnet. Initiator war der sächsische Regierungsrat Greß, der bereits 1901 einen “Verein für Sächsische Staatsbeamte” gegründet hatte. Für das neue Heim konnten auch die Räumlichkeiten des früheren Sanatoriums genutzt werden. Den Umbau des aus mehreren Einzelgebäuden bestehenden Komplexes übernahm der Architekt Ludwig Wirth.

1945 wurde die Einrichtung zunächst als Unterkunft für Flüchtlinge und Umsiedler genutzt. 1952 übernahm die Stadt Dresden das Hedrig-Greß-Heim und nutzte es fortan als Städtisches Altersheim. Da die Namensgebung nach den beiden früheren Vereinsvorständen Dr. Hedrich und Regierungsrat Greß zu DDR-Zeiten als unzeitgemäß empfunden wurde, erhielt das Altersheim 1972 den Namen des Arbeiterfunktionärs Otto Buchwitz. Umfangreiche Sanierungsarbeiten erfolgten ab 1973 und nach 1990. Heute befindet es sich in Trägerschaft der städtischen Cultus gGmbH.

Nr. 109: Das um 1880 entstandene Gebäude wurde 1899 vom Gasthofsbesitzer Karl Oskar Unrasch, Inhaber des Kurhauses Bühlau, erworben. 1926 richtete dessen Sohn im Erdgeschoss eine Fleischerei ein, die bis in die Nachkriegszeit in Familienbesitz blieb. Später übernahm die HO den Laden, der nach 1990 wieder in Privatbesitz kam. 1996 wurde das Haus umfassend saniert.

Nr. 111: In diesem Gebäude, auch als “Villa Alpenrose” bezeichnet, lebte bis zu ihrem Tod 1933 Ida Beier, Witwe des früheren Bürgermeisters von Brand (heute Brand-Erbisdorf). Ida Beier besaß ein Schreibwarengeschäft am Weißen Hirsch und war die Mutter der “Giftmörderin” Grete Beier. Diese hatte 1906 ihren Verlobten mit Zyankali vergiftet und wurde nach einem aufsehenerregenden Prozeß als letzte Frau in Sachsen zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Straßenbahnhof Bühlau: Der Bühlauer Straßenbahnhof entstand im Zusammenhang mit dem Ausbau der Bahnstrecke nach Bühlau an Stelle einer früheren Kiesgrube und wurde am 22. August 1899 eröffnet. Zunächst standen hier zwei Wagenhallen und eine Werkstatt zur Verfügung. 1925 folgte der Bau einer dritten Abstellhalle. Ab 1931 war der Straßenbahnhof Heimatdepot der “Großen Hechtwagen”. Nach deren Außerdienststellung waren hier noch bis 2003 Tatra-Straßenbahnen abgestellt. Die zuletzt leer stehenden Hallen wurden im Juni 2011 abgerissen. An gleicher Stelle ist in den kommenden Jahren der Neubau einer Schwimmhalle und einer Kindertagesstätte geplant.

Kraftwerk Bühlau: Das gemeindeeigene Elektrizitätswerk wurde 1898 auf dem Grundstück Bautzner Landstraße 112 durch die Kölner Elektrizitäts - A.G. Helios errichtet und versorgte die Gebäude des Ortes mit Strom. Nach dem Anschluss Bühlaus nach Dresden wurde das Werk stillgelegt. Seit 1993 nutzt ein Supermarkt die Gebäude. 2011 erfolgten umfangreiche Umbauten und Erweiterungen, wobei die historische Bausubstanz des Kraftwerks größtenteils integriert wurde.

Gasthaus “Zum Heiteren Blick”: Die Gaststätte wurde 1894 an der Bautzner Landstraße 114 eröffnet und besaß in den Anfangsjahren sogar eine eigene Brauerei. Das zu den beliebtesten Schankwirtschaften des Ortes gehörende Lokal bestand bis nach 1945 und schloss erst in den 60er Jahren seine Pforten. Später nutzten verschiedene Firmen das Gebäude, darunter ein Möbelgeschäft und die 1936 gegründete Büroartikelhandlung Mildner. Trotz Bemühungen des Unternehmens gelang es jedoch nicht, das verfallene Gebäude zu rekonstruieren und als Firmensitz auszubauen. 1993 wurde der frühere “Heitere Blick” abgerissen und durch ein modernes Geschäftshaus ersetzt. Dieses musste wiederum 2010 einem Parkplatz weichen.

Nr. 129: Das von den Bühlauern auch “Konsum”-Haus genannte Wohn- und Geschäftshaus entstand 1903 nach einem Entwurf des Dresdner Architekten William Huscher gegenüber der Einmündung der Grundstraße. Die Fassade ist im oberen Teil mit Balkenfachwerk versehen und orientiert sich am seinerzeit beliebten Landhausstil, mit dem der Charakter Bühlaus als Sommerfrische und Erholungsort unterstrichen werden sollte. Aufgrund seiner Nähe zum Bühlauer Rathaus war das Gebäude von Anfang an als markantes Stadtteilzentrum mit mehreren Ladenlokalen und repräsentativen Wohnungen konzipiert. Im Erdgeschoss befand sich ab 1905 bis zur Schließung 2001 eine Konsum-Verkaufsstelle. Weitere Räume wurden u.a. als Tapezier- und Polstergeschäft, als Schuhmacherwerkstatt, Friseursalon und Uhrmacherwerkstatt genutzt.

Nach 1960 kam das Gebäude in staatlichen Besitz und wurde umgebaut. Dabei verschwanden zahlreiche Schmuckelemente und die Turmhauben der Ecktürmchen. Außerdem kam ein Flachbau zur Vergrößerung der Verkaufsfläche des “Konsums” hinzu. Nach 1990 stand das Haus einige Jahre leer und war zeitweise sogar zum Abriss freigegeben.  Seit 2007 steht das Wohn- und Geschäftshaus als Baudenkmal unter Schutz und wurde 2008/09 saniert.

Rathaus Bühlau: Das Gebäude an der Bautzner Landstraße 130 entstand 1899 als Sitz der Gemeindeverwaltung nach Plänen des Loschwitzer Architekten Paul Winkler. Seit der Eingemeindung des Ortes 1921 dient es als städtisches Verwaltungsgebäude und ist heute u. a. Sitz einer Zweigstelle der Stadtbibliothek. In den Erdgeschossräumen befand sich zeitweise die Gaststätte “Ratskeller Bühlau”.

Nr. 144: Das unter Denkmalschutz stehende Mehrfamilienhaus wurde 1910-12 vom Architekten Max Herfurt für den Fleischermeister Hugo Müller im Jugendstil erbaut. An der Fassade erinnert ein Fries mit Inschriften an das Handwerk des Bauherrn. Die Fleischerei blieb bis zur Schließung im Juni 2001 in Familienbesitz und wird heute als Partyservice weitergeführt. Bemerkenswert ist die historische Ladenausstattung der Entstehungszeit. Zum Unternehmen gehörte früher auch ein Schlachthaus sowie ein zur Gewinnung von Kühleis benötigter kleiner Teich am Kirchweg. Um 1930 existierten insgesamt acht Fleischereien in Bühlau und Quohren.

Schmiedeschänke: Die Schmiedeschänke (Nr. 158) wurde 1880 vom Fleischermeister Otto Oelsner eröffnet. Das Lokal war wegen seiner deftigen Küche bei Bühlauern und Wochenendausflüglern beliebt und bestand noch bis in die Nachkriegszeit. Später auch als Gasthaus “Zur Schmiede” bekannt, musste das baufällige Gebäude nach 1990 dem Bau einer Tankstelle weichen.

Foto: Die Bühlauer Schmiedeschänke um 1900

Literatur zur Geschichte der Dresdner Stadtteile Weißer Hirsch und Bühlau finden Sie hier:

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