Collenbuschstraße


Die heutige Collenbuschstraße wurde ursprünglich nach einer früheren Flurbezeichnung Rother Thorweg genannt. Um 1880 erhielt sie offiziell den Namen Marienstraße, wobei für die Namensgebung Prinzessin Anna von Bayern, Gemahlin König Friedrich August II. von Sachsen, Pate stand. Um Verwechslungen mit einer gleichnamigen Straße in der Innenstadt zu vermeiden, erfolgte 1926 nach dem Kommerzienrat und Zigarettenfabrikanten Friedrich Adolph Collenbusch (1841-1921) die Umbenennung in Collenbuschstraße. Am Eckgrundstück Collenbuschstraße 21 erinnert eine Inschrift an das frühere Gut Weißer Hirsch. Das erste Gebäude entstand 1686 und war Ausgangspunkt der Besiedlung des Stadtteils. Die nach Verlegung des Schankgutes an die Bautzner Landstraße als “Alter Hirsch” bezeichnete Wirtschaft brannte 1799 ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Nach Verabschiedung eines Bebauungsplanes 1874 für das Areal zwischen Bautzner Landstraße, Plattleite und Lahmannring entstanden hier verschiedene Villen und Pensionen. Zu den ältesten gehört das sogenannte Miethingsche Haus (Nr. 19), welches 1882 für den Dekorationsmaler August Eibig entstand. Eibig verkaufte das im Schweizerstil gestaltete Gebäude wenig später an die Familie Miething, die am Haus mehrfach Umbauten und Erweiterungen vornahmen, ohne jedoch den Kern der Villa grundlegend zu verändern. Ab 1984 nutzte die Diakonissenanstalt das Gebäude als Schwesternwohnheim. Auf dem Grundstück haben sich bis heute Reste eines Bienenhauses sowie ein historischer Brunnen erhalten.

Weitere Villen wurden kurz vor bzw. nach der Jahrhundertwende errichtet. Erwähnenswert sind u.a. die vom Architekten Max Herfurt entworfenen Häuser Collenbuschstraße 16 (Villa Sophie - 1912/13) und 30 (Haus Jurk - 1909) sowie das Landhaus Kruse (Nr. 18), welches durch seinen markanten Säulenvorbau auffällt und 1905 von Rudolf Kolbe geplant wurde.

Im Haus Collenbuschstraße 4 wohnte ab 1951 der Schriftsteller Martin Andersen-Nexö, nach dessen Tod am 1. Juni 1954 die Villa zur Gedenkstätte wurde (1990 geschlossen). Haus Nr. 7 war zeitweise Wohnsitz des DDR- Jugendschriftstellers Max Zimmering. Die Villa Ulmenhof (Nr. 11) diente vor 1945 als Wohnhaus des Arztes Prof. Dr. Heinrich Kraft, der als Chefarzt im Lahmann-Sanatorium tätig war. 1952 wurde hier eine Kinderkrippe eingerichtet. Heute ist das Haus Sitz der Firma Dental-Technik. Im früheren Haus Hohenzollern an der Einmündung zur Wolfshügelstraße, erbaut von Max Herfurt, lebte zeitweise der Schriftsteller Erhart Kästner. Als Künstlerdomizil ist auch die Villa Nr. 24 bekannt. Das Haus gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg dem Solotänzer der Staatsoper Gino Neppach, der in den Dreißiger Jahren einige Räume an Sängerkolleginnen wie Martha Rohs und Marta Fuchs vermietete.

 

Einzelne Gebäude:

Andersen-Nexö-Gedenkstätte: Die 1991 geschlossene Gedenkstätte für den dänischen Schriftsteller Martin Andersen-Nexö (1869-1954) wurde nach dessen Tod im ehemaligen Wohnhaus auf der Collenbuschstraße 4 eingerichtet (Foto). Andersen-Nexö verfasste ab 1900 zahlreiche Romane und Erzählungen, von denen u. a. “Pelle der Eroberer” und “Ditte Menschenkind” international bekannt sind. Zwischen 1922 und 1930 lebte Andersen-Nexö am Bodensee. Der von den Nazis verfolgte und zeitweise sogar inhaftierte Schriftsteller besuchte 1949 das Kurbad in Bad Elster und siedelte wenig später auf Einladung des sächsischen Ministerpräsidenten Max Seydewitz nach Dresden über. Zunächst bewohnte er ein Gästehaus der Landesregierung, lebte ab 1951 in Radebeul und zog ein Jahr später in die Villa an der Collenbuschstraße. Hier verfasste er auch seinen unvollendet gebliebenen letzten Roman “Jeanette”. 1953 wurde Martin Andersen-Nexö die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dresden verliehen.

Die nach seinem Tod weitgehend unverändert gebliebene Villa diente ab 1958 als Gedenkstätte (Eröffnung am 25. Juli). Während Arbeits- und Wohnräume im Originalzustand belassen wurden, entstand im Erdgeschoss ein Studien- und Vortragsraum. Nachdem die Erben des Dichters 1990 den Nachlass zurückforderten, musste das Haus geschlossen werden. Heute dient es Wohnzwecken. An Andersen-Nexö erinnert jedoch noch eine Gedenktafel am Eingang. Außerdem trägt eine Schule in Striesen seinen Namen. Dort gibt es auch ein Denkmal für den Dichter.

Friseursalon: Zu den traditionsreichsten Geschäften am Weißen Hirsch gehörte noch bis nach 1990 der 1910 entstandene Friseursalon im Eckhaus zum Lahmannring (Nr. 6). Berühmte Kunden des Salons waren u. a. Heinz Rühmann, die Königin von Griechenland und der Wissenschaftler Manfred von Ardenne. Die Innenausstattung aus der Gründerzeit blieb bis zur Schließung fast originalgetreu erhalten und wurde 2000 in das Friseurmuseum nach Kottmarsdorf in der Oberlausitz verbracht (Foto).
 

Preißlersches Weingut: Das Anwesen (Nr. 9) war einst einer der größten Weinberge am Loschwitzer Elbhang. 1813 eroberte Napoleon dieses Gut und ließ es von seinen Soldaten plündern. Das Grundstück wurde später mit Villen überbaut, so dass heute nur noch an der Collenbuschstraße / Ecke Wolfshügelstraße Reste der Anlage zu sehen sind. Preißler war auch als Chronist tätig und legte eine Chronik zum Alltagsleben zu Beginn des 19. Jahrhundert an, von der eine Abschrift erhalten blieb.

Friedensblick: Am Ende der Collenbuschstraße bietet der “Friedensblick”, ein kleiner Rundplatz mit Steinbänken und einem Obelisken (Foto), einen schönen Blick ins Elbtal. Die Anlage entstand Anfang der Dreißiger Jahre auf Anregung und mit finanzieller Unterstützung des damaligen Reichswehrministers Werner von Blomberg, welcher mehrfach als Kurgast auf dem Weißen Hirsch geweilt hatte. Ihm zu Ehren trug sie seit ihrer Übergabe 1932 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs den Namen Blombergblick.

Für den Bau wurde ein Weinbergsgrundstück mit Treppen und Wegen erschlossen. Am obersten Punkt entstand ein Rondell mit einer hölzernen Pergola und Bänken, ergänzt um eine Sonnenuhr und ein schmiedeeisernes Geländer mit dem Wappen des Ortes. Ein Obelisk erinnert an den 1854 in den Alpen tödlich verunglückten König Friedrich August II. Ursprünglich befand sich die bereits 1855 von Joseph Herrmann geschaffene Säule im Garten der Villa Thorwald.  Leider verschwanden im Winter 1946/47 die Pergola und alle hölzernen Gestaltungselemente zur Brennholzgewinnung. Gegenwärtig setzt sich der Verschönerungsverein Weißer Hirsch für die Wiederherstellung ein.

 


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