Das Lahmann-Sanatorium wurde1887 vom Arzt Dr. med. Heinrich Lahmann gegründet, als dieser das 1883 in Konkurs gegangene Fridabad des Loschwitzer Bauunternehmers Theodor Lehnert pachtete. Am 1. Januar 1888
ging das Bad offiziell in Lahmanns Besitz über und hieß nun “Dr. Lahmanns physiatrisches Sanatorium Weißer Hirsch”. Im Mittelpunkt der Behandlung der Patienten stand die gesunde Ernährung, in enger Verbindung mit
Bewegung an frischer Luft und regelmäßigen Luftbädern. Außerdem fanden bestimmte psychotherapeuthische Maßnahmen statt, die das Gesamtbefinden der Kurgäste verbessern sollten. In einem eigenen chemisch-physiologischen
Laboratorium befasste sich Lahmann auf naturwissenschaftlicher Grundlage mit Fragen des menschlichen Stoffwechsels und entwickelte eigene diätische Produkte und Nahrungsergänzungsmittel. Nach seinem Tod wirkte ab 1909
der schwedische Ernährungsforscher Ragnar Berg für einige Jahre im Sanatorium und entwickelte hier eine bis heute gültige Lebensmitteltabelle zum Mineralstoffhaushalt. Lahmanns Konzept war ein voller Erfolg, der
alljährlich zahlreiche Besucher anzog. Zwischen 1888 und 1913 wuchs deren Zahl von 385 auf über 7.400 an. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden deshalb neue Kurgebäude errichtet, Wasserleitungen und
Dampfheizungsanlagen eingebaut und verschiedene Bade- und Gemeinschaftshäuser eingerichtet (Foto: Herrenbad). Zur Versorgung seines Sanatoriums erwarb Lahmann
1894 das Gut Friedrichsthal bei Radeberg und ließ hier eine Musterwirtschaft anlegen. Um die Gäste unterbringen zu können, baute bzw. kaufte der Arzt außerdem insgesamt
15 Villen auf dem Weißen Hirsch, darunter die 1905 von Max Herfurt erbaute Villa Urvasi am Lahmannring. Lahmann
selbst wohnte bis zu seinem Tod am 1. Juni 1905 in einem repräsentativen Gebäude unmittelbar auf dem Klinikgelände. Diese Villa, Heinrichshof genannt, wurde von Paul Kayser entworfen.
Bis zum Ersten Weltkrieg besuchten Gäste aus aller Welt den Kurort am Dresdner Nordrand, bevor der Kriegsausbruch
ein abruptes Ende setzte. Zu den berühmten Kurpatienten gehörten neben wohlhabenden Kaufleuten und Militärs auch
Mitglieder der Familie der Hohenzollern und der russischen Zarenfamilie, Könige und Fürsten aus Europa, Asien und
Ägypten, aber auch Schauspieler, Sänger und Schriftsteller. Über 300 Angestellte sorgten sich um deren Wohl, nahmen
medizinische Behandlungen vor und organisierten den Klinikbetrieb. Ab 1914 befand sich hier ein Vereinslazarett des Deutschen Roten Kreuzes. Foto: Der Eingangsbereich des Lahmann-Sanatoriums mit Wandelhalle in den 20er Jahren
Nach 1918 gelang es nur mühsam, wieder an die alten Besucherzahlen anzuknüpfen. 1921 wurden das Lahmann- Sanatorium und einige andere private Kureinrichtungen unter Verwaltung der Stadt Dresden zu einem Kurbezirk
zusammengefaßt. Dennoch blieb das Lahmann-Sanatorium bis zum Zweiten Weltkrieg bekanntestes in der Dresdner Umgebung und wurde weiterhin von In- und Ausländern besucht. Als Kurgäste erwähnt werden sollen hier nur der
Flugzeugkonstrukteur Hugo Junkers, Reichsminister Dr. Neuhaus, die Sängerin Claire Waldoff, Operettenkomponist Paul Linke und die UFA-Stars Zarah Leander, Marika Rökk und Willy Birgel.
1940 übernahm die Wehrmacht die Gebäude und richtete hier ein Lazarett mit Genesungsheim für Soldaten ein. 1945 beschlagnahmte die Sowjetarmee den Komplex. Bis 1991 dienten die Gebäude als Sanatorium der sowjetischen
Truppen. Obwohl keine grundlegenden Umbauten erfolgten, wurde die historische Bausubstanz in dieser Zeit schwer in
Mitleidenschaft gezogen. 1991 wurden die Kurhäuser in ruinösem Zustand verlassen. Alle Konzepte zur Reaktivierung
des Gebietes, die u. a. die Einrichtung eines Seniorenstiftes der Stiftung Collegium Augustinum aus München vorsahen,
scheiterten bislang an den hohen Kosten. 2005 fand ein Ideenworkshop mehrerer Architektenbüros statt, die hier ein
Europäisches Wellness- und Forschungszentrum vorschlugen. Mangels Investoren ist die Zukunft des denkmalgeschützten Sanatoriumskomplexes jedoch weiterhin unklar. Foto: Das verfallene Lahmann-Sanatorium im Jahr 2002 (Speisesaal) |