Der Meixgrund, auch Friedrichsgrund genannt, gehört zu den romantischen rechtselbischen Seitentälern zwischen Pillnitz und Loschwitz und wurde 1403 erstmals als “Vallis Michcz” urkundlich erwähnt. Zu diesem
Zeitpunkt befand sich das Tal gemeinsam mit dem Ort Pillnitz im Besitz der Familie Karas. Die bereits existierende Mühle erhielt schon früh das Schankrecht und diente als Ausspanne der Fuhrleute des Schönfelder
Hochlandes auf ihrem Weg ins Elbtal. Später war sie auch zeitweiliger Jagdaufenthalt der Wettiner. Oberhalb des Meixgrundes befindet sich auf einem Bergsporn das sogenannte “Kanapee”, eine aus der Bronzezeit (um 1200 v.
Chr.) stammende frühgeschichtliche Befestigungsanlage, die noch bis ins 10. Jahrhundert von der slawischen Bevölkerung als Fluchtburg genutzt wurde. Ende des 18. Jahrhundert wurde der Meixgrund von Friedrich August III. als Ausflugsziel entdeckt
und von dessen Kammerherrn Graf Marcolini als romantischer Landschaftspark gestaltet. 1780 erschloss man den Grund durch einen Fußweg. Außerdem entstanden Spazierwege und Brücken,
ein künstlicher Wasserfall, steinerne Ruhebänke und weitere Denkmäler und Kleinbauten. Unmittelbar am Eingang des Grundes befand sich eine kleine, von einer Eiche und einer Linde
eingerahmte Holzscheune, die die “Hütte von Philemon und Baucis” symbolisieren sollte. Das Motiv aus der griechischen Mythologie galt in der Romantik als Ideal für Liebe, Treue und Gastfreundschaft.
Unweit davon lagen die Ruinen eines antiken Tempels mit einem zerbrochenen Obelisken. Diese Szene erinnerte an die legendenumwobene “Irminsäule”, dem von Karl dem Großen zerstörten Nationalheiligtum der Sachsen. Für den
benachbarten künstlichen Wasserfall ließ Friedrich August III. drei vom Meixbach gespeiste Wasserbecken anlegen, die bei Bedarf geöffnet werden konnten. In der Nähe befand sich mit “Amaliens Rosenhügel” eine
romantische Grabstätte. Höhepunkt war die 1775 an Stelle einer mittelalterlichen Befestigungsanlage errichtete künstliche Ruine, die von Johann
Daniel Schade entworfen wurde. Das kleine Bauwerk besaß im Inneren einen Speisesaal mit Kamin sowie Nebenräume für die Bewirtschaftung des Hauses. Ein ähnliches Bauwerk entstand fast zeitgleich auf dem nahegelegenen Borsberg. Friedrichsgrund und Borsberg waren fortan Schauplätze für Hoffeste und Belustigungen, aber auch ein Ort der inneren
Einkehr für den naturverbundenen König. Seit dem 19. Jahrhundert waren die Baulichkeiten öffentlich zugänglich,
blieben jedoch bis 1918 im Besitz der Wettiner. Reste der einstigen Gartengestaltung finden sich noch im Gelände.
Am 27. Juni 1850 richtete ein Wolkenbruch schwere Schäden im Meixgrund an. Auch nach Wiederherstellung des
Talweges blieb der romantische Grund Ausflugsziel der Dresdner. 1886 besuchte August Bebel den Grund und leitete in
der abgelegenen Meixmühle eine Landesdelegiertenkonferenz der durch das Sozialistengesetz verbotenen SPD. An dieses Ereignis erinnert heute eine Gedenktafel.
Der im Ortskern von Pillnitz gelegene Teil des Grundes wurde im 19. Jahrhundert befestigt und um 1900 zur Fahrstraße ausgebaut (Foto)
. Bis 1950 trug diese nach dem benachbarten Ort den Namen Schönfelder Straße, wurde dann jedoch in Meixstraße umbenannt. Hier sind noch einige historische Gebäude des früheren Dorfes erhalten geblieben. Im Haus
Meixstraße 6 hatte bis 1915 das Pillnitzer Gemeindeamt seinen Sitz. Weitere Gebäude dienten als Geschäftsräume des
Photographen Paul Köhne (Nr. 14) bzw. beherbergten Backstube und Verkaufsräume der Konditorei Heinke (Nr. 5). Die frühere Pillnitzer Mühle am Eingang zum Meixgrund musste 1901 dem Bau eines Wohn- und Geschäftshauses
weichen. Unweit davon befinden sich in der Nähe der Einmündung des Friedrichsgrundes die Überreste eines historischen
Eiskellers. Die heute nicht mehr zugänglichen Kellerräume wurden um 1780 von Freiberger Bergleuten als Lagerraum
geschaffen und zur Einlagerung von Kühleis für höfische Feste im Pillnitzer Schloss genutzt. Ein Lüftungsschacht verband
diesen Keller mit der Bergspitze, wo er in einem gemauerten Schornstein endete. Während des Zweiten Weltkrieges
dienten die Gewölbe als Treibstofflager, Luftschutzbunker und zur Einlagerung von Wertsachen. Hier überstand auch
das demontierte Reiterstandbild des “Goldenen Reiters” die Kriegsjahre. Um 1960 war ein Ausbau des Bunkers für die
DDR-Zivilverteidigung geplant. Unsachgemäße Sprengungen führten dabei zu einem teilweisen Einsturz, woraufhin der Eingang vermauert wurde. Heute leben hier einige seltene Fledermausarten. Meixmühle: Die Meixmühle wurde 1403 erstmals erwähnt, als sie gemeinsam mit dem Meixgrund und weiteren Ländereien als Schenkung des Markgrafen Wilhelm I.
in den Besitz der Familie Karas kam. 1649 ist sie erneut als Mahlmühle der Bauern des Schönfelder Hochlandes erwähnt. Spätestens 1770 erhielt ihr damaliger Besitzer Johann Samuel Nacke das
Schankrecht. Gern wurde die Mühle nun von Fuhrleuten, aber auch von Angehörigen höfischer Jagdgesellschaften besucht. Der Name soll der Sage nach auf den einst im Meixgrund hausenden Drachen Meix zurückgehen, der
alljährlich eine Bauernmagd als Opfer verlangt haben sol. Erst ein Müllerbursche tötete das Ungeheuer und rettete so die Tochter des Müllers vor dem sicheren Tod. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich die Mühle zum beliebten Ausflugsziel der Besucher des Grundes.
Am 7. Juli 1895 wurde die alte Meixmühle bei einem Großbrand völlig zerstört. Doch bereits im Folgejahr ließ der Besitzer der Meixmühle Arthur Horn
das Gebäude als Gasthaus wieder aufbauen und um die Jahrhundertwende um einige Nebengebäude ergänzen (Foto). Die Pläne für den Neubau stammen von Otto Boeger.
1896 erwarb Horn den “Wendenhof” von der im gleichen Jahr veranstalteten Ausstellung “Die alte Stadt”. 1903 kam die Drachenburg hinzu, die an die Sage vom Drachen Meix erinnern sollte.
1931 erwarb der Landesverein Sächsischer Heimatschutz das Gelände um die Meixmühle und richtete hier eine Herberge ein. Nach 1945 diente die Meixmühle zeitweise als FDGB-Ferienheim und Kinderferienlager, bevor sie
geschlossen wurde. 1992 konnte die traditionsreiche Gaststätte nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet werden. |