Pillnitz

Gemeindesiegel von Pillnitz

Postleitzahl: 01326


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Pillnitz wurde 1335 erstmals als Belenewitz urkundlich erwähnt. Der slawische Ortsname weist vermutlich auf den Gründer der Siedlung hin (Dorf des Belan). 1403 erhielt die Frau des Adligen Heinrich Karas Dorf und Vorwerk Pillnitz als Lehen. Spätere Besitzer der Grundherrschaft waren die Familien Ziegler (1486 - 1569), Loß (1569 - 1640) und Bünau. Vor allem die Herrschaft des Joachim von Loß wurde von den Bewohnern des Ortes als besonders bedrückend empfunden, da Loß als rücksichtsloser Gutsherr galt und mit harten Fronen und Strafen seine Untertanen unterdrückte. Der Legende nach soll er noch viele Jahre nach seinem Tod als schwarzer Hund in Pillnitz umgegangen sein.

Ursprünglich war Pillnitz ein Elbfischer- und Bauerndorf, von dem sich jedoch nur noch einige wenige Gebäude in der Nähe der Schiffsanlegestelle erhalten haben (Foto).1476 wurde eine Mühle am Ausgang des Meixgrundes erwähnt, um 1500 ein Gasthof mit Schankrecht und Erbgerichtsbarkeit. Seit dem 16. Jahrhundert dehnten die Besitzer der Herrschaft Pillnitz ihre Fluren immer mehr auf Kosten des Bauernlandes aus, so dass im 18. Jh. nur noch Häusler und Gärtner im Ort lebten. 1694 erwarb Kurfürst Johann Georg IV. von der Familie Bünau den Ort. Dessen Bruder und Nachfolger August der Starke ließ das alte Schloss zum repräsentativen Sommersitz umbauen. Bis heute gehört Schloss Pillnitz zu den bedeutendsten baukünstlerischen Schöpfungen der Barockzeit in Sachsen. Gegenüber liegt die Pillnitzer Elbinsel, einzig verbliebene im Stadtgebiet

Zur Bewirtschaftung des zum Schloss gehörigen Rittergutes entstanden verschiedene Nebengebäude, die später Sitz des Kammergutes Pillnitz wurden. Die Fluren dieses Gutes wurden schon früh nach wissenschaftlichen Grundsätzen bewirtschaftet, wodurch Pillnitz zu einem Zentrum des modernen Gartenbaus wurde. An den Hängen des Ortes dominierte seit dem 18. Jh. der Weinbau. Zu den in den Weinbergen entstandenen Gebäuden gehören das alte Presshaus von 1827 (Bergweg 1) und die nach Abriss der Schlosskirche 1723/27 entstandene Weinbergkirche. Der Komplex um das Lustschloss wurde nach der Zerstörung des alten Schlosses bei einem Brand 1818 in klassizistischen Formen verändert, wobei Schloss Pillnitz sein heutiges Aussehen erhielt (Foto).

 

Während Pillnitz in der Barockzeit vor allem Schauplatz von prunkvollen Hoffesten war, entwickelte sich der Ort im 19. Jh. immer stärker zum Ausflugsziel auch für bürgerliche Schichten. Vor allem die Einrichtung einer Dampferanlegestelle 1840 führte zum verstärkten Zuzug von Dresdner Bürgern. So wohnte ab 1832 Carl Gustav Carus in einem Landhaus in Pillnitz. Spätere Bewohner des Ortes waren u. a. Ludwig von Hofmann und die Verlegerfamilie Brockhaus. Mitte des 19. Jh. folgten weitere Villenneubauten am Rande des Dorfkerns und an den Hängen des Elbtals. Ab 1927 entstand die Landhaussiedlung am früheren Hausberg mit dem gleichnamigen Café. Zahlreiche Ausflugsgaststätten lockten die Besucher an, die seit 1913 auch per Straßenbahn nach Pillnitz gelangen konnten.

Die Garten- und Weinbautradition des Ortes wurde ab 1922 von einer Höheren Staatslehranstalt für Gartenbau fortgeführt. Diese Einrichtung nutzte die Gebäude des früheren Marstalls und der Hofgärtnerei, die nun als Versuchsgärtnerei diente. 1925 folgte eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt, 1930 eine Staatliche Viehhaltungsschule. Schloss und Park waren bereits 1924 durch die Fürstenabfindung in den Besitz des Staates gekommen und werden seitdem museal genutzt.

1945 war Schloss Pillnitz für einige Monate zentrales Sammeldepot für die geretteten Dresdner Kunstschätze, bevor diese nach Moskau abtransportiert wurden. Auch nach der Eingemeindung des Ortes am 1. Juli 1950 blieb Pillnitz als Obstbaustandort von Bedeutung. Der zeitweise zum Erliegen gekommene Weinbau lebte verstärkt seit den 80er Jahren wieder auf. Das frühere Kammergut diente bis 1971 als VEG Tierzucht bzw. als Institut für Obstbau. Heute haben in Pillnitz verschiedene landwirtschaftliche Lehr- und Forschungseinrichtungen ihren Sitz.

Foto: Das Pillnitzer Preßhaus am Bergweg

Schulen in Pillnitz:

Das erste eigene Schulhaus errichtete die Gemeinde 1846 am Schulweg. Da diese Schule nach 1900 nicht mehr den Anforderungen genügte, wurde das Gebäude 1908 erweitert. Auf dem Schulhof erinnerte ein Denkmal an den Dichter Julius Hammer, der 1862 in Pillnitz verstarb und dem Dresdner Liederkreis nahestand. Leider fiel dieses 1954 dem Abriss zum Opfer.

Ab 1920 bildete Pillnitz mit dem Nachbarort Hosterwitz einen Schulverband. 1969 wurde an der Dresdner Straße ein moderner Schulneubau eingeweiht, der bis heute von der 88. Grund- und Mittelschule genutzt wird. Das alte Pillnitzer Schulhaus diente nun noch Wohn- und Gewerbezwecken und stand dann viele Jahre leer. 1998/94 wurde es umfassend saniert und wird heute als Hotel und Vitalzentrum “Goldener Apfel” genutzt (Foto). Im Haus befindet sich auch eine interessante Ausstellung zum Thema “Klassische Naturheilkunde” mit einem Sonderteil “Apfel & Gesundheit”.

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Institut für Obstforschung und Gartenbau:

Das Institut geht auf die 1913 gegründete Königliche Hofgärtnerei zurück, für deren Betrieb die seinerzeit größte Gewächshausanlage Europas entstand. Bereits zuvor war Pillnitz ein Zentrum des wissenschaftlichen Gartenbaus gewesen, der sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Charakteristisch für die neue Anlage war das “Pillnitzer Kreuz”, ein zentraler Verbindungsbau, von dem aus alle Gewächshäuser erreicht werden konnten. Die Entwürfe für die Anlage stammen vom Dresdner Stadtbaurat Hans Erlwein. Wichtigste Aufgabe war die Aufzucht von Zierpflanzen für den Bedarf der königlichen Hofhaltung in Pillnitz.

Nach dem Ende der Monarchie wurde die Hofgärtnerei 1922 zur Höheren Staatslehranstalt für Gartenbau mit Sitz im früheren Marstall umgewandelt. Erster Direktor wurde Alexander Steffen, nach dem das Verwaltungsgebäude des Institutes bis heute als Steffenbau benannt ist. Steffen machte die Pillnitzer Lehranstalt zu einem wissenschaftlichen Zentrum des Gartenbaus, welches weit über die Grenzen Sachsens hinaus Bedeutung hatte. Die Einrichtung setzte nach nach kriegsbedingter Unterbrechung ihre Arbeit 1946 fort. 1951 entstand für die Lehranstalt ein neues Wohnheim hinter dem Schloss. Mehrfach umstrukturiert, arbeitete die Lehranstalt bis 1963 als Institut für Obstforschung und Zierpflanzenzucht und wurde dann nach Nöthnitz verlegt. Die Gebäude in Pillnitz dienten nun als Schulungseinrichtung der SED. Erhalten blieb jedoch das Versuchsgut, welches bis 1989 als Außenstelle Pillnitz weiterbestand.

1990 erfolgte eine Zusammenlegung des Institutes mit diesem Gut, welches seitdem wieder in Pillnitz ansässig ist. Mitte der 90er Jahre gab es Pläne zur Auflösung der Einrichtung, die jedoch durch Proteste verhindert werden konnte. Seit 1994 haben in Pillnitz das Bundesinstitut für Obstzüchtung, das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung und das 1990 gegründete Institut für Floristik ihren Sitz. Die Pillnitzer Einrichtungen bilden heute ein in Deutschland einmaliges Forschungszentrum, für das 1997/99 einige Neubauten an der Lohmener Straße entstanden. Für das denkmalgerecht sanierte und umgebaute Hörsaalzentrum am Pillnitzer Platz erhielten die Architekten 1999 den Erlweinpreis der Stadt Dresden verliehen. Auch der historische Gewächshauskomplex wurde in den letzten Jahren saniert.

Foto: Das Kammergut Pillnitz - Keimzelle der Gartenbautradition des Ortes

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Kleingartenanlage Pillnitz:

1919 pachtete die Gemeinde Pillnitz eine Freifläche am Schlosspark, die sie für ärmere Bevölkerungsschichten zum Anbau von Obst und Gemüse zur Verfügung stellte. Ziel war die bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln in den schweren Nachkriegsjahren. Um einer Bebauung des Geländes zu verhindern, konstituierte sich am 25. März 1938 im “Goldenen Löwen” ein Kleingartenverein, der die Anlage übernahm. Bis 1942 entstand nun eine von der Staatslehranstalt für Gartenbau wissenschaftlich begleitete Musterkleingartenanlage, die bis heute existiert. Eine Pillnitzer Besonderheit sind die fehlenden Zäune zwischen den einzelnen Parzellen und einige historische Lauben aus der Entstehungszeit.

Elbfähre:

Die Pillnitzer Elbfähre wurde 1721 nach dem Bau des Schlosses eingerichtet und diente zunächst ausschließlich dem Transport des Hofstaates zwischen Kleinzschachwitz und Pillnitz. Zunächst nur in den Sommermonaten eingesetzt, verkehrte sie ab 1765 regelmäßig. Für die Fährleute, bis 1911 ausschließlich Pioniere der sächsischen Armee,  wurde am Kleinzschachwitzer Ufer die noch heute erhaltene burgartige Pontonier- Kaserne errichtet. Seit 1849 steht die Pillnitzer Fähre auch der Öffentlichkeit zur Verfügung und ist bis heute die am stärksten frequentierte Fähre in Dresden. 1911 übernahm die Sächsische Dampfschiffahrtsgesellschaft den Fährbetrieb und setzte an Stelle der früheren “fliegenden” Gierseilfähre erstmals eine Motorfähre ein. Neben Fußgängern können in Pillnitz auch Autos über den Fluss transportiert werden. Seit 1994 ist die moderne Schlossfähre als kombinierte Wagen- und Personenfähre im Einsatz.

Weiterführende Literatur und Quellen

Pillnitzer Nachrichten

21. Juli 2010: Aus Anlass des 100. Firmenjubiläums plant die Bäckerei Wippler in Pillnitz die Einrichtung eines Bäckereimuseums. Die Ausstellung soll am Festwochenende 7./8. August öffnen und zeigt historische Gerätschaften des Bäckerhandwerks. Besichtigt werden kann sie in den Räumen der Backwirtschaft im Alten Kammergut, Söbrigener Straße 1.

28. April 2010: An der Lohmener Straße 20 entsteht derzeit ein Neubau für das sächsische Landesamt für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft. Mitte 2011 soll das Funktions- und Werkstattgebäude bezugsfertig sein und dann von den Referaten Gartenbauliches Versuchswesen sowie Pflanzenschutz genutzt werden.

8. Mai 2010: Aus Anlass des 20. Geburtstages der IG Weinbergkirche Pillnitz ist ab 2. Mai bis zum Jahresende eine kleine Ausstellung über die Kirche zu sehen. Informiert wird u.a. über die Sanierung des Bauwerks nach 1990 und die Glockenweihe

25. Februar 2010: Übergabe des nach historischem Vorbild von Mitgliedern des Vereins Arbeit und Lernen neu geschaffenen “unsichtbaren Zauns” im Pillnitzer Schloßpark. Der ca. 300 Meter lange Zaun war im Original 1865 errichtet worden und grenzt den Englischen Garten parallel zur Maillebahn ab.

9. Februar 2010: Im früheren kleinen Wächterhaus im Pillnitzer Schloßpark können künftig Gäste übernachten. Das 1864 für den Schloßportier errichtete Gebäude diente später als Wohnhaus und wurde 2003 saniert.

  Feinste Christollen

5. September 2009: Für den “Goldenen Löwen” haben sich zahlreiche Interessenten gemeldet, die das unter Denkmalschutz stehende Gebäude erwerben und sanieren wollen. Vorgeschlagen werden sowohl eine Hotelanlage als auch der Umbau zu Wohnzwecken.

25. April 2009: Der seit vielen Jahren leer stehende frühere Gasthof “Goldener Löwe” soll verkauft und evtl. künftig als Seniorenwohnanlage genutzt werden. Auch eine gastronomische Nutzung ist möglich. Allerdings wird noch nach einem Käufer und Investor gesucht.

9. September 2008: Die im vergangenen Jahr fertiggestellte Senioren-Wohnanlage der Johann- Carl- Müller Stiftung an der Maillebahn 8 erhält am 25. September den Erlwein-Preis der Stadt Dresden für besondere architektonische Leistungen verliehen. Der moderne Neubau dient als Unterkunft für betreutes Wohnen und an multipler Sklerose erkrankte Patienten. Die Finanzierung übernahm die vom ehemaligen Hausherren Johann Carl Müller ins Leben gerufene Johann-Carl- Müller-Stiftung.

24. Mai 2007: Am Pillnitzer Dorfplatz wird ein wiederhergestellter Brunnen übergeben. Der vom Ortsverein Pillnitz mit Hilfe von Spenden rekonstruierte Brunnen befindet sich oberhalb des hier unterirdisch verlaufenden Friedrichgrundbachs und stellt symbolisch den Verlauf des Gewässers nach. Insgesamt kosteten die Arbeiten ca. 80.000 Euro.
 

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