Der Helfenberger Grund gehört zu den rechtselbischen Seitentälern im Loschwitz -
Pillnitzer Raum und verbindet Niederpoyritz mit dem kleinen Ort Helfenberg. Das Tal war einst Standort einer mittelalterlichen Wehranlage und einer Wassermühle,
aus der Ende des 19. Jahrhunderts die Chemische Fabrik Helfenberg hervorging. Leider wurde das 1735 am Ausgang des Grundes entstandene Herrenhaus des
Niederpoyritzer Rittergutes, später umgebaut und als Schlossvilla bezeichnet, 1984 abgerissen. Einige Nebengebäude werden heute gewerblich genutzt. In den Räumen der ehemaligen Brauerei befinden sich Wohnungen (Foto)
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Burg Helfenberg: Um 1150 entstand auf einer Erhebung über dem Grund die Burg Helfenberg. Die nur wenige 100 m² umfassende
Wehranlage war Sitz einer kleinen Grundherrschaft und wurde 1349 erstmals als “castrum Helfenberg in districtu Dresden
situm” urkundlich erwähnt. Ab 1397 gehörte sie der Familie von Ziegler und wechselte später mehrfach ihren Besitzer.
1445 erwarb die Familie Kundige Burg und Herrschaft Helfenberg, die 1510 an die Familie Karas kam. Zeitweise soll hier
der Raubritter Barbaricy seinen Unterschlupf gehabt haben, um dessen grausame Taten sich eine Sage rankt.
1547 verlegten die neuen Besitzer, die Familie Dehn-Rothfelser, ihren Wohnsitz in das Vorwerk Helfenberg, das spätere
Herrenhaus des Rittergutes. Die Burg bestand jedoch weiter und wurde 1631 erfolglos von den Kroaten angegriffen. Noch
um 1700 wird sie als “altes Schloss” erwähnt, jedoch kaum noch genutzt. Die Ruine diente später der Gewinnung von
Baumaterial für das Rittergut und wurde 1775 weitgehend abgetragen. 1878 erinnerte nur noch ein gotischer Torbogen an
die frühere Burg. Heute sind von dieser Wehranlage nur noch geringe Mauerreste und Teile des Walls erhalten. Chemische Fabrik Helfenberg:
An Stelle der späteren Fabrik existierte bereits im Mittelalter eine Wassermühle, die zum Besitz des Rittergutes Helfenberg gehörte und 1547 mit diesem von Hans von Dehn-Rothfelser
erworben wurde. Die ehemalige Mahlmühle diente zuletzt als Papiermühle und wurde als Hofemühle bezeichnet. 1895 wurde die Mühle abgetragen.
Bereits 1869 hatte Eugen Dieterich diese Papierfabrik im Auftrag der Sächsischen Hypothekenversicherungsanstalt als Verwalter übernommen und stellte hier zunächst
Pergamentpapier, Kunstdärme und andere Spezialpapiere her. Nach Abwicklung der in Liquidation gegangenen Firma übernahm Dieterich 1872 das Unternehmen selbst und baute es
zu einer Fabrik für medizinische Produkte aus. Neben Heftpflaster wurden hier auch verschiedene Tinkturen und Elixiere gefertigt, was zu Protesten etablierter Apotheker führte, die
in der Firma eine unzulässige Konkurrenz sahen. Eugen Dieterich entwickelte selbst zahlreiche neue Präparate und war zugleich Herausgeber einer eigenen Fachzeitschrift
“Helfenberger Annalen”. Regelmäßig nahm er an medizinisch-pharmazeutischen Fachkongressen teil und erwarb sich so
auch als Wissenschaftler einen anerkannten Ruf. Die Fabrik wurde ab 1885 von seinen Söhnen geleitet und nach mehrfacher Erweiterung 1898 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Das nun Chemische Fabrik Helfenberg AG genannte Unternehmen beschäftigte zeitweise über 250 Arbeiter und unterhielt Niederlassungen in London, Paris, New York und
Antwerpen. Zur Fabrik gehörten nach der Jahrhundertwende auch eine eigene Druckerei zur Herstellung der
Verpackungsmaterialien, Tischlerei, Wasser- und Elektrizitätswerk sowie eine Poststelle für den Versand der Artikel in alle Welt.
1951 wurde die Chemische Fabrik Helfenberg enteignet und in mehrere Teilbetriebe aufgegliedert. Ein Zweigbetrieb produzierte unter altem Namen in Wevelinghofen im
Rheinland weiter und kam später zur Chemischen Gesellschaft Rhenania. Der Dresdner Betrieb wurde zunächst als VEB Chemische Fabrik Helfenberg weitergeführt und
später als Montagestätte für Kameras von Pentacon genutzt. Die früheren Produktionsgebäude und die Villa Eugen Dieterichs, an den auch ein Straßenname in
Niederpoyritz erinnert, sind noch erhalten. 1999 entstand hier ein Kunst- und Wohnprojekt, in dem Designer, Werbegrafiker und ein Designmöbelhandel
untergebracht waren. Nach Konkurs dieses Unternehmens 2001 dient das Areal heute gewerblichen Zwecken.
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