Straßen und Plätze in Mickten


 

Altmickten

Als Altmickten wird seit 1904 der frühere Dorfplatz bezeichnet. Um den Platz gruppieren sich die gut erhaltenen Bauernhöfe des Dorfes. Deutlich ist noch die Anlage des slawischen Rundlings erkennbar. Die Gehöfte entstanden in ihrer heutigen Form nach den Dorfbränden von 1823 bzw. 1869 und wurden in den letzten Jahren denkmalgerecht saniert. Zahlreiche Gebäude weisen Fachwerkkonstruktionen in den Obergeschossen auf. An einigen Häusern erinnern Schlusssteine an frühere Besitzer bzw. Ereignisse der Ortsgeschichte.

 

 

Foto: Fachwerkhäuser im alten Micktener Dorfkern - in der Mitte Hausanschrift Scharfenberger Straße 12:
“Eine Wohnung welche hier 230 Jahre gestanden hatte, verzehrte die Flamme nebst 12 andern Häusern der Nacht des 24. März 1823”.

Lindenschänke: Die am Rande Altmicktens am Elbufer gelegene Lindenschänke öffnete 1862 erstmals ihre Pforten und ist seit ihrer Neueröffnung 1998 nicht nur wegen ihres schattigen Biergartens wieder ein beliebtes Ausflugsziel. Ursprünglich ging sie aus dem früher in den meisten Dörfern üblichen Reiheschank hervor. 1862 wurde dieser für 30.000 Taler an Johann Gottlieb Selle verkauft, welcher am 18. Oktober dieses Jahres die Schankgenehmigung erwarb. 1876 ging sie in den Besitz seines Sohnes Wilhelm über und blieb bis 1993 in Familienbesitz.

Das Gasthaus am Elbufer entwickelte sich schnell zum viel besuchten Ausflugslokal und war zugleich Treffpunkt und Versammlungslokal der Dorfbewohner. Während des Zweiten Weltkrieges waren hier französische Zwangsarbeiter untergebracht. Nach mehrjährigem Leerstand erwarb 1997 der bekannte Gastronom Gerd Kastenmeier die Lindenschänke und ließ sie renovieren. Bis heute lädt sie, seit 2010 unter einem neuen Betreiber, im rustikalem Ambiente zum Besuch ein.


An der Flutrinne

Die Straße An der Flutrinne wurde nach 1990 im neuen Wohn- und Gewerbegebiet Kaditz-Mickten angelegt. Gleichzeitig entstand ein umfassendes Netz neuer Nebenstraßen, die die vorgesehene Bebauung der “Landschaftsstadt” Kaditz-Mickten beschleunigen sollten. 1995 erhielten diese die Namen Flößerstraße, Treidlerstraße und Pieschener Straße. Leider scheiterten die Pläne am fehlenden Bedarf und den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Realisiert wurden bislang lediglich eine Wohnzeile direkt an der Flutrinne sowie der Bürobau der Sparkassen-Versicherung.

Foto: An der Flutrinne, links der Neubau der Sparkassenversicherung

Böcklinstraße

Die heutige Böcklinstraße ist Teil des alten Bischofsweges von Meißen nach Stolpen und wurde früher auch als Hohe Straße bezeichnet. Ihren heutigen Namen erhielt sie 1904 nach dem Schweizer Maler Arnold Böcklin (1827-1901), der mit seinen Bildern zu den Vertretern der Neoromantik gehört.

An der Böcklinstraße ist bis heute das erste Micktener Schulhaus erhalten geblieben (Nr. 17), welches seit 1899 nur noch als Wohnhaus dient. Zwischen 1913 und 1928 verkehrte die Straßenbahn nach Mickten über die Böcklinstraße, wurde dann jedoch durch die neue Gleistrasse an der Sternstraße ersetzt. Nach 1945 nutzten die Dresdner Verkehrsbetriebe die Straße zeitweise als Busabstellplatz, welcher 1985 jedoch wegen der Hochwassergefahr aufgegeben wurde.

Dettmerstraße

Die Dettmerstraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts an der Flurgrenze zwischen Mickten, Trachau und Pieschen und wurde damals Feldstraße genannt. Erst nach der Eingemeindung erhielt sie 1904 ihren jetzigen Namen nach dem Hofschauspieler Friedrich Dettmer (1835-1880), der seit 1856 dem Ensemble des Königlichen Hoftheaters angehörte. Neben Emil Devrient gehört Dettmer zu den bedeutendsten Dresdner Theaterpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts.

Dreyßigplatz

Als Dreyßigplatz wird die Platzanlage an der Kreuzung Leipziger Straße, Lommatzscher Straße und Wurzener Straße bezeichnet. Hier befindet sich, in unmittelbarer Nachbarschaft zum 1998 stillgelegten Straßenbahnhof Mickten, auch eine Gleisschleife der Straßenbahn. Seinen Namen erhielt der Platz nach dem Dresdner Hoforganisten Johann Anton Dreyßig (1774-1815), Gründer der Dreyßigschen Singakademie, die sich von 1807 bis zu ihrer Auflösung 1930 der Pflege klassischer Chormusik widmete.

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Franz-Lehmann-Straße

Die Franz-Lehmann-Straße in Neumickten trug ursprünglich den Namen Jägerstraße. Johann Gottfried Jäger hatte viele Jahre das Amt eines Gemeindevorstandes in Mickten ausgeübt. Nach der Eingemeindung des Ortes wurde sie 1903 nach dem bekannten Freiheitskämpfer der Napoleonzeit Lützowstraße genannt. Am 1. Juli 1946 erhielt sie ihren heutigen Namen Franz-Lehmann- Straße. Lehmann (1899-1944) arbeitete in den Zwanziger Jahren im Leuna-Werk und schloss sich 1922 der KPD an. Ab 1933 wohnte er in Dresden-Kaditz. 1944 wurde er als Mitglied der illegalen Widerstandsgruppe um Georg Schumann verhaftet und kam ein Jahr später während des Luftangriffes im Untersuchungsgefängnis am Münchner Platz ums Leben. An Franz Lehmann erinnert auch ein Gedenkstein vor der Micktener Schule.

1916 wurde auf der damaligen Lützowstraße Nr. 5 die Firma Gebrüder Cruse und Co. gegründet, die sich als Spezialfabrik zum Bau elektrischer Steuerapparate etablierte. 1947 wurde der Betrieb enteignet und produzierte unter dem Namen VEB Elektroschaltgerätewerk Dresden verschiedene elektronische Bauteile. In den 70er und 80er Jahren entstanden umfangreiche Neubauten für das nach 1990 geschlossene Werk.

Hauptmannstraße

Die heutige Hauptmannstraße wurde 1899 im Zusammenhang mit dem Bau der 41. Volksschule angelegt und zunächst nach dem “Turnvater” Jahn benannt. Im Zusammenhang mit der Eingemeindung Micktens erfolgte 1904 die Umbenennung der Jahnstraße in Hauptmannstraße. Moritz Hauptmann wurde 1792 in Dresden geboren und wirkte viele Jahre als Komponist und Kantor an der Thomaskirche zu Leipzig.

Herbststraße

Die Herbststraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Bau neuer Wohnviertel in Neumickten und war Teil eines  “Jahreszeitenviertels”. Zu diesem gehörte auch die noch heute vorhandene Winterstraße, während die Sommerstraße in den Dreißiger Jahren in der Lommatzscher Straße aufging. Zuvor war bereits im Zusammenhang mit der Eingemeindung der Vorstadt die ehemalige Frühlingstraße in Wüllnerstraße umbenannt worden. 1993/95 entstand auf dem Areal der früheren Backwarenfabrik “Saxonia” zwischen Stern-, Herbst- und Kötzschenbroder Straße der “Elbvillenpark”.

Homiliusstraße

Ursprünglich wurde diese Straße als Pestalozzistraße bezeichnet. Hier befand sich seit 1899 das neue Micktener Schulhaus, welches die Namensgebung nach dem bekannten Pädagogen erklärt. Nach der Eingemeindung Micktens wurde die Pestalozzistraße 1904 in Homiliusstraße umbenannt. Gottfried August Homilius (1714-1785) wirkte an der Frauenkirche als Organist und war von 1755 bis zu seinem Tod Kreuzkantor und Musikdirektor der Kreuz-, Frauen- und Sophienkirche. Seit 1938 befindet sich an der Homiliusstraße das in einer früheren Villa untergebrachte Gemeindehaus der Micktener Christen. Unweit davon wurde 2006 nach Plänen des Architekten Jens Voigt die kleine Wohnsiedlung “Haselnussgrund” errichtet.

Johann-Georg-Pisendel-Straße

Der zuvor als Abschnitt der Kötzschenbroder Straße betrachtete Abschnitt zwischen Zelenkastraße und An der Elbaue erhielt im März 2008 den Namen Johann-Georg-Pisendel-Straße. Pisendel war im Spätbarock einer der bedeutendsten deutschen Geieger und zeitweise Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle.

 

Kötzschenbroder Straße

 

Lommatzscher Straße

Die Lommatzscher Straße sowie der angrenzende Lommatzscher Platz entstanden in den Dreißiger Jahren im Zusammenhang mit dem Bau neuer Wohnsiedlungen. Namensgeber war die Kleinstadt Lommatzsch im Landkreis Meißen. Die Pläne für die zwischen 1936 und 1941 errichteten Gebäude stammen vom Architekten Steinert. Weitere Wohnhäuser wurden 1955/57 für die Beschäftigten der Micktener und Übigauer Großbetriebe erbaut (Nr. 8-36). Auftraggeber für diesen Wohnkomplex, der von Hans Pistorius und Günther Wild projektiert wurde, war die AWG TRARÖ des VEB Transformatoren- und Röntgenwerkes (Foto).

Ursprünglich befand sich in diesem Bereich der Micktener Flur die Siedlung Klein-Mickten, die nach 1529 zur Wüstung wurde. Nach Aufgabe des Ortes wurden deren Felder von den Bauern Groß-Micktens übernommen, die das sumpfige Areal der “Micktener Alm” vor allem als Weideland nutzten.
 



Overbeckstraße

Die Overbeckstraße war einst Teil des früheren Kirchweges von Mickten nach Kaditz und wurde deshalb ab 1891 Kirchstraße genannt. Die über Micktener und Kaditzer Flur führende Straße erhielt 1904 ihren heutigen Namen nach dem Maler Johann Friedrich Overbeck (1789-1869), der vor allem in Italien tätig war.

Bereits in den Zwanziger Jahren kamen Pläne auf, in diesem Teil Micktens ein großes Gewerbegebiet zu schaffen. Trotz verbesserter Verkehrsanbindung durch den Bau der Flügelwegbrücke konnte die Planungen nur zu einem geringen Teil realisiert werden. 1922/23 gründete die Firma Koch & Sterzel an der Overbeckstraße ihr Zweigwerk Mickten, aus dem nach 1945 der VEB Transformatoren- und Röntgenwerk hervorging. Nach 1933 entstanden außerdem einige Wohnblocks für die Angestellten des Betriebes.

Sternstraße

Ursprünglich lagen im Bereich der heutigen Sternstraße die Felder des Micktener Vorwerks, welches sich ab 1468 im Besitz der Meißner Bischöfe befand. 1864 begann der Ausbau des Ortsteils Neumickten, in dem sich verschiedene Industriebetriebe ansiedelten. Bekannte Fabriken an der Sternstraße waren die Waffelfabrik Gebrüder Hörmann AG (Nr. 35) und Lelanskys Dampfsägewerk (Nr. 12). Die übrigen Flächen wurden bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges mit Arbeiterwohnhäusern bebaut.

Waffelfabrik Hörmann: Das Unternehmen wurde 1895 in Dresden-Altstadt von den Brüdern Max (+ 1919) und Robert Leo Hörmann (+ 1907) gegründet und zwei Jahre später aus Platzgründen von der Liliengasse 26 zur Sternstraße nach Mickten verlegt. Um 1911 gehörte der als Aktiengesellschaft organisierte Betrieb zu den größten Herstellern der Branche in Deutschland. Produziert wurden vor allem Kekse, Baumkuchen und Lebkuchen, später unter dem Markennamen “Alpenstern” auch Waffeln sowie Frucht- und Schokoladenbiskuits. 1911 ließ sich Firmeninhaber Max Hörmann auf der Wilder-Mann-Straße 29 eine noch heute erhaltene Villa errichten.

Nach 1945 wurde die Gebrüder Hörmann AG enteignet und als Betriebsteil in den VEB Waffelfabrik Radebeul integriert. Zeitweise befand sich auf dem Gelände außerdem eine Produktionsstätte für Struves Mineralwasser. Zwischen 1972 und 1990 hatte hier der VEB Dauerbackwaren Dresden seinen Verwaltungssitz. Auf dem Gelände des 1990 vom Bahlsen-Konzern übernommenen, 1992 geschlossenen und später teilweise abgerissenen Unternehmens entstanden 1995/96 Wohnhäuser. Der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex zwischen Stern-, Trachauer und  Kötzschenbroder Straße beherbergt nach seiner Sanierung heute ebenfalls Wohnungen.

 

Fotos: die ehemalige Waffelfabrik nach ihrem Umbau

Dampfsägewerk Lelansky: Das Dampfsägewerk Lelansky wurde 1938 auf dem Grundstück Sternstraße 12 gegründet und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem bedeutenden Betreib der Holzverarbeitung in der Stadt. Neben den Produktionshallen, einem Heizhaus und einem Trockenschuppen existierte auch eine ausgedehnte Feldbahnanlage, welche bis zum Elbufer reichte. Hier wurden die meist aus Böhmen stammenden Holzstämme auf  Loren verladen und dann per elektrisch betriebener Winde direkt zur Weiterverarbeitung befördert. Die Gleise führten dabei sogar durch einen Tunnel unter der Kötzschenbroder Straße, dann am Areal der Waffelfabrik Hörmann vorbei bis zu den Lagerplätzen an der Sternstraße.

Hauptsächlich wurde das hier verarbeitete Holz in der Bauwirtschaft verwendet, teilweise aber auch an die Papierindustrie geliefert. Im Zuge der Reparationsforderungen der Sowjetunion fiel das Sägewerk 1945 unter die Demontagebestimmungen und konnte erst in mehrjähriger Arbeit mühsam wieder aufgebaut werden. Trotzdem gelang es nicht, an die Leistungsfähigkeit der Anfangsjahre anzuknüpfen. Der in die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft überführte Betrieb wurde 1957 in den Besitz der DDR-Staatsbank überführt und kurz darauf geschlossen. Mit der formellen Liquidation endete am 31. Mai 1988 endgültig die Firmengeschichte.

Wüllnerstraße

Die Wüllnerstraße verdankt ihren Namen dem Dresdner Hofkapellmeister Franz Wüllner (1832-1902), der dieses Amt zwischen 1877 und 1882 innehatte. Später lebte er in Berlin und Köln und war dort ab 1884 Direktor des Städtischen Konservatoriums. Zwischen 1896 und 1904 wurde die Straße Frühlingsstraße genannt. Im Ostteil entstand in den letzten Jahren eine kleine Wohnanlage mit Ein- und Mehrfamilienhäusern.

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Zelenkastraße

Die kurze Zelenkastraße wurde 1997 in Verlängerung der Homiliusstraße angelegt und nach dem böhmischen Musiker Jan Dismas Zelenka (1679-1745) benannt. Zelenka wirkte als Kontrabassist und Komponist kirchlicher Musik und war viele Jahre Musiker der kurfürstlichen Hofkapelle in Dresden.

 


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