Eschebach-Werke


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Das Unternehmen wurde 1867 von Carl Eschebach als Klempnerwerkstatt auf der Neuen Gasse 14 in der Pirnaischen Vorstadt gegründet. 1872 begann Eschebach mit der Herstellung von Küchenmöbeln und Haushaltgeräten. Der schnelle wirtschaftliche Erfolg des jungen Unternehmens zwang bereits zwei Jahre später zur Verlegung der Produktionsräume zum Pirnaischen Platz, wenig später in die Gebäude des früheren Garnisonslazaretts in der Neustadt. Ab 1. Mai 1877 wurde die Firma unter dem Namen Eschebach & Haussner geführt. 1886 erwarb Carl Eschebach ein weiteres Werk in Radeberg. Beide Betriebe wurden vier Jahre später zu einer Aktiengesellschaft zusammengeschlossen und nun als “Vereinigte Eschebach´sche Werke AG” bezeichnet. Geleitet wurde das Unternehmen mit Stammsitz in Dresden Carl Eschebach und seinem ehemaligen Prokuristen Richard Schumann. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte der Betrieb ca. 800 Mitarbeiter, überwiegend in der Metallwaren- und in der Holzwarenherstellung. Nur die Hälfte der Erzeugnisse wurde in Deutschland vertrieben, der Rest in alle Welt exportiert.

Briefkopf der Firma Eschebach & Hausner aus der Zeit um 1885

Im Juni 1900 bezog Carl Eschebach einen neu errichteten Gebäudekomplex an der Riesaer Straße in Pieschen. Zu diesem gehörten neben den Produktionsräumen für die Metall- und Holzwaren eine eigene Lackiererei, ein Verwaltungs- und Sozialgebäude und als Herzstück die Kraftzentrale für die Energieversorgung des Werkes. Hier entstanden emaillierte Metallwaren unterschiedlichster Art, vor allem aber Küchenzubehör und Sanitäreinrichtungen wie Eisschränke, Badewannen, Waschbecken u. ä. Beispielhaft waren auch die modernen Sozialräume für die Angestellten, eine Werkskantine und ein 75 m langer Mustersaal (Foto), in dem das gesamte Produktionsprogramm ausgestellt war. Der für seine Verdienste zum Geheimen Kommerzienrat ernannte Firmengründer besaß neben seinen beiden Betrieben auch eine prunkvolle Villa am Albertplatz, die nach Zerstörung 1945 inzwischen wieder aufgebaut ist und von der Volksbank genutzt wird.

Auch nach dem Tod Carl Eschebachs 1905 blieb sein Unternehmen einer der bedeutendsten Hersteller der Branche und beschäftigte zeitweise über 2000 Mitarbeiter. Bedingt durch die rapide wachsende Bevölkerung und den dadurch entstehenden Bedarf an Küchenausstattungen konnten die Umsätze bis zum Ersten Weltkrieg ständig gesteigert werden. Ab 1906 wurden als zweites Standbein auch Schlafzimmermöbel hergestellt. Mehrfach erhielten Entwicklungen des Hauses internationale Auszeichnungen, so auf der Kochkunstausstellung 1905 die Sächsische Staatsmedaille, 1907 die Große Silberne Staatsmedaille der Thüringer Gastgewerbeausstellung und 1911 den Großen Preis der I. Internationalen Hygieneausstellung in Dresden. Weniger erfolgreich verlief die Gründung eines Zweigbetriebes in Aussig, welcher schon wenige Jahre nach dem Produktionsstart 1909 wieder verkauft wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg brach die Erfolgsserie der Eschebach-Werke ab. Trotz mehrfacher Kapitalerhöhungen gelang es nicht, das Unternehmen dauerhaft wirtschaftlich zu stabilisieren. Gründe waren neben des Kapitalverfalls in den Inflationsjahren auch rückgängige Exportzahlen und die zunehmende Konkurrenz von Billiganbietern, was zu einem ständigen Preisverfall führte. Auch die von Fachleuten hoch gelobte Eschebach- Reform- Küche von 1927 konnte deshalb die Schließung des Dresdner Werkes nicht verhindern. 1931 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Radeberg. Die Betriebsgebäude verkaufte man 1931 an die Aktiengesellschaft für Cartonagen-Industrie, die hier fortan verschiedenartige Verpackungsmaterialien herstellte.

Der von größeren Kriegsschäden weitgehend verschont gebliebene Betrieb wurde 1946 enteignet. Den Dresdner Betriebsteil übernahm der VEB Kartonagenindustrie (später VEB Polypack Dresden). 1990 wurde die Produktion in Pieschen eingestellt und das denkmalgeschützte Gebäude Riesaer Straße 5-7 zum Bürohaus umgebaut. Nach 1990 nutzte es die Stadt zeitweise als Sozialrathaus. Außerdem haben hier verschiedene Unternehmen Büroräume gemietet.

In Radeberg stellte die 1946 enteignete und zum volkseigenen Betrieb umgewandelte Firma unter dem traditionellen Namen Eschebach weiterhin Küchenmöbel her. Ab 1972 gehörte das Werk bis zur Privatisierung 1990 zum Möbelkombinat Hellerau. Bereits 1991 musste das Unternehmen jedoch Insolvenz anmelden. Trotz mehrerer Besitzerwechsel gelang es nicht, an die wirtschaftlichen Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen. Nach erneuter Insolvenz wurde die Produktion im April 2004 eingestellt. Erhalten blieben zahlreiche Exponate der nach 1990 zusammengetragenen Werksausstellung, welche die Geschichte des Traditionsbetriebes dokumentiert. Seit 2015 sind Teile der Sammlung, darunter eine der bekannten "Reformküchen" in der Dauerausstellung des Radeberger Heimatmuseums Schloss Klippenstein zu sehen.

 

Fotos: Eschebach-Eisschrank (links) und Eschebach-Küchenschrank aus den 1920er Jahren
(Die rechte Aufnahme wurde von Martin Kraus/Leipzig zu Verfügung gestellt)

 


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