Die katholische Kirchgemeinde Pieschen entstand 1903 als Vikarie der St.-Franziskus-
Xaverius-Kirche Dresden-Neustadt für die zahlreichen zugezogenen Katholiken, die meist aus Böhmen und Schlesien stammten. 1904 wurde sie zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben.
Bereits 1892 war ein “Katholischer Volksverein für Pieschen und Umgebung” gegründet worden, der am 14. Juni 1896 in den Räumen des Ballhauses “Deutscher Kaiser” auf der
Leipziger Straße seinen ersten Gottesdienst abhielt. Ab 1905 fanden die Andachten in einem Raum der katholischen Bürgerschule auf der Leisniger Straße statt.
Nachdem 1909 ein Grundstück an der Rehefelder Straße erworben und am 9. Juni der Grundstein für eine eigene Kirche gelegt worden war, konnte die Gemeinde bereits am 10.
Oktober 1910 die St.-Josefs-Kirche einweihen. Architekt des Eisenbetonbaus war Alexander Tandler, der das Gebäude im neoromanischen Stil mit Anklängen an den Jugendstil gestaltete. Auch im monumentalen Kirchenschiff
fanden sich Jugendstilmotive, meist aus Gips gestaltet. Hinzu kam ein 36 Meter hoher Turm, in dem drei Glocken
läuten. Die beiden älteren stammen von 1930/31, die jüngere aus dem Jahr 1959. Bis zur Fertigstellung des Kirchturms
nannten die Pieschener das für die damalige Zeit ungewöhnlich moderne Gebäude wegen seiner Konstruktion und der Nähe zur Bahnlinie den “katholischen Bahnhof”.
Ursprünglich war das Kircheninnere als dreischiffige Prozessionskirche mit einer halbrunden Apsis im Mittelschiff
gestaltet. Hier befand sich auf einem Treppenpodest der Altar, umgeben von vier Säulen mit Marmorimitation und
einem vergoldeten Stuckbaldachin. Auch die zwei Seitenschiffe besaßen Altäre, welche der Jungfrau Maria und dem
Kirchenpatron St. Josef gewidmet waren. Hinzu kam eine Orgel aus der Dresdner Orgelbauwerkstatt Jehmlich. Die dunklen schlichten Glasfenster, welche nur wenig Licht in den Innenraum ließen, wurden 1945 zerstört.
Da die Akustik- und Lichtverhältnisse im Inneren der Kirche schon bei ihrer Eröffnung kritisiert wurden, entschied sich
die Gemeinde Mitte der 60er Jahre für einen Umbau. Dabei entstanden ab 1970/71 neue Zwischendecken und Wandverkleidungen, um die Bedingungen für die Gottesdienste zu verbessern. Die Neugestaltung des Gotteshauses
übernahm der Architekt Hubert Paul, wobei der bekannte Dresdner Bildhauer Friedrich Press einige Kunstwerke schuf. Gleichzeitig entstanden auf der Rehefelder Straße 59/61 neue Gemeinderäume. Zwischen 1992 und 2000 wurde
auch das Äußere des Gebäudes saniert und eine neue Heizungs- und Elektroanlage eingebaut. Bemerkenswert ist die Altargestaltung von Press zum Thema “Himmlisches Jerusalem” sowie die vom gleichen Künstler geschaffene Sakramentskapelle. Der treppenartige
Altarraum wurde zu einem schräg liegenden Kreis erweitert. Die sechs gemauerten weißen Stelen mit insgesamt zwölf Durchbrüchen und ihren Gesichtern stellen die zwölf
Tore der Stadt Jerusalem und die sie beschützenden Engel dar (Foto). Davor befindet sich der aus Beton gegossene schlichte Altartisch. Erst durch Hinzutreten des Priesters
gerät dieser in den Mittelpunkt des Raumes und verdeutlicht so die Einheit von architektonischer Gestaltung und der religiösen Zeremonie. Weitere Werke von Friedrich
Press sind das Gebetspult (Ambo) im Altarraum, eine Christusfigur aus Beton und Stahl in der Sakramentskapelle und eine Marienplastik an der rechten vorderen Säule im Kirchenraum. Nicht realisiert wurde
bislang die vorgeschlagene Gestaltung der Empore mit Darstellungen aus dem Leben Jesu.
1995 konnte eine 1953 für eine Kirche in Traunstein (Bayern) gebaute Orgel der Firma Rieger in Dienst gestellt
werden. Außerdem sollte die für eine Kirche ungewöhnliche abstrakt-künstlerische Ausgestaltung noch mit passenden
Glasfenstern vervollständigt werden. Ein entsprechender Wettbewerb fand im Frühjahr 2003 statt. Diesen gewann der
Chemnitzer Künstler Michael Morgner mit seiner Darstellung des Menschen in verschiedenen Lebensphasen. Die neuen Fenster sind seit 2008 in der St.-Josefs-Kirche zu sehen. |