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1946 wurde die Yorkstraße in Arno-Lade-Straße umbenannt. Arno Lade (1892-1944), der in Pieschen auf der Wurzener Straße wohnte, gehörte seit 1920 der KPD an und war ab 1924 Stadtrat in Dresden. Außerdem war er Mitglied des Betriebsrates der Dresdner Straßenbahn. Nach 1933 engagierte er sich im antifaschistischen Widerstand und wurde mehrfach verhaftet. 1944 verstarb Arno Lade an den Folgen eines Gestapo-Verhörs im Dresdner Polizeigefängnis. Die Barbarastraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Bebauung der Freiflächen nördlich der Bahnlinie. Am 5. Februar 1878 hatte die Gemeinde Pieschen ein Ortsgesetz erlassen, wonach neue Fabrikbauten in dem Gebiet zwischen Eisenbahn und Großenhainer Straße konzentriert werden sollten. Daraufhin siedelten sich hier bis zur Jahrhundertwende eine Reihe von Unternehmen an, darunter die Nähmaschinenteile-Fabrik Würker. Ihre Namen erhielt die Straße, wohl wegen ihrer Lage im Industriegebiet, nach der Schutzpatronin der Berg- und Hüttenleute und der Artilleristen. Nähmaschinenteilewerk: Der Betrieb wurde 1897 von Karl Würker auf der Großenhainer Straße 109 gegründet. Würker war zuvor als Kontorist in einem Zulieferbetrieb der Nähmaschinenfabrik Seidel & Naumann beschäftigt, machte sich dann jedoch mit einem ehemaligen Arbeitskollegen zusammen selbstständig. Das Unternehmen stellte ebenfalls Teile für Nähmaschinen, vor allem Schiffchen her und wurde 1900 zur Barbarastraße 43 verlegt. Nach 1945 verstaatlicht, entstanden in dem ausgedehnten Gebäudekomplex noch bis 1990 Kleinteile für den Nähmaschinenbau, bevor der Traditionsbetrieb Konkurs anmelden und seine Produktion einstellen musste. Die Bürgerstraße, ursprünglich Feld- bzw. Flurweg, später Schulstraße genannt, erhielt ihren heutigen Namen 1886 im Zusammenhang mit der geplanten Bebauung in diesem Bereich. 1888 konnte das erste Mietshaus bezogen werden. Weitere Gebäude entstanden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in geschlossener Bauweise. Bemerkenswert ist auch das 1912 nach Plänen von Stadtbaurat Erlwein errichtete Wohnhaus Bürgerstraße 12 mit mehreren Kleinwohnungen. Während die oberen Etagen in der Regel Wohnzwecken vorbehalten waren, gab es in den Erdgeschossräumen Geschäfte und kleine Gewerbebetriebe, darunter die Gaststätte “Bürgerhof” (Nr. 29), Kubaschs Badeanstalt (Nr. 33) und den ersten Pieschener Ratskeller (Nr. 77). Mit Fertigstellung des neuen Rathauses wurde diese Gaststätte in neue Räumlichkeiten verlegt. Auch das Eckhaus zur Oschatzer Straße wurde einst gastronomisch genutzt. Ab 1897 befand sich in den Räumen des ersten Pieschener Postamtes die Gaststätte “Zur Post”, die noch bis in die 30er Jahre existierte. Ein weiteres bekanntes Lokal entstand nach 1990 auf der Bürgerstraße 14. Das mehrfach ausgezeichnete Restaurant “ars vivendi” (seit 2006 “Petit Frank”) gilt als eines der besten Feinschmeckerlokale in Dresden.
Foto: Polizeirevier Pieschen an der Bürgerstraße / Ecke Osterbergstraße Die Eschebachstraße, 1911 im Nordteil der Pieschener Flur angelegt, verdankt ihren Namen dem Industriellen Carl Eschebach (1842-1905). Eschebach begann seine berufliche Laufbahn als Klempner und war gründete 1872 die Eschebach-Werke. Das Unternehmen wurde vor allem als Hersteller von Küchenmöbeln und Haushaltwaren bekannt und hatte seinen Stammsitz seit 1900 auf der Riesaer Straße in Pieschen.
Die Hans-Sachs-Straße wurde im Zusammenhang mit dem Bau einer kleinen Wohnsiedlung um 1890 angelegt. Ihren Namen erhielt sie nach dem Dichter Hans Sachs (1494-1576), der durch seine volkstümlich-kritischen Stücke bekannt wurde. Zwischen 1912 und 1914 errichtete hier und an der benachbarten Marienhofstraße der Dresdner Spar- und Bauverein die sogenannten “Palmié-Häuser”. In den Zwanziger Jahren wurden am Straßenrand zahlreiche Gingko-Bäume angepflanzt. Die ursprünglich aus China stammenden Bäume bilden eine der in Sachsen äußerst seltenen Gingko-Alleen und stehen seit 2004 unter Naturschutz.
Die Hubertusstraße geht auf einen alten Verbindungsweg zurück, der vom Pieschener Ortskern in nördlicher Richtung nach Trachenberge führte, wo einst auch Pieschener Bauern Weinberge besaßen. Der Name erinnert an den Schutzpatron der Jäger, den 743 heilig gesprochenen Bischof Hubertus von Lüttich, und entstand vermutlich wegen der Nachbarschaft der Straße zum Heidewald. 1884 wurde im südlichen Teil unmittelbar an der Bahnbrücke der Markusfriedhof angelegt. Die heute als Verkehrsknotenpunkt wichtige Kreuzung Hubertusstraße / Großenhainer Straße trägt seit dem 19. Jahrhundert den Namen Hubertusplatz. Hubertus-Hof: Die Gaststätte entstand in Anlehnung an den Namen Hubertusstraße im Eckhaus Großenhainer Straße 154 und gehörte jahrzehntelang zu den typischen Pieschener Arbeiterlokalen. Zuletzt von der HO betrieben und 1991 privatisiert, wurde der Hubertushof Mitte der 90er Jahre geschlossen. 2000 zog mit dem “Little Habana” eines der ersten kubanischen Lokale Dresdens in die Räume. Die Kleiststraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts beim Bau einer Arbeiterwohnsiedlung im Norden der Pieschener Flur. Mit der Namensgebung wird an den deutschen Dramatiker Heinrich von Kleist (1777-1811) erinnert. Kleist gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Spätklassik und verfasste zahlreiche Dramen und Lustspiele. Im Haus Nr. 10 hatte früher die Firma G. Heyde KG - Werkstätten für Feinmechanik und Optik ihren Sitz. Die Konkordienstraße, die sowohl über Pieschener als auch Neudorfer Flur führt, ist Teil des bereits im Mittelalter existierenden Bischofsweges, der von den Bischöfen bis 1559 auf ihrem Weg von Meißen über Briesnitz nach Stolpen genutzt wurde. 1866 erhielt dieser Weg auf Neudorfer Flur den Namen Concordienstraße, während der Pieschener Teil noch bis zur Eingemeindung Elbstraße genannt wurde. Erst 1906 setzte sich die heutige Schreibweise Konkordienstraße für den gesamten Straßenzug durch. Die Bezeichnung erinnert an die 1577 von Kurfürst August verfasste kirchliche “Concordienformel”, die zur “Eintracht in orthodoxer Rechtgläubigkeit” aufrief und als “Grundgesetz” der lutherischen Lehre gilt. Der Name wurde auch auf den angrenzenden Konkordienplatz sowie die 1875 errichtete, heute jedoch nicht mehr existierende Concordienbrücke über die Bahnanlagen übertragen. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begann die Bebauung der Konkordienstraße mit meist mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern. In der Nr. 48 befand sich bis 1933 das Parteihaus der KPD im Dresdner Nordwesten, welches nach der nationalsozialistischen Machtübernahme als “Braunes Haus” Sitz der NSDAP-Ortsgruppe wurde. Weitere Gebäude beherbergten kleinere Läden, Handwerksbetriebe und die Gaststätte “Concordia” (Nr. 4). 1881 entstand auf dem Grundstück Nr. 12 das Schulhaus der VIII. Bezirksschule (heute 8. Grundschule). Ab 1894 befand sich auf der Konkordienstraße auch der erste Sitz der Dresdner Konsumgenossenschaft.
1905 wurde an der Leisniger Straße die V. Katholische Bezirksschule (Nr. 76) errichtet, die heute von einer Schule für Lernbehinderte genutzt wird (Foto). Zugleich gab es hier eine privat finanzierte Kinderbewahranstalt der Baronin-von-Knorring-Stiftung. Das Gebäude Leisniger Straße 53 diente einst als Vereinshaus des Allgemeinen Turnvereins Dresden-Pieschen. Seit vielen Jahren befindet sich hier die bekannte Tanzschule Graf. An der Fassade erinnert ein Relief des “Turnvaters” Jahn an die einstige Nutzung. Tanzschule Graf: Die Geschichte der wohl bekanntesten Dresdner Tanzschule begann in den 50er Jahren, als die Turniertänzer Werner und Elfriede Graf ihre ersten Anfängerkurse durchführten. Beide waren ab 1954 als Tanzlehrer tätig und übernahmen zwei Jahre später das Training des Dresdner Tanzkreises “Schwarz/Gelb”. Zunächst fanden die Kurse in der “Kakadu-Bar” am Weißen Hirsch statt, bevor 1958 die Räume des ehemaligen Pieschener Turnvereins auf der Leisniger Straße 53 bezogen werden konnten. Neben der Ausbildung von jungen Turniertänzern nahm das Paar auch selbst an zahlreichen Turnieren im In- und Ausland teil und konnte mehrere Meistertitel erringen. Sohn Rainer Graf, der 1964 seine Tanzlehrer-Prüfung ablegte, setzt diese Tradition bis heute fort. Die Tanzschule ist auch Mitinitiator des seit 1970 durchgeführten Tanzfestivals in Dresden. 1996 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes (Foto unten rechts).
Fotos: Blick in die Leisniger Straße - rechts das Gebäude des Pieschener Turnvereins (Tanzschule Graf) Die Mohnstraße verdankt ihren Namen dem früheren Pieschener Lehrer Gottlieb Mohn (1811-1881), der 48 Jahre an der
Pieschener Schule tätig war. Ihren Namen erhielt sie 1889. Hier befand sich einst das größte Bauerngut Pieschens (Nr. 46),
welches auch als Bischofsgut bekannt war. Ursprünglich gehörte es zum Besitz der Meißner Bischöfe, die es als Raststätte auf
dem Weg von Meißen nach Stolpen nutzten. 1899 wurde das Gut zugunsten eines Wohn- und Geschäftshauses abgerissen, in dem sich später viele Jahrzehnte die Gaststätte “Mohnklause” befand. Die Osterbergstraße, bis zur Eingemeindung Pieschens Bergstraße genannt, wurde 1877 angelegt und führte zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch durch Weinberge der Pieschener Bauern. Nach der Jahrhundertwende entstanden auch hier mehrstöckige Mietshäuser. 1879 entstand hier das heute von der 26. Grundschule genutzte Schulhaus.
Foto: 26. Grundschule auf der Osterbergstraße Der 1910 an Stelle einer früheren Kiesgrube angelegte Platz an der Großenhainer Straße trug ursprünglich den Namen Riesaer Platz, wurde jedoch im Dezember 1945 in Pestalozziplatz umbenannt. Der Name erinnert an den bedeutenden Reformpädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), der in seiner 1775 gegründeten Erziehungsanstalt neue humanistische Bildungsideale realisierte.
Um den parkartig gestalteten Pestalozziplatz stehen mehrgeschossige Mietshäuser aus der Zeit um 1900. An der Nordwestseite befand sich früher die beliebte volkstümliche Kneipe “Kanonenschänke” (Foto) , die jedoch schon viele Jahre geschlossen ist. Markantestes Gebäude ist der von Hans Erlwein 1910 entworfene Schulbau der XI. Bürgerschule, der seit 1992 vom Pestalozzi-Gymnasium genutzt wird. Nach 1945 hatte hier zeitweise die sowjetische Stadtkommandantur ihren Sitz.Die heutige Rehefelder Straße, einst Triebe genannt und für den Viehauftrieb der Pieschener Bauern genutzt, erhielt nach ihrem Ausbau Ende des 19. Jahrhunderts den Namen Wasastraße. Mit dieser Namensgebung sollte das schwedische Königshaus, insbesondere die aus dieser Familie stammende sächsische Königin Carola geehrt werden. Um Verwechslungen mit einer gleichnamigen Straße in Strehlen zu verhindern, erfolgte im Zusammenhang mit der Eingemeindung Pieschens die Umbenennung in Rehefelder Straße. Neben Wohnhäusern entstand hier 1910 die katholische St.-Josephs-Kirche.
In den 90er Jahren wurden die zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Industriebauten saniert. So entstand ein moderner Büro- und Geschäftskomplex an der Riesaer Straße 5-7. In dem früheren Fabrikgebäude haben heute das Dresdner Jugend- und das Sozialamt ihren Sitz. An Stelle der 1991 gesprengten alten Malzfabrik errichtete die Frankfurter Firma Calliston GmbH einen weiteren Gebäudekomplex mit einem markanten Büroturm (Foto). Hier sind heute verschiedene Firmen untergebracht; außerdem gibt es mehrere Geschäfte und Gaststätten.
An der Robert-Matzke-Straße haben sich, wie auch in Altpieschen, noch Reste des früheren Dorfkerns erhalten. Am 1803 errichteten Haus Nr. 34 (Foto) erinnert ein offener Laubengang zur Hofseite mit Weinspalier an den früheren Weinbau im Ort. 1925 errichtete eine Baugesellschaft zwischen Moltke- und Wurzener Straße eine Wohnsiedlung in Anlehnung an den Bauhausstil, wobei der Architekt Hans Richter für die Pläne verantwortlich zeichnete.
Die noch erhaltenen Wohnhäuser wurden in den letzten Jahren saniert. Bemerkenswert sind die zwischen 1913 und 1920 entstandenen “Palmié-Häuser” des Dresdner Spar- und Bauvereins zwischen Rückert-, Maxim-Gorki- und Hans-Sachs-Straße Die schmale Schiffsstraße verlief einst zwischen Leipziger und Mohnstraße in der Nähe des alten Dorfkerns. Ihren Namen verdankte sie den hier ansässigen Elbschiffern . Bereits kurz nach 1900 begann der Abriss der meisten Gebäude, da diese nicht mehr den Anforderungen genügten. Nach 1990 wurde die Fläche mit dem neuen Pieschener Stadtteilzentrum “Elbcenter” bebaut. Die Seumestraße in der Nähe des Trachenberger Platzes wurde um 1890 angelegt, als hier eine kleine Wohnsiedlung entstand. Die Straßen der nach einheitlicher Konzeption errichteten Anlage erhielten ihre Namen nach bekannten deutschen Dichtern: Heinrich von Kleist, Hans Sachs, Friedrich Rückert und Johann Gottfried Seume. Seume lebte von 1763 bis 1810 und wurde vor allem durch seinen “Spaziergang nach Syrakus” bekannt.
Zwischen 1890 und 1895 wurde das Areal zwischen Trachenberger Platz und Marienhofstraße (heute Maxim-Gorki-Straße) mit einer kleinen Arbeiterwohnsiedlung bebaut, wobei die neu angelegten Straßen Namen deutscher Dichter erhielten. Auf der Trachenberger Straße 15 gab es zeitweise das Lichtspieltheater “Titania”. Im Nachbarhaus entstand nach 1990 die originelle Gaststätte “Agatha´s Bistro Who dun it?”, deren Ausstattung von Romanen der englischen Kriminalschriftstellerin Agatha Christie inspiriert war. Obwohl das Gebiet rund um den Trachenberger Platz zur Pieschener Flur gehört, wird es heute oft zu Trachenberge gerechnet. Die Wurzener Straße wurde in den 20er Jahren angelegt und nach der Kleinstadt Wurzen bei Leipzig benannt. In diesem damals noch weitgehend unbebautem Gebiet lagen neben Kleingärten auch die Sportplätze des Pieschener Arbeiterturnvereins. Um 1925 entstand nach Entwürfen Hans Richters eine moderne Wohnsiedlung im Bauhausstil. 1928 wurde das Sachsenbad eröffnet, 1929 auf dem Nachbargrundstück das Gebäude der Städtischen Bibliothek. Weitere Wohnblocks folgten bis 1939 im Bereich Wurzener / Dahlener Straße. Die frühere Bürgerschule Wurzener Straße diente später viele Jahre als Poliklinik.
Foto: Hans-Richter-Wohnsiedlung an der Wurzener Straße |
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