Straßen und Plätze in Pieschen

 

Altpieschen

 

Arno-Lade-Straße

Die heutige Arno-Lade-Straße im Pieschener Dorfkern trug ursprünglich den Namen Dorffrieden, wurde jedoch ab 1904 Yorkstraße genannt. Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (1759-1830) schloss als preußischer Generalmajor 1812 die Konvention von Tauroggen, die als Auslöser der antinapoleonischen Befreiungsbewegungen in Deutschland gilt. Mitte der Zwanziger Jahre entstanden zwischen York- und Rehefelder Straße einige Wohnbauten, die von Hans Richter entworfen wurden (Foto). Richter ist vor allem als Architekt der Trachauer Siedlung bekannt.

1946 wurde die Yorkstraße in Arno-Lade-Straße umbenannt. Arno Lade (1892-1944), der in Pieschen auf der Wurzener Straße wohnte, gehörte seit 1920 der KPD an und war ab 1924 Stadtrat in Dresden. Außerdem war er Mitglied des Betriebsrates der Dresdner Straßenbahn. Nach 1933 engagierte er sich im antifaschistischen Widerstand und wurde mehrfach verhaftet. 1944 verstarb Arno Lade an den Folgen eines Gestapo-Verhörs im Dresdner Polizeigefängnis.

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Barbarastraße

Die Barbarastraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Bebauung der Freiflächen nördlich der Bahnlinie. Am 5. Februar 1878 hatte die Gemeinde Pieschen ein Ortsgesetz erlassen, wonach neue Fabrikbauten in dem Gebiet  zwischen Eisenbahn und Großenhainer Straße konzentriert werden sollten. Daraufhin siedelten sich hier bis zur Jahrhundertwende eine Reihe von Unternehmen an, darunter die Nähmaschinenteile-Fabrik Würker. Ihre Namen erhielt die  Straße, wohl wegen ihrer Lage im Industriegebiet, nach der Schutzpatronin der Berg- und Hüttenleute und der Artilleristen.

Nähmaschinenteilewerk: Der Betrieb wurde 1897 von Karl Würker auf der Großenhainer Straße 109 gegründet. Würker war zuvor als Kontorist in einem Zulieferbetrieb der Nähmaschinenfabrik Seidel & Naumann beschäftigt, machte sich dann jedoch mit einem ehemaligen Arbeitskollegen zusammen selbstständig. Das Unternehmen stellte ebenfalls Teile für Nähmaschinen, vor allem Schiffchen her und wurde 1900 zur Barbarastraße 43 verlegt. Nach 1945 verstaatlicht, entstanden in dem ausgedehnten Gebäudekomplex noch bis 1990 Kleinteile für den Nähmaschinenbau, bevor der Traditionsbetrieb Konkurs anmelden und seine Produktion einstellen musste.

Bürgerstraße

Die Bürgerstraße, ursprünglich Feld- bzw. Flurweg, später Schulstraße genannt, erhielt ihren heutigen Namen 1886 im Zusammenhang mit der geplanten Bebauung in diesem Bereich. 1888 konnte das erste Mietshaus bezogen werden. Weitere  Gebäude entstanden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in geschlossener Bauweise. Bemerkenswert ist auch das 1912 nach Plänen von Stadtbaurat Erlwein errichtete Wohnhaus Bürgerstraße 12 mit mehreren Kleinwohnungen.

Während die oberen Etagen in der Regel Wohnzwecken vorbehalten waren, gab es in den Erdgeschossräumen Geschäfte und kleine Gewerbebetriebe, darunter die Gaststätte “Bürgerhof” (Nr. 29), Kubaschs Badeanstalt (Nr. 33) und den ersten Pieschener Ratskeller (Nr. 77). Mit Fertigstellung des neuen Rathauses wurde diese Gaststätte in neue Räumlichkeiten verlegt. Auch das Eckhaus zur Oschatzer Straße wurde einst gastronomisch genutzt. Ab 1897 befand sich in den Räumen des ersten Pieschener Postamtes die Gaststätte “Zur Post”, die noch bis in die 30er Jahre existierte. Ein weiteres bekanntes Lokal entstand nach 1990 auf der Bürgerstraße 14. Das mehrfach ausgezeichnete Restaurant “ars vivendi” (seit 2006 “Petit Frank”) gilt als eines der besten Feinschmeckerlokale in Dresden.

Foto: Polizeirevier Pieschen an der Bürgerstraße / Ecke Osterbergstraße

Kreative Werkstatt Dresden
Galvanohof - Bürgerstrasse 50 - 01127 Dresden
www.kreative-werkstatt.de 


Eschebachstraße

Die Eschebachstraße, 1911 im Nordteil der Pieschener Flur angelegt, verdankt ihren Namen dem Industriellen Carl Eschebach (1842-1905). Eschebach begann seine berufliche Laufbahn als Klempner und war gründete 1872 die Eschebach-Werke. Das Unternehmen wurde vor allem als Hersteller von Küchenmöbeln und Haushaltwaren bekannt und hatte seinen Stammsitz seit 1900 auf der Riesaer Straße in Pieschen.

 

Großenhainer Straße

 

Hans-Sachs-Straße

Die Hans-Sachs-Straße wurde im Zusammenhang mit dem Bau einer kleinen Wohnsiedlung um 1890 angelegt. Ihren Namen erhielt sie nach dem Dichter Hans Sachs (1494-1576), der durch seine volkstümlich-kritischen Stücke bekannt wurde. Zwischen 1912 und 1914 errichtete hier und an der benachbarten Marienhofstraße der Dresdner Spar- und Bauverein die sogenannten “Palmié-Häuser”. In den Zwanziger Jahren wurden am Straßenrand zahlreiche Gingko-Bäume angepflanzt. Die ursprünglich aus China stammenden Bäume bilden eine der in Sachsen äußerst seltenen Gingko-Alleen und stehen seit 2004 unter Naturschutz.

Heidestraße

Die Heidestraße, Rest eines alten Verbindungsweges zwischen Pieschen und der Dresdner Heide, führt durch das Pieschener Fabrikviertel. 1879 hatte die damals noch selbstständige Gemeinde Pieschen das Areal zwischen Eisenbahn und Großenhainer Straße per Ortsgesetz als Industriegebiet ausgewiesen. 1923 eröffnete hier Königs Malzfabrik, die nach 1945 als volkseigene Mälzerei weiterbetrieben wurde. In den ehemaligen Produktionsgebäuden wurde am 1. 12. 1990 das Warenhaus Mälzerei als erstes größeres Dresdner Einkaufszentrum nach der Wende eröffnet. In dem Komplex befinden sich heute mehrere Märkte, Shops und Restaurants (Foto).

 

Druck- und Verlagshaus: Der Gebäudekomplex entstand 1940/41 als Zweigbetrieb der Zeiss-Ikon AG und erhielt den Namen Goehle-Werk. In dem Stahlbetonbau wurden bis  zum Kriegsende Zubehörteile für die Flugzeugindustrie hergestellt, wobei auch zahlreiche Zwangsarbeiter eingesetzt waren. Da die Gebäude 1945 unzerstört blieben, wurde hier bereits im August 1945 die Druckerei der “Sächsischen Volkszeitung” untergebracht. Der Saal des Hauses diente bis März 1946 als Varietétheater “Scala”. Nach Schließung des privaten Theaters übernahm die “Sächsische Zeitung” den Komplex und nutzte ihn viele Jahre als Verlagshaus mit Druckerei. Der später “Karl-Herrmann-Saal” genannte Veranstaltungsraum war in der Nachkriegszeit Kulturhaus des Verlages. Außerdem fanden hier wichtige politische Veranstaltungen, u. a. die letzte Landeskonferenz der KPD und die Gründung der sächsischen FDJ statt. Heute werden die Gebäude als Gründer- und Gewerbehof von verschiedenen Firmen genutzt.

Hubertusstraße

Die Hubertusstraße geht auf einen alten Verbindungsweg zurück, der vom Pieschener Ortskern in nördlicher Richtung nach Trachenberge führte, wo einst auch Pieschener Bauern Weinberge besaßen. Der Name erinnert an den Schutzpatron der Jäger, den 743 heilig gesprochenen Bischof  Hubertus von Lüttich, und entstand vermutlich wegen der Nachbarschaft der Straße zum Heidewald. 1884 wurde im südlichen Teil unmittelbar an der Bahnbrücke der Markusfriedhof angelegt. Die heute als Verkehrsknotenpunkt wichtige Kreuzung Hubertusstraße / Großenhainer Straße trägt seit dem 19. Jahrhundert den Namen Hubertusplatz.

Hubertus-Hof: Die Gaststätte entstand in Anlehnung an den Namen Hubertusstraße im Eckhaus Großenhainer Straße 154  und gehörte jahrzehntelang zu den typischen Pieschener Arbeiterlokalen. Zuletzt von der HO betrieben und 1991 privatisiert, wurde der Hubertushof Mitte der 90er Jahre geschlossen. 2000 zog mit dem “Little Habana” eines der ersten kubanischen Lokale Dresdens in die Räume.

Kleiststraße

Die Kleiststraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts beim Bau einer Arbeiterwohnsiedlung im Norden der Pieschener Flur. Mit der Namensgebung wird an den deutschen Dramatiker Heinrich von Kleist (1777-1811) erinnert. Kleist gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Spätklassik und verfasste zahlreiche Dramen und Lustspiele. Im Haus Nr. 10 hatte früher die Firma G. Heyde KG - Werkstätten für Feinmechanik und Optik ihren Sitz.

Konkordienstraße

Die Konkordienstraße, die sowohl über Pieschener als auch Neudorfer Flur führt, ist Teil des bereits im Mittelalter existierenden Bischofsweges, der von den Bischöfen bis 1559 auf ihrem Weg von Meißen über Briesnitz nach Stolpen genutzt wurde. 1866 erhielt dieser Weg auf Neudorfer Flur den Namen Concordienstraße, während der Pieschener Teil noch bis zur Eingemeindung Elbstraße genannt wurde. Erst 1906 setzte sich die heutige Schreibweise Konkordienstraße für den gesamten Straßenzug durch. Die Bezeichnung erinnert an die 1577 von Kurfürst August verfasste kirchliche “Concordienformel”, die zur “Eintracht in orthodoxer Rechtgläubigkeit” aufrief und als “Grundgesetz” der lutherischen Lehre gilt. Der Name wurde auch auf den angrenzenden Konkordienplatz sowie die 1875 errichtete, heute jedoch nicht mehr existierende Concordienbrücke über die Bahnanlagen übertragen.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begann die Bebauung der Konkordienstraße mit meist mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern. In der Nr. 48 befand sich bis 1933 das Parteihaus der KPD im Dresdner Nordwesten, welches nach der nationalsozialistischen Machtübernahme als “Braunes Haus” Sitz der NSDAP-Ortsgruppe wurde. Weitere Gebäude beherbergten kleinere Läden, Handwerksbetriebe und die Gaststätte “Concordia” (Nr. 4). 1881 entstand auf dem Grundstück Nr. 12 das Schulhaus der VIII. Bezirksschule (heute 8. Grundschule). Ab 1894 befand sich auf der Konkordienstraße auch der erste Sitz der Dresdner Konsumgenossenschaft.

 

Leipziger Straße

 

Leisniger Straße

Die einst als Ringstraße bezeichnete Straße entstand im Zusammenhang mit der zunehmenden Bebauung der Pieschener Flur und bildet den nördlichen Abschluss des Ortskerns in Richtung Bahnlinie. Nach der Eingemeindung wurde sie nach der Kleinstadt Leisnig bei Döbeln in Leisniger Straße umbenannt. 1856 war in diesem Gebiet die Pieschener Windmühle erbaut worden, die allerdings nur bis 1877 existierte.

1905 wurde an der Leisniger Straße die V. Katholische Bezirksschule (Nr. 76) errichtet, die heute von einer Schule für Lernbehinderte genutzt wird (Foto). Zugleich gab es hier eine privat finanzierte Kinderbewahranstalt der Baronin-von-Knorring-Stiftung. Das Gebäude Leisniger Straße 53 diente einst als Vereinshaus des Allgemeinen Turnvereins Dresden-Pieschen. Seit vielen Jahren befindet sich hier die bekannte Tanzschule Graf. An der Fassade erinnert ein Relief des “Turnvaters” Jahn an die einstige Nutzung.

Tanzschule Graf: Die Geschichte der wohl bekanntesten Dresdner Tanzschule begann in den 50er Jahren, als die Turniertänzer Werner und Elfriede Graf ihre ersten Anfängerkurse durchführten. Beide waren ab 1954 als Tanzlehrer tätig und übernahmen zwei Jahre später das Training des Dresdner Tanzkreises “Schwarz/Gelb”. Zunächst fanden die Kurse in der “Kakadu-Bar” am Weißen Hirsch statt, bevor 1958 die Räume des ehemaligen Pieschener Turnvereins auf der Leisniger Straße 53 bezogen werden konnten. Neben der Ausbildung von jungen Turniertänzern nahm das Paar auch selbst an zahlreichen Turnieren im In- und Ausland teil und konnte mehrere Meistertitel erringen. Sohn Rainer Graf, der 1964 seine Tanzlehrer-Prüfung ablegte, setzt diese Tradition bis heute fort. Die Tanzschule ist auch Mitinitiator des seit 1970 durchgeführten Tanzfestivals in Dresden. 1996 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes (Foto unten rechts).

 

Fotos: Blick in die Leisniger Straße - rechts das Gebäude des Pieschener Turnvereins (Tanzschule Graf)

Mohnstraße

Die Mohnstraße verdankt ihren Namen dem früheren Pieschener Lehrer Gottlieb Mohn (1811-1881), der 48 Jahre an der Pieschener Schule tätig war. Ihren Namen erhielt sie 1889. Hier befand sich einst das größte Bauerngut Pieschens (Nr. 46), welches auch als Bischofsgut bekannt war. Ursprünglich gehörte es zum Besitz der Meißner Bischöfe, die es als Raststätte auf dem Weg von Meißen nach Stolpen nutzten. 1899 wurde das Gut zugunsten eines Wohn- und Geschäftshauses abgerissen, in dem sich später viele Jahrzehnte die Gaststätte “Mohnklause” befand.
 

Oschatzer Straße

 

Osterbergstraße

Die Osterbergstraße, bis zur Eingemeindung Pieschens Bergstraße genannt, wurde 1877 angelegt und führte zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch durch Weinberge der Pieschener Bauern. Nach der Jahrhundertwende entstanden auch hier mehrstöckige Mietshäuser. 1879 entstand hier das heute von der 26. Grundschule genutzte Schulhaus.

Foto: 26. Grundschule auf der Osterbergstraße

Pestalozziplatz

Der 1910 an Stelle einer früheren Kiesgrube angelegte Platz an der Großenhainer Straße trug ursprünglich den Namen Riesaer Platz, wurde jedoch im Dezember 1945 in Pestalozziplatz umbenannt. Der Name erinnert an den bedeutenden Reformpädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), der in seiner 1775 gegründeten Erziehungsanstalt neue humanistische Bildungsideale realisierte.

Um den parkartig gestalteten Pestalozziplatz stehen mehrgeschossige Mietshäuser aus der Zeit um 1900. An der Nordwestseite befand sich früher die beliebte volkstümliche Kneipe “Kanonenschänke” (Foto) , die jedoch schon viele Jahre geschlossen ist. Markantestes Gebäude ist der von Hans Erlwein 1910 entworfene Schulbau der XI. Bürgerschule, der seit 1992 vom Pestalozzi-Gymnasium genutzt wird. Nach 1945 hatte hier zeitweise die sowjetische Stadtkommandantur ihren Sitz.

Rehefelder Straße

Die heutige Rehefelder Straße, einst Triebe genannt und für den Viehauftrieb der Pieschener Bauern genutzt, erhielt nach ihrem Ausbau Ende des 19. Jahrhunderts den Namen Wasastraße. Mit dieser Namensgebung sollte das schwedische Königshaus, insbesondere die aus dieser Familie stammende sächsische Königin Carola geehrt werden. Um Verwechslungen mit einer gleichnamigen Straße in Strehlen zu verhindern, erfolgte im Zusammenhang mit der Eingemeindung Pieschens die Umbenennung in Rehefelder Straße. Neben Wohnhäusern entstand hier 1910 die katholische St.-Josephs-Kirche.

Riesaer Straße

Die Riesaer Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts parallel zum Bahndamm angelegt und führt an zahlreichen Industriebetrieben vorbei. U. a. hatte hier seit 1900 die bekannte Küchenmöbelfabrik Eschebach ihren Sitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte der VEB Kartonagenindustrie Dresden (später VEB Polypack) die Gebäude. Später dienten diese zeitweise als Sozialrathaus der Stadt Dresden.

In den 90er Jahren wurden die zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Industriebauten saniert. So entstand ein moderner Büro- und Geschäftskomplex an der Riesaer Straße 5-7. In dem früheren Fabrikgebäude haben heute das Dresdner Jugend- und das Sozialamt ihren Sitz. An Stelle der 1991 gesprengten alten Malzfabrik errichtete die Frankfurter Firma Calliston GmbH einen weiteren Gebäudekomplex mit einem markanten Büroturm (Foto). Hier sind heute verschiedene Firmen untergebracht; außerdem gibt es mehrere Geschäfte und Gaststätten.


Robert-Matzke-Straße

Die Straße im alten Pieschener Dorfkern trug noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges den Namen Moltkestraße nach dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (1800-1891). In der Nachkriegszeit wurde sie in Robert-Matzke- Straße umbenannt. Robert Matzke (1884-1943) gehörte seit 1920 der KPD an und war nach 1933 im illegalen Widerstand gegen die NS-Herrschaft aktiv. Mehrfach verhaftet und verurteilt, verstarb er 1943 an den Folgen eines Gestapo-Verhörs im Dresdner Polizeigefängnis.

An der Robert-Matzke-Straße haben sich, wie auch in Altpieschen, noch Reste des früheren Dorfkerns erhalten. Am 1803 errichteten Haus Nr. 34 (Foto) erinnert ein offener Laubengang zur Hofseite mit Weinspalier an den früheren Weinbau im Ort. 1925 errichtete eine Baugesellschaft zwischen Moltke- und Wurzener Straße eine Wohnsiedlung in Anlehnung an den Bauhausstil, wobei der Architekt Hans Richter für die Pläne verantwortlich zeichnete.

Rückertstraße 

Die Rückertstraße entstand um 1890 im Nordteil der Pieschener Flur, als hier eine kleine Arbeitersiedlung errichtet wurde. Ihren Namen erhielt sie nach dem spätromantischen Dichter Friedrich Rückert (1788-1866). Rückert verfasste vor allem lyrische Werke, die als “Hauspoesie” seinerzeit sehr beliebt waren.

Die noch erhaltenen Wohnhäuser wurden in den letzten Jahren saniert. Bemerkenswert sind die zwischen 1913 und 1920 entstandenen “Palmié-Häuser” des Dresdner Spar- und Bauvereins zwischen Rückert-, Maxim-Gorki- und Hans-Sachs-Straße

Schiffsstraße

Die schmale Schiffsstraße verlief einst zwischen Leipziger und Mohnstraße in der Nähe des alten Dorfkerns. Ihren Namen verdankte sie den hier ansässigen Elbschiffern . Bereits kurz nach 1900 begann der Abriss der meisten Gebäude, da diese nicht mehr den Anforderungen genügten. Nach 1990 wurde die Fläche mit dem neuen Pieschener Stadtteilzentrum “Elbcenter” bebaut.

Seumestraße

Die Seumestraße in der Nähe des Trachenberger Platzes wurde um 1890 angelegt, als hier eine kleine Wohnsiedlung entstand. Die Straßen der nach einheitlicher Konzeption errichteten Anlage erhielten ihre Namen nach bekannten deutschen Dichtern: Heinrich von Kleist, Hans Sachs, Friedrich Rückert und Johann Gottfried Seume. Seume lebte von 1763 bis 1810 und wurde vor allem durch seinen “Spaziergang nach Syrakus” bekannt.

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Torgauer Straße

Die heutige Torgauer Straße trug ursprünglich den Namen Hafenstraße, da sie am 1856-59 angelegten Pieschener Elbhafen endete. Erst nach der Eingemeindung Pieschens erfolgte die Umbenennung in Torgauer Straße nach der Stadt Torgau an der Elbe. Hier befand sich einst auch der alte Dorfgasthof (Nr. 18a), der um 1900 Schauplatz für Konzerte, Bälle und politische Versammlungen war. Ein weiteres Gasthaus befand sich auf der Torgauer Straße 38 und wurde später zu gewerblichen Zwecken umgebaut. Das unter Denkmalschutz stehende Wohnhaus Nr. 25 war zwischen 1902 und 1932 Domizil des Postamtes Dresden N 22 und lässt noch heute seine frühere Bestimmung erkennen. Später diente bis zur Schließung 1991 das Haus Nr. 31 an der Ecke zur Osterbergstraße als Postdienststelle.

Trachenberger Platz

Der Trachenberger Platz sowie die angrenzende Trachenberger Straße wurden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf zuvor gartenbaulich genutztem Gelände angelegt. Bis zur Jahrhundertwende entstanden hier mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser, darunter die frühere Gaststätte “Wettinschlößchen” an der Einmündung Großenhainer Straße. Ab 1891 verkehrte die Straßenbahn über den Trachenberger Platz zum nahegelegenen Betriebshof Trachenberge, in dem heute auch das Dresdner Straßenbahnmuseum sein Domizil hat. 

Zwischen 1890 und 1895 wurde das Areal zwischen Trachenberger Platz und Marienhofstraße (heute Maxim-Gorki-Straße) mit einer kleinen Arbeiterwohnsiedlung bebaut, wobei die neu angelegten Straßen Namen deutscher Dichter erhielten. Auf der Trachenberger Straße 15 gab es zeitweise das  Lichtspieltheater “Titania”. Im Nachbarhaus entstand nach 1990 die originelle Gaststätte “Agatha´s Bistro Who dun it?”, deren Ausstattung von Romanen der englischen Kriminalschriftstellerin Agatha Christie inspiriert war. Obwohl das Gebiet rund um den Trachenberger Platz zur Pieschener Flur gehört, wird es heute oft zu Trachenberge gerechnet.

Wurzener Straße

Die Wurzener Straße wurde in den 20er Jahren angelegt und nach der Kleinstadt Wurzen bei Leipzig benannt. In diesem damals noch weitgehend unbebautem Gebiet lagen neben Kleingärten auch die Sportplätze des Pieschener Arbeiterturnvereins. Um 1925 entstand nach Entwürfen Hans Richters eine moderne Wohnsiedlung im Bauhausstil. 1928 wurde das Sachsenbad eröffnet, 1929 auf dem Nachbargrundstück das Gebäude der Städtischen Bibliothek. Weitere Wohnblocks folgten bis 1939 im Bereich Wurzener / Dahlener Straße. Die frühere Bürgerschule Wurzener Straße diente später viele Jahre als Poliklinik.

Foto: Hans-Richter-Wohnsiedlung an der Wurzener Straße


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