Die Wilder-Mann-Straße war einst Teil eines Weges, der vom Dorfkern auf die Weideflächen am Trachenberg führte und deshalb “Triebe” genannt wurde. Später wurde der Weg zum Fahrweg nach dem “Wilden Mann”
ausgebaut und um 1890 Moritzburger Straße benannt. 1902 erfolgte die Umbenennung in Wilder-Mann-Straße.
Als erstes Haus an dieser Straße entstand 1899 das Trachauer Gemeindeamt (Nr. 5), welches zugleich Wohnhaus des Gemeindevorstandes war. Für die Bauausführung wurden der Trachauer
Baumeister Carl Frey und der Dresdner Architekt Gustav Hänichen gewonnen. Die abseitige Lage vom Dorfkern war bewusst gewählt worden, um auch in diesem Gebiet die Bautätigkeit zu fördern.
Bis zur Fertigstellung des neuen Gemeindeamtes hatte sich der Gemeinderat im “Goldenen Lamm”, im “Trachauer Ratskeller” und im Wohnhaus Alttrachau Nr. 1 getroffen. Nach der Eingemeindung des Ortes 1903 wurde das
Gemeindeamt zunächst als Kassenstelle und Standesamt, später nur noch als Wohngebäude genutzt (Foto links). Unmittelbar gegenüber errichtete der Dresdner
Stadtbaurat Hans Erlwein 1912 das Wohnhaus Wilder-Mann-Straße 6/8. Bemerkenswert sind auch zahlreiche Villen an dieser Straße, die teilweise Jugendstilformen zeigen.
Im Hintergebäude des Hauses Nr. 11/13 hatte seit 1914 die Firma Melitta Benz
ihren Sitz. Die Inhaberin hatte 1910 den Kaffeefilter erfunden, den sie in Trachau industriell herstellen ließ. Nach dem Einstieg ihres Sohnes Willy ändete sich der
Firmenname in den Zwanziger Jahren in Filtrierpapier- und Kartonnagenfabrik Bentz & Sohn. 1929 verlegte das
Unternehmen seinen Firmensitz nach Minden in Westfalen. Das Gebäude war später viele Jahre Schulhort der 56. Oberschule.
 
Fotos:
Wohnhäuser an der WilderMann-Straße - links das von Erlwein entworfene Wohnhaus Nr. 6/8, die Bilder in der Mitte und rechts zeigen typische Villen des Stadtviertels |
Villa “Alpenstern” (Nr. 29): Die Villa der Ecke zur Kronenstraße entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg für den
Unternehmer Max Ludwig Hörmann. Hörmann war Mitbegründer der Keks-, Waffel- und Schokoladenfabrik Gebrüder Hörmann AG, die zu den bedeutendsten Firmen der Branche in Deutschland gehörte. Nach seinem Tod erwarb in den
Zwanziger Jahren der Sägewerksbesitzer Johann Lelansky das Haus und nutzte es als Wohnung. Ab 1945 befand sich hier zeitweise die sowjetische Ortskommandantur für Trachau und Trachenberge. Später wurde das Gebäude als
Möbellager genutzt und 1958 zum Kindergarten umgebaut. Bis 1995 diente die Villa als Kindertagesstätte, welche
jedoch dann wegen bestehenden Rückübertragungsansprüchen am Grundstück geschlossen werden musste. Das zuletzt leerstehende Haus wurde 2008 saniert und beherbergt heute Eigentumswohnungen. |